Deutsche Bibelgesellschaft

Globales Christentum

(erstellt: Februar 2026)

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Digital Object Identifier: https://doi.org/10.23768/wirelex.400109

1. Lebensweltliche Verortungen

Eine globale Perspektive ist für heutige Schülerinnen und Schüler einerseits Teil ihres Alltags (→ Alltag), andererseits stellt sie in Bezug auf die Wahrnehmung des Christentums noch eine Lernaufgabe dar. Durch die → Digitalisierung und vor allem die Sozialen Medien ist der Welthorizont längst medial in den Hosentaschen heutiger Jugendlicher Realität – auch wenn auf Grund von Repräsentationslogiken die Welt einerseits vernetzter erscheint, andererseits dabei auch weite Teile der Welt nicht repräsentiert sind. Zu den medial vermittelten Alltagserfahrungen von Globalisierung kommen für Jugendliche die krisenhaften (→ Krise, Krisenbewusstsein, Krisennarrative) Erfahrungen von Globalisierung hinzu, sei es im Blick auf den → Klimawandel, die Corona-Pandemie sowie die derzeitige politische Lage, die globale Verflochtenheiten deutlich vor Augen führt (Simojoki, 2023, 185-187).

Auch die Papstwahl 2025 hat gezeigt, wie global Kirche aufgestellt ist, was für Heranwachsende bei christlichen Großereignissen durch internationale Kontakte erfahrbar wird, wie der Weltjugendtag, das World Scout Jamboree oder die Internationale Ministrantenwallfahrt. Sie bringen Gleichaltrige aus unterschiedlichen Teilen der Welt zusammen, wovon diese wiederum Erfahrungen in ihre Gruppen tragen und z.B. die Pfadfinderverbände sich durchaus im globalen Horizont sehen, wie es sich auch durch Reisen oder aber auch im Liedgut zeigt.

In ihrem schulischen Alltag ist für immer mehr Schülerinnen und Schüler in Folge von Migrationsprozessen (→ Migration) eine globale Perspektive durch vielfältige Herkunftsländer der Lernenden in erster, zweiter oder dritter Generation präsent. Der Mikrozensus 2024 gibt an, dass 41 % der Schülerinnen und Schüler eine Zuwanderungsgeschichte haben (Destatis, 2024). Zunehmend ist auch ein globales Christentum Realität in den Klassenzimmern und Religionskursen. Dass innerhalb der Religionspädagogik das orthodoxe Christentum stärker wahrgenommen wird, ist daher eine erfreuliche Entwicklung (→ Religionsunterricht, orthodoxer). Jedoch stellt sich der Anteil von Lernenden mit Migrationserfahrung je nach Schulform (Statista, 2025) und Wohnort unterschiedlich dar und ist in einem konfessionell getrennt erteilten evangelischem oder katholischen Religionsunterricht möglicherweise noch einmal geringer als innerhalb der Lerngruppen.

Als Zwischenfazit kann formuliert werden, dass das globale Christentum für einige Heranwachsende selbstverständlicher Teil ihres Alltags ist, für andere jedoch weniger. Längst nicht nur Migration und Digitalität befördern, dass die Globalität des Christentums ein Zukunftsthema darstellt. In der Realität des schulischen Religionsunterrichts ist dieses Thema jedoch noch nicht angemessen präsent: Es fehlt überwiegend noch an Perspektiven, die Verflechtungsgeschichten aufzeigen und die die globale Signatur des Christentums religionsdidaktisch operationalisieren und konkretisieren (Simojoki, 2023, 184). Um dieser bleibenden Aufgabe besser gerecht zu werden, sollte auch der Zugang der → Kirchengeschichtsdidaktik genutzt werden, zeigt sie doch auf, dass das globale Christentum kein Phänomen allein des 20./21. Jahrhunderts ist.

2. Kirchengeschichtliche Einordnungen 

2.1. Christentum als weltweite Bewegung

Das Christentum hat sich von Anfang an als eine Bewegung verstanden, die die Grenzen der Sprache, Kultur und Nation überschreitet (Apg 2). Seine Anhängerinnen und Anhänger wussten sich bis an die „Enden der Erde“ gesandt (Apg 1,8; Mt 28,19) und verstanden sich als eine „weltweite“ Gemeinschaft im Rahmen der jeweils bekannten Welt. Diese jeweils bekannte „Welt“ aber war natürlich im 2. Jahrhundert eine andere als etwa in Zeiten des europäischen Mittelalters, eine andere als im 16. Jahrhundert – der Epoche der beginnenden iberischen Kolonial-Expansion sowie der in ihrem Windschatten erfolgenden katholischen Übersee-Missionen – und wiederum eine andere als im 19. Jahrhundert, dem sogenannten „großen Jahrhundert“ der protestantischen Missionsbewegung. Heute finden sich christliche Gemeinschaften auf allen sechs Kontinenten und in unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Lange Zeit wurde das Christentum primär als Religion des Westens wahrgenommen. Inzwischen aber lebt die Mehrheit der christlichen Weltbevölkerung in den Ländern des sogenannten „globalen Südens“ – also in Afrika, Lateinamerika und Asien.

