Auferweckung / Auferstehung
(erstellt: November 2025)
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1. Einführung
1.1 Auferweckung / Auferstehung als christliches Grundbekenntnis und Verstehenshürde
Die Aussage, dass Gott Jesus von Nazaret von den Toten auferweckt hat, stellt die Grundthese derjenigen Schriften dar, die später in den christlichen Schriftenkanon Eingang gefunden haben. Nähme man diese These heraus, würde das gesamte Gefüge des Neuen Testaments wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen und der christlichen Verkündigung wäre die Basis entzogen. Gleichzeitig ist diese Grundthese von Beginn an unterschiedlich ausgelegt und aufgefasst worden und war bereits früh umstritten. Setzt die metaphorische Rede vom „aufstehen“ / „auferweckt-werden“ (vom Schlaf) voraus, dass der Tote tatsächlich noch gar nicht verstorben war? verweist hierauf möglicherweise auch die Erzählung vom leeren Grab in Mk 16,1–8
1.2. Terminologisches / Konzeptionelles
„Auferweckung“ / „Auferstehung“ bezieht sich auf ein metaphorisches Konzept. Vorausgesetzt ist das euphemistische Verständnis des Totseins als Liegen resp. Schlafen; die Rede vom Gewecktwerden (egerthênei) resp. vom Aufstehen (anhistánei) verweist dem gegenüber auf das Wiederlebendigwerden (vgl. schon Jes 26,14.19; vgl. äthHen 92,f. u.v.a.; weitere Belege s.u.).
Bereits früh tritt neben die Aussage, dass Gott Jesus „von den Toten geweckt“ habe, diejenige, dass er ihn „erhöht“ habe; diese zielt nicht allein auf das heilvolle Wiederlebendigwerden als solches, sondern auf die Installation in einer Sphäre / einer besonderen Funktion resp. den ehrenvollen himmlischen Thronsitz zur Rechten Gottes (vgl. das Verb in Apg 2,33
2. Antik-jüdische Voraussetzungen
Das frühchristliche Traditionsgefüge der Auferweckung / Auferstehung und verwandter Konzepte erschließt sich unter der Berücksichtigung von Sprach- und Denkmöglichkeiten, die im antiken Judentum etwa seit der zweiten Hälfte des 3. Jhs. v. Chr. begegnen. Zeitgleich mit den Anfängen der frühjüdischen Apokalyptik markieren sie Innovationen gegenüber dem älteren JHWH-Glauben. In der frühen (nicht in den späteren Schriftenkanon eingegangenen) Henochliteratur wie auch im Danielbuch (die einzige frühjüdisch-apokalyptische Schrift, die später kanonisch wurde), lassen sich ‚Kompetenzerweiterungen‘ des Gottes Israels als eines Gottes der Lebenden feststellen. In frühen Zeugnissen Israels setzt hingegen JHWH den Tagen des Menschen ein klar konfiguriertes Ende (vgl. Ps 39,5
2.1 Konzepte kollektiv-eschatologischer Auferweckung
Entsprechende Fragen spitzen sich in bestimmten Kreisen des antiken Judentums unter dem Eindruck der als kritisch erfahrenen Begegnung mit dem Hellenismus zu. Die fremde Kultur und die entsprechenden geschichtlichen Umbrüche werden als Bedrohung für die eigene Torafrömmigkeit erfahren; die „anderen“ werden als „Frevler“ identifiziert. Die Aneignung und Formulierung apokalyptischer Konstrukte und mit ihnen der Auferweckungsvorstellung erlaubt es, wider den geschichtlichen Anschein an der Überzeugung festzuhalten, dass Gott sich in seiner Gerechtigkeit am Ende durchsetzen und die „Gottlosen“ / „Bösen“ abstrafen wird. Umgekehrt kann eine Hoffnungsperspektive für die „Gerechten“ / die Torafrommen über ihr Lebensende hinaus formuliert werden (vgl. SapSal I 16–VI 21; zur Hoffnung für die Frommen: II 18; III 1–4). Allmählich, gegen verbleibende Widerstände und auch keineswegs durchgängig und überall, kann sich die Auferweckungsvorstellung im antiken Judentum so Raum verschaffen.
