Die Hoffnungsbotschaft für Zion
Zweites Gottesknechtslied: Der Knecht als Licht für die Völker
Hört mir zu, ihr Bewohner der Inseln!
Gebt acht, ihr Völker in der Ferne!
Der Herr hat mich in seinen Dienst gerufen,
als ich noch im Mutterleib war.
Schon im Schoß meiner Mutter
hat er mir meinen Namen gegeben.
Er hat mir Worte in den Mund gelegt,
so scharf wie ein Schwert.
Versteckt in seiner Hand,
hat er mich bereitgehalten.
Wie einen spitzen Pfeil
hat er mich in seinem Köcher aufbewahrt.
Er sagte zu mir: »Du bist mein Knecht.
Du trägst den Namen ›Israel‹.
Durch dich will ich zeigen, wie herrlich ich bin.«
Ich aber sagte: »Ich habe mich vergeblich bemüht,
für nichts und wieder nichts meine Kraft vertan.
Doch der Herr verhilft mir zu meinem Recht,
mein Gott wird mich belohnen.«
Ja, der Herr hat mich schon im Mutterleib
zu seinem Knecht gemacht.
Ich sollte Jakob zu ihm zurückführen
und ganz Israel bei ihm versammeln.
So wichtig war ich in seinen Augen,
mein Gott gab mir die Kraft dazu.
Und jetzt sagt er: »Ja, du bist mein Knecht.
Du sollst die Stämme Jakobs wieder zusammenbringen
und die Überlebenden Israels zurückführen.
Aber das ist mir zu wenig:
Ich mache dich auch zu einem Licht für die Völker.
Bis ans Ende der Erde reicht meine Rettung.«
Gott befreit sein Volk
Jetzt redet der Herr, der heilige Gott Israels,
der sein Volk befreit hat.
Er sagt zu dem Volk,
das von allen verachtet und gemieden wird,
dem Knecht fremder Herrscher:
»Könige werden sehen, wie du befreit wirst,
und sich vor dir erheben.
Fürsten werden auf die Knie fallen.
Denn der Herr ist treu,
der Heilige Israels hat dich erwählt.«
So spricht der Herr:
Als die Zeit kam, dir Gnade zu erweisen,
habe ich dich erhört.
Am Tag der Rettung habe ich dir geholfen.
Ich habe dich geschaffen
als Zeichen für den Bund mit meinem Volk.
Du sollst dem Land wieder aufhelfen
und das verwüstete Erbe neu verteilen.
Den Gefangenen sollst du zurufen: »Ihr seid frei!«,
denen im dunklen Kerker: »Kommt ans Licht!«
An allen Wegen finden sie Nahrung,
selbst die kahlen Hügel
werden ihnen zur fruchtbaren Weide.
Sie leiden weder Hunger noch Durst.
Gluthitze und Sonne können ihnen nichts anhaben.
Denn ich leite sie voller Erbarmen
und führe sie zu frischen Wasserquellen.
Alle Berge ebne ich vor ihnen ein
und schütte Straßen für sie auf.
Seht doch: Aus der Ferne kommen sie herbei –
die einen aus dem Norden und Westen,
die anderen aus dem Land der Seweniter.
Jubelt, ihr Himmel, freue dich, Erde!
Brecht in Freudengeschrei aus, ihr Berge!
Denn der Herr hat sein Volk getröstet,
er hat Erbarmen mit den Unterdrückten.
Zions Klage und Gottes mütterlicher Trost
Zion klagt: Der Herr hat mich verlassen,
mein Gott hat mich vergessen.
Doch Gott antwortet:
Kann denn eine Frau ihren Säugling vergessen?
Hat sie nicht Erbarmen mit dem Kind,
das sie im Leib getragen hat?
Aber selbst wenn sie es vergessen sollte –
ich vergesse dich nicht!
Sieh doch: Ich habe dich in meine Hände eingezeichnet,
deine Stadtmauern habe ich stets vor Augen.
Die Leute, die dich wieder aufbauen, eilen herbei.
Aber abziehen müssen alle,
die dich zerstört und verwüstet haben.
Blick auf und schau dich um:
Schon versammeln sich alle, die zu dir kommen.
Bei meinem Leben, Ausspruch des Herrn:
Mit ihnen wirst du dich schmücken wie eine Braut,
die den Hochzeitsschmuck anlegt.
Noch liegst du in Trümmern,
dein Land ist verwüstet und zerstört.
Doch bald gibt es so viele Bewohner,
dass der Platz zu eng für dich wird.
Weit weg sind alle, die dich vernichten wollten.
Man hat dir deine Kinder weggenommen.
Aber bald wirst du mit eigenen Ohren hören,
wie sie zu dir sagen:
»Der Raum ist uns zu eng geworden,
schaff uns Platz zum Wohnen!«
Dann wirst du dich erstaunt fragen:
»Wer hat denn diese Kinder für mich geboren?
Man hat mir meine eigenen weggenommen,
und ich konnte keine mehr bekommen.
Ich war verbannt und ausgestoßen.
Und wer hat sie dann großgezogen?
Ich war doch ganz allein übrig geblieben.
Wo kommen sie auf einmal her?«
So spricht Gott, der Herr:
»Ich gebe den Völkern mit meiner Hand ein Zeichen.
Ich stelle ein Feldzeichen auf,
nach dem sie sich richten können.
Sie bringen deine Söhne auf dem Arm herbei,
deine Töchter tragen sie auf der Schulter.
Dann werden Könige deine Kinder hüten
und Prinzessinnen ihre Ammen sein.
Sie fallen vor dir auf die Knie
und verneigen sich bis zur Erde.
Sie lecken dir den Staub von den Füßen.
Dann wirst du erkennen, dass ich der Herr bin.
Wer auf ihn hofft, wird nicht enttäuscht.«
Du fragst:
»Kann denn einem Mächtigen die Beute entgehen?
Können Gefangene einem Gewaltherrscher entkommen?«
So spricht der Herr:
»Ja, auch einem Mächtigen können Gefangene entkommen,
einem Gewaltherrscher kann die Beute entgehen.
Denn ich kämpfe gegen die, die dich bekämpfen,
und rette deine Kinder.
Ich werde dafür sorgen,
dass deine Unterdrücker sich gegenseitig zerfleischen.
Sie werden sich an ihrem eigenen Blut berauschen,
so wie man sich mit Bier besäuft.
Dann sollen alle Menschen erkennen:
Ich, der Herr, bin dein Retter,
ich, der starke Gott Jakobs, bin dein Befreier.«