Im Folgenden werden die Grundzüge einer globalen Christentumsgeschichte dargestellt (vgl. zu Einzelheiten die Gesamtdarstellung und den Quellenband Koschorke, 2022; Koschorke u.a., 2021).

2.2. Antike und Mittelalter

Bereits im 2. Jahrhundert war die christliche Religion im gesamten Mittelmeerraum bzw. im Bereich des Römischen Reichs (→ Imperium Romanum) verbreitet. Dabei lag ihr demographischer und kultureller Schwerpunkt lange Zeit gerade in den südlichen Regionen – also in Ländern wie der heutigen Türkei (Kleinasien), Syrien, Palästina, Ägypten oder Tunesien, die später (seit dem 7. Jahrhundert) zum islamischen Raum gehörten. Früh gab es christliche Gemeinschaften aber auch außerhalb der Grenzen des Imperium Romanum – so in Armenien, Äthiopien und Indien sowie unter den germanischen Goten (in den Gebieten nördlich der Donau). In Westeuropa führte der Kollaps des Weströmischen Reichs Ende des 5. Jahrhunderts zum Verfall und zur Fragmentierung bestehender kirchlicher Strukturen. In der Folgezeit nahmen jedoch die germanischen Völker in Nordwesteuropa und später in Skandinavien, die Slawen in Ost- und Südosteuropa – darunter die Russen seit der Taufe Vladimirs auf der Krim im Herbst 988 – sowie die Ungarn und Balten sukzessiv das Christentum an. Im Westen bildete sich durch die Allianz von Papsttum und fränkischen Herrschern (Kaiserkrönung Karls des Großen 800 in Rom) ein neues Zentrum der latein-sprachigen Christenheit, Kern des später sogenannten „christlichen Abendlandes“. Im Osten bestand das Oströmische Reich (Byzanz) bis 1453 weiter. Nach dessen Untergang entwickelte sich das Moskowiter-Reich (Kern des späteren Russland) zu einem in östliche Richtung expandierenden orthodoxen Machtzentrum.

Im Mittleren Osten bedeutete das Vordringen des Islam seit dem 7. Jahrhundert keineswegs das Ende der dortigen Kirchen (wie etwa der Kopten in Ägypten), wohl aber deren wachsende Marginalisierung und Isolierung. Jenseits der Kette islamischer Staaten erlebten einzelne orientalische Kirchen im 13./14. Jahrhundert eine neue Blüte. So vor allem die ostsyrische (früher oft als „nestorianisch“ bezeichnete) „Kirche des Ostens“, die sich auf dem Höhepunkt ihrer Ausbreitung von Syrien bis Ostchina und von Sibirien bis Südindien und Südasien erstreckte. Zwar überall nur eine Minderheit, übertraf sie in ihrer Ausbreitung die zeitgenössische lateinische und griechische Christenheit bei weitem. Später schrumpfte die einstige Weltkirche zu einer Regionalkirche. Aber noch anfangs des 16. Jahrhunderts trafen europäische Reisende ostsyrische Gemeinden in Südindien und Teilen des Indischen Ozeans an.

2.3. Frühe Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert)

In der Geschichte des globalen Christentums markiert das 16. Jahrhundert in doppelter Hinsicht eine entscheidende Zäsur. Einerseits durch das Aufkommen der reformatorischen Bewegung, die in Mitteleuropa das rechtliche Monopol der vom Papst geleiteten römisch-katholischen Kirche beendete und so einen konfessionellen Pluralisierungsschub einleitete. Andererseits durch die nun einsetzende iberische Übersee-Expansion von Spanien und Portugal, in deren Verlauf neue – und in Europa zuvor teils völlig unbekannte – Welten „entdeckt“ wurden. So in Amerika, im subsaharischen Afrika und in weiten Teilen Asiens. Überseeische Mission (→ Mission, christliche) war lange Zeit ein primär katholisches Phänomen. Dies teils in einem kolonialen Kontext (wie in Amerika, im Rahmen des sogenannten „Patronats“ der iberischen Kronen) und teils außerhalb europäischer Besitzungen in Übersee (z.B. Jesuiten am Kaiserhof in China oder Mogul-Indien). Träger der Mission waren insbesondere die sogenannten Bettelorden (Franziskaner und Dominikaner) und Jesuiten, die sich durch eine hohe physische und intellektuelle Mobilität auszeichneten. Neben Predigt und Evangelisation wurden sie auch als Mittler eines kulturellen Austauschs zwischen Ost und West tätig. So waren die Jesuiten in China wegen ihrer astronomischen und mathematischen Kenntnisse hochgeschätzt. Sie übersetzten nicht nur theologische Traktate ins Chinesische, sondern auch chinesische Klassiker ins Lateinische. In Spanisch-Amerika verschärfte sich der strukturelle Konflikt zwischen Vertretern einer Missionskirche – die primär an der Glaubensverbreitung unter der einheimischen Bevölkerung interessiert war – und einer Kolonialkirche, die vor allem den Interessen der spanischen Siedler diente. Prominenter Vertreter der ersten Kategorie war Bartolomé de las Casas (1484-1566), der als „Anwalt der Indios“ und scharfer Kolonialkritiker seine Stimme erhob.