In der komplexen Konstruktion von Dan 12,1–3
Die Vorstellung, dass „Auferweckung“ nicht quasi den Heilszustand als solchen beschreibt, sondern lediglich die Möglichkeitsbedingung dafür darstellt, dass Gott (oder einer seiner Agenten) am Ende eines Zeitintervalls eine Bilanz der Taten ziehen und ein Kollektiv zu „richten“ vermag, verfestigt sich im 1. Jh. nicht zuletzt unter dem Eindruck der Zerstörung Jerusalems und des Tempels (vgl. 4Esr VII 26ff.; syrBar 49–51; PsPhilo Liber Antiquitatum III 10; vgl. im paränetischen Henochbuch äthHen 102,1–3; 103,8; 104,5; slavHen; OrSib; das Achtzehngebet u.a.).
2.2 Individuell-postmortales Ergehen – Überlappungen und Differenzierungen
Neben entsprechenden Konzepten, die auf ein Gruppengeschehen blicken und unter den Bedingungen apokalyptischer Weltsicht „endzeitlich“ markiert sind, bildet sich die Vorstellung aus, dass „gerechte“ Individuen postmortal, d.h. nicht erst am Ende der Zeit, sondern vielmehr direkt nach ihrem – in der Regel gewaltsamen – Lebensende in eine neue Lebenssphäre versetzt werden. Vereinfacht kann man von einem Belohnungsmodell für die (nach Meinung des jeweiligen Verfassers) Torafrommen / „Gerechten“ sprechen (vgl. später im paränetischen Henochbuch 102,4–103,4: „[…] viel Gutes […] als Ausgleich für eure Mühe“). So ist für die makkabäischen Märtyrer, die sich dem Torabruch verweigern, die Auferstehung als solche Kompensation für irdisch erlittene Gewalt und Heilsperspektive (vgl. die Reden der Söhne und der Mutter in 2Makk 7,9
Eine „Normalkonzeption“ von Auferweckung / Auferstehung, die allen Texten zugrunde läge, stellt sich dabei nicht ein, auch wenn sich bestimmte Konvergenzlinien differenzieren lassen.
Generell ist zu beachten, dass zwischen einem „Erstsinn“ der Texte und späteren Rezeptionen beträchtliche Differenzen bestehen können. Dies gilt beispielhaft für Ez 37
Die Befunde im antiken Judentum führen unmittelbar an das neutestamentliche Bild heran und in es hinein. Insgesamt gilt: Neuzeitliche „Widerspruchsfreiheit“ darf man in den Texten nicht erwarten, die Texte sind nicht dafür verfasst, um informativ auf referentielle Fragen („wer?“, „wann?“, „wie?“, „wo?“ etc.) präzise zu antworten. Häufig bleibt unklar, wie die Grenzen zwischen Aufzuerweckenden und „Bestraften“ gezogen werden; vielfach lassen sich keine Abläufe konstruieren, die auf einen (modern gedachten) Zeitstrahl aufzuprojizieren wären. Die Orte für die Verstorbenen vor dem eschatologischen Gericht bzw. für die, deren Geschick bereits negativ entschieden ist, variieren („Hölle“, „Scheol“, „Hades“, „Land des Staubes“, „die Erde“, „Unterwelt“, „Tartaros“, „Gehenna“ u.a.); aber auch der als heilvolle Zielperspektive vorgestellte paradiesische Ort kann sehr unterschiedlich gedacht sein. In antik-jüdischen Texten wird ein Auferstehungsleben vielfach nicht himmlisch, sondern als eine Art irdisch-vollkommenes Leben vorgestellt (vgl. auch Jes 26,19
Das zukünftig erhoffte Leben mit Christus ist am Ende des von Paulus in 1Thess 4,13–18
Im lukanischen Doppelwerk bringt die Auferweckung Jesus in ein irdisches Leben zurück, damit dieser für eine begrenzte Zeitspanne die Apostel zu instruieren vermag; erst die Himmelfahrt / Entrückung führt Jesus dann in die himmlische Welt, in der er nach Lukas zur Rechten Gottes als davidischer Messias regiert (vgl. Lk 24,51
Am Ende ist es nochmals wichtig zu betonen: Keineswegs in allen Teilen des antiken Judentums setzt sich die Vorstellung durch, dass Gott auch (heilvoll oder richtend) an Toten zu handeln vermöge. Das Neue Testament fokussiert exemplarisch die Gruppe der Sadduzäer, die auf der Basis der Tora die Auffassung der Auferweckung negieren und, anders als die Pharisäer, quasi „altgläubig“ bleiben (vgl. Mk 12,18–27
3. Formelhafte Auferweckungs- / Auferstehungsaussagen
Unabhängig von der Frage, was jeweils sicher über das Alter der entsprechenden Texte zu sagen ist, lassen sich als erste Sprachform neutestamentlicher Rede von Ostern kurze, „formelhafte“ Aussagen identifizieren. Entsprechende Formulierungen, die ggf. durch Traditionsterminologie, ungewöhnliche Sprache und gebundene Form als ursprünglich eigenständig wahrscheinlich gemacht werden können, finden sich vorrangig in der Briefliteratur (auch die Reden der Apg sowie die „Leidensansagen“ der Evangelien werden einbezogen).
