Matthäus 5,38-48 | 21. Sonntag nach Trinitatis | 20.10.2024
Einführung in das Matthäusevangelium
Das MtEv
1. Verfasser
Das MtEv ist, wie alle neutestamentlichen Evangelien, anonym verfasst. Die Zuschreibung an Matthäus ist handschriftlich seit dem Ende des 2./Beginn des 3. Jh.s bezeugt; die älteste patristische Bezeugung stammt aus dem weitgehend verlorenen Werk des kleinasiatischen Bischofs Papias von Hierapolis. Nach ihm „hat Matthäus die Logien (Jesu) also in hebräischer Sprache zusammengestellt; es übersetzte sie aber jeder, so gut er konnte“ (Eusebius, h.e. III 39,16; Irenäus spricht von seinem „Evangelium in schriftlicher Form“, s. Adv. haer. III 1,1). Die Zuschreibung eines Evangeliums an den Apostel Matthäus bezieht sich in den ältesten Quellen jedoch nur auf das behauptete hebräische/aramäische Original. Für die vorhandene griechische Fassung wurde schon von Hieronymus festgehalten, dass der Übersetzer unbekannt ist (Vir.ill. III 1). Ohne auf die Übersetzungsfrage einzugehen, wurde das MtEv bis lange ins 19. Jh. hinein und mit nicht wenigen Vertretern bis heute als Werk des Apostels u. ehemaligen ‘Zöllners’ Matthäus angesehen. In der deutschsprachigen Forschung wird dagegen mehrheitlich ein unbekannter judenchristlicher Verfasser angenommen, der zwischen 80 und 100 das Evangelium auf der Grundlage älterer Quellen (Mk, Q, Sondergut) geschrieben hat. Die internationale u. nichtprotestantische Forschung ist in dieser Frage allerdings deutlich pluraler als die deutschsprachige Einleitungswissenschaft und Kommentarliteratur. Eine wichtige Rolle spielt in beiden exegetischen Traditionen die singuläre Referenz in der Jüngerliste Mt 10,3
2. Adressaten
Das Evangelium selbst enthält keine direkten Hinweise auf Adressaten, Abfassungszeit oder -ort. Alle diesbezüglichen Aussagen sind aus dem vorliegenden Text abgeleitet und angesichts deren Spärlichkeit entsprechend hypothetisch. Die patristischen Autoren berichten, dass Matthäus das Evangelium für die „Hebräer“ (d.h. die jüdischen Jesusgläubigen in Israel) schrieb, bevor er „zu den anderen Völkern“ gehen wollte (Eusebius, h.e. III 24 6). Die Annahme, dass das Evangelium ursprünglich an überwiegend judenchristliche Gemeinden gerichtet war und in deren Kontext entstanden ist, wird auch heute mehrheitlich vertreten. Nur wenige machten und machen sich für einen heidenchristlichen Ursprungskontext stark. Allerdings gibt es auch hier eine starke, insbesondere englischsprachige Forschungstradition, die solche Partikularadressierungen ablehnt und stattdessen von einer von Anfang an universalen Adressatenschaft ausgeht („The Gospel For All Christians“). In der deutschsprachigen Evangelienforschung dominiert dagegen ein Partikular- und Konfliktmodell, nach dem die einzelnen Evangelien an bestimmte Gemeindegruppen adressiert sind und sich dabei gleichzeitig von den Empfängergruppen der anderen Evangelien mehr oder weniger polemisch absondern. Der Zuweisung des MtEv an ein judenchristliches Milieu impliziert darum oft die Abgrenzung gegenüber anderen frühchristlichen Milieus (repräsentiert u.a. durch Paulus oder das MkEv, das Mt angeblich verdrängen oder ersetzen wollte). Damit wird das MtEv in erster Linie zu einem Zeugnis für die angenommene Konfliktgeschichte innerhalb des frühen Christentums zwischen 70 und 100, und die in ihm vermittelten Jesustraditionen gelten als so ausgewählt bzw. reformuliert, dass sie der Selbstvergewisserung dieser besonderen Gruppe dienten (die manche mit den Apg 15,5
3. Entstehungsort
Aufgrund der judenchristlichen Charakteristika wird häufig eine Entstehung in Antiochien vermutet, was dadurch gestützt wird, dass Bischof Ignatius von Antiochien das MtEv schon im 1. Drittel des 2. Jh.s zu kennen scheint. Aber auch andere Orte in Israel bzw. Syrien werden diskutiert. Mt 4,24f.