Nennenswerte Anfänge protestantischer Missionstätigkeit sind seit Mitte des 18. Jahrhunderts zu verzeichnen. Sie wurden vor allem von pietistischen Gruppen aus Deutschland (Halle, Herrnhut) und der britischen Erweckungsbewegung (Methodisten u.a.) getragen. In der orthodoxen Welt ist vor allem auf russisch-orthodoxe Aktivitäten im Rahmen der politischen und kirchlichen Expansion Russlands nach Sibirien zu verweisen.

2.4. 19./20. Jahrhundert

Das frühe 19. Jahrhundert sah das Ende des sogenannten „Ersten Kolonialzeitalters“ und zugleich den Kollaps kolonialkirchlicher Strukturen in Übersee. Spanien und Portugal verloren ihre Besitzungen auf dem amerikanischen Festland und die Holländer die Reste ihres Kolonialimperiums im südlichen Asien. Zugleich erreichte die katholische Mission – geschwächt durch die revolutionären Veränderungen in Europa und die Auflösung des Jesuitenordens 1773 – einen Tiefpunkt, von dem sie sich lange Zeit lokal wie global nicht erholte. Einen enormen Aufschwung erlebte im 19. Jahrhundert hingegen die protestantische Missionsbewegung. Getragen wurde sie zunächst vor allem von nonkonformistischen Kreisen außerhalb des kirchlichen Establishments. Organisationsform war die des Vereins, des freien Zusammenschlusses frommer Individuen, und Mission galt nicht länger als Sache des kolonialen Staates. Frühe Zentren der protestantischen Missionsbewegung waren zunächst vor allem Großbritannien (Baptisten, Methodisten, Evangelicals), dann auch Deutschland und die Schweiz (u.a. Basler Mission) sowie bald auch die erst 1783 unabhängig gewordenen USA (erste Überseeaktivitäten seit 1810). Erstaunlich früh machten sich von dort aus auch afroamerikanische Missionare auf den Weg nach Afrika – zunächst entsandt von weiß dominierten Gesellschaften, zunehmend aber auch im Auftrag schwarzer Organisationen. Die protestantische Missionsbewegung war keineswegs nur evangelisatorisch tätig, sondern trat vielerorts als Faktor der Modernisierung in Erscheinung. Missionare errichteten nicht nur Kapellen, sondern auch – und oft zuerst – Schulen, Spitäler und Waisenhäuser. Sie studierten (und verschriftlichten) die regionalen Sprachen, übersetzten die Bibel und andere Texte, führten vielerorts die ersten Druckerpressen ein oder gaben Anstöße zur Entwicklung einer einheimischen Presse. Vor allem die Bibelübersetzungen in zahlreiche lokale Sprachen und Dialekte hatten weitreichende Folgen über den missionskirchlichen Bereich hinaus. Sie gaben – so etwa der westafrikanische Historiker Lamin Sanneh (1942-2019) – den entstehenden Gemeinden ein Instrument der Emanzipation und eigenständigen Aneignung des christlichen Glaubens in die Hand. Sie inspirierte zugleich die Bildung unabhängiger Kirchen unter einheimischer Leitung, die vor allem in Afrika seit ca. 1900 wie Pilze aus dem Boden schossen.

