Gideons Sohn Abimelech
Abimelech greift nach der Königswürde
Abimelech, der Sohn des Jerubbaal, ging nach Sichem
zu den Brüdern seiner Mutter.
Er sagte zu ihnen und zu allen Verwandten,
die zur Großfamilie seiner Mutter gehörten:
»Redet ganz offen mit den Herren der Stadt Sichem:
Was ist besser für euch?
Sollen 70 Männer über euch herrschen,
nämlich alle Söhne des Jerubbaal?
Oder soll nur ein einziger Mann über euch herrschen?
Wenn ihr euch entscheidet, dann denkt daran:
Ich bin euer Fleisch und Blut!«
Da redeten die Brüder seiner Mutter ganz offen
mit den Herren der Stadt Sichem über Abimelech.
Als sie alle Vorteile seines Königtums genannt hatten,
ließen sich die Leute von Sichem begeistern.
Und so stellten sie sich hinter Abimelech.
Denn sie sagten: »Er ist einer von uns!«
Daraufhin gaben sie ihm 70 Silberstücke
aus dem Tempel ihres Gottes Baal-Berit.
Mit diesem Geld stellte Abimelech eine Truppe zusammen.
Die Männer aber, die er angeworben hatte,
hatten nichts zu verlieren und waren zu allem fähig.
Mit ihnen zog er nach Ofra zum Haus seines Vaters.
Dort tötete er seine Brüder, die Söhne des Jerubbaal.
Die 70 Männer wurden auf einem Felsblock
wie die Opfertiere abgeschlachtet.
Nur Jotam, der jüngste Sohn des Jerubbaal, blieb übrig.
Denn der hatte sich versteckt.
Dann versammelten sich die Herren der Stadt Sichem
und alle Leute, die im Schutz der Burg wohnten.
Sie gingen zu dem Kultstein in Sichem,
der unter einer Terebinthe stand.
Dort machten sie Abimelech zum König.
Jotam erzählt eine Pflanzenfabel
Als man Jotam davon berichtete,
stieg er auf den Berg Garizim.
Dort stellte er sich auf den Gipfel
und rief ihnen mit lauter Stimme zu:
Hört auf mich, ihr Herren der Stadt Sichem!
Dann wird auch Gott auf euch hören.
Einst zogen die Bäume los.
Sie wollten einen König über sich salben.
Also sagten sie zum Olivenbaum:
»Sei du unser Herrscher!«
Doch der Olivenbaum antwortete ihnen:
»Soll ich denn keine Oliven mehr hervorbringen?
Mit ihrem Öl werden Götter und Menschen geehrt.
Nein, ich will nicht über den Bäumen schweben!«
Da sagten die Bäume zum Feigenbaum:
»Auf, sei du unser Herrscher!«
Doch der Feigenbaum antwortete ihnen:
»Soll ich denn keine Feigen mehr hervorbringen?
Die Früchte sind süß und schmecken köstlich.
Nein, ich will nicht über den Bäumen schweben!«
Da sagten die Bäume zum Weinstock:
»Auf, sei du unser Herrscher!«
Doch der Weinstock antwortete ihnen:
»Soll ich denn keine Trauben mehr hervorbringen?
Mit ihrem Saft werden Götter und Menschen erfreut.
Nein, ich will nicht über den Bäumen schweben!«
Schließlich sagten alle Bäume zum Dornbusch:
»Auf, sei du unser Herrscher!«
Da antwortete der Dornbusch den Bäumen:
»Ist das euer Ernst?
Wollt ihr mich wirklich zum König über euch salben?
Dann kommt und sucht Schutz in meinem Schatten!
Sonst soll Feuer von meinen Dornen ausgehen
und die Zedern vom Libanon fressen!«
Jetzt frage ich euch, ihr Herren von Sichem:
»Ist das euer Ernst?
Habt ihr wirklich aufrichtig gehandelt,
als ihr Abimelech zum König gemacht habt?
Habt ihr euch gut gegenüber Jerubbaal verhalten
und gegenüber seiner Familie?
Habt ihr es ihm gedankt, was er getan hat?
Mein Vater hat doch für euch gekämpft.
Er hat sein Leben dafür eingesetzt,
euch aus der Gewalt der Midianiter zu befreien.
Heute seid ihr zu weit gegangen,
als ihr euch gegen mein Vaterhaus erhoben habt.
Ihr habt seine Söhne getötet,
70 Männer abgeschlachtet auf einem Felsblock.
Ihr habt Abimelech, den Sohn seiner Sklavin,
zum König über die Stadt Sichem gemacht –
und das nur, weil er mit euch verwandt ist.
