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Johannes 16,5-15 | Exaudi | 12.05.2024

Einführung in das Johannesevangelium

Das Johannesevangelium ist wie ein Fluss, in dem ein Kind waten und ein Elefant schwimmen kann.

Robert Kysar

Das Evangelium „nach Johannes“ ist das tiefgründigste und theologisch wie kulturgeschichtlich wirkungsvollste der kanonischen Evangelien. Es unterscheidet sich in Stoff, narrativer Gestalt, Sprache und Theologie signifikant von den Synoptikern. Die Erklärung dieser Besonderheiten sowie die Frage nach seinen Quellen und seinem historischen und theologischen Wert gehören zu den schwierigsten und umstrittensten Fragen der Forschung.

Joh ist wie Mk eine kerygmatische Erzählung vom Wirken, Sterben und Auferstehen Jesu, d.h. ein Evangelium. Es ist programmatisch aus nachösterlicher Perspektive gestaltet, aus der durch den Geist gewirkten „Erinnerung“ (Joh 2,22; 12,16), und es trägt diese Perspektive bewusst in die Erzählung der Geschichte Jesu und seines Todes (19,30), so dass alle Einzel-Episoden schon im Licht des Ganzen des Christusgeschehens, im ‚österlichen Glanz‘, zu lesen sind.

Joh enthält eigentümliche Stoffe (Prolog, Abschiedsreden, ausgedehnte Reden und Dialoge Jesu mit Nikodemus, der Samaritanerin oder Pilatus), Erzählungen wie das Weinwunder (Joh 2), Lazarus (Joh 11), die Fußwaschung (Joh 13). Wichtige synoptische Stoffe (z.B. Geburtsgeschichten, Gleichnisse, Bergpredigt, Endzeitrede) fehlen. Die Tempelreinigung (Joh 2,13-22) ist aus dem Passionskontext an den Anfang umgestellt, der Todesbeschluss des Hohen Rates (Joh 11,45-54) erfolgt ebenfalls schon vor der Passion als Antwort auf die Lazarus-Erweckung. Dies weist auf eine bewusste Umgestaltung der älteren Jesusüberlieferung hin, die auch geschichtliche Sachverhalte in großer Freiheit anders erzählt. Dies zeigt sich auch in der anderen Sprache Jesu, die im Grunde die Sprache aller anderen Figuren und des Autors ist. D.h., auch in Jesu Worten und Reden spricht faktisch der joh Autor.

1. Verfasser

Das „Evangelium nach Johannes“ ist wie alle kanonischen Evangelien anonym überliefert. Die Überschrift ist im 2. Jh. nachgetragen. Traditionell wurde es ab dem späten 2. Jh. dem Apostel und Zebedaiden Johannes zugeschrieben, der mit der Figur des „Jüngers, den Jesus liebte“ (Joh 13,23) identifiziert wurde. Diese Zuschreibung ist erklärlich, weil man diesen ‚Lieblingsjünger‘ (LJ) mit dem ‚unbekannten‘ zweiten Jünger aus Joh 1,35-40 identifiziert hat und (aufgrund von Mk 1,16-20 oder Apg 3-5) in diesem den Zebedaiden Johannes sah. So ‚wurde‘ der LJ zum Augenzeugen der ganzen Erzählung und das Evangelium bekam ‚apostolische‘ Würden. Nach der Johanneslegende (bei Irenäus u.a.) soll dieser Johannes als Greis sein Werk in Ephesus in Kleinasien geschrieben haben, nach Clemens v. Alex. ist es als „geistliches“ Evangelium in Ergänzung und Vertiefung zu den drei eher „leiblichen“ Erzählungen der Synoptiker abgefasst.

Aufgrund von Stoff, Sprache und erzählerischer Gestalt ist allerdings höchst unwahrscheinlich, dass der galiläische Fischer im hohen Alter das Werk verfasst hat. Und selbst wenn er der Autor wäre, wäre schwer erklärlich, warum es sich von der älteren Tradition so unterscheidet.