2.5. Westliche Missionen – ein Faktor unter anderen im Prozess der Globalisierung des Christentums

Die globale Präsenz des Christentums in allen sechs Kontinenten wird gemeinhin als das Ergebnis westlicher Missionstätigkeit seit Beginn der frühen Neuzeit wahrgenommen. Zwar spielten westliche Organisationen bei dessen Ausbreitung unstrittig eine wichtige, wenngleich im Einzelnen (regional wie zeitlich) deutlich begrenzte Rolle – als ein Faktor unter anderen. Von Anfang an ist demgegenüber eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure, indigener Initiativen und polyzentrischer Ausbreitungswege zu berücksichtigen. Als der portugiesische „Entdecker“ Vasco da Gama 1498 erstmals indischen Boden betrat, traf er dort in Gestalt der indischen Thomaschristen auf eine uralte, bereits seit Jahrhunderten in der Region bestehende christliche Gemeinschaft. Die Anfänge des Christentums in Korea (seit 1784) liegen lange vor der Zeit, zu welcher der erste westliche Missionar 1836 das „verschlossene Königreich“ erreichte. Sie entstanden durch eine Initiative konfuzianischer Gelehrter, die mit katholischen Priestern in Peking (Beijing) Kontakt aufgenommen hatten. Auch die Anfänge des protestantischen Christentums in Korea 100 Jahre später sind vielfach als der Prozess einer „Selbstchristianisierung“ bezeichnet worden. Inzwischen ist Korea selbst zu einem der Zentren protestantischer Weltmission geworden. Die geradezu explosive Ausbreitung des Christentums im subsaharischen Afrika des 20. Jahrhunderts erfolgte gerade nach dem Ende europäischer Herrschaft auf dem Kontinent (in den 1960er Jahren), als mit den früheren kolonialen Machthabern auch zahlreiche Missionare die nun unabhängigen Nationen verließen. Bei der Entwicklung eigenständiger kirchlicher Strukturen im Bereich der aus westlicher Mission hervorgegangenen Gemeinden im 19. Jahrhundert spielte vor allem im angelsächsischen Kontext das missionarische Konzept der „Three-Selves“ („Drei-Selbst“) eine wichtige Rolle. Ziel der missionarischen Arbeit – so Theoretiker wie der Engländer Henry Venn (1796-1873) und der Amerikaner Rufus Anderson (1796-1880) um 1850 – sollte die Gründung „einheimischer Kirchen“ sein, die sich „selbst regieren, selbst unterhalten und selbst ausbreiten“. Dies war ein Partizipationsversprechen, das jedoch gegen Ende des 19. Jahrhunderts – nun auf dem Höhepunkt des westlichen Kolonialismus und Imperialismus – zunehmend in Vergessenheit geriet. Jetzt waren es vor allem indigen-christliche Eliten in Asien und Afrika, die kirchliche Selbstständigkeit einforderten und zugleich eigene missionarische Initiativen entwickelten. Die Evangelisierung Asiens – so etwa eine Konferenz asiatischer Delegierten 1907 in Tokio – könne „nur durch die Söhne (und Töchter) Asiens“ selbst erfolgen – also Indiens durch Inder, Japans durch Japaner oder Chinas durch Chinesen.

2.6. Migration (in unterschiedlichen Etappen der globalen Christentumsgeschichte)

Migration bezeichnet einen anderen wichtigen Aspekt der globalen bzw. überregionalen Ausbreitung des Christentums. Wichtiger als gezielte missionarische Aktivitäten war vielfach die ungeplante und spontane Verbreitung durch Migration. Dies gilt bereits für die neutestamentliche Periode, wo unser Bild weitgehend durch die sogenannten Missionsreisen des Apostels Paulus bestimmt ist, wie in der Apostelgeschichte dargestellt. Daneben gab es aber auch eine anonyme Ausbreitung, wie wiederum Paulus selbst bezeugt. Denn sein Römerbrief war ja an die bereits bestehende christliche Gemeinde in Rom gerichtet, der Paulus sich erst vorstellen musste (Röm 1). Wie aber ist diese entstanden? Wir wissen es nicht – in jedem Fall spielten die hohe Fluktuation und das Netzwerk jüdischer Diaspora-Gemeinden im Mittelmeerraum eine Rolle. Im Mittelalter hat sich die syrische „Kirche des Ostens“, ein drittes Zentrum der zeitgenössischen Christenheit, vor allem durch Mönche und Kaufleute entlang der Routen des asiatischen Fernhandels bis nach China verbreitet. – Auch in der frühen Neuzeit spielten in den von Europa neu „entdeckten“ Übersee-Territorien lokale Christen als Multiplikatoren eine wichtige Rolle. So etwa im Südindien der 1530er Jahre die Fischerkaste der Paravas, die – selbst auf eigene Initiative hin in einer Massenkonversion übergetreten – den neuen Glauben bald auch an die Nordküste Sri Lankas brachten, lange bevor die Portugiesen dort Fuß fassten. – In einem anderen geographischen Raum, im Atlantik, kam es zeitgleich sogar zu transatlantischen Austauschbeziehungen lokaler Akteure. Was in der Forschung in jüngerer Zeit intensiv diskutiert wird (John Thornton u.a.), ist die Rolle kongolesischer Christen bei der Christianisierung der in die „Neue Welt“ verschleppten afroamerikanischen Sklaven. Dort wirkten die Kongo-Christen – ihrerseits von den Portugiesen zwangsdeportiert – im 16. bis 18. Jahrhundert unter ihren afrikanischen Landsleuten und Leidensgenossen teils als Evangelisten. Wechselwirkungen im sogenannten „Christian Black Atlantik“ gab es aber auch in die andere Richtung. Bekanntestes Beispiel ist das Sierra-Leone-Experiment von 1792: Hier waren es freigelassene Sklaven von der anderen Seite des Atlantiks, die in das Land ihrer Vorväter zurückkehrten und in Freetown – „Stadt der Freiheit“ – eine christliche Mustersiedlung zu etablieren suchten. Diese spielte dann im weiteren Verlauf der Christianisierung Westafrikas eine bedeutsame Rolle.

