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Die Haft des Paulus in Cäsarea

Apostelgeschichte 24,1–26,32

Die führenden Juden klagen Paulus an

241Fünf Tage späterkam der Hohepriester24,1 Hohepriester: Hatte die Aufsicht über alles, was das Heiligtum, den Gottesdienst und den Dienst der Priester betraf. Hananias nach Cäsarea24,1 Cäsarea: Hafenstadt am Mittelmeer und Hauptstadt der römischen Provinz Judäa..Einige Ratsälteste24,1 Ratsälteste: Mitglieder des jüdischen Rats, der obersten Behörde zur Regelung religiöser Angelegenheiten. und ein Anwalt,ein gewisser Tertullus, begleiteten ihn.Sie erhoben Anklage gegen Paulus24,1 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte. bei Felix24,1 Felix: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 52–60 n. Chr.,dem römischen Statthalter24,1 römischer Statthalter: Verwalter einer Region oder Provinz im Auftrag des römischen Senats oder des Kaisers..2Nachdem man Paulus gerufen hatte,begann Tertullus mit seiner Anklagerede:»Verehrter Felix!Dein Verdienst ist es,dass wir schon so lange in Frieden leben.Und deiner Umsicht verdanken wirwichtige Neuerungen für dieses Volk24,2 dieses Volk: Bevölkerung der Provinz Judäa, die mehrheitlich jüdisch war..3Das erkennen wir immer und überallin tiefster Dankbarkeit an.4Doch um dich nicht unnötig aufzuhalten,bitte ich dich:Schenke uns kurz deine wohlwollende Aufmerksamkeit.5Wir haben festgestellt:Dieser Mann ist gefährlich wie die Pest.Als Anführer der Nazoräer-Sekte24,5 Nazoräer-Sekte: »Nazoräer« ist eine Bezeichnung für die Herkunft von Jesus aus der Stadt Nazaret. Hier werden seine Anhänger als Gruppe mit diesem Namen belegt. stiftet er Unruheunter allen Juden24,5 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. auf der ganzen Welt.6Er hat sogar versucht, den Tempel24,6 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. zu entweihen.Dabei haben wir ihn festgenommen.[...] 7[...] 8[...]24,8 [...]: Einige Handschriften fügen hinzu: »Wir wollten ihn nach unserem eigenen Gesetz verurteilen. 7 Aber der Kommandant Lysias hat ihn mit Gewalt aus unseren Händen befreit. 8 Und Lysias hat befohlen: ›Wer eine Anklage gegen ihn hat, soll sich an dich wenden.‹«Wenn du ihn selbst verhörst,wirst du verstehen, warum wir ihn anklagen.«

9Die Juden24,9 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. unterstützten Tertullusund erklärten: »Genauso verhält es sich!«

Paulus verteidigt sich vor Felix

10Der römische Statthalter24,10 römischer Statthalter: Verwalter einer Region oder Provinz im Auftrag des römischen Senats oder des Kaisers.forderte Paulus24,10 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte. mit einem Zeichen zum Reden auf,und Paulus erwiderte:»Ich weiß, dass du seit vielen Jahrenals Richter über dieses Volk24,10 dieses Volk: Bevölkerung der Provinz Judäa, die mehrheitlich jüdisch war. eingesetzt bist.Deshalb gehe ich voller Zuversichtan meine Verteidigung.11Ich bin erst vor zwölf Tagen nach Jerusalem24,11 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes. gekommen,um im Tempel24,11 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. zu beten.Das kannst du leicht überprüfen.12Niemand hat mich dort Streitgespräche führen sehenoder beobachtet,dass ich einen Aufstand angezettelt hätte –weder im Tempel noch in den Synagogen24,12 Synagoge: Versammlungsstätte einer jüdischen Gemeinde.noch irgendwo sonst in der Stadt.13Für nichts von dem, was mir hier vorgeworfen wird,können sie dir Beweise vorlegen.

