BasisBibel (BB)
137

Im fernen Babylon

1371An den Kanälen137,1 Kanäle: Künstlich angelegte Flüsse, durch die Wasser aus dem Eufrat in die Stadt geleitet wurde. von Babylon137,1 Babylon: Hauptstadt Babyloniens. Nach der Eroberung Jerusalems 586 v. Chr. wurden viele Bewohner dorthin verschleppt.

da saßen wir und weinten,

als wir an den Zion137,1 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. dachten.

2Unsere Leiern137,2 Leier: Musikinstrument mit bis zu 10 Saiten, die gezupft wurden. hatten wir weggehängt

an die Pappeln mitten in der Stadt.

3Denn dort verlangten unsere Bewacher:

Wir Kriegsgefangenen sollten singen.

Unsere Peiniger zwangen uns zur Fröhlichkeit:

»Singt uns eines von euren Zionsliedern!«

4Doch wie könnten wir für den Herrn137,4 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. singen

in einem Land, das fremden Göttern dient?

5Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem137,5 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört.,

soll meine Hand das Saitenspiel137,5 Saitenspiel: Musik, die auf Saiteninstrumenten wie Harfe oder Leier gespielt wird. verlernen!

6Meine Zunge soll am Gaumen kleben,

wenn ich mich nicht an dich erinnere –

wenn ich nicht in mir wachrufe,

dass Jerusalem der Gipfel meiner Freude ist!

7Erinnere dich, Herr, was die Edomiter137,7 Edom: Nachbarstaat Israels im Süden. taten

an dem Tag, als Jerusalem137,7 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. erobert wurde!

Sie riefen: »Reißt sie nieder, die Stadt!

Reißt sie nieder, bis auf die Grundmauern!«

8Tochter Babylon137,8 Tochter Babylon: Poetischer Ausdruck für die Stadt Babylon, der an die Bezeichnung Jerusalems als Tochter Zion erinnert., du Zerstörerin!

Glücklich sei137,8 glücklich sei: Die Betenden wünschen sich, dass den Babyloniern die Grausamkeiten heimgezahlt werden, die die Bewohner Jerusalems im Krieg erleiden mussten., wer dir heimzahlt,

was du uns angetan hast.

9Glücklich sei, wer deine Kinder packt

und sie am Felsen zerschmettert.

138

Dank für Gottes Verheißung

1381VON DAVID138,1 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete..

Ich danke dir von ganzem Herzen.

Ich will dich mit Liedern preisen

vor der versammelten Götterschar138,1 Götterschar: Man stellte sich vor, dass Gott im Himmel thront und von anderen Göttern umgeben war, die zur himmlischen Versammlung gehören..

2Ich bete in Richtung deines heiligen Tempels138,2 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte..

Ich will dir danken für deinen Namen138,2 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum.,

der für deine Güte und Treue steht.

Denn du hast eine große Verheißung gegeben,

wie es deinem Namen entspricht.

3Als ich zu dir rief, gabst du mir Antwort

und hast meinem Leben neue Kraft gegeben.

4Es danken dir, Herr138,4 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., alle Könige der Welt.

Denn sie hören die Worte aus deinem Mund.

5Sie sollen singen von den Wegen des Herrn:

»Groß ist der Herr in seiner Herrlichkeit138,5 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor..

6Hoch ist der Herr, aber er sieht den Geringen.

Er thront in der Höhe, doch er nimmt alles wahr.«

7Wenn ich mitten durch Gefahren gehen muss,

erhältst du mich am Leben.

Wenn meine Feinde vor Zorn toben,

streckst du deine Hand aus und rettest mich.

8Der Herr bringt meine Sache zum guten Ende.

Deine Güte, Herr, bleibt für immer bestehen.

Lass nicht ab von allem, was deine Hände tun.

139

Gott kennt mich

1391FÜR DEN CHORLEITER.

VON DAVID139,1 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete., EIN PSALM.