4. Wichtige Themen
Wichtige Themen der exegetischen Interpretation sind die Christologie (Jesus als Sohn Davids neben der Menschensohn-Christologie), Soteriologie (Vergebung der Sünden als Zielvorgabe von Jesu Wirken [1,21
5. Besonderheiten
Das MtEv enthält eine Vielzahl klar abgrenzbarer Einheiten, die in sich deutlich strukturiert sind, insbesondere durch Dreiergruppen (vgl. 1,17
Literatur:
- Aktueller Kommentar: Matthias Konradt, Das Evangelium nach Matthäus, NTD 1, Göttingen 2015 (theologisch gehaltvolle Auslegung, aber kaum Hinweise auf Literatur; diese findet sich reichlich verarbeitet in dem Band: Matthias Konradt, Studien zum Matthäusevangelium, WUNT 358, Tübingen 2016).
- Grundlegend: Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, EKK I/1-4, Neukirchen-Vluyn u.a. 1985 (5., völlig neubearbeite Aufl. 2002), 1990, 1997, 2002 (umfassendster Kommentar in deutscher Sprache mit ausführlichen Hinweisen zur Auslegungs- und Wirkungsgeschichte).
- Zur Diskussion um die Tora: R. Deines, Jesus and the Torah according to the Gospel of Matthew, in: The Gospel of Matthew in its Historical and Theological Context. Papers from the International Conference in Moscow, September 24 to 28, 2018, hg. v. M. Seleznev, W. R. G. Loader u. K.-W. Niebuhr, WUNT 459, Tübingen 2021, 295–327 (in diesem Band auch weitere Aufsätze zu dem Thema, so dass die verschiedenen Positionen gut erkennbar sind).
- Angelsächsische Literatur und Auslegungsgeschichte: Ian Boxall, Matthew Through the Centuries, Wiley Blackwell Bible Commentaries, Hoboken: Wiley Blackwell, 2019.
A) Exegese kompakt: Matthäus 5,38–48
Übersetzung
38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: ein Auge für ein Auge und einen Zahn für einen Zahn. 39 Ich aber sage euch: Widersteht dem Bösen nicht. Stattdessen: wer immer dich auf [deine] rechte Wange schlägt, wende ihm auch die andere zu. 40 Und dem, der mit dir prozessieren will, ihm dein Untergewand zu geben, überlass ihm auch den Mantel (das Obergewand). 41 Und wer auch immer dich für eine Meile in Dienst nimmt, geh mit ihm zwei. 42 Dem, der dich bittet, gib, und von dem, der von dir borgen will, wende dich nicht weg.
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 45 damit ihr Kinder (wörtlich: Söhne) eures Vaters werdet, der in den Himmeln ist, denn er führt seine Sonne herauf über Böse und Gute und er regnet/lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Handeln nicht auch die Steuerpächter gleicherweise? 47 Und wenn ihr einzig eure Geschwister (wörtlich: Brüder) grüßt, was Überfließendes tut ihr? Handeln nicht auch die Völkermenschen gleicherweise? 48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer Vater, der himmlische, vollkommen ist.
1. Fragen und Hilfen zur Übersetzung
V.38/43: Die Einleitungsformel („ihr habt gehört…“) für die sechs, in zwei Dreiergruppen aufzuteilenden „Antithesen“ variiert leicht. Zu Beginn der Dreiereinheiten (5,21
V.39/44: Das „ich aber sage euch“, einer der meistdiskutierten Sätze der Bergpredigt, wurde traditionell verstanden als Ausdruck des autoritativen Ich des Gottessohnes / Messias, der sich damit „gegen“ (Antithesen) die jüdische Tradition bzw. die Tora stelle. Andere sehen darin eine geläufige Wendung aus dem rabbinischen Lehrgespräch, die eine Gegenrede einleitet. Mt 7,29
V.39: das Verb ἀνθίστημι (ἀντί „gegen“ und ἵστημι „stehen“) nimmt das doppelte ἀντί des vorangehenden Satzes auf. „Dem Bösen“ kann sachlich (das Böse) oder personal (der Böse) verstanden werden. Da in den folgenden Beispielen alle bösen Taten von Menschen ausgehen, liegt ein sachliches Verständnis nahe (weil die Menschen das Böse tun).