Das 19. Jahrhundert wurde dann die Zeit europäischer Massenauswanderung nach Übersee. Zwischen 1800 und 1925 verließ einer von fünf Europäern den alten Kontinent. Deutsche Emigranten gingen in die USA, nach Lateinamerika (vor allem Brasilien, Argentinien, Chile), in geringerer Zahl auch nach Südafrika sowie (nach 1890) in die neuen deutschen Kolonien. Irische Einwanderer flohen seit den 1840er Jahren vor dem Hunger in ihrer Heimat in die USA und stärkten dort das katholische Element. Umgekehrt führte etwa in Brasilien die 1824 einsetzende Einwanderung ganzer Dorfgemeinschaften aus Deutschland erstmals zu legaler protestantischer Präsenz in dem bis dato (offiziell) rein katholischen Land. In jedem Fall veränderte sich mit der massenhaften Migration auch das konfessionelle und religiöse Profil der Einwanderungsgesellschaften. – Gleiches gilt in verstärktem Maß für die globalen Migrationsströme seit den 1970er und 1980er Jahren. Dabei änderte sich vielfach auch deren Richtung. Zunehmend wurden nun die Industrieländer des Nordens (Europa, USA) Ziel wachsender Einwanderung aus den Regionen des globalen Südens. Dies führte einerseits etwa zur verstärkten Präsenz des Islam in Europa. Andererseits nahm vor allem in den urbanen Zentren Europas (London, Paris, Frankfurt etc.) und der USA die Zahl christlicher Migrationskirchen insbesondere aus Afrika sprunghaft zu. Viele afrikanische Diasporagemeinden wurden in ihrer neuen Umgebung ihrerseits missionarisch aktiv und gewannen zunehmend Mitglieder auch aus der örtlichen Bevölkerung.

2.7. Interkulturelle und interreligiöse Beziehungen

2000 Jahre Kirchengeschichte sind gekennzeichnet durch den sukzessiven Eintritt des Christentums in eine Vielzahl unterschiedlicher Kulturräume. Dies hatte unter anderem die Ausprägung unterschiedlicher Christentumsvarianten zur Folge. Diese kulturelle Vielgestaltigkeit des Weltchristentums macht sich fest etwa an der Sprachenfrage, der Bibelübersetzungen oder vielfältiger Traditionen in Liturgie, Kunst, Theologie, Ethik und sozialer Lebensformen, die bis heute auch im ökumenischen Dialog eine Rolle spielen. Afrikanische Christen beispielsweise haben immer wieder das auch biblische (im Alten Testament bezeugte) Recht der Polygamie verteidigt. Bei der Aufnahme etwa der afrikanischen Kimbanguisten-Kirche – die offiziell Polygamie akzeptiert – in den Ökumenischen Rat der Kirchen (1959-2021) wurde diese Frage kontrovers diskutiert. Kontroverse Fragen heute sind oft gleichgeschlechtliche Partnerschaften oder die Rolle der Frau.

Im Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen gab es von Anfang an ein breites Spektrum der Reaktionen, das von Gegnerschaft und Abgrenzung bis zur Suche nach gemeinsamen Elementen und partieller Akkommodation (gemäß 1Kor 9,19) reicht. Bemerkenswert ist dabei die lange Tradition interreligiöser Diskurse, die teilweise erst heute wieder neu entdeckt werden. Frühe Religionsgespräche sind uns aus Antike und Mittelalter überliefert, so mit Juden, antiker Philosophie, aber auch früh schon mit dem Islam (so etwa 782 am Hof des Abbasiden-Kalifen in Bagdad) und anderen Gruppen (wie 1254 am Hof des Mongolenherrschers Möngke Khan in Karakorum, an dem Katholiken, Ostsyrer, Muslime und Buddhisten teilnahmen). Im 16. Jahrhundert – also in Zeiten der iberischen Übersee-Expansion – sind uns formelle Religionsgespräche etwa aus Japan (mit Buddhisten), Mexiko (mit Azteken) oder Äthiopien (zwischen Jesuiten und Orthodoxen) dokumentiert. Im 19. Jahrhundert gab es eine Serie öffentlicher Religionsgespräche beispielsweise in Indien (mit Hindus), Sri Lanka (mit Buddhisten) oder in Uganda (hier vom lokalen Herrscher zwischen Katholiken, Protestanten und Muslimen organisiert). Interreligiöser Dialog und Kooperation (→ Kooperationen, interreligiös) zählt heute zu den Programmschwerpunkten des Ökumenischen Kirchenrats in Genf und seiner Mitgliedskirchen. In der katholischen Welt hat er vor allem seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) enorm an Bedeutung gewonnen (→ Ökumenische Bewegung).

