Deutsche Bibelgesellschaft

Ostern

Ostern als Fest des Lebens und des Neubeginns

„Der Herr ist auferstanden.“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Dieser Osterruf erklingt in vielen christlichen Gottesdiensten an Ostersonntag. Er steht im Mittelpunkt des christlichen Osterfestes, denn Ostern feiert die Auferstehung Jesu Christi – das Herzstück des christlichen Glaubens. Das Leben hat über den Tod gesiegt, die Hoffnung über die Verzweiflung und die Vergebung über die Schuld.

Doch bis zu diesem Freudenruf führt ein Weg, der mit der Karwoche beginnt: vom Einzug Jesu in Jerusalem über das letzte Abendmahl bis zur Kreuzigung am Karfreitag. Erst am dritten Tag folgt das Wunder der Auferstehung, das bis heute Menschen auf der ganzen Welt bewegt.

Entdecken Sie auf unserer Seite, wie die Ostergeschichte in der Bibel erzählt wird und welche Bibeltexte zu Ostern von den Ereignissen in Jerusalem berichten. Hören Sie die bekanntesten Texte, gelesen von Rufus Beck, und lassen Sie sich auf eine biblische Ostersuche ein, die vertraute Geschichten in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Und natürlich darf auch der Osterhase nicht fehlen! Erfahren Sie, woher dieser Brauch stammt und was Eier, Hasen und Frühlingserwachen mit dem christlichen Osterfest zu tun haben. Tauchen Sie ein in die vielfältigen Traditionen von Ostern – zwischen Glaube, Geschichte und Symbolen des Neubeginns.

Die Tage der Karwoche

Die Woche vor Ostern wird Karwoche genannt, manchmal auch Heilige bzw. Große Woche. In diesen Tagen erinnern sich Christinnen und Christen an den Leidensweg Jesu bis zu seinem Tod an Karfreitag. Der Freitag steht dabei ganz im Zeichen des Gedenkens und Innehaltens: das altdeutsche Wort „Kara“ bedeutet auch Klage oder Trauer.

Jesus war zu dieser Zeit in Jerusalem. Im jüdischen Glauben ist die Stadt das geistliche Zentrum. Hier steht der Tempel. Auch in den Evangelien spielen zentrale Texte in Jerusalem, etwa die Erzählung des Abendmahls. Für Jesus ist Jerusalem also nicht nur der Ort seines Leidens, sondern auch seiner absoluten Hingabe. Hier zeigt sich, wie sehr Jesus die Welt und die Menschen liebte, dass er sogar für sie starb.

Im Folgenden finden Sie Erklärungen und Bibelstellen zu den Ereignissen der Karwoche, sowie einige biblische Schlüsselgeschichten aus Jerusalem.

Palmsonntag

Einzug in Jerusalem: Jesus reitet auf einem jungen Esel und wird wie ein König begrüßt (Markus 11,1-11).

Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert (Matthäus 21,1-11). Dort wollte Jesus mit seinen Jüngern und Jüngerinnen das Pesachfest feiern. Auf einem Esel reitend kam er in die Stadt und erfüllte damit die Erwartungen, die mit dem ersehnten Friedenskönig verbunden waren:
„Sagt der Zionsstadt: Dein König kommt jetzt zu dir! Er verzichtet auf Gewalt. Er reitet auf einem Esel.“ (Matthäus 21,5; vgl. Jesaja 62,11 und Sacharja 9,9).

Mit großem Jubel wurde Jesus empfangen und als „Davidssohn“ begrüßt. Als Zeichen der Verehrung breiteten Menschen Zweige und sogar ihre eigenen Kleider vor Jesus auf der Straße aus, damit er wie auf einem Teppich darüber reiten konnte. In katholischen Gemeinden erinnern noch heute Palmprozessionen an dieses Gesehen.
Die Hoffnung dieser Menschen damals war wohl, Jesus würde das jüdische Volk – vielleicht sogar durch einen Aufstand – von den römischen Besatzern befreien. Doch seine Königsherrschaft verwirklichte sich in anderer Weise. Sein Weg führte ans Kreuz.

Montag

Tempelreinigung – Jesus vertreibt die Menschen, die handeln und Geld wechseln aus dem Tempel (Markus 11,15-19).

Dienstag

Jesus lehrt im Tempel (Markus 12-13).

Mittwoch

Salbung in Betanien (Markus 14,3-9). Judas kommt mit den führenden Priestern überein, Jesus zu verraten (Markus 14,10-11).

