BasisBibel (BB)
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Daniels Nachdenken über die 70 Jahre der Verbannung

Daniel 9,1-27

Daniel erforscht die Schriften

91Es war im ersten Jahr,nachdem Darius9,1 Darius I.: König von Persien (521–486 v. Chr.). Nachdem sein Großvater Kyros II. 539 v. Chr. die Babylonier besiegt hatte, regierten die Perser auch über das babylonische Reich. König der Babylonier9,1 Babylonier: Wörtlich »Chaldäer«. Im Alten Testament werden die Menschen, die in Babylonien wohnen, häufig Chaldäer genannt. geworden war.Darius war ein Sohn des Xerxesund gehörte zum Volk der Meder9,1 Meder: Volk, das im Gebirge im Norden des heutigen Iran lebte. Gemeinsam mit den Persern eroberten sie 539 v. Chr. die Stadt Babylon..2In seinem ersten Regierungsjahrerforschte ich, Daniel, die Schriften9,2 Schriften: Meint vermutlich prophetische Schriften wie das Buch Jeremia, das heute Teil der Bibel ist..Einst war ein Wort des Herrn9,2 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.zum Propheten9,2 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. Jeremia9,2 Jeremia: Prophet, der zur Zeit der letzten Könige des Südreichs Juda auftrat. Die folgenden Worte finden sich ähnlich in Jeremia 25,11-12. gekommen:»Jerusalem9,2 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. soll 70 Jahre lang verwüstet sein.«Ich versuchte herauszufinden,was es mit dieser Zahl auf sich hatte.3Ich wandte mich an Gott, den Herrn,um zu beten9,3 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. und zu bitten.Ich fastete, zog ein Trauergewand9,3 Trauergewand: Kleidungsstück aus rauem Leinen, das zum Zeichen von Trauer oder Buße auf bloßer Haut getragen wurde. Es wird auch »Sack« genannt. anund streute Asche auf meinen Kopf9,3 sich Asche auf den Kopf streuen: Das Bedecken von Kopf und Körper mit Asche gehört zu den Trauerbräuchen..

Daniel betet und bekennt die Sünden des Gottesvolkes

4Ich betete9,4 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. zu meinem Gott, dem Herrn9,4 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.,bekannte meine Schuld9,4 Schuld: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. und sagte:

»Ach Herr, du großer und furchterregender Gott!Du stehst zu deinem Bund9,4 Bund: Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten. und schenkst denen Gnade9,4 Gnade: Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt.,die dich lieben und deine Gebote9,4 Gebote: Bestimmungen, die Gott den Menschen gegeben hat. Sie ordnen das Leben so, wie es nach Gottes Willen sein soll. einhalten.5Wir haben Sünden9,5 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. begangen und Unrecht getan,wir haben Schuld auf uns geladen und uns aufgelehnt.Von deinen Geboten und Vorschriften sind wir abgewichen.6Auf deine Knechte9,6 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn dadurch als ihren Herrn anerkennen., die Propheten9,6 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat., haben wir nicht gehört.Dabei haben sie in deinem Namenzu unseren Königen, Herrschern und Vorfahren geredet.Sie haben zum ganzen Volk des Landes gesprochen.7Du bist gerecht, Herr,und wir müssen uns schämen.Das gilt für die Bewohner von Juda9,7 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. und Jerusalem9,7 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört.und für ganz Israel9,7 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen..Du hast sie in nahe und ferne Länder zerstreut,weil sie dir untreu geworden sind.8Ja, Herr, wir schämen uns,wir, unsere Könige, Herrscher und Vorfahren.Denn wir haben uns gegen dich gestellt.9Der Herr, unser Gott, ist barmherzig und vergibt uns –obwohl wir uns gegen ihn aufgelehnt haben.10Auf die Stimme des Herrn, unseres Gottes,haben wir nicht gehört.Wir haben seine Weisungen9,10 Weisung: Hebräisch Tora. Sie umfasst die schriftliche und mündliche Mitteilung von Gottes Willen. nicht befolgt,die er uns gegeben hatdurch seine Knechte, die Propheten9,10 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat..11Ganz Israel hat deine Weisung missachtet.Wir sind davon abgewichenund haben nicht auf deine Stimme gehört.Darum trifft uns jetzt der Fluch9,11 Fluch: Ein Unheil bringendes Wort, durch das die Lebenskraft oder das Wohlergehen des Verfluchten gemindert werden soll.,den Gott einst mit einem Schwur angedroht hat.Denn wir haben uns gegen Gott gestellt.Der Fluch steht geschrieben im Gesetzbuch des Mose9,11 Gesetzbuch des Mose: Verweis auf den Willen Gottes, wie er in den Gesetzen der fünf Bücher Mose aufgeschrieben ist. Fluchworte finden sich dort beispielsweise in 5. Mose/Deuteronomium 28,15-68.,der ein Knecht Gottes war.12Gott hat an seinen Worten festgehalten.Er hat sie gegen uns ausgesprochenund gegen die Männer, die über uns herrschen.Er hat großes Unheil über uns kommen lassen.Das, was jetzt in Jerusalem geschieht,hat es unter dem Himmel noch nie gegeben.13Dieses ganze Unheil ist über uns gekommen,wie es im Gesetzbuch des Mose geschrieben steht.Wir haben es nicht geschafft,den Herrn, unseren Gott, zu beruhigen.Wir hätten uns von unserer Schuld abwendenund auf seine Wahrheit achten können.14Daher sorgte der Herr für Unheil,er hat es über uns kommen lassen.Denn der Herr, unser Gott, ist gerecht bei allem, was er tut.Wir aber haben nicht auf seine Stimme gehört.