14Das allerdings gebe ich vor dir offen zu:Ich diene dem Gott unserer Vorfahren so,wie es dem neuen Weg24,14 neuer Weg: Eine der ältesten Kurzbezeichnungen für das, was im Namen von Jesus Christus verkündet wird. entspricht.Sie bezeichnen ihn als Sekte.Aber ich glaube an alles,was im Gesetz und bei den Propheten24,14 Gesetz und Propheten: Im Neuen Testament eine gebräuchliche Bezeichnung für die Heilige Schrift. Christen lesen bestimmte Texte aus dem Alten Testament als Ankündigung für das Schicksal von Jesus Christus. Ein zentraler Text ist beispielsweise Jesaja 52,13–53,12. steht.15Und ich setze die gleiche Hoffnung auf Gottwie diese Leute hier:die Hoffnung, dass die Toten auferstehen24,15 Auferstehung: Meint die Auferweckung vom Tod und das ewige Leben im Reich Gottes. werden –sowohl die Gerechten24,15 Gerechte: Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt. als auch die Frevler24,15 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen..16Aus diesem Grund bemühe auch ich mich,immer ein reines Gewissen zu haben –vor Gott und vor den Menschen.

17Nach vielen Jahren bin ich wiedernach Jerusalem24,17 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes. zurückgekehrt.Ich hatte Geldspenden für mein Volk dabeiund wollte Gott Opfer24,17 Opfer: Darbringen einer Gabe (Tiere, Pflanzen, Weihrauch) für Gott, die Gemeinschaft mit ihm schafft. In der Regel wird das Opfer oder Teile davon auf dem Altar verbrannt. darbringen.18Dabei hat man mich im Tempel24,18 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. gesehen.Die vorgeschriebene Reinigung24,18 vorgeschriebene Reinigung: Religiöse Handlung, mit der Menschen und Dinge dafür vorbereitet werden, in der Nähe Gottes zu sein. Hier ist sie Teil eines Gelübdes, von dessen Einlösung in Apostelgeschichte 21,23-26 erzählt wird.hatte ich bereits vollzogen.Weder war ich von einer Menschenmenge umringtnoch in einen Tumult verwickelt.19Bei den Leuten, die mich gesehen hatten,handelte es sich um Juden24,19 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. aus der Provinz Asia24,19 Provinz Asia: Römische Provinz im Westen der heutigen Türkei mit der Hauptstadt Ephesus..Sie sollten eigentlich jetzt vor dir stehenund Anklage erheben,wenn sie mir etwas vorzuwerfen haben!20Du kannst aber auch diese Männer hier fragen.Welches Vergehen haben sie denn festgestellt,als ich vor dem jüdischen Rat24,20 jüdischer Rat: Oberste Behörde zur Regelung religiöser Angelegenheiten. verhört wurde?21Es kann sich höchstens um einen einzigen Satz handeln.Damals, als ich vor ihnen stand24,21 als ich vor ihnen stand: Die Erzählung vom Verhör des Paulus vor dem jüdischen Rat findet sich in Apostelgeschichte 23,1-11., habe ich ausgerufen:›Ich stehe heute vor eurem Gericht,weil ich an die Auferstehung24,21 Auferstehung: Meint die Auferweckung vom Tod und das ewige Leben im Reich Gottes. der Toten glaube!‹«

Felix verschleppt den Prozess

22Felix24,22 Felix: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 52–60 n. Chr. wusste über den neuen Weg24,22 neuer Weg: Eine der ältesten Kurzbezeichnungen für das, was im Namen von Jesus Christus verkündet wird. sehr gut Bescheid.Er vertagte die Verhandlung mit den Worten:»Ich werde euren Fall entscheiden,sobald Kommandant Lysias da ist.«23Er befahl dem zuständigen Hauptmann,Paulus24,23 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte. weiter in Gewahrsam zu halten,aber die Haft zu erleichtern.Keiner von seinen Freundensollte daran gehindert werden, für ihn zu sorgen.