Das Schlagen auf die Wange (σιαγών, im NT nur hier und Lk 6,29
V.40: κριθῆναι (Inf. Aor. Pass.) ist juristischer Fachbegriff (prozessieren, ein Verfahren anstreben). Vorausgesetzt ist eine zivilrechtliche Klageandrohung (wie in Mt 5,25f.
V.41: ἀγγαρεύω (im NT nur noch in Mt 27,32
V.42: δανείζω, im NT nur hier und der Parallele in Lk 6,34f.
V.43 ist ein synthetischer Parallelismus, die beiden Zeilen bedingen und ergänzen einander. Die erste Zeile, bestehend aus Lev 19,18
„Lieben“ und „Hassen“ sind jedoch nicht als emotionale Regungen zu verstehen, sondern als Relationsbegriffe der „Bevorzugung und Zurückweisung“ (Kessler, Maleachi, 113), wie in Mal 1,2f.
V.44 ist erneut ein synthetischer Parallelismus, gebildet aus zwei Imperativen: den Feind zu lieben heißt demnach konkret, für ihn zu beten (in Lk 6,27f.
V.45: Dem doppelten Imperativ ist eine Zielangabe (finales ὅπως) zugeordnet, auf die eine Begründung (kausales ὅτι) folgt. Die den Jüngern zugesprochene Kindschaft (vgl. 5,16
τὸν ἥλιον αὐτοῦ ἀνατέλλει | ἐπὶ πονηροὺς καὶ ἀγαθοὺς |
καὶ βρέχει | ἐπὶ δικαίους καὶ ἀδίκους. |
Dass diese Haltung nicht Schwäche, sondern Güte ist, zeigt die ungewöhnliche Formulierung „seine Sonne“ (d.h. Gott gebietet über die Sonne) und die Tatsache, dass Gott Subjekt der beiden Verben ist.
V.46/47: die „Zöllner“ (τελῶναι: Steuerpächter, Steuereinnehmer) und die „Heiden“ (ἐθνικοί, hier als Sammelbegriff für die nichtjüdische Welt) stehen für die bisher Ausgegrenzten bzw. die Menschen, die einem im Alltag als böse, ungerecht, fremd oder feindlich begegnen.
V.47: τὶ περισσὸν ποεῖτε? Das ist die entscheidende Frage an die Jünger (bzw. die Adressaten des MtEv). Was tut ihr, das den eschatologischen Mehrwert „eurer Gerechtigkeit“ bezeugt, der ins Himmelreich führt (vgl. περισσεύω in Mt 5,20
V.48: τέλειος: vom himmlischen Vater als gegeben ausgesagt (ἐστιν „er ist“), für die Jünger als Möglichkeit: „ihr werdet sein“ bzw. „ihr könnt sein“ (ἔσεσθε als Futur von εἰμί). Das Adjektiv τέλειος (in den Evangelien nur noch in Mt 19,21
2. Literarische Gestalt und Kontext
Der Predigttext bildet die 5. und 6. der sog. „Antithesen“, einer Besonderheit des MtEv, die sich nur in der Bergpredigt findet. Mt 5,20
Der jeweils einleitende Satz nimmt Bezug auf traditionelle jüdische Vorstellungen, die auf der Tora basieren oder von ihr abgeleitet sind. Dass es sich dabei nur um einengende, den eigentlichen Sinn verfehlende Auslegungen der „Pharisäer und Schriftgelehrten“ (5,20
3. Historische Einordnung
In 5,21–48 sind Mündlichkeit (hören, sagen) und Schriftlichkeit (Zitate aus dem Pentateuch) miteinander kombiniert; für die meisten Menschen zur Zeit Jesu war „Gesetz und Propheten“ eine Botschaft, die man gehört hat bzw. vorgelesen bekam; die Fähigkeit zur selbstständigen Lektüre der Hl. Schriften und die Möglichkeiten, direkten Zugang zu ihnen zu haben, war dagegen begrenzt. Die Verse setzen darum keine schriftgelehrte Auseinandersetzung voraus, sondern das setting des mündlichen Vortrags (Bergpredigt ist ein durchaus zutreffenden Begriff für Mt 5–7). Es handelt sich jedoch nicht um ein Redeprotokoll von Jesus, sondern um die kunstvolle Komposition von Jesusworten zu einer programmatischen Rede unter Verwendung von für Jesus typischen Redeformen. Jede kleinere Einheit der Bergpredigt (in diesem Fall die zwei Jesusweisungen) kann so als Quintessenz oder Ausgangsthese eines längeren Vortrags von Jesus verstanden werden.