Ist das euer Ernst?
Habt ihr euch wirklich aufrichtig verhalten
gegenüber Jerubbaal und seiner Familie?
Wenn es so ist,
dann werdet glücklich mit Abimelech und er mit euch.
Wenn es aber nicht so ist,
dann soll Feuer von Abimelech ausgehen.
Es soll die Herren der Stadt Sichem fressen
und die Leute, die im Schutz der Burg wohnen.
Aber auch umgekehrt soll Feuer ausgehen
von den Herren der Stadt Sichem und ihrer Burg.
Und dieses Feuer soll Abimelech fressen.«
Danach ergriff Jotam die Flucht.
Er ging nach Beer und ließ sich dort nieder,
in sicherer Entfernung von seinem Bruder Abimelech.
Erste Streitigkeiten zwischen Sichem und Abimelech
Abimelech herrschte drei Jahre über Israel.
Doch dann stiftete Gott Unfrieden
zwischen Abimelech und den Herren der Stadt Sichem.
Und so begannen die Herren der Stadt Sichem,
mit Abimelech ein falsches Spiel zu treiben.
Auf diese Weise sollte der Mord Abimelechs
an den 70 Söhnen des Jerubbaal bestraft werden.
Das Blut seiner Brüder, das Abimelech vergossen hatte,
sollte auf ihn zurückfallen.
Auch die Herren von Sichem sollten ihre Strafe bekommen.
Denn sie hatten ihn dabei unterstützt,
seine Brüder umzubringen.
Die Herren der Stadt Sichem hatten also die Absicht,
Abimelech zu schaden.
Dazu legten sie einen Hinterhalt in den Bergen.
Kam nun einer über den Pass und an ihnen vorbei,
raubten sie ihn aus.
Doch Abimelech erfuhr davon.
Sichem erhebt sich gegen Abimelech
Damals kam Gaal, der Sohn des Obed,
mit seinen Leuten in die Gegend.
Als er auch nach Sichem kam,
fassten die Herren der Stadt Vertrauen zu ihm.
Gemeinsam gingen sie hinaus aufs Feld
und ernteten Trauben in ihren Weinbergen.
Dann pressten sie die Trauben in der Kelter
und feierten ein Winzerfest.
Als sie zum Haus ihres Gottes kamen,
aßen sie und tranken und verfluchten Abimelech.
Gaal, der Sohn des Obed, sagte:
»Wer ist schon Abimelech?
Hat es denn die Stadt Sichem nötig,
ihm als Sklaven zu dienen?
Er ist doch nur der Sohn des Jerubbaal,
und Sebul ist nur sein Kommandant,
den er in der Stadt eingesetzt hat.
Richtig wäre es, den Nachkommen Hamors zu dienen.
Denn Hamor ist der Stammvater von Sichem.
Warum also sollten wir es nötig haben,
ihm als Sklaven zu dienen?
Hätte ich den Befehl über dieses Volk,
würde ich Abimelech davonjagen.
Ich würde ihn herausfordern:
Zieh deine Truppen zusammen und stell dich dem Kampf!«
Sebul, dem Stadtkommandanten, kam zu Ohren,
was Gaal, der Sohn des Obed, geredet hatte.
Da wurde er sehr zornig.
Sofort schickte er heimlich Boten zu Abimelech:
»Gaal, der Sohn des Obed, ist mit seinen Landsleuten
nach Sichem gekommen.
Jetzt hetzt er die Stadt gegen dich auf.
Komm im Schutz der Nacht mit deinem Kriegsvolk
und versteck dich draußen auf dem Feld!
Am Morgen, wenn die Sonne aufgeht, zieh los
und überfalle die Stadt!
Dann wird er mit seinen Leuten gegen dich ausrücken.
Dann tu, was zu tun ist!«
Noch in der Nacht stand Abimelech auf
und marschierte mit seinem ganzen Kriegsvolk los.
Bei Sichem versteckten sie sich in vier Abteilungen
rund um die Stadt.
Als Gaal, der Sohn des Obed, herauskam
und sich an den Eingang des Stadttors stellte,
griff Abimelech mit seinem Kriegsvolk an.
Alle stürmten sie aus dem Hinterhalt hervor.
Gaal sah sie und sagte zu Sebul:
»Schau! Dort kommen Soldaten von den Bergen herab!«
Sebul aber antwortete ihm:
»Nein! Das sind doch keine Männer!
