BasisBibel (BB)

Das erste Buch Mose/Genesis

In der griechischen und lateinischen Übersetzung der Bibel trägt das 1. Buch Mose den Namen »Genesis«. Das Wort bedeutet »Ursprung« oder »Entstehung«. Die ersten Worte des Buches, zugleich die ersten Worte der Bibel, sind Programm: »am Anfang« (1,1). Denn das 1. Buch Mose/Genesis erzählt von zwei Anfängen: von der Entstehung der ganzen Welt als Schöpfung Gottes und von der Herkunft des Volkes Israel.

Das 1. Buch Mose/Genesis gliedert sich nach seinen großen Themen. In den Kapiteln 1–11 ist von der Schöpfung und der »Urgeschichte« der Menschheit die Rede. Ab Kapitel 12 geht es um die Vorfahren der Israeliten: Kapitel 12–26 erzählen die Geschichte von Abraham, Sara und ihren Kindern. Kapitel 27–36 handeln von Jakob, der dann den Namen »Israel« erhält (32,23-33), und die Kapitel 37–50 erzählen die Geschichte von Jakobs Söhnen: Josef und seinen Brüdern.

Die Erzählungen von der Schöpfung beschreiben die Anfänge der Welt und der Menschheit. Sie vermitteln ein grundlegendes Bekenntnis des Glaubens: Die ganze Welt, so wie sie ist, ist Gottes Werk. Gott hat die Welt in einer bestimmten Ordnung geschaffen, und ohne diese Ordnung ist kein Leben möglich. Besonders deutlich wird das in der ersten Schöpfungserzählung (1,1–2,4). Gott schafft durch sein Wort die Ordnung von Zeit (Tag und Nacht) und Raum (Land und Meer). Entsprechend sind auch die vielen Namenslisten zu verstehen, die neben den Erzählungen im 1. Buch Mose/Genesis enthalten sind (beispielsweise 1. Mose/Genesis 10): Die Listen gliedern und ordnen die Geschichte der Menschen und führen sie so auf Gott zurück. Schon in der zweiten Schöpfungserzählung (2,4–3,24) zeigt sich aber auch ein anderer Gesichtspunkt: eine grundlegende Spannung zwischen der von Gott geschaffenen Ordnung und der Freiheit des Menschen, diese Ordnung zu missachten. Die übrigen Geschichten im ersten Teil des Buches erzählen vom Leben in dieser Spannung und davon, dass Gott den Menschen trotzdem beisteht. Gott gibt den Menschen selbst dann nicht auf, wenn er seine Ordnung verlässt. Die Geschichte von Noah und der Sintflut (6,5–9,29) enthält Gottes Versprechen: »Nie wieder will ich alles Lebendige so schwer bestrafen« (1. Mose/Genesis 8,21).

»Versprechen« (oder Verheißung) ist dann das große Thema der Erzeltern-Geschichten. »Erzeltern« werden die Vorfahren der Israeliten genannt. Verschiedene Erzählungen von den Anfängen des Volkes Israel sind darin zu einer »Familiengeschichte« zusammengestellt. Ihnen gemeinsam ist die Erfahrung, dass Gott Zusagen macht und diese erfüllt. Abraham und Sara erhalten von Gott das Versprechen, Vorfahren eines großen Volkes zu werden, das ein eigenes Land besitzt. Wegen dieses Versprechens verlassen sie ihre Heimat (12,1-9). Gott weitet das Versprechen zu einem Bund aus: Er verpflichtet sich selbst dazu, den Nachkommen von Abraham und Sara Sicherheit zu verschaffen (15). Abraham und Sara müssen nichts dafür tun, außer den Zusagen Gottes zu vertrauen. In den Geschichten um Jakob, den Enkel von Abraham, kommt der Gedanke hinzu, dass Gottes Schutz und Beistand, sein »Segen«, als materieller Wohlstand, Gesundheit und Fruchtbarkeit sichtbar werden. Jakob fordert diesen »Segen« aktiv ein und erhält auch deswegen den neuen Namen »Israel« (32,23-33). Schließlich wird Jakob oder »Israel« Vater von zwölf Söhnen, die als »Stammväter« des Volkes Israel gelten (35,21-26), das sich als Verband aus zwölf Stämmen versteht.