15Du, Herr, unser Gott, hast dein Volkmit starker Hand aus Ägypten geführt9,15 aus Ägypten geführt: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit..Bis heute hast du dir damit einen Namen gemacht.Wir aber haben Sünden9,15 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. begangen,wir haben Verbrechen verübt!16Herr, du bist gerecht,darum sei nicht mehr zornig9,16 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten.!Sei nicht mehr wütend auf deine Stadt,auf Jerusalem9,16 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört., deinen heiligen Berg9,16 heiliger Berg: Meint den Berg Zion, auf dem der Tempel in Jerusalem steht.!Wir haben Sünden begangenund unsere Väter haben Schuld auf sich geladen.So sind Jerusalem und dein Volk zum Gespött gewordenfür alle, die rings um uns wohnen.17Und nun, unser Gott,hör das Gebet deines Knechtes9,17 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn dadurch als ihren Herrn anerkennen. und seine Bitte.Lass dein Angesicht leuchten9,17 Angesicht leuchten lassen: Meint die liebevolle Zuwendung Gottes zu den Menschen. über deinem Heiligtum9,17 Heiligtum: Bezeichnung für den Tempel in Jerusalem.,auch um deiner selbst willen, Herr.18Mein Gott, verschließe deine Ohren nicht!Öffne deine Augen und sieh auf die Trümmer Jerusalems!Sieh auf die Stadt, die dir gehört.Wir wenden uns mit unseren Bitten an dich –nicht, weil wir gerecht gehandelt hätten,sondern im Vertrauen auf dein großes Erbarmen.19Herr, hör hin! Herr, vergib!Hör aufmerksam zu, Herr, und handle!Zögere nicht, mein Gott,auch um deiner selbst willen!Denn die Stadt und das Volk gehören doch dir.«

Das Geheimnis der 70 Jahre wird gedeutet

20Ich redete, betete und bekannte meine Sünden9,20 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können.und die Sünden des Volkes Israel.Ich brachte meine Bitte vor den Herrn9,20 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.und bat für Jerusalem9,20 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört., den heiligen Berg9,20 heiliger Berg: Meint den Berg Zion, auf dem der Tempel in Jerusalem steht. meines Gottes.21Noch während ich mein Gebet9,21 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. sprach,kam der Engel Gabriel9,21 Gabriel: Einer der obersten Engel in der himmlischen Ratsversammlung. zu mir herangeflogen.Er sah aus wie ein Mann,wie schon in der Vision9,21 Vision: Eine Erscheinung, in der Gott zu verstehen gibt, was er vorhat., die ich zuvor gesehen hatte.Das war zur Zeit des Abendopfers9,21 Abendopfer: In 2. Mose/Exodus 29,38-43 finden sich Anweisungen für die Opfer, die jeden Tag zu bestimmten Zeiten im Tempel dargebracht werden mussten..22Er redete mit mir und erklärte:»Daniel, ich bin hergekommen,um dir Einsicht zu geben.23Schon als du mit deinem Gebet begonnen hast,kam ein Wort von Gott.Ich bin gekommen, um es dir zu erklären,denn du wirst geliebt.Achte auf das Wort und verstehe die Vision!

