Das Gleichnis von den Brautjungfern
»Wenn das Himmelreich kommt,
wird es sein wie folgendes Gleichnis:
Zehn Brautjungfern nahmen ihre Fackeln
und gingen hinaus, um den Bräutigam zu empfangen.
Fünf von ihnen waren dumm,
die anderen fünf waren klug.
Die dummen Brautjungfern nahmen zwar
ihre Fackeln mit, aber kein Öl.
Die klugen Brautjungfern dagegen nahmen
zusammen mit ihren Fackeln auch Krüge mit Öl mit.
Doch der Bräutigam verspätete sich.
Die Brautjungfern wurden müde und schliefen ein.
Mitten in der Nacht weckte sie der Ruf:
›Seht doch! Der Bräutigam kommt!
Geht hinaus, um ihn in Empfang zu nehmen!‹
Da standen alle Brautjungfern auf
und machten ihre Fackeln bereit.
Die dummen Brautjungfern sagten zu den klugen:
›Gebt uns von eurem Öl,
sonst gehen unsere Fackeln sofort wieder aus!‹
Aber die klugen Brautjungfern antworteten:
›Das geht nicht.
Das Öl reicht nicht für uns und euch!
Geht doch zu den Händlern
und kauft euch selbst welches.‹
Die dummen Brautjungfern gingen los,
um Öl zu kaufen.
Inzwischen traf der Bräutigam ein.
Die klugen Brautjungfern, die vorgesorgt hatten,
gingen mit ihm zum Hochzeitsfest.
Hinter ihnen wurde die Tür geschlossen.
Später kamen die anderen Brautjungfern nach.
Sie riefen: ›Herr, Herr, mach uns auf!‹
Aber der Bräutigam antwortete:
›Amen, das sage ich euch: Ich kenne euch nicht.‹
Bleibt also wachsam!
Denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde,
in der der Menschensohn wiederkommt.«
Das Gleichnis vom anvertrauten Geld
»Es ist wie bei einem Mann, der verreisen wollte.
Vorher rief er seine Diener zusammen
und vertraute ihnen sein Vermögen an.
Dem einen gab er fünf Talente,
einem anderen zwei Talente
und dem dritten ein Talent –
jedem nach seinen Fähigkeiten.
Dann reiste der Mann ab.
Der Diener mit den fünf Talenten
fing sofort an, mit dem Geld zu wirtschaften.
Dadurch gewann er noch einmal fünf Talente dazu.
Genauso machte es der mit den zwei Talenten.
Er gewann noch einmal zwei Talente dazu.
Aber der Diener mit dem einen Talent
ging weg und grub ein Loch in die Erde.
Dort versteckte er das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kam der Herr der drei Diener zurück
und wollte mit ihnen abrechnen.
Zuerst kam der Diener,
der fünf Talente bekommen hatte.
Er brachte die zusätzlichen fünf Talente mit
und sagte: ›Herr, fünf Talente hast du mir gegeben.
Sieh nur, ich habe noch einmal fünf dazugewonnen.‹
Sein Herr sagte zu ihm: ›Gut gemacht!
Du bist ein tüchtiger und treuer Diener.
Du hast dich bei dem Wenigen als zuverlässig erwiesen.
Darum werde ich dir viel anvertrauen.
Komm herein!
Du sollst beim Freudenfest deines Herrn dabei sein!‹
Dann kam der Diener,
der zwei Talente bekommen hatte.
Er sagte: ›Herr, zwei Talente hast du mir gegeben.
Sieh doch, ich habe noch einmal zwei dazugewonnen.‹
Da sagte sein Herr zu ihm: ›Gut gemacht!
Du bist ein tüchtiger und treuer Diener.
Du hast dich bei dem Wenigen als zuverlässig erwiesen.
Darum werde ich dir viel anvertrauen.
Komm herein!