3.1 Die strikte Theozentrik
Die formelhaften Aussagen verbindet, dass sie das Handeln Gottes prädizieren. Sie lassen sich formal und sachlich dem Grundbekenntnis Israels vergleichen, nach dem Gott sein Volk aus Ägypten geführt hat (vgl. Ex 6,7
Entsprechende formelhaft tönende Sätze, die das Auferweckungshandeln Gottes fokussieren, sind im Frühchristentum zahl- und variantenreich belegt. Sie hatten ihren Ort u.a. im gottesdienstlichen Lobpreis. Sie sind vielfach partizipial formuliert. Diese partizipiale Konstruktion löst man im Deutschen am besten in einem Relativsatz auf: Gott ist der, der Jesus von den Toten auferweckt hat (vgl. Röm 4,24
Bereits früh wird die Aussage der „Gottessohnschaft“ (vgl. 2Sam 7,12–16
Frühe Formulierungen, die auf die Auferweckung und die himmlische Inthronisation Christi zielen, reflektieren noch nicht den potentiellen Zusammenhang von Christusgeschick und Christengeschick. Die Auferweckungsthese wird noch nicht auf verstorbene Christinnen und Christen resp. weitere Einzelne und Gruppen hin erweitert. Erst in einem späteren Stadium wird Christus zum „Erstling der Entschlafenen“ (1Kor 15,20
Formgeschichtlich und theologisch bedeutsam ist, dass das Bekenntnis zum totenerweckenden Gott im Frühchristentum nicht dazu geführt hat, den Sklaven- und Verbrechertod Jesu am Kreuz abzuschattieren. Wie spätere gnostisch gefärbte Texte zeigen, hätte es sachlich die Möglichkeit gegeben, den Tod Jesu als innergeschichtliche / materielle „Niederlage“ ganz vom Sieg Gottes in der Auferweckung her zu überschreiben. Dies liegt aber auch solchen Zeugnissen fern, die in späterer Zeit vor allem die Auferweckungsherrlichkeit Christi und ihre Bedeutung für die Gemeinde / Kirche und die Welt fokussieren (vgl. z.B. Kol und Eph). Sowohl im Tod Jesu als auch in der Auferweckung – in beidem – hat Gott gehandelt. Der Konnex ist unauflösbar; der Gekreuzigte ist im frühchristlichen Bekenntnis immer der Auferweckte; der Auferweckte bleibt zugleich aber immer der Gekreuzigte (vgl. aktivisch formuliert in 1Thess 4,14
3.2 „Er zeigte sich“ – Die grundlegende Paradosis in 1Kor 15,3b-5ff.
Den Konnex von Sterben und Auferweckung hält insbesondere die bereits vorpaulinisch geprägte Formel 1Kor 15,3b–5
Heftigste Kontroversen verbinden sich forschungsgeschichtlich mit der „Erscheinungs“-Aussage von V.5. Im Blick auf die Nomenklatur frühchristlicher Ostertexte ist zunächst einmal festzuhalten: Im bekenntnishaften Text von 1Kor 15,3ff.