Gründonnerstag

Das letzte Abendmahl feierte Jesus mit den zwölf Aposteln in Jerusalem. Danach geht Jesus mit ihnen in den Garten Getsemani, um zu beten. Dort wird Jesus verhaftet, nachdem Judas ihn mit einem Kuss für die Römer erkenntlich gemacht hat (Matthäus 26,17-56).

Am Abend seiner Gefangennahme feierte Jesus mit seinen Jüngern und Jüngerinnen ein Abschiedsessen (Markus 14,17-26; Lukas 22,14-20). Dabei versprach er ihnen, dass ihre Gemeinschaft mit seinem Tod nicht enden wird. Vielmehr werde er auch weiterhin bei ihnen sein, wenn sie in seinem Namen eine Tischgemeinschaft halten.

Bei der Einsetzung des Abendmahls deutete Jesus sein bevorstehendes Leiden und Sterben als Hingabe seines Lebens für die Menschen. Wenn wir heute Abendmahl feiern, erleben wir durch Brot und Wein, dass diese Hingabe auch uns gilt. Christus ist gegenwärtig in unserer Gemeinschaft und versöhnt auch uns mit Gott.

Da diese Mahlfeier den Evangelien zufolge am Tag von Jesu Gefangennahme stattfand, finden in christlichen Gemeinden an Gründonnerstag in Gedenken daran Abendmahls- und Eucharistiefeiern statt. Der Name „Gründonnerstag“ kommt dabei nicht von der Farbe Grün, sondern von „greinen“. Das heißt weinen. Die Sünderinnen und Sünder, die „Greinenden“, die am Aschermittwoch aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden, werden an Gründonnerstag aus ihrer Bußzeit entlassen und wieder in die Gemeinde aufgenommen. Das macht Gründonnerstag im Unterschied zu den anderen Tagen der Karwoche zu einem Tag festlicher Freude.

Karfreitag

Jesus wird vor den Hohepriester gebracht (Matthäus 26,57-68) und vor den „Hohen Rat“ der Jüdinnen und Juden. Anschließend wird er Pontius Pilatus vorgeführt, der ihn zum Verhör zu Herodes schickt (Lukas 23,1-12). Pilatus fällt das Todesurteil. Jesus wird nach Golgota gebracht und gekreuzigt (Markus 15,21-41). Nach seinem Tod wird der Leichnam vom Kreuz abgenommen und im Grab des reichen Juden, Josef von Arimathäa, beigesetzt (Markus 15,42-47).

Am Freitag vor Ostern gedenkt die Christenheit der Kreuzigung und des Todes Jesu. Der Name „Karfreitag“ kommt von dem althochdeutschen Wort „kara“, das Trauer bedeutet.

Karfreitag und Palmsonntag bilden einen Gegensatz, wie er stärker kaum denkbar ist. Beim Einzug in Jerusalem wurde Jesus jubelnd empfangen, in der Hoffnung er werde als Messias das jüdische Volk von den römischen Besatzern befreien. Doch stattdessen müssen seine Jüngerinnen und Jünger erleben, wie der Gottessohn elend den Verbrechertod stirbt (Johannes 19,16-37). Erst nach der Auferstehung erkennen sie, welch tiefer Sinn in diesem Tod am Kreuz liegt: Jesus Christus litt nicht nur an der Welt, weil die ihn und seine Botschaft nicht verstand und sie ihn schließlich folterte und tötete. Sondern Jesus litt gerade für diese Welt, in die er von Gott gesandt war, um sie zu erlösen.

In der evangelischen Kirche gilt der Karfreitag seit dem 19. Jahrhundert als einer der höchsten Feiertage. Auch heute noch ist es in manchen Gegenden üblich, an diesem Tag in Trauerkleidung das Abendmahl zu feiern. Im Gottesdienst schweigen Orgel und Glocken. Fasten, Besinnung und Stille charakterisieren den Tag. Viele Katholiken und Katholikinnen gehen am Todestag Jesu die vierzehn Stationen des Kreuzwegs, um sich seinen Gang in den Tod zu vergegenwärtigen.

Karsamstag

Die Hohepriester und Schriftgelehrten lassen Jesu Grab bewachen (Mt 27,62-66).

Karsamstag ist der stille Tag zwischen Tod und Auferstehung Jesu. Die Jüngerinnen und Jünger erleben diesen Tag als Zeit der Ratlosigkeit und des Wartens. Gleichzeitig erinnert er daran, dass Gottes Handeln oft im Verborgenen geschieht, bevor neues Leben hervorbricht.