24Einige Tage später kam Felix24,24 Felix: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 52–60 n. Chr.zusammen mit seiner Frau Drusilla24,24 Drusilla: Tochter von Herodes Agrippa I., die Jüdin24,24 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. war.Er ließ Paulus24,24 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte. herbeibringen.Dann hörte er sich an,was Paulus über den Glauben an Christus Jesus24,24 Jesus Christus: Der Name ist zugleich ein Bekenntnis. Wer Jesus als Christus anerkennt, glaubt an ihn als Retter und Erlöser der Welt. sagte.25Aber Paulus sprach zuletzt auchüber Gerechtigkeit24,25 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach dem Willen Gottes.,Enthaltsamkeit und das bevorstehende Gericht24,25 Gericht, verurteilen: Als Herrscher über die ganze Welt ist Gott der Richter, der am Ende der Zeit ein Urteil über sie spricht..Da erschrak Felix und sagte:»Für heute kannst du gehen.Wenn ich Zeit habe, lasse ich dich wieder holen.«26Gleichzeitig hoffte er,von Paulus Geld zu bekommen.Deshalb ließ er ihn noch öfter zu sich bringenund unterhielt sich mit ihm.

27Zwei Jahre später wurde Felix24,27 Felix: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 52–60 n. Chr.durch Porcius Festus24,27 Porcius Festus: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 60 n. Chr. abgelöst.Felix wollte den Juden24,27 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. noch einen Gefallen erweisen.Deshalb sorgte er dafür,dass Paulus24,27 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte. weiterhin im Gefängnis blieb.
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Festus nimmt den Prozess wieder auf

251Drei Tage nach seinem Amtsantrittreiste Festus25,1 Festus: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 60 n. Chr. von Cäsarea25,1 Cäsarea: Hafenstadt am Mittelmeer und Hauptstadt der römischen Provinz Judäa. nach Jerusalem25,1 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes..2Die führenden Priester25,2 führende Priester: Der amtierende Hohepriester, seine Vorgänger und weitere Priester aus der Führungsschicht.und die angesehensten Männer des jüdischen Volkes25,2 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten.erneuerten bei ihm ihre Anklage gegen Paulus25,2 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte..Sie baten den Statthalter25,2 römischer Statthalter: Verwalter einer Region oder Provinz im Auftrag des römischen Senats oder des Kaisers.3um einen Beweis für sein Wohlwollen:Er solte Paulus wieder nach Jerusalem verlegen lassen.Denn sie planten einen Anschlag gegen Paulusund wollten ihn unterwegs umbringen lassen.4Aber Festus antwortete:»Paulus bleibt im Gefängnis in Cäsarea25,4 Cäsarea: Hafenstadt am Mittelmeer und Hauptstadt der römischen Provinz Judäa..Ich selbst werde in Kürze dorthin zurückkehren.«5Weiter sagte er:»Eure Bevollmächtigten können ja mitkommen.Wenn der Mann tatsächlich etwas Unrechtes getan hat,sollen sie dort Anklage gegen ihn erheben.«

6Festus25,6 Festus: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 60 n. Chr. blieb nur acht oder zehn Tage in Jerusalem25,6 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes..Dann zog er weiter nach Cäsarea25,6 Cäsarea: Hafenstadt am Mittelmeer und Hauptstadt der römischen Provinz Judäa..Gleich am nächsten Tageröffnete er die Gerichtsverhandlungund ließ Paulus25,6 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte. vorführen.7Als er vor Gericht erschien, umringten ihn die Juden25,7 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten.,die aus Jerusalem gekommen waren.Sie brachten viele schwere Anklagen gegen ihn vor,die sie aber nicht beweisen konnten.8Paulus verteidigte sich:»Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen –weder gegen das Gesetz25,8 Gesetz: Die Lebensvorschriften des Alten Testaments, besonders die fünf Bücher Mose. der Judennoch gegen den Tempel25,8 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. oder den Kaiser25,8 Kaiser: Kaiser Nero, der 54–68 n. Chr. über das Römische Reich herrschte.

