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Paulus verteidigt sich vor König Agrippa

261Agrippa26,1 Agrippa: Herodes Agrippa II. herrschte ab 50 n. Chr. im Namen des römischen Kaisers unter anderem über die Städte Tiberias und Tarichäa am See Gennesaret und hatte die Aufsicht über den Tempel in Jerusalem. sagte zu Paulus26,1 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte.:»Es ist dir erlaubt, in eigener Sache zu sprechen.«Da hob Paulus die Handund begann seine Verteidigungsrede:2»Die Juden26,2 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. bringen schwere Anschuldigungengegen mich vor.Deshalb schätze ich mich glücklich, König Agrippa,dass ich mich heute vor dir verteidigen kann.3Das gilt umso mehr,als du dich mit den Vorschriftenund Streitfragen der Juden hervorragend auskennst.Bitte, höre mich geduldig an!

4Seit meiner Jugend habe ichbei meinem Volk in Jerusalem26,4 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes. gelebt.Alle Juden26,4 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. wissen,wie ich mein Leben von klein auf geführt habe.5Sie kennen mich von früher.Wenn sie wollen, können sie es bezeugen:Ich habe zu der Gruppe gehört,die unseren Glauben am strengsten ausübt.Denn ich war Pharisäer26,5 Pharisäer: Angehöriger einer jüdischen Glaubensgruppe, die die biblischen Vorschriften und Gesetze sehr streng auslegte..6Jetzt stehe ich vor Gericht, weil ich auf das hoffe,was Gott unseren Vorfahren versprochen hat26,6 was Gott unseren Vorfahren versprochen hat: Versprechen Gottes, die sich im Alten Testament finden. Christen lesen gerade diese Texte aus dem Alten Testament als Ankündigung für das Schicksal von Jesus Christus. Ein zentraler Text ist beispielsweise Jesaja 52,13–53,12..7Die zwölf Stämme unseres Volkes26,7 Stämme Israels: Israel versteht sich als Verband von zwölf Stämmen, die auf die Nachkommen der Söhne Jakobs zurückgehen.dienen Gott ununterbrochen bei Tag und bei Nacht.Denn sie hoffen,dass sie die Erfüllung dieser Zusage erleben.Und gerade wegen dieser Hoffnung,mein König, werde ich von den Juden nun angeklagt.8Warum haltet ihr es für unglaubwürdig,dass Gott Tote auferweckt26,8 Auferweckung: Meint die Auferstehung vom Tod und das ewige Leben im Reich Gottes.?

9Ich selbst hatte ja zunächst geglaubt26,9 zunächst geglaubt: Apostelgeschichte 7,54–8,3 erzählt, dass Paulus die Hinrichtung von Stephanus, einem Mitglied der Gemeinde von Jerusalem, befürwortet.,gegen das Bekenntnis zu Jesus26,9 Jesus Christus: Der Name Jesus Christus ist zugleich ein Bekenntnis. Wer Jesus als Christus anerkennt, glaubt an ihn als Retter und Erlöser der Welt., dem Nazoräer26,9 Nazoräer: Bezeichnung für die Herkunft von Jesus aus der Stadt Nazaret.,hart vorgehen zu müssen.10Das habe ich in Jerusalem26,10 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes. dann auch getan.Ausgestattet mit einer Vollmacht der führenden Priester26,10 führende Priester: Der amtierende Hohepriester, seine Vorgänger und weitere Priester aus der Führungsschicht.brachte ich viele der Heiligen26,10 Heilige: Bezeichnung für die Anhänger von Jesus Christus. ins Gefängnis.Und wenn sie zum Tod verurteilt werden sollten,stimmte ich dafür.11Ich suchte sie in sämtlichen Synagogen26,11 Synagoge: Versammlungsstätte einer jüdischen Gemeinde..Immer wieder versuchte ich,sie mithilfe von Strafen zu zwingen,ihrem Glauben abzuschwören.Mein Hass auf sie war grenzenlos.Deshalb verfolgte ich sie sogarbis in die Städte außerhalb des Landes.

12In dieser Absicht reiste ich nach Damaskus26,12 reiste ich nach Damaskus: Von der Reise des Paulus nach Damaskus und seiner Begegnung mit Jesus erzählt Apostelgeschichte 9,1-25..Ich hatte die Vollmachtund das Einverständnis der führenden Priester26,12 führende Priester: Der amtierende Hohepriester, seine Vorgänger und weitere Priester aus der Führungsschicht..13Unterwegs, mein König, um die Mittagszeit,sah ich plötzlich vom Himmel26,13 Himmel: Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt. her ein Licht aufleuchten.Es war heller als der Glanz der Sonneund umstrahlte mich und meine Begleiter.14Wir stürzten alle zu Boden.Da hörte ich eine Stimme,die auf Hebräisch zu mir sagte:Saul26,14 Saul: Kurzform von Saulus, dem hebräischen Namen von Paulus., Saul, warum verfolgst du mich?Du wehrst dich vergeblich gegen den Stock,der dich antreibt.‹15Da fragte ich: ›Wer bist du, Herr?‹Der Herr antwortete: ›Ich bin Jesus26,15 Jesus Christus: Der Name Jesus Christus ist zugleich ein Bekenntnis. Wer Jesus als Christus anerkennt, glaubt an ihn als Retter und Erlöser der Welt., den du verfolgst.16Doch jetzt steh auf!Stell dich auf die Füße!Denn ich bin dir erschienen,um dich in meinen Dienst zu nehmen.Du sollst als Zeuge auftreten für das,was du heute gesehen hast –und das, was ich dir noch zeigen werde.17Ich schütze dich vor deinem Volkund vor den Menschen aus den anderen Völkern.Ich sende dich zu ihnen,18damit du ihnen die Augen öffnest.Sie sollen sich aus der Finsternis zum Licht26,18 Licht: Bild für das Leben, das Jesus Christus als Licht der Welt schenkt. Durch ihn erhalten die Menschen das ewige Leben in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott. hinwendenund aus der Gewalt des Satans26,18 Satan, Teufel: Gegenspieler Gottes. Er versucht, die Menschen zu einem Verhalten zu bewegen, das Gottes Willen widerspricht. zu Gott.Durch den Glauben an michsollen ihnen ihre Sünden26,18 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. vergeben werden.Und sie sollen ihren Anteilam Erbe26,18 Erbe: Ursprünglich der Anteil der Israeliten an dem Land, das Gott ihnen gibt. Im Neuen Testament bedeutet es ein Leben im Reich Gottes, in unmittelbarer Gemeinschaft mit ihm. der Heiligen26,18 Heilige: Bezeichnung für die Anhänger von Jesus Christus. erhalten.‹