Die Kreuzigung Jesu (Mt) aus jüdischer Perspektive

Was ist eigentlich aus jüdischer Perspektive in jenen Tagen passiert? Hier finden Sie spannende Erklärungen zum Hohen Rat, dem sogenannten „Sanhedrin“ und wie die Person des Judas einen Bezug zur hebräischen Prophetie herstellt.

Ostern

An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu von den Toten. Sie zeigt, dass Gottes Liebe über den Tod hinausreicht. Der Tod hat keine lauernde Macht mehr über das Leben! Vielmehr gibt Jesu Auferweckung auch uns die Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott.

Das Wort „Ostern“ ist wahrscheinlich aus einem germanischen Wort „Ostara“ abgeleitet, das „Morgenröte“ bedeutet und auf die aufgehende Sonne als Bild für die Auferstehung weist.

Ostersonntag

Drei Tage nach Jesu Tod kommen Frauen an sein Grab, um den Leichnam zu salben. Dort finden sie das Grab jedoch leer vor (vgl. Lukas 24,1-12). Die Jünger glauben ihrem Bericht zunächst nicht. Auf dem Weg nach Emmaus begegnen zwei von ihnen dann aber selbst dem auferstandenen Herrn (Lukas 24,13-35). In den folgenden Tagen erscheint der Auferstandene auch den anderen Jüngerinnen und Jüngern.

Die ersten Christen und Christinnen erinnerten sich jeden Sonntag an die Auferstehung, also an den Tag der Woche, an dem die Frauen das leere Grab entdeckten. In Anlehnung an das jüdische Pesachfest wurde im Laufe der Jahrhunderte eine jährliche Feier daraus. Wie das Pesachfest wird der Zeitpunkt des Osterfestes nach dem Mondkalender bestimmt und hat daher keinen festen Termin im Kalenderjahr.

Mit dem Osterfest verbindet sich heute ein reiches Brauchtum, das zum Teil auch mit der erwachenden Natur im Frühling zusammenhängt: bunt gefärbte Eier, Osterlämmer aus Teig und Schokoladenhasen. Ursprünglich hatten alle diese Dinge aber auch eine tiefere symbolische Beziehung zum Auferstehungsfest:

Das Osterlamm erinnert an das Lamm, das traditionell zu Pesach geopfert wird. Im Christentum ist das Osterlamm ein Symbol für Christus. Für den Evangelisten Johannes ist er das wahre Opferlamm, das den Tod und die Sünde überwunden hat (Johannes 1,29).

Das Ei ist ein uraltes Symbol des Frühlings und des erwachenden Lebens. Die frühe Christenheit sah im Ei ein Bild der Schöpfung und zugleich des Grabes Christi: Wie die Eierschale aufbricht, so zerbricht Jesus durch seine Auferstehung das Gefängnis des Todes.

Der Hase galt den Kirchenvätern als Symbol für die Heiden, die wie die Klippdachse in Psalm 104 am Felsen des Glaubens Zuflucht suchen. Da „Klippdachse“ in Europa unbekannt waren, wurden schon in alten griechischen Übersetzungen des hebräischen Textes „Hasen“ daraus. Weil zu Ostern die bekehrten Heiden getauft wurden, hielt auch der Hase Einzug ins Brauchtum.

Bekannte Ostertexte neu erzählt

Die Ostertexte gehören zu den bekannteren Bibelgeschichten. Da kann eine neue Sichtweise spannend sein. Andreas Malessa hat in seinem Buch "111 Geschichten aus der Bibel, die man kennen muss" Bibeltexte neu interpretiert. Hier können Sie die Episoden vom letzten Abendmahl bis zur Auferstehung Jesu:

Bekannte Ostertexte neu erzählt

Jesu letztes Mahl mit den Jüngern | aus Markus 14

Was esst und trinkt ihr da?! | Das Abendmahl

Jesus in Gethsemane | aus Markus 14

Todmüde? | Wachsame Einwilligung

Die Gefangennahme Jesu | aus Markus 14

Ein Kuss, ein Schlag, ein Flitzer | Nützt alles nix

Die Verleugnung des Petrus | aus Markus 14

Gesichtserkennung undigital | Wer drei Mal lügt, dem …

Jesus vor Pilatus | aus Matthäus 27

Richter ratlos: | Macht doch, was ihr wollt!

Jesu Kreuzigung | aus Markus 15

Monströse Mitleidslosigkeit | Wozu Menschen fähig sind

Jesu Tod | aus Markus 15

Der berühmteste Todesschrei | Paradox oder plausibel?