Nur das wohl als ‚Nachtrag‘ angefügte Kapitel 21 führt die Abfassung auf den LJ zurück, in Joh 1-20 ist dieser zwar an wenigen Stellen ab dem letzten Mahl (13,23; 19,25-27; 20,1-10) Petrus an die Seite gestellt, doch eher als ‚ideale Figur‘, die Jesus näher ist und ihn besser versteht. Der eigentliche „Autor“ ist in Joh 1-20 der „erinnernde“ Geist (Joh 14,25f). Wenn hinter dem LJ auch eine ‚reale‘ Figur im Umkreis der joh Gemeinden stand (wie 21,22f nahelegt), ist fraglich, ob dieser mit einer bekannten Gestalt zu identifizieren ist. Das Joh wäre in dann Fall posthum von Schülern (21,24f) herausgegeben. Wenn der Autor des Joh mit dem von 1-3Joh identisch ist, wäre der autoritativ schreibende „Presbyteros“ aus 2Joh 1; 3Joh 1 am ehesten mit dem bei Papias von Hierapolis (Eus., h.e. 3,39,4) als Traditionsträger in der Asia erwähnten „Presbyteros Johannes“ zu identifizieren. Die spätere Zuschreibung an den Zebedaiden wäre dann in einer Verwechslung oder eher intentionalen Überblendung der Namen erfolgt.

Schriftzitate und Anspielungen belegen eine gute Kenntnis des AT, das aber höchst selektiv benutzt wird. Analog ist auch für die übrigen Traditionen eine sehr eigenständige Verwendung anzunehmen. Nichts ist nur ‚abgeschrieben‘, Joh 20,30f bezeugt eine bewusste Auswahl des Autors aus den ihm verfügbaren Stoffen. Daraus folgt aber: Die Eigenständigkeit in Stoff und literarischer Ausgestaltung belegt keine ‚Unabhängigkeit‘ von der synoptischen Tradition. Jede Rekonstruktion schriftlicher Quellen (z.B. einer ‚Semeia‘-Quelle mit Wundergeschichten oder eines eigenen Passionsberichtes) ist m.E. unmöglich, doch sind neben den Synoptikern (v.a. Mk) mündliche und schriftliche Gemeindetraditionen anzunehmen, die aber alle eigenständig umgestaltet sind. Der Autor kennt das Mk (wie z.B. die Anspielungen auf die Gethsemane-Episode in 12,27f; 14,31 und 18,11 zeigen) und setzt die Kenntnis auch bei seinen Lesern voraus (s. 3,24), evtl. kennt er auch Lk oder Stoffe daraus, eine Kenntnis des Mt ist nicht zu belegen. Er ist gleichfalls vertraut mit jüdischen Bräuchen und wohl auch mit Gegebenheiten in Jerusalem. Vielleicht ist er ursprünglich ein Palästiner, der dann im Zuge des jüdischen Krieges nach Kleinasien kam.

2. Adressaten

Das Joh ist wohl in Gemeindekreisen entstanden, die auch in 1-3Joh greifbar sind. Diese Gemeinden (oder die ‚Joh. Schule‘) in Kleinasien sind erst im letzten Drittel des 1. Jh. greifbar, sie hatten eigene Traditionen, aber nahmen auch synoptische und paulinische Motive auf. Ein Teil der joh Christusgläubigen entstammte wohl der Diasporasynagoge, und die traumatischen Spuren einer erfolgten Trennung (aposynagogos: Joh 9,22; 12,42; 16,2) sind wahrnehmbar, hingegen waren andere wohl Nichtjuden („Griechen": Joh 7,35; 12,20). Der Kontext steht also ein Verband ‚gemischter‘ Gemeinden, wohl im urbanen Raum, in dem neben diesen joh Christusgläubigen auch anders geprägte Gruppen koexistierten (z.B. Apk, Eph, Pastoralbriefe).