Du sollst beim Freudenfest deines Herrn dabei sein.‹
Zum Schluss kam auch der Diener,
der ein Talent bekommen hatte, und sagte:
›Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist.
Du erntest, wo du nicht gesät hast,
und du sammelst ein, wo du nichts ausgeteilt hast.
Deshalb hatte ich Angst.
Also ging ich mit dem Geld weg
und versteckte dein Talent in der Erde.
Sieh doch, hier hast du dein Geld zurück!‹
Sein Herr antwortete:
›Du bist ein schlechter und fauler Diener!
Du wusstest,
dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe,
und einsammle, wo ich nichts ausgeteilt habe.
Dann hättest du mein Geld zur Bank bringen sollen.
So hätte ich es bei meiner Rückkehr
wenigstens mit Zinsen zurückbekommen.
Nehmt ihm das Talent weg
und gebt es dem, der die zehn Talente hat!
Denn wer etwas hat,
dem wird noch viel mehr gegeben –
er bekommt mehr als genug.
Doch wer nichts hat,
dem wird auch das noch weggenommen, was er hat.
Werft diesen nichtsnutzigen Diener
hinaus in die Finsternis.
Dort gibt es nur Heulen und Zähneklappern!‹«
Wonach der Menschensohn die Menschen beurteilt
»Der Menschensohn wird wiederkommen
in seiner Herrlichkeit mit allen Engeln.
Dann wird er sich auf seinen Herrscherthron setzen.
Alle Völker werden vor dem Menschensohn versammelt.
Er wird sie in zwei Gruppen aufteilen – wie ein Hirte,
der die jungen Ziegenböcke von der Herde trennt.
Die Herde wird er rechts von sich aufstellen
und die jungen Ziegenböcke links.
Dann wird der König zu denen rechts von sich sagen:
›Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet!
Nehmt das Reich in Besitz,
das Gott seit der Erschaffung der Welt
für euch vorbereitet hat.
Denn ich war hungrig,
und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich war durstig,
und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich war ein Fremder,
und ihr habt mich als Gast aufgenommen.
Ich war nackt,
und ihr habt mir Kleider gegeben.
Ich war krank,
und ihr habt euch um mich gekümmert.
Ich war im Gefängnis,
und ihr habt mich besucht.‹
Dann werden die Gerechten fragen:
›Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
und haben dir zu essen gegeben?
Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?
Wann warst du ein Fremder
und wir haben dich als Gast aufgenommen?
Wann warst du nackt
und wir haben dir Kleider gegeben?
Wann warst du krank oder im Gefängnis
und wir haben dich besucht?‹
Und der König wird ihnen antworten:
›Amen, das sage ich euch:
Was ihr für einen meiner Brüder
oder eine meiner Schwestern getan habt
– und wenn sie noch so unbedeutend sind –,
das habt ihr für mich getan.‹
Dann wird er zu denen links von sich sagen:
›Geht weg von mir! Gott hat euch verflucht.
Ihr gehört in das ewige Feuer,
das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist.
Denn ich war hungrig,
und ihr habt mir nichts zu essen gegeben.
Ich war durstig,
und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben.
Ich war ein Fremder,
und ihr habt mich nicht als Gast aufgenommen.
Ich war nackt,
und ihr habt mir keine Kleider gegeben.
Ich war krank und im Gefängnis,
und ihr habt euch nicht um mich gekümmert.‹
Dann werden auch sie antworten:
›Herr, wann haben wir dich hungrig
oder durstig gesehen?
Oder als Fremden oder nackt
oder krank oder im Gefängnis?
Wann haben wir nicht für dich gesorgt?‹
Da wird er ihnen antworten:
›Amen, das sage ich euch:
Was ihr für andere nicht getan habt
– und wenn sie noch so unbedeutend waren –,
das habt ihr für mich nicht getan!‹
Auf diese Menschen wartet die ewige Strafe.
Aber die Gerechten empfangen das ewige Leben.«