Zum Verständnis der Aussage, die forschungsgeschichtlich zur historischen „Nadelspitze“ der Ostergeschehnisse avancieren konnte (vgl. David Friedrich Strauss), wird immer wieder die Bekehrung des Paulus herangezogen, die dieser im Rückblick als ein Offenbarungsgeschehen (vgl. Gal 1,12
Im engen Zusammenhang mit den (wahrscheinlich erst später fortgeschriebenen) weiteren „Erscheinungen“ (500 Brüder; Jakobus; „alle Apostel“) ab V.6 werden Konstellationen und Abläufe in der frühesten nachösterlichen Geschichte hypothetisch konstruiert. Reflektiert der Text eine Konkurrenz zwischen Petrus / Kephas und Jakobus, dem Bruder Jesu, der Petrus in der Leitung der ältesten Jerusalemer Gemeinde nachfolgte (VV.5.7; vgl. Apg 12,17
4. Erzählungen der Begegnung mit dem Auferweckten („Erscheinungserzählungen“)
Zwar weisen auch die kurzen formularen Texte (s.o. 3.) ein narratives Grundgerüst auf, doch unterscheidet man literarisch und traditionsgeschichtlich die ausführlicher gestalteten Geschichten einer Begegnung des Auferweckten am Ende der Jesusgeschichten des Mt, Lk und Joh sowie entsprechende Texte in den apokryph gewordenen Evangelien (EvPetr u.a.). Die Bezeichnung als „Erscheinungserzählungen“ kann sich u.a. auf bestimmte mythische Motive beziehen (Sich-Entziehen Jesu; Gehen durch verschlossene Türen u.a.), ist jedoch insgesamt missverständlich, insofern die in 1Kor 15,3ff.
Alle einschlägigen Texte beginnen – bedingt durch die Markuspriorität (Zwei-Quellen-Theorie) – mit der Erzählung vom leeren Grab, die sehr wahrscheinlich von Beginn an mit der Geschichte der Grablegung durch Josef von Arimathia verbunden war (gegen die Annahme einer anonymen Bestattung des Leichnams Jesu; vgl. Apg 13,29
Alle Evangelien gehen am Ende über die reine Angelophanie in Mk 16,1–8
Lukas lokalisiert die Osterbegegnungen als entscheidende Scharnierstelle zwischen Jesuszeit und Zeit der Kirche durchgängig in Jerusalem; vierzig Tage erhält der lukanische Jesus Zeit, seine Jünger nochmals zu instruieren und auf die kommende Zeit seiner Abwesenheit vorzubereiten, ehe er durch eine Entrückung in den Himmel versetzt wird, um dort als davidischer Messias „zur Rechten“ Gottes zu herrschen (vgl. Lk 24,51
Das vierte Evangelium setzt synoptische Passionstraditionen voraus (in welchem Umfang und welcher literarischen Gestalt, bleibt weiterhin umstritten), stellt diese jedoch unter andere konzeptionelle Vorzeichen. Die johanneische Zeichen-Hermeneutik denkt nicht in der Weise chronologisch, wie es bei den Synoptikern der Fall ist, sondern vom „Raum“ des durch den „Logos“ realisierten Heils aus; in der „Stunde“ des Kreuzestodes kommt das Offenbarungswerk des „Sohnes“ zum Ziel, indem damit zugleich die „Erhöhung“ zum „Vater“ in Gang gesetzt wird; die Rückbindung der Gegenwart an Jesus stellt der „Paraklet“ sicher, den Jesus sendet (vgl. Joh 14,16
5. Das Problem der Körperlichkeit / Leiblichkeit – das leere Grab
Die These der Körperlichkeit / Leiblichkeit der Auferweckung / Auferstehung ist seit der Alten Kirche bis in die Neuzeit eminent umstritten und belastet. In der Alten Kirche wird sie als Aussage der Materialität / Fleischlichkeit des Auferweckten gegenüber doketischen (vgl. Eph 7,2
