Nur ein Hauch ist der Mensch
FÜR DEN CHORLEITER, FÜR JEDUTUN.
EIN PSALM, VON DAVID.
Ich habe mir vorgenommen:
Ich will auf meine Worte achtgeben.
Meine Zunge soll keine Sünde begehen.
Ich will meinen Mund verschließen
mit einem Silberblech für die Lippen,
solange der Frevler vor mir steht.
So blieb ich stumm und still.
Ich schwieg, um nicht zu fluchen.
Doch der Schmerz wühlte mich auf.
Mein Herz brannte in meiner Brust.
Mein Seufzen setzte es in Flammen.
Da löste sich mir die Zunge
und es brach aus mir heraus:
Ach Herr, lass mich wissen:
Wann wird es mit mir zu Ende gehen?
Wie viel Zeit bleibt mir noch?
Gib mir die Einsicht,
dass ich sterben muss!
Sieh doch, nur eine Handvoll Tage
hast du mir auf der Erde gegeben.
Die Zeit, die mir zum Leben bleibt,
ist vor dir so gut wie nichts.
Nur ein Hauch ist der Mensch.
Er steht mit leeren Händen da. Sela.
Nur wie die Bilder in einem Traum,
so geht der Mensch durchs Leben.
Um einen Hauch macht er viel Lärm.
Er sammelt Schätze, ohne zu wissen,
wer sie am Ende an sich nimmt.
Und nun, was habe ich zu hoffen, Herr?
Meine Hoffnung setze ich ganz auf dich.
Befreie mich von allen meinen Vergehen!
Setz mich nicht dem Spott der Dummen aus!
Jetzt bin ich still und halte den Mund.
Denn du bist es, der mir das angetan hat.
Du hast mich geschlagen, lass ab von mir!
Deine Hand hat mich so schwer getroffen,
dass ich zu Boden gegangen bin.
Mit Strafen erziehst du die Menschen,
die Schuld auf sich geladen haben.
So zerstörst du ihren stolzen Schein,
wie die Motten ein Kleid zerfressen.
Nur ein Hauch ist jeder Mensch. Sela.
Hör mein Gebet, Herr!
Öffne dein Ohr für meinen Hilfeschrei!
Schweig nicht zu meinen Tränen!
Denn ich bin doch ein Gast bei dir.
Ich bin ein Fremder unter deinem Schutz
wie alle meine Vorfahren.
So lass mich doch in Frieden!
Ich will noch ein wenig fröhlich sein,
bevor ich gehen muss und nicht mehr bin.