Herr139,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr., du hast mich erforscht

und kennst mich genau.

2Ob ich sitze oder stehe: Du weißt es.

Meine Absicht erkennst du von fern.

3Ob ich gehe oder ruhe: Du merkst es.

Alle meine Wege sind dir bekannt.

4Noch liegt mir kein Wort auf der Zunge,

schon weißt du, Herr, was ich sagen will.

5Von hinten und von vorn hast du mich umfasst

und hast deine Hand auf mich gelegt.

6Zu wunderbar ist dieses Wissen für mich.

Es ist mir zu hoch: Ich kann es nicht begreifen.

7Wohin könnte ich gehen vor deinem Geist139,7 Geist Gottes: Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt.,

wohin fliehen vor deiner Gegenwart?

8Würde ich in den Himmel139,8 Himmel: Höchster Punkt der mythischen Welt. steigen: Du bist dort.

Würde ich mich in der Unterwelt139,8 Unterwelt: Tiefster Punkt der mythischen Welt. verstecken:

Dort bist du auch.

9Würde ich hochfliegen, wo das Morgenrot leuchtet139,9 wo das Morgenrot leuchtet: Meint den äußersten Osten der Welt.,

mich niederlassen, wo die Sonne im Meer versinkt139,9 wo die Sonne im Meer versinkt: Meint den äußersten Westen der Welt.:

10Selbst dort nimmst du mich an die Hand

und legst deinen starken Arm um mich.

11Da sagte ich: »Finsternis komme über mich!

Nacht soll mich umhüllen wie sonst das Licht!«

12Doch für dich ist die Finsternis nicht finster,

und die Nacht leuchtet so hell wie der Tag:

Finsternis ist für dich wie das Licht.

13Ja, du hast meine Nieren139,13 Nieren: Sitz innerer Gefühlsregungen und des Gewissens. geschaffen,

mich im Bauch meiner Mutter gebildet.

14Ich danke dir und staune,

dass ich so wunderbar geschaffen bin.

Ich weiß, wie wundervoll deine Werke sind.

15Nichts war dir unbekannt am Aufbau meines Körpers,

als ich im Verborgenen geschaffen wurde –

ein buntes Gewebe139,15 buntes Gewebe: Gott, der Schöpfer, wird hier als Handwerker vorgestellt, der den Körper »herstellt« wie ein Weber den Stoff auf seinem Webrahmen. in den Tiefen der Erde.

16Ich hatte noch keine Gestalt gewonnen,

da sahen deine Augen schon mein Wesen.

Ja, alles steht in deinem Buch139,16 dein Buch: Dahinter steht der Gedanke, dass Gott ein Buch über alle Menschen führt. geschrieben:

Die Tage meines Lebens sind vorgezeichnet,

noch ehe ich zur Welt gekommen bin.

17Wie kostbar sind für mich deine Gedanken, Gott!

Wie zahlreich sind sie doch in ihrer Summe!

18Wollte ich sie zählen: Es sind mehr als der Sand.

Würde ich erwachen: Noch immer bin ich bei dir.

19Ach Gott! Ich wünschte mir, dass du die Frevler139,19 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. tötest!

Und ihr Mörder, lasst mich doch endlich in Ruhe!

20Ja, sie widersetzen sich dir in böser Absicht,

voller Tücke erheben sie sich – deine Feinde!

21Sie hassen dich, Herr. Sollte ich sie nicht hassen?

Sollte ich deine Widersacher nicht verabscheuen?

22Ja, ich hasse sie mit aller Leidenschaft.

Zu Feinden sind sie für mich geworden.

23Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz139,23 Herz: Sitz des Verstandes und des Willens.!

Verstehe mich und begreife, was ich denke!

24Sieh doch, ob ich auf einem falschen Weg139,24 falscher Weg: Bild für eine Lebensweise, die nicht Gottes Willen entspricht. bin,

und führe mich auf dem Weg, der Zukunft hat!