9Festus25,9 Festus: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 60 n. Chr. wollte den Juden25,9 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. aber einen Gefallen tun.Deshalb fragte er Paulus25,9 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte.:»Willst du nach Jerusalem25,9 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes. gehen?Dort könnte in meiner Gegenwartein Urteil in dieser Sache gefällt werden.«10Aber Paulus erwiderte:»Ich stehe hier vor dem kaiserlichen Gericht,und vor ihm muss mein Fall entschieden werden.Ich habe den Juden kein Unrecht getan,wie du sehr wohl weißt.11Wenn ich wirklich ein Unrechtoder ein todeswürdiges Verbrechen begangen habe,bin ich bereit zu sterben.Wenn aber ihre Anschuldigungen nicht haltbar sind,darf niemand mich ihnen aus Gefälligkeit ausliefern.Ich verlange, dass mein Fall vor den Kaiser kommt25,11 vor den Kaiser kommen: Als römischer Bürger hatte Paulus das Recht, direkt an den Kaiser zu appellieren oder bei ihm Berufung einzulegen.12Daraufhin besprach sich Festus mit seinen Beratern.Dann antwortete er:»Du wolltest, dass dein Fall vor den Kaiser kommt.Also sollst du vor den Kaiser gebracht werden!«

Festus informiert König Agrippa über Paulus

13Einige Zeit später kamen König Agrippa25,13 Agrippa: Herodes Agrippa II. herrschte ab 50 n. Chr. im Namen des römischen Kaisers unter anderem über die Städte Tiberias und Tarichäa am See Gennesaret und hatte die Aufsicht über den Tempel in Jerusalem.und seine Schwester Berenike nach Cäsarea25,13 Cäsarea: Hafenstadt am Mittelmeer und Hauptstadt der römischen Provinz Judäa.,um Festus25,13 Festus: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 60 n. Chr. einen Antrittsbesuch abzustatten.14Nachdem sie schon einige Tage da waren,legte Festus dem König den Fall des Paulus25,14 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte. vor:»Felix25,14 Felix: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 52–60 n. Chr. und Vorgänger von Festus. hat hier einen Mannals Gefangenen zurückgelassen.15Als ich in Jerusalem25,15 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes. war,erhoben die führenden Priester25,15 führende Priester: Der amtierende Hohepriester, seine Vorgänger und weitere Priester aus der Führungsschicht.und die Ratsältesten25,15 Ratsälteste: Mitglieder des jüdischen Rats, der obersten Behörde zur Regelung religiöser Angelegenheiten. der Juden25,15 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. Anklage gegen ihn.Sie forderten seine Verurteilung.16Ich antwortete ihnen:›Es ist bei den Römern25,16 Römer: Das römische Bürgerrecht beinhaltet verschiedene Rechte und Pflichten, die nicht gleichermaßen für andere Bewohner des Römischen Reichs galten. Dazu gehörten Wahlrecht, Kriegsdienst und das Verbot bestimmter grausamer Hinrichtungsarten wie der Kreuzigung oder Folter. nicht üblich,einen Angeklagten einfachaus Gefälligkeit auszuliefern.Der Angeklagte muss zuerst den Anklägernpersönlich gegenübergestellt werden.Dabei muss er Gelegenheit erhalten,sich gegen die Anklage zu verteidigen.‹17Daraufhin kamen einige von ihnen mit mir hierher.Ich habe dann unverzüglichfür den nächsten Tag eine Gerichtsverhandlung angesetztund ließ den Mann vorführen.18Bei der Gegenüberstellungbrachten die Ankläger aber keine Beschuldigungenwegen irgendwelcher schwerer Vergehen vor.Das hatte ich eigentlich erwartet.19Es ging lediglich um einige Streitfragen,die ihre eigene Religion betreffen.Und um einen gewissen Jesus25,19 Jesus: Der Name bedeutet so viel wie »der Herr rettet«. Christen glauben an ihn als Sohn Gottes, in dem sich die Verheißungen des Alten Testaments erfüllen. Um 30 n. Chr. wirkte Jesus in der Art eines jüdischen Lehrers in Galiläa und Judäa., der längst tot ist.Aber Paulus behauptet, dass dieser Jesus lebt.20In solchen Dingen kenne ich mich nicht genügend aus.Deshalb fragte ich Paulus:›Willst du nicht nach Jerusalem gehenund den Fall dort entscheiden lassen?‹21Aber Paulus legte dagegen Berufung ein.Er wollte bis zu einer EntscheidungSeiner Kaiserlichen Majestät25,21 Seine Kaiserliche Majestät: Als römischer Bürger hatte Paulus das Recht, direkt an den Kaiser zu appellieren oder bei ihm Berufung einzulegen. in Haft bleiben.Also befahl ich, ihn weiter in Haft zu halten,bis ich ihn zum Kaiser schicken kann.«22Da sagte Agrippa zu Festus:»Ich würde den Mann gern einmal selbst hören.«»Morgen sollst du dazu Gelegenheit haben«,antwortete Festus.