Gleichzeitig entwickelte sich jedoch seit altkirchlicher Zeit ein Kompromiss- bzw. Kombinationsmodell unterschiedlicher Vorstellungen. Das biblische Leiblichkeitspostulat bzw. eine Totenerweckung, bei der jeder seinen Körper zurückerhält, verlagerte man auf das – jetzt noch nicht verständliche – Ende der Zeit; dem vorgelagert rechnete man zunächst mit einer Auferstehung der „Seelen“ und konnte somit platonisierende Tendenzen der Anthropologie (vgl. zu den verschiedenen antiken Formen: Cicero, Tusc. I 18) einbinden (Augustinus). Gegen solche Tendenzen, die sich bis ins 19. Jh. hielten, wurde in der theologischen Thanatologie („Lehre vom Tod“) des 20. Jahrhunderts vielfach geltend gemacht, dass sowohl dem frühen Judentum als auch dem frühen Christentum jede Unterscheidung von „Seele“ und „Körper“ von Hause aus fremd sei. Negativ implizierte dieser weit reichende common sense nach Meinung einiger, der „Körper“ stürbe ohne einen von ihm unterscheidbaren „Seelen“-Anteil und ohne eine vor ihm liegende Zukunft als ganzer und kehre schlicht in die Hand des Schöpfergottes zurück (sog. Ganztod-Theorie).
5.1 Jenseits der Leib-Seele-Diastase
Man wird allen späteren antihäresiologischen (gegen sog. „Irrlehren“ gerichteten) und polemischen Verzerrungen und auch Akkomodationen (Anpassungen) an neuzeitliche Körperideale gegenüber konstatieren: Sowohl das antike Judentum als auch in weitgehendem Einklang mit ihm das älteste christusgläubige Zeugnis setzen in dieser Hinsicht anders an und sind zudem erheblich breiter und variabler aufgestellt. Bereits frühe apokalyptische Zeugnisse, die sich per se kritisch zu Hellenisierungstendenzen verhalten, sind gleichwohl von diesen keineswegs unbeeinflusst; schon im (ursprünglich in Hebräisch oder Aramäisch verfassten) „Wächterbuch“, dem eröffnenden, frühen Teil der Sammlung des äthiopischen Henochbuches, werden unterschiedliche Kammern „geschaut“, in denen die Geisterseelen der Verstorbenen bis zum Gerichtstag aufbewahrt werden; hierbei gibt es nicht nur Kammern für die „Gerechten“ und die „Frevler“, sondern auch eine mittlere Kategorie für diejenigen, die noch nicht notwendig verloren sind (äthHen 22–27). Die jüdische Schrift des Pseudo-Phokylides rechnet im 1. Jh. damit, dass in den Dahingeschiedenen die „Seelen“ unversehrt bleiben, da sie „unsterblich“ und „alterslos“ sind (PsPhok 103–108). Pseudo-Phokylides unterscheidet dabei nicht zwischen dem Geschick „Gerechter“ und „Frommer“. Dagegen werden nach Sapientia Salomonis XVI 14f. nur die „Seelen“ der „Gerechten“ vom Tod errettet.
Auferweckung ist im Judentum ein Akt einer kontingenten (d.h. von menschlichen Möglichkeiten unabhängigen) neuen Schöpfung, zu der – in Entsprechung der Bildung des Menschen (im Mutterleib) – eo ipso auch eine körperliche Basis gehört, die von Gott belebt / beseelt wird (vgl. exemplarisch 2Makk 7,9
Daneben gab es freilich auch im Judentum den weit reichenden Rückgriff auf platonisierende Ansätze. Nach Josephus, Bell. I 650–653 wartet auf die, die für das Gesetz der Väter sterben, die unsterbliche „Seele“; nach Bell. VI 47f. werden nach dem Tod auf dem Schlachtfeld die „Seelen“ vom „Fleisch“ „gelöst“, vom „Äther“ aufgenommen und zu den Sternen versetzt; als „gute Geister“ und „freundliche Heroen“ können sie dann ihren Nachkommen erscheinen. In Bell. II 162–164 und 152–155 schreibt Josephus den Pharisäern wie auch den Essenern die Lehre von der Unsterblichkeit der „Seele“ zu (vgl. ferner Jos. Bell. III 275.372.374.378; Ant XVIII 14).