24Für dein Volk und deine heilige Stadt9,24 heilige Stadt: Bezeichnung für Jerusalem.sind 70 Wochen9,24 70 Wochen: Eine Woche entspricht hier 7 Jahren. Nach diesen 490 Jahren (70 × 7) kommt das Ende der Zeit, und Gott wird als Richter über die Welt urteilen. festgesetzt.Nach dieser Zeit soll das Übel enden:Sünden9,24 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. werden vergeben,und für Schuld gibt es Versöhnung.Von da an wird immer Gerechtigkeit9,24 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach dem Willen Gottes. herrschen.Die Vision9,24 Vision: Eine Erscheinung, in der Gott zu verstehen gibt, was er vorhat. und die Weissagung werden bestätigt.Das Allerheiligste9,24 Allerheiligstes: Ort der Gegenwart Gottes im hinteren Teil der Haupthalle des Jerusalemer Tempels. wird wieder eingeweiht werden9,24 wieder eingeweiht werden: Während der Regierungszeit von Antiochus IV. (175–164 v. Chr.) wurde der Tempel in Jerusalem für etwa dreieinhalb Jahre entweiht, sodass Gott keine Opfer dargebracht werden konnten..25Du sollst verstehen und du wirst erkennen:Von dem Moment an, in dem das Wort Gottes ergangen ist,vergehen sieben Wochen9,25 sieben Wochen: Eine Woche entspricht hier 7 Jahren..Erst danach wird wiederein gesalbter Herrscher9,25 gesalbter Herrscher: Hier Bezeichnung für den Hohepriester, der nach der Rückkehr aus der Verbannung nach Babylonien eingesetzt wurde, damit im Tempel in Jerusalem wieder Gottesdienst gefeiert werden konnte. eingesetzt.Während dieser Zeit wird das Volk zurückkehrenund die Stadt Jerusalem9,25 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. wieder aufbauen.Es wird 62 Wochen9,25 62 Wochen: Eine Woche entspricht hier 7 Jahren. dauern,bis alle Straßen und Plätze wieder aufgebaut sind.Es wird eine Zeit großer Bedrängnis sein.26Nach den 62 Wochen wird einer der Gesalbten9,26 einer der Gesalbten: Wahrscheinlich Anspielung auf Onias III., der zu Beginn der Regierungszeit von Antiochus IV. (175–164 v. Chr.) Hohepriester in Jerusalem war und von Antiochus entmachtet wurde. umgebracht,und niemand wird ihm helfen.Dann wird das Heer eines Herrschers9,26 Herrscher: Meint Antiochus IV. (175–164 v. Chr.). Während seiner Regierungszeit wurde der Tempel in Jerusalem entweiht, sodass Gott keine Opfer dargebracht werden konnten. kommen.Es wird die Stadt und das Heiligtum zerstören.Er selbst kommt durch eine Flut ums Leben.– Es wird Verwüstungen geben,bis dieser lang beschlossene Krieg zu Ende ist. –27Der Herrscher wird ein starkes Bündnis schließen,das eine Woche hält und viele Mitglieder hat.In der Mitte der Woche wird erSchlachtopfer9,27 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde. und Speiseopfer9,27 Speiseopfer: Besteht aus Getreide, Mehl, ungesäuerten Backwaren und Öl. Ein Teil wird auf dem Altar verbrannt. verbieten.Im Heiligtum9,27 im Heiligtum: Die Übersetzung folgt der griechischen Überlieferung. wird ein Götzenbild9,27 Götzenbild: Abfällige Bezeichnung für ein aus Stein, Ton, Holz oder Metall gefertigtes Standbild einer Gottheit. Seine Herstellung und Verehrung waren in Israel verboten. stehen.Es bedeutet Verwüstung,bis das, was beschlossen ist,über den Verwüster kommen wird.«