Jesu Grablegung | aus Markus 15

Alles aus. | Was war das jetzt?

Die Frauen am Grab | aus Matthäus 28

Schock am Grab | Nur eine Erscheinung?

Die Begegnung mit dem Auferstandenen | aus Lukas 24

Erst im Nachhinein klar | Wut im Bauch oder Mut im Herzen?

Weltberühmte Dramen von biblischem Ausmaß, Geschichten, denen nichts Menschliches fremd ist und Texte, die sprichwörtlich geworden sind: das ist die Bibel. Bibeltexte, die jeder kennen sollte, werden exemplarisch komponiert, griffig erklärt und brillant präsentiert.

Der Autor: Andreas Malessa ist Hörfunkjournalist und Autor zahlreicher Sachbücher, Biografien und Satiren.

Biblische Symbole an Ostern

Welche biblischen Symbole gibt es an Ostern und was bedeuten sie? Der Judaslohn, das Lamm und das Osterei stehen für drei zentrale Themen der Osterbotschaft: Auslieferung, Opfer und Hingabe sowie neues Leben. Diese Ostersymbole haben ihren Ursprung in der Bibel und machen sichtbar, was Ostern im christlichen Glauben bedeutet – die Hoffnung auf Auferstehung und Neuanfang.

Judaslohn

Judaslohn

Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Und sie boten im dreißig Silberlinge. (Matthäus 26,15, Lutherbibel 2017)

An einem Donnerstag vor fast 2.000 Jahren wurde einer der berühmtesten Beträge der Weltgeschichte ausbezahlt: der Judaslohn. Laut Wiktionary rührt die Bezeichnung daher, dass Judas Iskariot, einer der zwölf engsten Vertrauten von Jesus, ihn ausliefert und dafür von den Hohepriestern einen Geldbetrag erhält. Dreißig Silberlinge für ein Leben. Die Summe hört sich beinahe geringschätzig an. Auch Geldhistoriker tun sich schwer, die heutige Kaufkraft des Judaslohns zu bestimmen. Wenn es sich dabei tatsächlich um den sogenannten Tyros-Schekel handelte, strich Judas umgerechnet etwa 10.000 Euro ein. Heute reicht dies für einen Kleinwagen, damals konnte davon ein Esel bezahlt werden. Esel oder Auto: Das Grundmuster ist über die Jahrtausende erhalten geblieben.

Lamm

Lamm

Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. (Johannes 1,29, Lutherbibel 2017)

Schlägt man im Duden den Begriff „lammfromm“ nach, stößt man auf Adjektive wie brav, duldsam, folgsam, fügsam, geduldig, gefügig, gehorsam, handzahm, lieb, milde, nachsichtig und sanft. Zu dieser Aufzählung würden auch die Begriffe „unschuldig“ und „wehrlos“ passen. Im Zusammenhang mit dem Lamm als Opfertier passen diese Zuschreibungen gut. Wenn der Evangelist Johannes Jesus als Gottes Lamm bezeichnet, greift er auf das sogenannte Gottesknechtslied aus dem Alten Testament zurück. Dort wird der Knecht Gottes mit einem Opferlamm verglichen, der gehorsam und wehrlos das Opfergeschehen über sich ergehen lässt. Selbst unschuldig, nimmt er duldsam und gefügig die Sünde der Menschen stellvertretend auf sich (Jesaja 53).

Osterei

Osterei

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. (Lukas 24,5-6, Lutherbibel 2017)

Würde man alle verzehrten Ostereier der Deutschen aneinanderlegen, wären das rund 240 Millionen Eier auf einer Länge von etwa 18.100 Kilometern. Diese "Eierkette" würde von Berlin bis Neuseeland reichen. Wir Deutschen lieben unser Osterei. Erstmalig erwähnt wird das Osterei im 14. Jahrhundert als abzulieferndes Zinsei. Im Mittelalter was es den Christinnen und Christen in der Fastenzeit verboten, Eier zu essen. Der dadurch bedingte Eier-Überschuss wurde zur Bezahlung des Pachtzinses verwendet. Was übrig blieb, wurde in der Familie zum Osterfest gegessen.
Dem Ei wird im Zusammenhang mit dem Ostergeschehen eine symbolträchtige Bedeutung zugeschrieben: Wie ein Küken in der engen Schale verborgen ist, ist auch Jesus Christus in der Dunkelheit und Stille seines Grabes verborgen. Erst am Ostermorgen öffnet sich das Grab und Jesus tritt als Auferstandener hervor.

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.5
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