Auf der Basis entsprechender hellenistisch-jüdischer Konzepte trifft der in der Theologie des 20. Jahrhunderts vielfach favorisierte „Philosomatismus“, d.h. die Leib- und Diesseits„verliebtheit“ (vgl. die Kritik des Kelsos: Origenes, Contra Celsum VII 36), auch die neutestamentlichen Befunde nur teilweise und erweist sich vielmehr als problematische Rückprojektion.
Hellenistisch-jüdisch gedacht ist auch die Konzeption eines „geistlichen Leibes“ aufzufassen, die Paulus in 1Kor 15,44ff.
Dass Gott mit den Körpern Verstorbener nicht „weiterarbeitet“, kann man bei Paulus auch in anderer Hinsicht bestätigt finden. In der Gefangenschaft sehnt Paulus sich in Phil 1,22
5.2 Eine kurze Problemanzeige zum leeren Grab
Wenn immer wieder auf den ursprünglichen Markusschluss (Mk 16,1–8
Die religionshistorischen Hintergründe von Mk 16,1–8 sind weiter umstritten. Aus der nach wie vor nicht zur Ruhe kommenden Diskussion um die historische Problematik seien hier lediglich drei Beobachtungen / Erwägungen herausgegriffen.
Erstens: Die matthäische Sonderguterzähltradition von der Bestechung der custodia (der Grabeswache) durch die Hohepriester und Ältesten in Mt 27,62–66
Zweitens: Relativ unstrittig, da vom Text her kaum zu bestreiten, ist dagegen: Hätte es nach der ältesten Jesusgeschichte, die wir besitzen, nämlich dem Markusevangelium, nur ein „leeres Grab“ bzw. eine Mk 16,1–8
Drittens: Die nach wie vor keine Ruhe findenden Diskussionsbeiträge zum „historischen“ Ablauf der Osterereignisse und insbesondere zum „leeren Grab“ verhalten sich reziprok zu den (modernen) Realitätskonzepten und ggf. auch theologischen Axiomen der die Texte Interpretierenden.
6. Schluss und Ausblick
Die neutestamentliche Rede von der Auferweckung / Auferstehung ist strikt theozentrisch konfiguriert; sie ist im Horizont antik-jüdischer Konzeptualisierungen des Handelns Gottes verortet; sie rekurriert insbesondere auf das Bekenntnis zum Gott Israels als Schöpfer. Sie rückt spätestens ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. unter das Vorzeichen eines endzeitlich ansetzenden Neuhandelns Gottes („Eschatologie“). Auferweckung / Auferstehung gehört dagegen als Thema von Hause aus nicht zuerst in den Bereich der Anthropologie; d.h. es geht nicht um die – neuzeitliches Verstehen oft hemmende – Frage, wie „Leichname“ anschlussfähig für ein postmortales Leben werden könnten. Das Bekenntnis zur Treue Gottes, der zu seinem Volk und insbesondere einzelnen Gerechten in ihm auch über den Tod hinaus zu stehen vermag, ist nicht von allen Gruppen innerhalb des antiken Judentums geteilt worden; die frühen Christen finden sich in einem, nicht zuletzt durch Johannes, den Täufer vorgeprägten besonderen prophetisch-apokalyptischen Spektrum des Frühjudentums vor, welches auch die heiligen Schriften anders las, als es beispielsweise die Sadduzäer taten. Innerhalb dieses besonderen Spektrums ist an sich nicht das Bekenntnis zu einem Tote erweckenden Gott als solches innovativ und extravagant, sondern vielmehr die These der Christusgläubigen, dass Gott präzise den gekreuzigten Jesus von Nazaret mit seiner unverwechselbaren Botschaft und seinem unverwechselbaren Praxisprofil hoffnungsbegründend für die ihm Nachfolgenden ins Leben geführt hat.
Siehe auch:
→ Elia
→ Erhöhung
→ Henoch
→ Hölle
→ Tod
Literaturverzeichnis
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