Der Gegensatz zwischen menschlichen Plänen und göttlichem Willen bestimmt wiederum die Geschichte von Josef, einem von Jakobs Söhnen. Seine Geschichte beginnt mit dem Neid seiner Brüder (37,12-36), der dazu führt, dass Jakob und seine Familie nach Ägypten gelangen (46). Dort wird die Erzählung des 2. Buch Mose/Exodus ihren Anfang nehmen. Josef rettet seine Familie durch seine Klugheit vor einer Hungersnot (41,47-57). Das 1. Buch Mose/Genesis endet mit der Einsicht, dass Gott das Geschehen nach seinem Willen zum Guten führt: »Ihr hattet Böses für mich geplant. Aber Gott hat es zum Guten gewendet«, sagt Josef am Schluss des Buches zu seinen Brüdern (50,20).

Wann und wie genau das Buch entstanden ist, lässt sich nicht feststellen. Sicher scheint nur, dass der Text nicht am Stück geschrieben, sondern aus verschiedenen Geschichten und Beiträgen zu einer Erzählfolge zusammengestellt wurde. An einigen Stellen ist das noch gut erkennbar: Die Schöpfung durch Gott wird zwei Mal erzählt (1,1–2,4 und 2,4–3,24), ebenso der Bundesschluss zwischen Gott und Abraham (15 und 17).

Die Themen des 1. Buch Mose/Genesis sind so grundlegend, dass sie immer wieder aufgegriffen und verarbeitet wurden, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Bibel. Die Versprechen (oder Verheißungen), die Gott Abraham, Sara und später ihren Nachkommen gibt, werden im Verlauf der Erzählungen der geschichtlichen Bücher schrittweise eingelöst: Die Israeliten als »Nachkommen« Abrahams und Jakobs werden ein großes Volk (2. Mose/Exodus) und erobern ein Land, in dem sie leben können (Josua). Im Neuen Testament sieht Paulus in Abraham ein Vorbild im Glauben (Römer 4).

1

Die Urgeschichte

1. Mose/Genesis 1,1–11,32

Von der Erschaffung der Welt und der Menschen

1. Mose/Genesis 1,1–3,24

Die Erschaffung der Welt

11Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde1,1 Himmel und Erde: Bezeichnet die ganze Welt..2Die Erde war wüst und leer1,2 wüst und leer: Wörtlich »Tohuwabohu«. Meint das urzeitliche Chaos vor der Schöpfung.,und Finsternis lag über dem Urmeer1,2 Urmeer: Wasser, das am Anfang die ganze Erde bedeckte. Es steht für das Chaos, das Gott bei der Erschaffung der Welt in seine Schranken weist..Über dem Wasser schwebte Gottes Geist1,2 Geist Gottes: Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt..3Gott sprach: »Es soll Licht werden!«Und es wurde Licht.4Gott sah, dass das Licht gut war,und Gott trennte das Licht von der Finsternis.5Er nannte das Licht »Tag« und die Finsternis »Nacht«.Es wurde Abend und wieder Morgen – der erste Tag.

6Gott sprach:»Ein Dach1,6 Dach: Meint eine Art Platte, die auf den Bergen am äußeren Rand der Erde aufliegt. Sie bildet den Boden des Himmels und gleichzeitig das Dach der Erde. soll sich wölben mitten im Urmeer1,6 Urmeer: Wasser, das am Anfang die ganze Erde bedeckte. Es steht für das Chaos, das Gott bei der Erschaffung der Welt in seine Schranken weist.!Es soll das Wasser daruntervon dem Wasser darüber trennen.«Und so geschah es1,6 und so geschah es: In der griechischen Übersetzung steht der Satz an dieser Stelle. Im hebräischen Text folgt er am Ende von Vers 7..7Gott machte das Dachund trennte das Wasser unter dem Dachvon dem Wasser über dem Dach.8Gott nannte das Dach »Himmel«.Es wurde Abend und wieder Morgen – der zweite Tag.