2.8. Konfessionen, Ökumene, „World Christianity“

Traditionellerweise werden drei große Kirchenfamilien unterschieden: 1. Orthodoxie; 2. Katholizismus; 3. Protestantismus (Lutheraner, Reformierte, Anglikaner, Baptisten u.a.), wobei die seit Anfang des 20. Jahrhunderts boomende globale Pfingstbewegung vielfach als eigene vierte Gruppe gerechnet wird. Daneben gibt es eine wachsende Vielzahl unabhängiger christlicher Kirchen und Bewegungen. Bei der Orthodoxie ist die Unterscheidung der sogenannten östlich-orthodoxen Kirchen (griechisch, russisch, ukrainisch, rumänisch etc.) und orientalisch-orthodoxen Gemeinschaften (Kopten, Äthiopier, Syrisch-Orthodoxe u.a.) von Bedeutung. Viele dieser Kirchen waren ursprünglich regional begrenzt, sind aber inzwischen – als Folge von freiwilliger oder unfreiwilliger Migration – weltweit anzutreffen (gilt insbesondere für die orientalischen Kirchen). – In der Geschichte hat es immer wieder Versuche zur Überwindung der innerchristlichen Spaltungen gegeben. Im protestantischen Kontext gingen für die ökumenische Bewegung des 20. Jahrhunderts wesentliche Impulse von der Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910 aus. Über verschiedene Zwischenstationen führte diese 1948 zur Gründung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) mit Sitz in Genf, dem heute (Stand 2025) 352 protestantische und orthodoxe Kirchen aus 120 Ländern mit ca. 580 Mio. Mitgliedern angehören. In der römisch-katholischen Kirche – die lange Zeit ökumenischen Bestrebungen ablehnend gegenübergestanden hatte – markierte das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) eine Wende und leitete eine Öffnung zum ökumenischen und interreligiösen Dialog ein. Vielfältige Formen der inner- und außerchristlichen Kooperation entwickelten sich auch auf anderen Ebenen. In letzter Zeit wird das Konzept des „Weltchristentums“ intensiv diskutiert. Vom klassischen Begriff der Ökumene unterscheidet es sich dadurch, dass es nicht nur der konfessionellen Pluralität des globalen Christentums gerecht zu werden sucht, sondern auch seiner kulturell-kontextuell-geographischen Vielgestaltigkeit. Neben den kirchlichen Organisationsformen werden dabei auch fluide Formen christlicher Präsenz ins Auge gefasst.

2.9. Neuere Entwicklungen

Seit Mitte der 1980er Jahre lebt eine wachsende Mehrheit der christlichen Weltbevölkerung im globalen Süden. Dies gilt – bei allen Schwierigkeiten der Religionsstatistik – sowohl für die einzelnen Kirchenfamilien (römisch-katholisch, anglikanisch, reformiert etc.) wie für das Gesamtbild. Nach Angaben des renommierten PEW-Research Centers (2017) bildeten christliche Gemeinschaften um 2015 mit ca. 31 % die größte religiöse Gruppe in der gesamten Weltbevölkerung (Muslime 24,1 %; Hindus 15,1 %; Buddhisten 6,9 %; Juden 0,2 %; andere 16 %). Innerhalb der christlichen Weltgemeinschaft sieht die regionale Verteilung wie folgt aus: Subsaharisches Afrika 26 %; Lateinamerika/Karibik 25 %; Asien/Pazifik: 13 %; Europa 24 %; Nordamerika 12 %; Nahost/Nordafrika 1 %.

Einen wichtigen Globalisierungsschub markierten die Jahre 1989/1990: Kollaps der Sowjetunion, Ende des „Kalten Krieges“, Öffnung der Grenzen zwischen Ost und West, verstärkter Zustrom aus dem östlichen Europa nach Deutschland (und Westeuropa). Darunter auch viele orthodoxe Christen, die das konfessionelle Gefüge in Deutschland veränderten. Mit dem Jahr 1989/90 verbindet sich auch die Erfindung des Internets, das eine Epoche digitaler Globalisierung einleitete und auch in seiner Auswirkung auf neue Formen religiöser Kommunikation sowie der Formation religiöser Gemeinschaften nicht überschätzt werden kann. Sie ermöglichte die einfache Verbindung von Migrationskirchen und anderer Diaspora-Gemeinschaften mit ihren jeweiligen Ursprungsgesellschaften und verstärkte so zugleich die religiöse → Pluralisierung vor Ort.

Kriegerische Ereignisse lösten neue Migrationswellen aus, mit unmittelbaren Folgen gerade auch für Deutschland: Der Bürgerkrieg in Syrien führte 2015/16 zur Flucht von zwei Millionen Menschen in die EU und der Überfall Russlands auf die Ukraine (seit 2022) zur (zumindest temporären) Einwanderung von 1,3 Millionen Ukrainern in Deutschland (Stand Februar 2025). Der eine Konflikt führte unter anderem zu wachsender muslimischer Präsenz und der andere zum Zustrom gerade auch orthodoxer Christen. Zugleich verstärkte sich die religiöse und konfessionelle Vielfalt in deutschen Klassenzimmern.