19Deshalb, König Agrippa26,19 Agrippa: Herodes Agrippa II. herrschte ab 50 n. Chr. im Namen des römischen Kaisers unter anderem über die Städte Tiberias und Tarichäa am See Gennesaret und hatte die Aufsicht über den Tempel in Jerusalem.,habe ich der himmlischen Erscheinungwiderspruchslos gehorcht.20Ich war dann zuerst in Damaskus26,20 Damaskus: Bedeutende Handelsstadt am Rand der syrischen Wüste. und Jerusalem26,20 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes.,später in ganz Judäa26,20 Judäa: Römische Provinz mit Jerusalem als religiösem und kulturellem Zentrum. und bei den anderen Völkern.Überall habe ich die Menschen aufgefordert:›Ändert euer Leben und wendet euch hin zu Gott!Handelt so, wie es eurem neuen Leben entspricht!‹21Nur deswegen haben die Juden26,21 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten.mich im Tempel26,21 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. festgenommenund versucht, mich zu töten.22Aber Gott hat mir bis heute geholfen.Deshalb stehe ich hier als sein Zeugevor den einfachen Leuten wie vor den Mächtigen.Ich rede von nichts anderem als von dem,was die Propheten und Mose angekündigt26,22 die Propheten und Mose angekündigt: Im Neuen Testament eine gebräuchliche Bezeichnung für die Heilige Schrift. Christen lesen bestimmte Texte aus dem Alten Testament als Ankündigung für das Schicksal von Jesus Christus. Ein zentraler Text ist beispielsweise Jesaja 52,13–53,12. haben:23Der Christus26,23 Christus: Bedeutet übersetzt »der Gesalbte«. Im Alten Testament werden Könige, aber auch Propheten und Priester bei Amtsantritt gesalbt. Später wird der von Gott zum Herrscher der Welt bestimmte Retter so genannt. Im Neuen Testament ist das Jesus. muss leidenund als Erster von den Toten auferstehen26,23 Auferstehung: Meint die Auferweckung vom Tod und das ewige Leben im Reich Gottes..Dann wird er meinem Volkund den Menschen aus den anderen Völkerndie Botschaft vom Licht26,23 Licht: Bild für das Leben, das Jesus Christus als Licht der Welt schenkt. Durch ihn erhalten die Menschen das ewige Leben in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott. verkünden.«

Die Reaktion von Festus und Agrippa auf die Rede des Paulus

24Als Paulus26,24 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte. mit seiner Verteidigungan diesem Punkt angelangt war,rief Festus26,24 Festus: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 60 n. Chr. laut dazwischen: »Du bist verrückt, Paulus!Das viele Lesen in der Schrifthat dich in den Wahnsinn getrieben.«25Paulus antwortete: »Ich bin nicht verrückt, verehrter Festus.Was ich sage, ist wahr und vernünftig.26Der König weiß darüber Bescheid.Mit ihm kann ich auch ganz offen darüber reden.Denn ich bin überzeugt,dass ihm nichts davon entgangen ist.Schließlich hat das alles nichtin irgendeinem abgelegenen Winkel stattgefunden.27König Agrippa, glaubst du den Propheten26,27 glaubst du den Propheten: Die Frage von Paulus zielt darauf ab zu erfahren, ob König Agrippa Texte aus dem Alten Testament als Ankündigung für das Schicksal von Jesus Christus liest, wie Christen es tun.?Ich weiß, dass du ihnen glaubst!«28Agrippa sagte zu Paulus: »Es fehlt nicht vielund du überzeugst mich noch, Christ26,28 Christen: Bezeichnung für die Anhänger von Jesus Christus, die zunächst nur von Außenstehenden gebraucht wurde. zu werden!«29Paulus entgegnete: »Ich bete zu Gott,dass du wirst, was ich schon bin.Und nicht nur du!Nein, ich bete, dass früher oder später alle,die mich heute hören, mir gleich werden –natürlich bis auf diese Fesseln.«

30Der König und der römische Statthalter26,30 römischer Statthalter: Verwalter einer Region oder Provinz im Auftrag des römischen Senats oder des Kaisers. erhoben sichund mit ihnen auch Berenike und die anderen.31Während sie den Saal verließen, unterhielten sie sich:»Dieser Mann tut nichts,wofür er den Tod oder das Gefängnis verdient.«32Und Agrippa sagte zu Festus26,32 Festus: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 60 n. Chr.:»Der Mann könnte freigelassen werden,wenn er nicht verlangt hätte,dass sein Fall vor den Kaiser kommt26,32 vor den Kaiser kommen: Als römischer Bürger hatte Paulus das Recht, direkt an den Kaiser zu appellieren oder bei ihm Berufung einzulegen.