Was du siehst, sind die Schatten der Berge!«
Doch Gaal ließ nicht locker und sagte noch einmal:
»Schau doch! Dort kommen Soldaten!
Sie steigen vom Nabel der Welt herab.
Und hier auf dem Weg zur Orakeleiche
rückt eine andere Abteilung vor.«
Darauf sagte Sebul zu ihm:
»Was ist nun mit dir, du Großmaul?
Hast du nicht ständig gesagt: ›Wer ist schon Abimelech,
dass wir ihm als Sklaven dienen sollen?‹
Jetzt ist er da mit seinen Leuten,
die du verachtet hast!
Auf geht’s! Stell dich dem Kampf!«
Da führte Gaal die Männer von Sichem ins Feld
und kämpfte gegen Abimelech.
Abimelech aber schlug ihn zurück,
sodass er fliehen musste.
Viele seiner Männer wurden erschlagen.
Sie lagen tot auf dem Weg zum Eingang der Stadt.
Danach kehrte Abimelech nach Aruma zurück.
Sebul aber vertrieb Gaal und seine Leute aus der Stadt.
In Sichem konnten sie nicht mehr bleiben.
Abimelech erobert und zerstört Sichem
Am andern Morgen zog das Kriegsvolk hinaus aufs Feld.
Abimelech erfuhr davon.
Da nahm er seine Soldaten.
Er stellte sie in drei Abteilungen auf
und legte einen Hinterhalt auf dem Feld.
Als er sah, wie das Kriegsvolk aus der Stadt kam,
fiel er über sie her und schlug sie nieder.
Abimelech war mit seiner Abteilung losgestürmt
und hatte den Eingang zur Stadt besetzt.
Die beiden anderen Abteilungen lagen noch im Feld.
Die griffen nun ein und schlugen alle nieder.
Den ganzen Tag kämpfte Abimelech gegen die Stadt.
Dann eroberte er sie und tötete die Bevölkerung.
Er zerstörte die Stadt und bestreute sie mit Salz.
Als die Bewohner der Burg von Sichem davon hörten,
gingen sie alle zum Tempel ihres Gottes Baal-Berit.
Dort versteckten sie sich im Untergeschoss.
Abimelech aber wurde gemeldet,
dass sich alle in die Burg von Sichem begeben hatten.
Daraufhin stieg Abimelech mit seinem Kriegsvolk
auf den Berg Zalmon.
Dort nahm Abimelech eine Axt in die Hand.
Damit schlug er Äste von den Bäumen, hob sie auf
und legte sie auf seine Schultern.
Zu den Männern, die er bei sich hatte, sagte er:
»Habt ihr gesehen, was ich getan habe?
Schnell, tut es mir nach!«
Da machten sich alle an die Arbeit.
Jeder schlug Äste ab und ging hinter Abimelech her.
Sie legten die Äste über das Untergeschoss des Tempels
und steckten damit das Untergeschoss in Brand.
So starben alle Leute in der Burg von Sichem.
Es waren ungefähr 1000 Männer und Frauen.
Abimelech wird von einer Frau erschlagen
Danach zog Abimelech gegen Tebez.
Er belagerte Tebez und eroberte die Stadt.
Mitten in der Stadt lag eine befestigte Burg.
Dorthin flohen alle Frauen und Männer,
die ganze Bevölkerung der Stadt.
Sie verriegelten das Burgtor und stiegen auf das Dach.
Da kam auch schon Abimelech heran
und kämpfte gegen die Burg.
Als er zum Burgtor kam und es anzünden wollte,
warf eine Frau einen Mühlstein herab.
Der traf Abimelech am Kopf
und zerschmetterte seinen Schädel.
Schnell rief er seinen Waffenträger zu sich
und sagte zu ihm:
»Zieh dein Schwert und töte mich!
Sonst wird man von mir noch sagen:
Eine Frau hat ihn erschlagen!«
Da durchbohrte ihn sein Knecht mit dem Schwert,
sodass er starb.
Als die Israeliten sahen, dass Abimelech tot war,
kehrte jeder in seinen Heimatort zurück.
So ließ Gott das Böse auf Abimelech zurückfallen,
das er seinem Vater Jerubbaal angetan hatte.
Er hatte nämlich seine 70 Brüder umgebracht.
Auch alle bösen Taten der Männer von Sichem
ließ Gott auf sie zurückfallen.
Und so erfüllte sich an ihnen der Fluch,
den Jotam, der Sohn des Jerubbaal, ausgesprochen hatte.