3. Kirchengeschichtsdidaktisch-praktische Überlegungen

Die grundlegende Herausforderung kirchengeschichtsdidaktischen Lernens im Religionsunterricht besteht darin, dass kirchengeschichtliche Inhalte im Religionsunterricht eine randständige Rolle spielen. Es kann davon ausgegangen werden, dass das Anliegen, nun entgegen diesem Trend für mehr Kirchengeschichte und eine Erweiterung der Inhalte um ihre globale Dimension zu plädieren, wenig Erfolg haben wird. Sinnvoller erscheint es daher, die Potenziale eines Lernens im globalen Horizont zukünftig noch stärker dahingehend zu erschließen, dass gängige Inhalte des Religionsunterrichts auch globalhistorisch fundiert und erschlossen werden.

Welche Lernmöglichkeiten damit verbunden sein können, wird nun exemplarisch in fünf Feldern beschrieben.

3.1. Lernmöglichkeiten

Eine erste Lernmöglichkeit liegt – das wurde bei der Entfaltung der globalen Christentumsgeschichte durchgehend deutlich – im Ökumene lernen (→ Ökumenisches Lernen), was einem breiten Verständnis von ökumenischer Bildung als Erlernen des Welthorizonts (Ernst Lange, zit. n. Simojoki, 2018; → Globales Lernen) folgt. Hier kann die globalhistorische Dimension dazu beitragen, polyzentrische Strukturen und Vielfalt des Christentums verstehen zu lernen (Schröder, 2025). Das bedeutet, sowohl Eurozentrismus und eigene Normalerwartungen zu verlernen als auch Verständigung innerhalb der pluralen Christentümer zu erlernen. Eine große Chance des World Christianity-Konzepts liegt darin, dass es kulturelle und kontextuelle Vielfalt mittransportiert und nicht nur konfessionelle Vielfalt fokussiert. Ein solches Lernen ist Teil des Globalen Lernens, das „Menschen für ein selbstbestimmtes und solidarisches Leben in der Weltgesellschaft“ vorbereitet „in Form von ‚telischer‘ (also auf menschheitliche Ziel-, Grenz- und Sinnfragen bezogener) Bildung im Horizont der globalisierten Welt“ (Simojoki, 2023, 184).

Eine zweite Lernmöglichkeit dreht sich um die Frage, wie es gelingen kann, in auf Ökumene zielenden Bildungsprozessen nicht in die differenzhermeneutische Falle zu tappen, sondern gerade in kooperativen Lernsettings vom gemeinsamen Christlichen auszugehen (Lindner/Schambeck/Lorenzen/Witten, 2025). Die globale Christentumsgeschichte ist für das Entdecken von Crossover-Phänomenen (Schambeck, 2025) eine reiche Fundgrube. Zu fragen ist, wo es christentumsgeschichtliche Crossover-Phänomene gibt, die z.B. Überlappungen von Konfessionskulturen zeigen und Gemeinsamkeiten bzw. Verbindungslinien verdeutlichen.

Eine dritte Lernmöglichkeit reflektiert das Themenfeld Ekklesiologie (→ Kirche/n). Es ist nicht leicht, im Religionsunterricht Zugang zu kirchentheoretischen Fragen zu finden. Eine globale Christentumsgeschichte zeigt, wie vielfältig Christ-Sein gelebt und Kirche verstanden werden kann. Vorstellungen von „Kirche“, die vornehmlich von der (deutschen) Institution und Kirchengeschichte geprägt sind und von Lernenden wenn überhaupt eher im Modus der Kirchenkritik herangezogen werden, können durch die globale Perspektive in produktiver Weise irritiert und erweitert werden.

Eine vierte Lernmöglichkeit greift den Vorschlag einer „elementaren Kirchengeschichte“ (Dierk, 2005, 225-226) auf. Dierk schlägt für einen kirchengeschichtsdidaktischen Unterricht eine Auswahl an Grundbegriffen vor, die sie als hermeneutischen Schlüssel zur Erschließung kirchenhistorischer Themen versteht und die auch für eine globalhistorische Perspektive genutzt werden können. Einer dieser Grundbegriffe ist Befreiung, im Zusammenhang mit Exodus, Wunder, Umkehr und Rechtfertigung. Das Befreiungsmotiv durchzieht auch die globale Christentumsgeschichte, wobei sich Verflechtungen sowie Machtfragen deutlich zeigen.

