Vier Jahre Krieg: Wie die Ukrainische Bibelgesellschaft Hoffnung weitergibt


Nach vier Jahren Krieg kämpfen viele Menschen in der Ukraine nicht nur ums physische Überleben, sondern auch um emotionalen, psychischen und geistlichen Halt. In dieser Situation sind Kirchen für Millionen zu wichtigen Orten der Unterstützung geworden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Ukrainische Bibelgesellschaft. Sie sorgt dafür, dass Bibeln, seelsorgerliche Begleitung und Angebote zur Traumabegleitung im ganzen Land zugänglich bleiben.
Von Nothilfe zu langfristiger Unterstützung
In den ersten Monaten des Krieges brauchten die Menschen vor allem Unterkunft, Nahrung, Hilfe bei der Evakuierung und kurze Bibeltexte. Inzwischen haben sich die Bedürfnisse deutlich verändert. Heute stehen vor allem folgende Themen im Mittelpunkt:
- langfristige Traumabegleitung,
- Unterstützung bei chronischem Stress,
- seelsorgerliche Betreuung,
- emotionale und geistliche Wiederherstellung.
Die Arbeit der Bibelgesellschaft hat sich daher zunehmend von akuter Krisenhilfe hin zum Aufbau langfristiger Resilienz für Einzelpersonen und Familien entwickelt.
Hoffnung in Zahlen: Bibelverbreitung seit 2022
Seit Beginn der russischen Invasion am 24. Februar 2022 wurden rund 1,6 Millionen Bibeln von der Ukrainischen Bibelgesellschaft verteilt – durchschnittlich etwa 1.000 Exemplare pro Tag.
Gleichzeitig ist die Belastung der Bevölkerung enorm. Etwa eine Million Menschen dienen derzeit in den Streitkräften, und die Zahl ziviler Opfer ist im Jahr 2025 gegenüber 2024 um 70 % gestiegen. Viele Familien haben Verwundete, Vermisste oder Gefangene zu beklagen. Verlust, Trauer und Ungewissheit prägen den Alltag.
Die Bibelgesellschaft berichtet:
„All das wirkt sich auf das moralische, mentale und sogar körperliche Wohlbefinden der Menschen aus. Sie brauchen Unterstützung und Trost. Deshalb wenden sich viele zunehmend an Kirchen verschiedener Konfessionen.“

Ziele für das Jahr 2026
Im Jahr 2026 plant die Bibelgesellschaft, 300.000 bis 400.000 Bibeln zu verteilen – weiterhin etwa 1.000 oder mehr pro Tag. Ein ehrgeiziges, aber realistisches Ziel!
Die Nachfrage ist sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern groß. Besonders gefragt sind:
- vollständige Bibeln,
- Neue Testamente,
- illustrierte Kinderbibeln,
- Andachtsliteratur,
- seelsorgerliche Materialien.
Anfragen für Kinderliteratur nehmen derzeit besonders zu. Kirchen setzen hier bewusst Prioritäten:
„Kinder und Jugendliche sind besonders wichtig, weil sie diejenigen sein werden, die die Ukraine nach dem Krieg wieder aufbauen und erneuern.“
Ausbau von Angeboten zur Traumabegleitung
Bereits am 3. April 2022 – weniger als sechs Wochen nach Beginn der Invasion – starteten erste Workshops zur Traumabegleitung.
Seitdem hat sich dieses Arbeitsfeld stark entwickelt. Bis Januar 2026 wurden:
- 144 Weiterbildungen für Traumabegleitung durchgeführt;
- 6.380 Kursleiterinnen und Kursleiter geschult;
- 93 zusätzliche Unterstützungsangebote umgesetzt, darunter Freizeiten, Camps, Gruppenprogramme und spezielle Hilfen für Familien gefallener Soldaten, Veteranen, Kinder und Binnenvertriebene.
Im Jahr 2026 sollen in derzeit vier Zentren für Traumabegleitung rund 16.000 Menschen erreicht werden – durch Workshops, Selbsthilfegruppen und weitere Schulungen.
Ein wichtiges Ziel bleibt dabei der langfristige Aufbau stabiler Strukturen:
„Es ist entscheidend, unsere Zentren dauerhaft zu etablieren und zu stärken – damit sie nachhaltig arbeiten, professionell ausgestattet sind und sowohl in der Gesellschaft als auch von der Regierung wahrgenommen werden.“

Herausforderungen in vier Jahren Krieg
Die Arbeit der Ukrainischen Bibelgesellschaft war in den vergangenen Jahren mit großen Herausforderungen verbunden. Zu Beginn des Krieges mussten viele Mitarbeitende in sicherere Regionen fliehen. Zeitweise war unklar, ob die Verteilung von Bibeln überhaupt weitergeführt werden konnte. Doch Gott wirkte ein Wunder – die meisten kehrten in ihre Heimat zurück und nahmen ihre Arbeit wieder auf.
Eine besonders schwierige Situation entstand während der Besetzung von Cherson. Das Büro der Bibelgesellschaft im Süden wurde vorübergehend zum Hauptquartier der russischen Sicherheitsbehörde. Der Generalsekretär Oleksandr Babiychuk blieb während dieser Zeit der Besatzung dennoch in Kontakt mit seinem Team an den anderen Standorten. Später wurde sein Sohn gefangen genommen. Und erneut geschah ein Wunder – Cherson wurde befreit, das Büro kehrte in den Besitz der Bibelgesellschaft zurück und der Sohn wurde schließlich aus der Gefangenschaft entlassen.
Neben solchen persönlichen Belastungen war es immer wieder ein Kampf, die regelmäßige Finanzierung der Arbeit und die Gehaltszahlungen sicherzustellen, was aber gelang.
„Derzeit besteht die größte Herausforderung darin, weiter unter Kriegsbedingungen zu leben und zu arbeiten, während wir unserer Gesellschaft das Wort Gottes vermitteln, nach dem sie sich so sehnt.“
Dank für Unterstützung aus Deutschland
Auch durch die Unterstützung der Weltbibelhilfe und die Partnerschaft mit der Deutschen Bibelgesellschaft konnten viele tausend Bibeln verteilt und zahlreiche Menschen durch Programme zur Traumabegleitung gestärkt werden.
Die Ukrainische Bibelgesellschaft betont, wie wichtig diese Partnerschaft ist – nicht nur symbolisch, sondern ganz praktisch. Neben finanzieller Unterstützung ist auch das Gebet von entscheidender Bedeutung.
„Die hilfreichste Unterstützung ist eine Kombination aus Gebet, Fürsprache auf nationaler und internationaler Ebene und gezielter finanzieller Hilfe. So können wir nicht nur auf akute geistliche Bedürfnisse reagieren, sondern auch zur langfristigen Heilung und Erneuerung unseres Landes beitragen.“