Syrische Bibelgesellschaft hält inmitten eskalierender Gewalt an ihrem Auftrag fest


21. Juli 2025, von Cristian Romocea, Leiter für Mitgliedsbeziehungen "Kirche unter Druck" bei den United Bible Societies. Er ist regelmäßig mit der Syrischen Bibelgesellschaft in Kontakt.
Eine neue Welle von religiöser Gewalt zwischen drusischen Milizen und sunnitischen Beduinen im Süden zerstört jede Hoffnung auf eine stabile Zukunft in Syrien. Für Christen bedeuten diese Entwicklungen anhaltende Unsicherheit. Dennoch verbreitet die Syrische Bibelgesellschaft auch weiter das Wort Gottes und damit ein Licht inmitten der Dunkelheit.
Die letzten Spannungen folgen auf Monate voller eskalierender Drohungen und Angriffe auf religiöse Minderheiten. Seit März gab es immer wieder alarmierende Vorkommnisse: Hunderte von Alawiten – die Minderheit, der der ehemalige Präsident Assad angehörte – wurden in den Küstenprovinzen umgebracht, und Dutzende wurden in Damaskus gekidnappt und getötet. Christliche Einwohner von Damaskus berichten, wie muslimische Scheichs in den letzten sechs Monaten in ihre Viertel kamen und sie dazu drängten, zum Islam zu konvertieren.
Am 22. Juni nahm ein Selbstmordattentäter eine Kirche in Damaskus ins Visier. 25 griechisch-orthodoxe Christen kamen ums Leben, sechs weitere wurden verletzt. Trotz der Schutzzusage der islamistischen Regierung verstärkte der Angriff die Ängste von syrischen Christen vor weiteren Angriffen und Schikanen.
Schließlich führte der Bericht über die Entführung eines drusischen Händlers am 13. Juli zu wiederholten tödlichen Zusammenstößen zwischen Drusen und Beduinen im Süden Syriens. Nur zwei Tage später intervenierte Israel militärisch, um Drusen zu schützen und regierungsfreundliche Kräfte unschädlich zu machen. Mindestens 1300 Menschen wurden laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte seither in Suweida getötet.
Trotz der Versprechen des derzeitigen syrischen Herrschers, des ehemaligen Dschihadisten Ahmed al-Scharaa, Minderheiten zu schützen, führt die eskalierende Gewalt und die militärische Einmischung Israels zu zunehmender Angst bei Christen im ganzen Land.
Allen Mitarbeitenden der Syrischen Bibelgesellschaft geht es gut und sie sind in Sicherheit. Doch einige von ihnen konnten nicht in den Süden Syriens zurückkehren, wo die Kämpfe andauern. Die Leitung ist in großer Sorge um die Sicherheit von Christen und bittet um Gebet.
Am Samstagabend wurden Pastor Dr. Khalid Mezher und seine gesamte Familie umgebracht, insgesamt 20 Menschen, darunter seine Eltern, Geschwister und deren Kinder. Der frühere Druse war seit vielen Jahren Pastor der Good Shepherd Evangelical Church in Suweida. Die Kollegen der Syrischen Bibelgesellschaft berichten darüber hinaus von weiteren Vorfällen.
Die Situation bleibt äußerst angespannt. In Damaskus gleichen manche Viertel nach Einbruch der Dunkelheit Geisterstädten. Angst und Gefühle der Hilflosigkeit nehmen zu. Die Mitarbeitenden der Bibelgesellschaft sind zutiefst beunruhigt, was als Nächstes kommen wird, und beten um Frieden und Schutz inmitten der Unsicherheit. Gleichzeitig hält die Syrische Bibelgesellschaft selbst in diesen dunklen Zeiten an ihrem Auftrag fest und bringt das Wort Gottes zu den Menschen.

Wir beten für …
- ein Ende von Gewalt und Blutvergießen – dass sich Frieden in ganz Syrien ausbreitet und der Kreislauf von religiöser Gewalt durchbrochen wird.
- den Schutz von unschuldigen Zivilisten und Minderheiten – vor allem von Christen und anderen gefährdeten Gruppen, die in den Konflikt hineingezogen werden.
- die Mitarbeitenden der Bibelgesellschaft und ihre Familien – für Sicherheit, Kraft und Weisheit für ihren Dienst inmitten von Angst und Unsicherheit.
- Trost für all jene, die trauern und Verluste erlitten haben wie die Familie von Pastor Khalid Mezher und anderen, die von den Angriffen betroffen sind.