23Am folgenden Tag erschienen Agrippa25,23 Agrippa: Herodes Agrippa II. herrschte ab 50 n. Chr. im Namen des römischen Kaisers unter anderem über die Städte Tiberias und Tarichäa am See Gennesaret und hatte die Aufsicht über den Tempel in Jerusalem. und Berenike25,23 Berenike: Schwester von König Herodes Agrippa II.mit großem Gefolge.Begleitet von den Kommandanten25,23 Kommandanten: Die Kommandanten der römischen Truppen, die in Cäsarea stationiert waren.und den angesehensten Männern der Stadt,betraten sie den Empfangssaal.Auf Befehl von Festus25,23 Festus: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 60–62 n. Chr.wurde Paulus25,23 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte. der Versammlung vorgeführt.24Dann ergriff Festus das Wort:»König Agrippa! Verehrte Gäste!Hier seht ihr den Mann,wegen dessen Verurteilung die versammelten Juden25,24 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten.mich so sehr bedrängt haben.Sowohl in Jerusalem25,24 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes. als auch hier in Cäsarea25,24 Cäsarea: Hafenstadt am Mittelmeer und Hauptstadt der römischen Provinz Judäa.haben sie laut gefordert:›Er darf nicht am Leben bleiben!‹25Ich habe jedoch festgestellt,dass er nichts getan hat,worauf die Todesstrafe steht.Er hat aber selbst verlangt,dass sein Fall vor Seine Kaiserliche Majestät25,25 Seine kaiserliche Majestät: Als römischer Bürger hatte Paulus das Recht, direkt an den Kaiser zu appellieren oder bei ihm Berufung einzulegen. kommt.Deshalb habe ich beschlossen,ihn zum Kaiser zu schicken.26Ich weiß allerdings kaum etwas Sicheres,das ich meinem Herrn über ihn schreiben könnte.Deshalb habe ich ihn euchund vor allem dir, König Agrippa,vorführen lassen.Nach der Vernehmung werde ich wohl in der Lage sein,einen Bericht zu verfassen.27Denn ich finde es unsinnig,einen Gefangenen nach Rom25,27 Rom: Hauptstadt des Römischen Reiches, im heutigen Italien gelegen. zu schicken,ohne Gründe dafür anzugeben.«
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Paulus verteidigt sich vor König Agrippa