Nach den Abschiedsreden erscheinen die Adressaten selbst verunsichert ‚in der Welt‘, so dass Jesu Wort und das ganze Joh im Durchgang durch die Geschichte Jesu eine Antwort darauf bietet. Zugleich ist das Joh nicht nur als konkretes Wort an einen begrenzten, gar ‚sektiererisch‘ abgeschlossenen Gemeindekreis zu lesen, vielmehr zielt es auch auf Lesende in einem weiteren Rahmen, ja auf die Welt der Bücher, wenn es in 1,1 die Genesis überbietend aufnimmt und in 21,25 mit einem Hinweis auf viele Bücher endet.

3. Entstehungsort

Die Herausgabe des Evangeliums wird seit der altkirchlichen Tradition in Ephesus angesetzt. Dies ist im Joh und den drei Briefen nicht positiv zu belegen, und sachlich wäre jeder urbane Kontext im östlichen Mittelmeerraum denkbar, doch weist das frühe Zeugnis des Papias von Hierapolis, Polykarp u.a. auf den Raum Kleinasiens, ebenso die frühe Verbindung mit der dort situierten Apokalypse. Andere Vorschläge (Alexandrien wegen der Rede vom Logos; Syrien wegen vermeintlicher Nähe zu gnostischen Traditionen; Ostjordanland wegen der Bedeutung der ‚Juden‘) sind ebensowenig zu belegen. Kleinasien bleibt die wahrscheinlichste Option.

4. Wichtige Themen

Wichtige Themen der exegetischen Interpretation sind die hohe Christologie: Jesus ist der eine Offenbarer Gottes, ja er ist ‚Gott‘. Er gibt Leben, gibt den Geist. Sein Tod ist ‚Vollendung‘ der Schrift und des Willens Gottes (19,30), seine Sendung (ans Kreuz) der Erweis der ‚Liebe‘ Gottes zur Welt (3,16). Auffällig ist die ‚Vergegenwärtigung‘ der Eschatologie: Das ‚ewige Leben‘ ist schon jetzt im Glauben gegeben (5,24), das Gericht ergeht jetzt in der Begegnung mit Jesus (3,18). Zentrale Bedeutung hat der Geist, der als ‚Beistand‘ (Paraklet) der nachösterlichen Gemeinde diese begleitet, erinnert und zum Zeugnis befähigt. Joh entwickelt eine Art, von Vater, Sohn und Geist in personaler Unterscheidung zu reden, die bereits in die Richtung der späteren Trinitätslehre führt. Das alles wird in Bezug auf die Schriften Israels entfaltet, die nach Joh sämtlich von Jesus zeugen. Daher beansprucht der joh Jesus Exklusivität als Offenbarer (1,18; 14,6), während alle anderen Wege, auch der der nicht an Jesus glaubenden Schüler Moses (9,28) nicht „zum Vater“ führen. Die schroffe antijüdische Polemik ist z.T. Ertrag der schmerzhaften Trennungs- und Identitätsbildungsprozesse. Für die Gemeinde ergibt sich daraus eine innere Trennung von der ‚Welt‘, der mit einer (Familien-)Ethik der (nicht nur, aber vorrangig) auf die eigene Gruppe gerichteten Liebe begegnet wird.

5. Besonderheiten

Das Joh will, dass seine Leser:innen besser und tiefer verstehen. Diesem Ziel dient die literarische Ausgestaltung durch ein eine Vielzahl literarischer Gestaltungsmittel: die Vor-Information durch den Prolog lässt die Leserschaft stets ‚wissender‘ sein als die textlichen Figuren, deren ‚dumme‘ Fragen oft Verwunderung auslösen. Die Wundergeschichten sind durch textliche Verweise so ausgestaltet, dass sie nie nur als Bericht eines vergangenen Ereignisses gelesen werden können, sondern stets auf das Ganze des Heilsgeschehens bezogen sind. Explizite und implizite Erzählerkommentare und Erläuterungen lenken den Blick auf textliche und theologische Bezüge. Narrative Figuren bieten Identifikationsangebote und provozieren durch ihre Ambivalenz zur Stellungnahme. Miteinander vernetzte, z.T. breit symbolisch ausgestaltete Metaphern (wie Wasser, Brot, Hirte, Weinstock, aber auch Geburt, Familie, Tempel, Garten) verstärken das Wirkungspotential des Textes und laden die Lesenden ein, ihn „zu bewohnen“ (Ricœur). Als subtiler literarischer Text spiegelt das Joh nicht nur die hohe Kunst seines Autors, sondern wurde selbst zur Weltliteratur.