4. Schwerpunkte der Interpretation
Das Gebot zur Feindesliebe ist der inhaltliche Höhepunkt der eschatologischen Gerechtigkeitsregeln. Sie findet ihre Begründung in der Vollkommenheit Gottes (5,48; vgl. 7,11f.
5. Theologische Perspektivierung
Eine kontextsensible Auslegung macht deutlich, dass die Jesusweisungen weder utopische ethische Überforderungen noch ein gesellschaftliches Programm darstellen. Es sind praktizierbare Verhaltungsweisen für die, die als „Söhne / Kinder des Vaters, der in den Himmeln ist“ (V.45) dessen Vollkommensein in der Welt repräsentieren. Um der Gewissheit des himmlischen Lohnes willen (V.46 verweist zurück auf 5,12
Literatur
- Deines, R.: Die Gerechtigkeit der Tora im Reich des Messias, WUNT 177, Tübingen 2004.
- Kessler, R.: Maleachi, HThK.AT, Freiburg 2011.
- Konradt, M.: Das Evangelium nach Matthäus, Göttingen 2023.
- Lapide, Pinchas, Entfeindung leben?, Gütersloh 1993.
B) Praktisch-theologische Resonanzen
1. Persönliche Resonanzen
Mit den Antithesen der Bergpredigt assoziieren viele die Zumutung unerfüllbarer Forderungen. Insbesondere die Weisungen zur Feindesliebe und zum Vollkommen-Sein scheinen ethische Überforderungen zu sein. Die Exegese zeigt dagegen, dass in V.38-48 praktizierbare Verhaltensweisen beschrieben werden. Die Annahme, die Jesusweisungen seien unerfüllbar, beruht darauf, dass sie abstrakt, ohne Bezug zum zeitgenössischen Kontext aufgefasst werden; es gilt daher, sie realistisch und lebensbezogen zu interpretieren. Wenn „Lieben“ und „Hassen“ nicht als emotionale Regungen, sondern als Relationsbegriffe der „Bevorzugung und Zurückweisung“ zu verstehen sind (zu V.43), wird es möglich, auch eine Person, die einem gleichgültig oder weniger wichtig ist, entgegenkommend wie einen näherstehenden Menschen zu behandeln. Man muss sie nicht mehr dem ‚natürlichen‘ Reflex folgend als ‚Feind‘ abwehren und ausgrenzen. Dies ist allerdings nicht jedem möglich, es wird auch nicht jedem zugemutet. Angesprochen sind die Jünger Jesu. Der Schlüssel zum Verständnis der 5. und 6. Antithesen liegt in V.45: die Jünger sollen sich als das bewähren, was sie sind und Jesus ihnen zuspricht, nämlich als Kinder des himmlischen Vaters, die an seinem Vollkommensein teilhaben. Dazu, wie diese Teilhabe zu verstehen ist, gibt die Exegese einen weiteren wichtigen Hinweis. Vollkommen (V.48) heißt nicht sündlos sein. Die Vollkommenheit Gottes besteht darin, auf Ausgrenzungen der Bösen und Ungerechten nicht nur zu verzichten, sondern selbst diesen die Teilhabe an seinem Reich zu ermöglichen. Als Kinder dieses Vaters können die Jünger darauf verzichten, ihr Recht und ihre Ehre durchzusetzen. Sie können großzügig etwas für andere tun (gern ‚zu Diensten sein‘ wie gutes Servicepersonal) und ihnen in sozialen Notlagen finanziell helfen. Sie müssen nicht andere als „die Bösen“ ausgrenzen (wir hier – die dort), sondern können auch ihnen entgegenkommen, für sie beten und sie grüßen.