261Agrippa26,1 Agrippa: Herodes Agrippa II. herrschte ab 50 n. Chr. im Namen des römischen Kaisers unter anderem über die Städte Tiberias und Tarichäa am See Gennesaret und hatte die Aufsicht über den Tempel in Jerusalem. sagte zu Paulus26,1 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte.:»Es ist dir erlaubt, in eigener Sache zu sprechen.«Da hob Paulus die Handund begann seine Verteidigungsrede:2»Die Juden26,2 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. bringen schwere Anschuldigungengegen mich vor.Deshalb schätze ich mich glücklich, König Agrippa,dass ich mich heute vor dir verteidigen kann.3Das gilt umso mehr,als du dich mit den Vorschriftenund Streitfragen der Juden hervorragend auskennst.Bitte, höre mich geduldig an!

4Seit meiner Jugend habe ichbei meinem Volk in Jerusalem26,4 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes. gelebt.Alle Juden26,4 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten. wissen,wie ich mein Leben von klein auf geführt habe.5Sie kennen mich von früher.Wenn sie wollen, können sie es bezeugen:Ich habe zu der Gruppe gehört,die unseren Glauben am strengsten ausübt.Denn ich war Pharisäer26,5 Pharisäer: Angehöriger einer jüdischen Glaubensgruppe, die die biblischen Vorschriften und Gesetze sehr streng auslegte..6Jetzt stehe ich vor Gericht, weil ich auf das hoffe,was Gott unseren Vorfahren versprochen hat26,6 was Gott unseren Vorfahren versprochen hat: Versprechen Gottes, die sich im Alten Testament finden. Christen lesen gerade diese Texte aus dem Alten Testament als Ankündigung für das Schicksal von Jesus Christus. Ein zentraler Text ist beispielsweise Jesaja 52,13–53,12..7Die zwölf Stämme unseres Volkes26,7 Stämme Israels: Israel versteht sich als Verband von zwölf Stämmen, die auf die Nachkommen der Söhne Jakobs zurückgehen.dienen Gott ununterbrochen bei Tag und bei Nacht.Denn sie hoffen,dass sie die Erfüllung dieser Zusage erleben.Und gerade wegen dieser Hoffnung,mein König, werde ich von den Juden nun angeklagt.8Warum haltet ihr es für unglaubwürdig,dass Gott Tote auferweckt26,8 Auferweckung: Meint die Auferstehung vom Tod und das ewige Leben im Reich Gottes.?

9Ich selbst hatte ja zunächst geglaubt26,9 zunächst geglaubt: Apostelgeschichte 7,54–8,3 erzählt, dass Paulus die Hinrichtung von Stephanus, einem Mitglied der Gemeinde von Jerusalem, befürwortet.,gegen das Bekenntnis zu Jesus26,9 Jesus Christus: Der Name Jesus Christus ist zugleich ein Bekenntnis. Wer Jesus als Christus anerkennt, glaubt an ihn als Retter und Erlöser der Welt., dem Nazoräer26,9 Nazoräer: Bezeichnung für die Herkunft von Jesus aus der Stadt Nazaret.,hart vorgehen zu müssen.10Das habe ich in Jerusalem26,10 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes. dann auch getan.Ausgestattet mit einer Vollmacht der führenden Priester26,10 führende Priester: Der amtierende Hohepriester, seine Vorgänger und weitere Priester aus der Führungsschicht.brachte ich viele der Heiligen26,10 Heilige: Bezeichnung für die Anhänger von Jesus Christus. ins Gefängnis.Und wenn sie zum Tod verurteilt werden sollten,stimmte ich dafür.11Ich suchte sie in sämtlichen Synagogen26,11 Synagoge: Versammlungsstätte einer jüdischen Gemeinde..Immer wieder versuchte ich,sie mithilfe von Strafen zu zwingen,ihrem Glauben abzuschwören.Mein Hass auf sie war grenzenlos.Deshalb verfolgte ich sie sogarbis in die Städte außerhalb des Landes.