9Gott sprach:»Das Wasser unter dem Himmelsoll sich an einem Ort sammeln,damit das Land sichtbar wird!«Und so geschah es.10Gott nannte das Land »Erde«und das gesammelte Wasser »Meer«.Und Gott sah, dass es gut war.

11Gott sprach:»Die Erde soll frisches Grün sprießen lassenund Pflanzen, die Samen tragen!Sie soll auch Bäume hervorbringenmit eigenen Früchten und Samen darin!«Und so geschah es.12Die Erde brachte frisches Grün hervorund Pflanzen, die Samen tragen.Sie ließ auch Bäume wachsenmit eigenen Früchten und Samen darin.Und Gott sah, dass es gut war.13Es wurde Abend und wieder Morgen – der dritte Tag.

14Gott sprach:»Lichter sollen am Himmelsdach entstehen,um Tag und Nacht voneinander zu trennen!Sie sollen als Zeichen dienen,um die Feste, die Tage und Jahre zu bestimmen.15Als Leuchten sollen sie am Himmelsdach stehenund der Erde Licht geben.«Und so geschah es.16Gott machte zwei große Lichter1,16 zwei große Lichter: Meint Sonne und Mond..Das größere Licht sollte den Tag beherrschenund das kleinere die Nacht.Dazu kamen noch die Sterne.17Gott setzte sie an das Himmelsdach,um der Erde Licht zu geben.18Sie sollten am Tag und in der Nacht herrschenund das Licht von der Finsternis trennen.Und Gott sah, dass es gut war.19Es wurde Abend und wieder Morgen – der vierte Tag.

20Gott sprach:»Das Wasser soll von Lebewesen wimmeln,und Vögel1,20 Vögel: Meint alle fliegenden Lebewesen, von Insekten bis hin zu Fledermäusen. sollen fliegen über der Erde und am Himmel!«21Gott schuf die großen Seeungeheuerund alle Arten von Lebewesen,von denen das Wasser wimmelt.Er schuf auch alle Arten von Vögeln.Und Gott sah, dass es gut war.22Gott segnete1,22 Segen, segnen: Besondere Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen. Gott schenkt durch seinen Segen Leben, Kraft und Wohlergehen. sie und sprach:»Seid fruchtbar, vermehrt euchund füllt das ganze Meer!Auch die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde!«23Es wurde Abend und wieder Morgen – der fünfte Tag.

24Gott sprach:»Die Erde soll Lebewesen aller Art hervorbringen:Vieh, Kriechtiere und wilde Tiere!«Und so geschah es.25Gott machte die wilden Tiere und das Viehund alle Kriechtiere auf dem Boden.Er machte sie alle nach ihrer eigenen Art.Und Gott sah, dass es gut war.

26Gott sprach:»Lasst uns1,26 uns: Gott bespricht sich mit der himmlischen Ratsversammlung. Menschen machen – unser Ebenbild1,26 Ebenbild: Damit wird gesagt, dass die Menschen als Gottes Stellvertreter auf der Erde geschaffen sind.,uns gleich sollen sie sein!Sie sollen herrschen über die Fische im Meerund die Vögel am Himmel,über das Vieh und die ganze Erde,und über alle Kriechtiere auf dem Boden.«27Gott schuf den Menschen nach seinem Bild.Als Gottes Ebenbild schuf er ihn,als Mann und Frau schuf er sie.28Gott segnete1,28 Segen, segnen: Besondere Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen. Gott schenkt durch seinen Segen Leben, Kraft und Wohlergehen. sie und sprach zu ihnen:»Seid fruchtbar und vermehrt euch!Bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz!Herrscht über die Fische im Meerund die Vögel am Himmelund über alle Tiere, die auf dem Boden kriechen!«

29Gott sprach:»Als Nahrung gebe ich euch alle Pflanzen auf der Erde,die Samen hervorbringen –dazu alle Bäume mit Früchten und Samen darin.30Die grünen Pflanzen sollen Futter für die Tiere sein:für die Tiere auf der Erde, die Vögel am Himmelund alle Kriechtiere auf dem Boden.«Und so geschah es.31Gott sah alles an, was er gemacht hatte:Es war sehr gut.Es wurde Abend und wieder Morgen – der sechste Tag.