Kaleb
(erstellt: Februar 2026)
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Kaleb ist der Name einer historischen Bevölkerungsgruppe, die in der Gegend um → Hebron
1. Der Name Kaleb
Der Name ist in verschiedenen Sprachen des Alten Orients belegt (hebräisch, akkadisch, ugaritisch, phönizisch und arabisch). Seine Bedeutung ist „hundswütig, wagemutig“ (HALAT). Im Akkadischen gilt ein verwandtes Wort als Bezeichnung für einen „treuen Vasallen des Königs“, der Name „Kaleb“ hat also im Akkadischen dieselbe Bedeutung wie die erzählerische Funktion, die die literarische Figur Kaleb in der biblischen Erzählung Num 13-14
In den Bibeltexten ist diese Figur als „Kaleb ben Jefunne“ überliefert. Sein Vatersname ist sonst nicht belegt, weder als Figur noch als Name inner- oder außerbiblisch.
2. Die literarische Figur Kaleb in der Bibel
Mit der Figur Kalebs sind verschiedene Episoden im AT verbunden, die alle von der sogenannten Landnahme bzw. vom Landgewinn handeln: die sog. Kundschafter-Erzählung (Num 13-14
2.1. Num 13-14
Die Kundschafter-Erzählung bildet den Grundstock an positiven Überlieferungen über Kaleb. Kaleb ben Jefunne aus dem Stamm Juda kundschaftet mit anderen Repräsentanten der zwölf Stämme (Num 13,4-16
Kaleb wird auch dazu bestimmt, als Abgeordneter des Stammes Juda das Land mit auszuteilen (Num 34,19
2.2. Jos 14,6-15
Jos 14,6-15
Auch hier wird Kaleb ausgesprochen positiv dargestellt. Kalebs Treue zu JHWH (s. schon Num 14,24
2.3. Jos 15,13-19
Die zweite Erzählung um Kaleb (Jos 15,13-19
2.4. Ri 1,10-15
Im Einleitungskapitel des Richterbuchs Ri 1
2.5. 1Chronik
In 1Chr 2,9f.
In 1Chr 4,15
2.6. 1Makk 2,56
In 1Makk 2,56
3. Das literarische Profil Kalebs
3.1. Kaleb in Konkurrenz zu Josua
Die positiv hervorgehobenen Eigenschaften Kalebs und Josuas gleichen sich (Treue gegenüber JHWH Jos 14,9
3.2. Kaleb und Juda
Kaleb wird einerseits dem Stamm Juda zugerechnet in Num 13,6
In Jos 14,6-15
3.3. Kaleb als sagenhafte Figur
Num 13-14 enthält sehr viele sagenhafte Motive. Der märchenhafte Eindruck entsteht vor allem dadurch, dass in dem Land, das die Männer erkundet haben, alles riesengroß ist: die Traube, → Granatäpfel
4. Die historische Bevölkerungsgruppe der Kalebiter
Die Kalebiter gehören zu den Kenasitern (Jos 14,6.14-17
5. Nachbiblische Traditionen
5.1. Jüdische Überlieferungen
In rabbinischen Traditionen wird Kaleb in die Genealogien Israels eingeordnet und mit → Mirjam

5.2. Christliche Überlieferungen
Nach christlichen Legenden, schon bei Augustinus und Isidor von Sevilla, waren es Josua und Kaleb, die die riesige Traube aus dem Gelobten Land trugen. Die riesige Weintraube wird Kalebstraube genannt und zum festen Symbol von christlichen europäischen Weinbauernzünften (Abb. 1-2).

Literaturverzeichnis
1. Lexikonartikel
- Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
- Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Hamm 1975ff
- Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007
- Encyclopedia of the Bible and its Reception, Berlin / New York / Boston 2009ff
2. Weitere Literatur
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- Beltz, W., 1974, Die Kaleb-Traditionen im Alten Testament, BWANT 98, Stuttgart
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- Wüst, M., 1975, Untersuchungen zu den siedlungsgeographischen Texten des Alten Testaments I. Ostjordanland, BTAVO B 9, Wiesbaden
Abbildungsverzeichnis
- Abb. 1: Kalebsbrunnen, Brunnen in Stuttgart-Rotenberg (https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Josua-und-Kaleb-Brunnen_(Stuttgart)?uselang=de
). © CC BY-SA 4.0 (Foto: R. Kälcke). - Abb. 2: Kalebstraube; bemaltes Eisenschild der Tübinger Weingärtnerzunft 1738, Tübinger Stadtmuseum (https://de.wikipedia.org/wiki/Kalebstraube
). © CC BY-SA 3.0 (Foto: EMPTy).
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