12In dieser Absicht reiste ich nach Damaskus26,12 reiste ich nach Damaskus: Von der Reise des Paulus nach Damaskus und seiner Begegnung mit Jesus erzählt Apostelgeschichte 9,1-25..Ich hatte die Vollmachtund das Einverständnis der führenden Priester26,12 führende Priester: Der amtierende Hohepriester, seine Vorgänger und weitere Priester aus der Führungsschicht..13Unterwegs, mein König, um die Mittagszeit,sah ich plötzlich vom Himmel26,13 Himmel: Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt. her ein Licht aufleuchten.Es war heller als der Glanz der Sonneund umstrahlte mich und meine Begleiter.14Wir stürzten alle zu Boden.Da hörte ich eine Stimme,die auf Hebräisch zu mir sagte:Saul26,14 Saul: Kurzform von Saulus, dem hebräischen Namen von Paulus., Saul, warum verfolgst du mich?Du wehrst dich vergeblich gegen den Stock,der dich antreibt.‹15Da fragte ich: ›Wer bist du, Herr?‹Der Herr antwortete: ›Ich bin Jesus26,15 Jesus Christus: Der Name Jesus Christus ist zugleich ein Bekenntnis. Wer Jesus als Christus anerkennt, glaubt an ihn als Retter und Erlöser der Welt., den du verfolgst.16Doch jetzt steh auf!Stell dich auf die Füße!Denn ich bin dir erschienen,um dich in meinen Dienst zu nehmen.Du sollst als Zeuge auftreten für das,was du heute gesehen hast –und das, was ich dir noch zeigen werde.17Ich schütze dich vor deinem Volkund vor den Menschen aus den anderen Völkern.Ich sende dich zu ihnen,18damit du ihnen die Augen öffnest.Sie sollen sich aus der Finsternis zum Licht26,18 Licht: Bild für das Leben, das Jesus Christus als Licht der Welt schenkt. Durch ihn erhalten die Menschen das ewige Leben in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott. hinwendenund aus der Gewalt des Satans26,18 Satan, Teufel: Gegenspieler Gottes. Er versucht, die Menschen zu einem Verhalten zu bewegen, das Gottes Willen widerspricht. zu Gott.Durch den Glauben an michsollen ihnen ihre Sünden26,18 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. vergeben werden.Und sie sollen ihren Anteilam Erbe26,18 Erbe: Ursprünglich der Anteil der Israeliten an dem Land, das Gott ihnen gibt. Im Neuen Testament bedeutet es ein Leben im Reich Gottes, in unmittelbarer Gemeinschaft mit ihm. der Heiligen26,18 Heilige: Bezeichnung für die Anhänger von Jesus Christus. erhalten.‹