6. Die johanneischen Abschiedsreden

Zu den Besonderheiten des Joh gehört, dass es zwischen Jesu letztem Mahl und seiner Verhaftung ausgedehnte Reden Jesu bietet, die nur an seine Jünger (ohne Judas, s. 13,30) ergehen. Diese werden „Abschiedsreden“ (AR) genannt und umfassen eine bzw. mehrere, z.T. dialogisch aufgelockerte Reden (13,31 – 16,33) und ein abschließendes Abschiedsgebet (17,1-26). Zum literarischen Komplex der AR gehört auch der situative Rahmen, das letzte Mahl mit der Fußwaschung (13,1-30), der thematisch eng mit den Reden (Liebesgebot 13,34f, Weinstockrede 15,1-17) und dem Abschiedsgebet verbunden ist.

Von den synoptischen Endzeitreden (Mk 13 parr.) unterscheiden sich die joh AR formal und inhaltlich. Doch schon Mk deutet in Mk 14,43 an, dass Jesus unmittelbar vor seiner Verhaftung „noch redete“; Lk 22,24-38 bietet zwischen Mahl und Gethsemane knappe Jüngergespräche (mit Motivparallelen zu den joh AR: Jünger-Rangstreit, Dienen, Glaube der Jünger, Ansage der Verleugnung). Joh baut diese ‚Leerstelle‘ in der Tradition zu einer Redekomposition aus, die mehr als 4 Kapitel umfasst und den narrativen Raum des Themas „Weggang/Tod Jesu“ extrem ausweitet. Die Dehnung der erzählten Zeit in der Rede bewirkt eine Verlangsamung des Erzähltempos und trägt zur Fokussierung auf Jesu Todesstunde (19,28-30) bei.

Gliederung: Deutlich ist die Zäsur nach 14,31 (par Mk 14,42), die zu literarkritischen Vermutungen Anlass gegeben hat (s.u.). Zunächst sind zwei AR zu unterscheiden (13,31 – 14,31; 15,1 – 16,33). Man kann weiter 13,31-38 als Einleitung zu den ganzen AR abtrennen und die erste Rede in 14,1-31 sehen. Da in 15,1 keine Redeeinleitung folgt und erst in 16,4b wieder ein Neueinsatz erkennbar ist, können 15,1-17 und 15,18 – 16,4a als zwei Redestücke und 16,4b-33 als eine zweite, zu 14,1-33 parallele Redekomposition gelten. Die Gesamtkomposition bietet trotz kleiner Inkonsistenzen ein dichtes Gefüge von Wiederholungen und Wiederaufnahmen, so dass ein vertiefender Gedankenfortschritt bzw. ein sukzessives Durcharbeiten der Fragen erkennbar wird, das in den positiven Ausblick 17,24-26 mündet.

Die Reden in Kap. 14 und 16 weisen eine thematische Rahmung auf: die erste ist in 14,1.27 durch das Motiv von Erschütterung und Glauben gerahmt, die zweite in 16,7.33 (mit dem Zentrum 16,20-22) durch die Motive von Trauer und Bedrängnis (vs. Freude, s. 16,20-22). Sie adressieren je das Problem des Weggehens Jesu (14,33.36; 14,5; 16,5f) bzw. der Unsichtbarkeit und vermeintlichen Abwesenheit Jesu nach seinem Tod und auch nach Ostern (14,18-20; 16,10.16-19) und bearbeiten dies im Sinne der joh Glaubenserkenntnis so, dass die verunsicherte Jüngergemeinde in der Orientierung am Geschick Jesu und durch seine Zusage wieder neu seiner Gegenwart vergewissert und zum Zeugnis ermutigt wird.

