Deutsche Bibelgesellschaft

Die Bibelgesellschaft im Libanon: Mit Herzblut für junge Menschen

Die Bibelgesellschaft im Libanon will die Christen vor Ort stärken. Sie übersetzt und verbreitet die Bibel und unterstützt die vielen Flüchtlinge im Land. Ein besonderer Fokus liegt auf Angeboten für Kinder und Jugendliche.

Am östlichen Mittelmeer, zwischen Syrien und Israel, liegt ein kleines Land mit großer Bedeutung: der Libanon. Auf einer Fläche, die nur etwa der von Schleswig-Holstein entspricht, leben Angehörige vieler verschiedener Religionen und Konfessionen zusammen. Neben Sunniten und Schiiten zählt man hier verhältnismäßig viele Christen – aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass sie 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Die christliche Gemeinschaft im Libanon ist keineswegs einheitlich. Sie setzt sich aus zahlreichen Kirchen zusammen, darunter die Maroniten (römisch-katholisch), Griechisch-Orthodoxe und Griechisch-Katholische sowie verschiedene altorientalische (Armenische Apostolische, Syrisch-Orthodoxe) und protestantische Kirchen. Gleichzeitig ist hier wie im gesamten Nahen Osten ein langfristiger Trend zu beobachten: Immer mehr Christen verlassen die Region.

Christen im Nahen Osten stärken

Diese besondere Lage stellt die Bibelgesellschaft im Libanon vor große Herausforderungen. Mit ihrer ökumenischen Ausrichtung und ihrem Fokus auf die Bibel sieht sie sich als Bindeglied: Sie bringt die Kirchen miteinander ins Gespräch, stellt ihnen Bibeln in verschiedenen Übersetzungen bereit und unterstützt sie mit begleitenden Programmen. »Wir möchten die Präsenz von Christen im Libanon und im Nahen Osten insgesamt stärken«, sagt Michael Bassous, Leiter der Bibelgesellschaft. Der Besuch von Papst Leo XIV. im Herbst letzten Jahres war für die Christen im Libanon ein ermutigendes Zeichen. Die Bibelgesellschaft druckte aus diesem Anlass 60 000 Neue Testamente und verteilte sie bei verschiedenen Veranstaltungen. Auf dem Titelblatt der Ausgabe stand das Motto des Papstbesuchs: »Selig sind die Friedensstifter«. Auch die Bibelgesellschaft will zum Frieden in der Region beitragen, die seit Jahren von Konflikten und Kriegen zerrissen ist.

Die Bibel in verschiedenen Sprachen

Um alle Christen im Libanon erreichen zu können, gibt die Bibelgesellschaft die Bibel nicht nur auf Arabisch, sondern auch auf Westarmenisch, in modernem Syrisch und auf Kurdisch (Surani) heraus. Im letzten Jahr veröffentlichte sie eine Armenische Studienbibel für die im Libanon lebenden armenischen Christen. Aktuell wird die Bibel in modernes Westarmenisch übersetzt, das von Armeniern in der Diaspora gesprochen wird. Auch eine Übersetzung des Neuen Testaments in die kurdische Sprache Badhini ist in Arbeit. Zudem plant die Bibelgesellschaft eine Übersetzung der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, ins Arabische.

Kinder für die Bibel begeistern

Ein wichtiges Anliegen der Bibelgesellschaft sind Angebote und Programme für Kinder und Jugendliche. Mit viel Herzblut und kreativen Ideen entwickeln die Mitarbeitenden Veranstaltungen, die junge Menschen für die Bibel begeistern. So reiste im letzten Sommer ein Team der Bibelgesellschaft quer durch das Land, um Hunderten von Kindern fröhliche Stunden mit der Bibel zu schenken. Durch farbenfrohe Puppentheater, die lebendig die biblischen Geschichten erzählten, sowie durch Musik und Tanz kamen Mädchen und Jungen im ganzen Land mit der Bibel in Berührung. Weitere Kinder erreicht die Bibelgesellschaft mit dem Format »Eine Minute mit Lamar«. In den sozialen Medien postet sie regelmäßig einminütige Videos, in denen Kinder etwas über die Bibel erfahren. Und bei einer »Bibelwelt-Tour« im Bibelhaus in Beirut können Kinder zusammen auf spielerische Weise die Bibel entdecken.

Bibelquiz für Schulklassen

Besonders beliebt ist das Bibelquiz, das die Bibelgesellschaft seit einigen Jahren online anbietet. Schulklassen und Jugendgruppen in Gemeinden, die daran teilnehmen, müssen über einen Zeitraum von fünf Monaten wöchentlich neue Fragen zur Bibel beantworten. Sie treten in einem Wettbewerb gegeneinander an – bis hin zu einem Finale, in dem die besten Teams und Einzelpersonen aus dem gesamten Libanon ausgezeichnet werden. Was klein startete, wuchs über die Jahre zu einem großen Projekt. 2025 nahmen über 5000 Schülerinnen und Schüler, mehr als 50 engagierte Lehrkräfte und rund 100 Schulen aus dem gesamten Libanon teil. Der 13-jährige Roy, einer der Gewinner im letzten Jahr, sagte: »Das Schöne an diesem Wettbewerb ist, dass er uns dazu anregt, die Bibel zu lesen. Anfangs ging es mir nur darum, den Wettbewerb zu gewinnen, aber inzwischen ist es mehr als das geworden.«

Hilfe für Flüchtlingskinder

Jeder sechste Bewohner im Libanon ist ein Flüchtling. Das Land hat in den letzten Jahren mehr als 1,5 Millionen syrische und irakische Menschen aufgenommen – im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung mehr als jedes andere Land im Nahen Osten. Die Situation der Flüchtlinge ist oft prekär und von Not und Hoffnungslosigkeit geprägt. Die Hälfte von ihnen ist minderjährig. Die Bibelgesellschaft verteilt Hilfsgüter und auf Wunsch Bibeln und unterstützt vor allem die Kinder durch Bibelnachmittage und Alphabetisierungskurse, in denen sie anhand von biblischen Texten lesen und schreiben lernen. Denn die Mehrheit der Kinder aus Flüchtlingsfamilien bekommt im Libanon keinen Schulplatz.

Erst seit Kurzem bietet die Bibelgesellschaft auch ein Theaterprogramm zur Sensibilisierung für die Rechte von Flüchtlingskindern an. In Rollenspielen und Theaterstücken lernen die Kinder ihre Rechte kennen, wie zum Beispiel das Recht auf Bildung, auf Schutz und auf freie Meinungsäußerung. Rana, 8 Jahre: »Manchmal hatte ich Angst, meine Meinung zu sagen. Aber in dem Theaterstück spielte ich ein Kind, das sich zu Wort meldet und seine Meinung verteidigt. Da habe ich verstanden: Wir haben alle ein Recht auf unsere eigene Meinung!«

Ob und wann die im Libanon gestrandeten Flüchtlinge wieder nach Hause können, ist offen. Doch bis dahin versuchen Mitarbeitende der Bibelgesellschaft, ihre Not zu lindern. Dankbar nehmen die Menschen die Hilfe an – und begreifen, dass Nächstenliebe bei den Christen kein leeres Wort ist. Das Engagement der Bibelgesellschaft stärkt auch auf diese Weise die Präsenz der christlichen Religion im Nahen Osten.

Autorin Eva Mündlein ist Theologin und verantwortliche Redakteurin des Bibelreports.

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