19Deshalb, König Agrippa26,19 Agrippa: Herodes Agrippa II. herrschte ab 50 n. Chr. im Namen des römischen Kaisers unter anderem über die Städte Tiberias und Tarichäa am See Gennesaret und hatte die Aufsicht über den Tempel in Jerusalem.,habe ich der himmlischen Erscheinungwiderspruchslos gehorcht.20Ich war dann zuerst in Damaskus26,20 Damaskus: Bedeutende Handelsstadt am Rand der syrischen Wüste. und Jerusalem26,20 Jerusalem: Mit dem Tempel religiöses und kulturelles Zentrum des Landes.,später in ganz Judäa26,20 Judäa: Römische Provinz mit Jerusalem als religiösem und kulturellem Zentrum. und bei den anderen Völkern.Überall habe ich die Menschen aufgefordert:›Ändert euer Leben und wendet euch hin zu Gott!Handelt so, wie es eurem neuen Leben entspricht!‹21Nur deswegen haben die Juden26,21 Juden: Menschen, die zu Gottes Volk gehören. Im Gegensatz zu anderen Völkern werden alle jüdischen Männer beschnitten.mich im Tempel26,21 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. festgenommenund versucht, mich zu töten.22Aber Gott hat mir bis heute geholfen.Deshalb stehe ich hier als sein Zeugevor den einfachen Leuten wie vor den Mächtigen.Ich rede von nichts anderem als von dem,was die Propheten und Mose angekündigt26,22 die Propheten und Mose angekündigt: Im Neuen Testament eine gebräuchliche Bezeichnung für die Heilige Schrift. Christen lesen bestimmte Texte aus dem Alten Testament als Ankündigung für das Schicksal von Jesus Christus. Ein zentraler Text ist beispielsweise Jesaja 52,13–53,12. haben:23Der Christus26,23 Christus: Bedeutet übersetzt »der Gesalbte«. Im Alten Testament werden Könige, aber auch Propheten und Priester bei Amtsantritt gesalbt. Später wird der von Gott zum Herrscher der Welt bestimmte Retter so genannt. Im Neuen Testament ist das Jesus. muss leidenund als Erster von den Toten auferstehen26,23 Auferstehung: Meint die Auferweckung vom Tod und das ewige Leben im Reich Gottes..Dann wird er meinem Volkund den Menschen aus den anderen Völkerndie Botschaft vom Licht26,23 Licht: Bild für das Leben, das Jesus Christus als Licht der Welt schenkt. Durch ihn erhalten die Menschen das ewige Leben in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott. verkünden.«

Die Reaktion von Festus und Agrippa auf die Rede des Paulus

24Als Paulus26,24 Paulus: Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte. mit seiner Verteidigungan diesem Punkt angelangt war,rief Festus26,24 Festus: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 60 n. Chr. laut dazwischen: »Du bist verrückt, Paulus!Das viele Lesen in der Schrifthat dich in den Wahnsinn getrieben.«25Paulus antwortete: »Ich bin nicht verrückt, verehrter Festus.Was ich sage, ist wahr und vernünftig.26Der König weiß darüber Bescheid.Mit ihm kann ich auch ganz offen darüber reden.Denn ich bin überzeugt,dass ihm nichts davon entgangen ist.Schließlich hat das alles nichtin irgendeinem abgelegenen Winkel stattgefunden.27König Agrippa, glaubst du den Propheten26,27 glaubst du den Propheten: Die Frage von Paulus zielt darauf ab zu erfahren, ob König Agrippa Texte aus dem Alten Testament als Ankündigung für das Schicksal von Jesus Christus liest, wie Christen es tun.?Ich weiß, dass du ihnen glaubst!«28Agrippa sagte zu Paulus: »Es fehlt nicht vielund du überzeugst mich noch, Christ26,28 Christen: Bezeichnung für die Anhänger von Jesus Christus, die zunächst nur von Außenstehenden gebraucht wurde. zu werden!«29Paulus entgegnete: »Ich bete zu Gott,dass du wirst, was ich schon bin.Und nicht nur du!Nein, ich bete, dass früher oder später alle,die mich heute hören, mir gleich werden –natürlich bis auf diese Fesseln.«

30Der König und der römische Statthalter26,30 römischer Statthalter: Verwalter einer Region oder Provinz im Auftrag des römischen Senats oder des Kaisers. erhoben sichund mit ihnen auch Berenike und die anderen.31Während sie den Saal verließen, unterhielten sie sich:»Dieser Mann tut nichts,wofür er den Tod oder das Gefängnis verdient.«32Und Agrippa sagte zu Festus26,32 Festus: Römischer Statthalter in der Provinz Judäa 60 n. Chr.:»Der Mann könnte freigelassen werden,wenn er nicht verlangt hätte,dass sein Fall vor den Kaiser kommt26,32 vor den Kaiser kommen: Als römischer Bürger hatte Paulus das Recht, direkt an den Kaiser zu appellieren oder bei ihm Berufung einzulegen.