2. Thematische Fokussierung
Mit dem Stichwort ‚Entfeindung‘ (P. Lapide) wird eine Perspektive zur gegenwärtigen Lebenswelt eröffnet. ‚Entfeindung‘ geschieht zuerst im Denken, bevor sie im Verhalten praktiziert werden kann. Wer nicht ausgrenzend denkt bzw. aufhört, ausgrenzend zu denken, kann auch wie der himmlische Vater gütig sein zu denen, die ‚natürlicherweise‘ ausgegrenzt werden, d.h. zu Menschen, die einem im Alltag als böse, ungerecht, fremd oder feindlich begegnen. In der Predigt möchte ich in den Blick nehmen, wo mir selbst solche Menschen in meinem näheren Umfeld begegnet sind und was es mir erschwert hat, mich ihnen gegenüber so zu verhalten, wie die Jesusweisungen im MtEv den Jüngern nahelegen. Es wäre auch zu fragen, wo wir im weiteren Radius herausgefordert sind, die alltäglichen Grenzziehungen gegenüber denen zu überschreiten, die als ‚Böse‘ oder ‚Feinde‘ gelten. Dabei wäre zu beachten, wo sich eine Neigung zur Einteilung in bestimmte Gruppen oder ‚Schubladen‘ und zum politischen Freund-Feind-Denken einstellt.
3. Theologische Aktualisierung
Die eigentliche Herausforderung des Textes Mt 5,38-48 stellt sich m.E. nicht auf der ethischen Ebene, sondern auf der Ebene des Gottesverhältnisses. Jesus spricht mir bzw. der Gemeinde die Kindschaft mit dem Vater zu, den wir als ‚unseren Vater‘ ansprechen. Glaube ich dem Sohn, dass die Güte dieses himmlischen Vaters so weit reicht, dass er selbst den Bösen und Ungerechten die Teilhabe an seinem Reich ermöglichen will? Das ist die Kernfrage an den Prediger / die Predigerin, wenn sie mit diesem Text die Zuhörenden zur Nachfolge ermutigen wollen. Jesus hat selbst bis zu seinem Tod am Kreuz Feindesliebe gelebt. Das Verhalten der Christen soll und kann die Güte des himmlischen Vaters widerspiegeln. Die Weisungen Jesu regen dazu an, so von Gott zu sprechen, dass deutlich wird: Christen müssen nicht moralisch perfekt sein, sie sollten aber ein weites Herz haben, das mit Gottes grenzenloser Güte rechnet.
4. Bezug zum Kirchenjahr
Der Text konkretisiert das im Wochenspruch für den 21. Sonntag n. Trin. formulierte Gebot: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“ (Röm 12,21). Er veranschaulicht an einer Reihe von Fällen, wie dieses Gute im alltäglichen Miteinander verwirklicht wird. Geeignete Lieder sind außer dem Wochenlied „Damit aus Fremden Freunde werden“ (EG.E 31): „Gott des Himmels und der Erden“ (EG 445,1-5), „So jemand spricht: Ich liebe Gott“ (EG 412,1+5+6), evtl. auch „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen“ (EG Hessen 628) und „Die Erde ist des Herrn“ (EG.E 32,1-4). Die Epistel Eph 6,10-17
5. Anregungen
Eine erzählende Predigt, die nah an der Lebenswelt der Gemeinde bleibt, empfiehlt sich. Wo es dafür aktuelle Anknüpfungspunkte gibt, kann die predigende Person auch auf die Frage eingehen, wie die Kirchen und Christen in der globalisierten Welt nach dem Gebot der Feindesliebe handeln können.
Autoren
- Prof. Dr. Roland Deines (Einführung und Exegese)
- Dr. Michael Heymel (Praktisch-theologische Resonanzen)
Permanenter Link zum Artikel: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/500066
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