Literarkritische Dekompositionsversuche gab es v.a. aufgrund von 14,31:

a) Bultmann wollte die Probleme durch Textumstellungen beseitigen.

b) Seit Wellhausen wurde Joh 15-17 einer späteren z.T. in sich gestuften Redaktion zugewiesen, die thematisch mit 1 Joh verbunden sei und die ‘Radikalität’ des Evangelisten oder korrigieren wolle.

c) Neuere Entwürfe (Zumstein) sehen in Joh 15-17 eine „Relecture“, d.h. eine Fortschreibung, die nicht im Widerspruch, sondern im Weiterdenken der joh Schule gesehen wird. Nicht ausgeschlossen ist aber, dass ein solches Weiterdenken und -schreiben von demselben Autor stammt.

d) Andere (Brown) vermuteten hinter den Reden in Joh 14 und 16 zwei parallele Entwürfe.

e) Gegen literarkritische Versuche will Thyen 14,31 als symbolische Aufforderung an die Leserschaft und Kap. 15-17 als Exkurs verstehen. Doch bleiben auch hier viele Fragen offen. Literarkritische Versuche werden gegenwärtig nicht mehr als Schlüssel zum Verständnis der AR herangezogen.

Interpretatorisch hilfreicher ist die religions- und kulturgeschichtliche Kontextualisierung. Als „letzte Worte“ gehören die joh AR zur Literaturgattung des „literarischen Testaments“. Solche Texte sind v.a. im antiken Judentum häufig, zunächst im Dtn (und anderen atl. Texten), und dann in Abschiedsszenen und Vermächtnisreden von Stammvätern (Testamente der 12 Patriarchen), wo ein Stammvater in Todesnähe seine Nachkommen versammelt, z.T. im Rahmen eines Mahls, und im Rückblick auf sein Leben Mahnungen und (eschatologische) Ausblicke gibt. Im NT finden sich Parallelen in Apg 20,17-38 sowie in Briefform in 2Tim und 2Petr. Im Griechentum sind ultima verba i.d.R. nur als kurze Sentenzen überliefert. Bemerkenswerte Parallelen zu den joh AR finden sich aber in Trostbriefen (Seneca), in der Form der Lehrgespräche beim Mahl (Symposium, von Plato bis Plutarch) und im Drama, wenn der verzögerte Abgang des Protagonisten oder sein bevorstehender Tod die noch zu sprechenden Worte besonders gewichtig macht (Parsenios).

Die AR ergehen im Kontext der „Stunde“ Jesu (12,23), d.h. im Horizont seines Todes, hermeneutisch gesprochen auf der Grenze zwischen seinem Leben und Tod. Dies zeigt sich sprachlich darin, dass manche Formulierungen bereits die Perspektive des Rückblicks auf das irdische Wirken Jesu bzw. das vollendete Heilsgeschehen einnehmen (13,34; 15,12; 16,11.33; 17,4; vgl. 16,4; 17,11…). Instruktiv ist der Kontrast a) zu den Reden im Mt, die allesamt Reden des Irdischen sind und seine Lehre wortwörtlich und gültig zusammenfassen, und b) zu nachösterlich situierten Offenbarungsreden und Jüngergesprächen in späteren, z.T. gnostischen „Dialogevangelien“, in denen das irdische Geschehen und der Tod Jesu aus einer späteren oder ‘himmlischen’ Erkenntnis relativiert werden. Demgegenüber halten die joh AR Jesu Erdenwirken und Tod und dessen nachösterliche Deutung zusammen. Jesu Worte ergehen an seine irdischen Jünger und im Evangelium zugleich an die nachösterliche Jüngergemeinde, sie thematisieren die Trauer der Jünger vor seinem Weggehen (13,33.36-38; 14,1.5; 16,5f etc.) und zugleich die Angst und Verlassenheit der späteren Gemeinde in der Welt (14,18; 16,33).