Jakob versöhnt sich mit Esau
Jakob macht sich auf den Weg
Am Morgen stand Laban früh auf.
Er küsste seine Enkel und seine Töchter
und segnete sie.
Dann kehrte er nach Hause zurück.
Auch Jakob brach auf.
Unterwegs begegneten ihm Engel Gottes.
Als Jakob sie sah, sagte er: »Hier ist Gottes Lager.«
Daher nannte er den Ort Mahanajim,
das heißt: Doppellager.
Jakob schickte Boten voraus zu seinem Bruder Esau.
Der hielt sich im Land Seir auf,
das auf dem Gebiet von Edom liegt.
Jakob trug ihnen auf:
»Bringt meinem Herrn Esau diese Nachricht von mir!
Dein Knecht Jakob lässt dir ausrichten:
›Ich war bei Laban in einem fremden Land
und bin bis jetzt bei ihm geblieben.
Dort habe ich viel Besitz erworben:
Rinder und Esel, Schafe und Ziegen
sowie Knechte und Mägde.
Das lasse ich dir, meinem Herrn, mitteilen,
damit ich Gnade bei dir finde.‹«
Die Boten kehrten zu Jakob zurück und berichteten:
»Wir sind bei deinem Bruder Esau gewesen.
Er zieht dir schon entgegen
und hat 400 Mann bei sich.«
Da erschrak Jakob und bekam große Angst.
Er teilte seine Leute in zwei Lager auf,
ebenso die Ziegen, Schafe, Rinder und Kamele.
Denn er dachte sich:
»Wenn Esau ein Lager angreift und niedermacht,
kann wenigstens das andere entkommen.«
Jakob betete: »Gott meines Großvaters Abraham
und Gott meines Vaters Isaak,
Herr, der du zu mir gesagt hast:
›Kehre zurück in dein Land
und zu deiner Verwandtschaft!
Ich bin mit dir und lasse es dir gut gehen.‹
Ich verdiene all die Liebe und Treue nicht,
die du deinem Knecht erwiesen hast.
Ich hatte nur einen Wanderstab,
als ich den Jordan überquerte.
Jetzt komme ich mit zwei Lagern zurück.
Rette mich doch vor meinem Bruder,
rette mich aus der Hand Esaus!
Ich habe Angst, dass er kommt und mich erschlägt –
und ebenso die Mutter mit ihren Kindern.
Du selbst hast mir doch gesagt:
›Ich sorge ganz gewiss dafür, dass es dir gut geht.
Ich lasse deine Nachkommen so unzählbar werden
wie die Sandkörner am Meeresstrand.‹«
Jakob schickt Geschenke voraus
Jakob blieb in dieser Nacht in Mahanajim.
Aus seinem Besitz stellte er ein Geschenk zusammen
für seinen Bruder Esau:
200 Ziegen und 20 Ziegenböcke,
200 Mutterschafe und 20 Widder.
Dazu 30 Kamelstuten mit ihren Fohlen,
40 Kühe, 10 Jungstiere,
20 Eselinnen und 10 Esel.
Jede Herde übergab er einem seiner Knechte
und sagte zu ihnen:
»Treibt die Herden vor mir her
und lasst einen Abstand zwischen ihnen.«
Dem ersten Knecht gab er den Auftrag:
»Wenn du auf meinen Bruder Esau triffst,
wird er dich fragen:
›Wem gehörst du? Wohin gehst du?
Wem gehören die Tiere, die du vor dir hertreibst?‹
Dann sollst du ihm antworten:
›Sie gehören deinem Knecht Jakob.
Es ist ein Geschenk,
das er seinem Herrn Esau schickt.
Er selbst kommt gleich hinter uns.‹«
Denselben Auftrag erteilte Jakob
auch dem zweiten und dem dritten Knecht.
Genauso sollten sich auch die anderen verhalten,
die Herden vor sich hertrieben.
Er schärfte ihnen ein:
»Das sollt ihr Esau sagen, wenn ihr ihn trefft!
Außerdem sollt ihr ihm ausrichten:
›Dein Knecht Jakob kommt gleich hinter uns.‹«
Denn Jakob dachte sich:
»Mit dem Geschenk, das ich vorausschicke,
will ich Esau um Versöhnung bitten.
Erst danach will ich ihm unter die Augen treten.
Vielleicht nimmt er mich dann freundlich auf.«
So zog Jakobs Geschenk an seinen Bruder voraus.
Er selbst aber blieb in dieser Nacht im Lager.
Jakobs Kampf am Jabbok
In derselben Nacht stand Jakob auf.
Er weckte seine beiden Frauen, die beiden Mägde
und seine elf Söhne.
Denn er wollte den Jabbok
an einer flachen Stelle überqueren.
Zuerst ließ er die Frauen und Kinder
den Fluss überqueren.
Dann brachte er sein Hab und Gut hinüber.
Er selbst blieb allein zurück.
Plötzlich war da jemand,
der bis zum Morgengrauen mit ihm kämpfte.
Aber er sah, dass er Jakob nicht besiegen konnte.
Da packte er Jakob am Hüftgelenk,
sodass es beim Ringen ausgerenkt wurde.
Dabei sagte er: »Lass mich los!
Denn der Tag bricht an.«
Jakob entgegnete:
»Ich lasse dich erst los, wenn du mich gesegnet hast.«
Der andere fragte Jakob: »Wie heißt du?«
Er antwortete: »Jakob.«
Da sagte der andere:
»Von nun an sollst du nicht mehr Jakob heißen,
sondern Israel, ›Gotteskämpfer‹.
Denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft
und bist Sieger geblieben.«
Jakob bat: »Sag mir doch deinen Namen!«
Er erwiderte: »Wozu fragst du noch nach meinem Namen?«
Und er segnete ihn dort.
Jakob nannte den Ort Penuel,
das heißt: Angesicht Gottes.
Denn er sagte:
»Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen
und bin am Leben geblieben.«
Als Jakob Penuel verließ, ging gerade die Sonne auf.
Er hinkte wegen seiner verrenkten Hüfte.
Deswegen dürfen die Israeliten bis heute
den Muskel über dem Hüftgelenk nicht essen.
Denn dort wurde Jakob beim Ringkampf gepackt.