Das führt zur fünften Lernmöglichkeit: Eine bleibende Aufgabe für religiöse Bildung und die Kirchengeschichtsdidaktik ist die postkoloniale Reflexion (→ Postkolonialismus, kirchengeschichtsdidaktisch), was ein Nachdenken über Machtverhältnisse, das eigene Verstricktsein, auch in Schuld, sowie die Wahrnehmung hybrider Identitäten einschließt (Konz, 2022, 274). Globalhistorische Perspektiven auf das Christentum können helfen, bestehende asymmetrische Betrachtungen von globalem Norden und globalem Süden zu irritieren und zu verändern, Stereotype abzubauen und die polyzentrische Struktur des Christentums verstehen zu lernen. Es wäre eine große Lernchance, sichtbar zu machen, wie die biblische Botschaft im Laufe der Zeit weltweit aufgenommen wurde, wie sie sich dabei transformiert, deformiert und erneuert hat, welche Lern- und Austauschprozesse es im globalen Christentum gegeben hat und was heute daraus zu lernen ist.

3.2. Zugänge über ein Lernen an Biographien

Für die Zugänge zu den globalen Perspektiven der Christentumsgeschichte bietet sich ein Lernen an Biographien (Lindner, 2007; Witten, 2014) an, wobei einzelne Biographien beispielhaft für jeweils ein bestimmtes Thema und einen historischen Kontext stehen (Koschorke, 2022), wie z.B. die folgenden:

  • Bartholomé de las Casas (16. Jahrhundert), der Zeitzeuge und schärfster Kritiker der spanischen Kolonialherrschaft in Lateinamerika sowie Vorkämpfer für die Menschenrechte der Indigenen war (Koschorke, 2022, 29-33).
  • Samuel Ajayi Crowther (1806-1891) aus Nigeria, „the slave boy who became bishop“: Ein befreiter Sklave, erster schwarzafrikanischer Bischof der Neuzeit und damit Symbol der Aufstiegshoffnung afrikanischer Eliten auf beiden Seiten des Atlantiks im 19. Jahrhundert. Er inspirierte (nach seiner Entmachtung in den 1880er Jahren) die Entstehung unabhängiger afrikanischer Kirchen (Koschorke, 2022, 156-158).
  • Pandita Rambai (1858-1922), indische Christin, Sozial- und Bildungsreformerin, Vorkämpferin für Rechte der Frauen auf Bildung, von der Impulse für die Pfingstbewegung ausgingen.
  • Desmond Tutu (1931-2021), Vorkämpfer gegen die Apartheid, Friedensnobelpreisträger (1984) und anglikanischer Erzbischof von Kapstadt (Südafrika).

Ein Lernen an Biographien bietet sich an, da diese anschaulich sind und einen Zugang zum Thema bieten, ohne allzu viel vorauszusetzen.

Als Zugang für das Thema Befreiung (vierte Lernmöglichkeit) eignet sich die lateinamerikanische Befreiungstheologie und hier wiederum das Beispiel des Wirkens des Märtyrerbischofs Oscar Romero (1917-1980) (Koschorke, 2024, 232; 260; 280; 256-260;2021, 301-311 – mit Informationen, Bildmaterialien, Quellentexten sowie Literaturangaben). Über Oscar-Romero-Häuser, die es an einzelnen Orten gibt, die Christliche Initiative Romero sowie im Internet zugängliche Ressourcen (wie Wikipedia, das Ökumenische Heiligenlexikon oder bei Seiten kirchlicher Hilfswerke wie Adveniat und Misereor) können die Lernenden zum einen vor Ort Spuren entdecken und sich zum anderen informieren. Die am Westportal der Westminster-Abbey 1998 errichtete Galerie der „Märtyrer des 20. Jahrhunderts“ lässt fragen, wer die abgebildeten Personen sind, was sie getan haben, wie sie zueinander stehen und diskutieren, ob eine solche Auswahl gerechtfertigt ist und wie sie für andere Zeiträume aussehen könnte.

Durch die Biographie Romeros erhalten die Lernenden sowohl Zugang zur Befreiungstheologie als auch zum historischen Kontext. Dies schließt die Debatten um sozioökonomische Strukturen im katholischen Lateinamerika in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die globale Rezeption, gerade auch im protestantischen Mitteleuropa, die bis heute virulenten Fragen des konziliaren Prozesses (Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung) ein und ist gut anschlussfähig an die aktuellen Diskurse um → Bildung für nachhaltige Entwicklung.

4. Schluss

Es wurde deutlich, dass Perspektiven des globalen Christentums für den Religionsunterricht eine Bereicherung sind und zukünftig stärker berücksichtigt werden sollten. So plausibel diese Forderung ohne Frage erscheint, soll nicht verschwiegen werden, dass sich die Umsetzung jedoch durchaus herausfordernd gestaltet und mehr Unterstützung durch religionsdidaktische Konkretisierung sowie Professionalisierung der Lehrkräfte erfordert. Dabei liegt ein Hindernis auch darin, dass der Religionsunterricht mit den heterogensten Lerngruppen meistens derjenige ist, der die geringsten kirchenhistorischen Anteile hat. Umso wichtiger ist es, die globale Dimension des Christentums nicht nur als eine kirchengeschichtsdidaktische Aufgabe, sondern als Grundaufgabe des Religionsunterrichts und religiöser Bildung zu verstehen.

Literaturverzeichnis

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