Deutsche Bibelgesellschaft

Weihnachtskrippe

(erstellt: Februar 2025)

Permanenter Link zum Artikel: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/400055

Digital Object Identifier: https://doi.org/10.23768/wirelex.400055

1. Heutige Bedeutung

Das Aufstellen einer Weihnachtskrippe ist seit Jahrhunderten in katholischen Pfarrgemeinden und Familien ein wesentliches Element des Brauchtums im Weihnachtsfestkreis (→ Fest/Feste), seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind Krippen aber auch in evangelischen Kirchenräumen üblich (Wahle, 2018, 125). In den orthodoxen Kirchen ist stattdessen die Tradition der Geburtsikone etabliert, die „zur Weihnachtszeit an zentralen Stellen des Kirchenraums (und daheim) aufgestellt wird“ (Wahle, 2018, 120). Als Krippe wird eine „figürlich-räumlich, anschauliche Dar.[stellung] des Weihnachtsgeschehen zur Meditation, zum Miterleben der hl. Geschichte“ (Jaszai, 1994, 658) verstanden. In der Regel besteht diese Darstellung aus „voneinander unabhängigen Figuren, die in einem illusionist.[ischen] Kunstraum szenisch gruppiert sind“ (Rüdiger, 1994, 482f.): die Heilige Familie – Maria, Josef und das Jesuskind – in einem Stall umringt von Ochs und Esel, Hirten mit Schafen, Gloriaengeln sowie ab Epiphanias auch von den sogenannten Heiligen Drei Königen. Die Krippe wird in der Regel am Heiligen Abend, dem Vorabend des Hochfestes der Geburt Christi, aufgestellt, allerdings ohne die Figur des Jesus-Kindes. In der katholischen Tradition trägt der Zelebrant diese Figur erst bei der sogenannten Krippenlegung, also im Rahmen des feierlichen Einzugs in die nächtliche Christmette, in einer Prozession in die Kirche hinein und legt sie in die Krippe (Wahle, 2018, 16f.). Damit wird sinnbildlich die Ankunft des Erlösers unter den Menschen zum Ausdruck gebracht. Die Krippe bleibt als zentrales Element der Vergegenwärtigung der Menschwerdung Gottes während des Weihnachtsfestkreises in der Kirche zugänglich und wird in dieser Zeit häufig von Gläubigen aufgesucht, in stärker ausgeprägten katholischen Frömmigkeitstraditionen auch verehrt und mit einem Kerzenopfer verbunden. Spätestes mit dem Ende des Weihnachtsfestkreises – heute das Fest der Taufe des Herrn, in der alten Liturgie das Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar (Nagel, 2024) – wird die Krippe abgebaut.

2. Biblische Verortung

Die Weihnachtskrippe als szenisch-figürliche Darstellung der Geburtsszene Jesu geht auf die Schilderung der Geburt Jesu in Bethlehem zurück (→ Geburtsgeschichten Jesu/Weihnachten, bibeldidaktisch), wie sie im Lukas-Evangelium zu finden ist: „Und [Maria] gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“ (Lk 2,7 LUT). Lukas erzählt weiter, wie den Hirten auf den Feldern eine „himmlische Heerschar“ erscheint und sie auffordert, nach Bethlehem zu ziehen und dort das Neugeborene zu bestaunen. Entsprechend ziehen die Hirten mit ihren Tieren los und „sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen“ (Lk 2,16). Im Matthäus-Evangelium findet sich ein zweiter Überlieferungsstrang, denn hier sind es „Weise aus dem Morgenland“ (Mt, 2,1 LUT), die sich durch die Deutung einer Sternkonstellation aufgefordert sehen, den „neugeborene[n] König der Juden“ (Mt 2,2 LUT) zu suchen und zu verehren: „Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe“ (Mt 2,16-18 LUT). Entsprechend gehören zu jeder Krippendarstellung auch die Gelehrten aus dem Orient, die seit Origines (185-254) als die „Heiligen Drei Könige“ (wegen der drei Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe) bezeichnet und häufig mit unterschiedlicher Hautfarbe und Kleidung dargestellt werden, um die drei damals bekannten Kontinente (Europa, Afrika und Asien) zu repräsentieren. Heute gibt es immer wieder Debatten um den sogenannten Schwarzen König, der traditionell den afrikanischen Kontinent repräsentieren soll, und zwar weniger wegen seiner dunklen Hautfarbe, sondern weil sich „je nach Krippendarstellung teilweise rassistische Stereotype“ (Dihle/Hübner, 2024, 8) finden lassen (→ Rassismus).

Auch der Blick auf die Geburtsszene im Lukas-Evangelium zeigt, dass die traditionellen Krippendarstellungen weit über den schmalen biblischen Textbestand hinausgehen. Denn in der Regel werden die Figuren Maria, Josef und Kind in einem mehr oder weniger baufälligen Holzstall platziert, vor dem sich Hirten mit ihren Tieren versammeln. Tatsächlich ist bei Lukas im griechischen Originaltext nicht von einer Herberge und einem eigenen Stallgebäude die Rede (aber auch hier ist Martin Luthers Bibelübersetzung sprach- und kulturprägend gewesen). Vielmehr übersetzt man die griechischen Begriffe im Originaltext heute mit „auf der Wohnterrasse“ (en ton katalymati/ ἐν τῷ καταλύματι) und „in den Futtertrog“ (en te phate/ ἐν τῇ φάτνῃ), letzterer befand sich zur Zeit Jesu in der Regel im Untergeschoss, in dem das Vieh eines Haushalts untergebracht war. Bei Lukas findet die sogenannte Heilige Familie also einen Platz im Unterkeller beim Vieh einer Familie, weil oben im Wohnstockwerk kein Platz mehr ist – eine im Orient damals wohl völlig normale und in keiner Weise außergewöhnliche Übernachtung auf der Durchreise (Bösen, 1999, 157-159). Die beliebte Darstellung des Jesuskindes als Säugling in Windeln ist dagegen biblisch gedeckt, denn bei Lukas ist ausdrücklich von einem Kind die Rede, das „in Windeln gewickelt“ (brephos esparganomenon / βρέφος ἐσπαργανωμένον Lk 2,12 LUT) ist.

Anders verhält es sich mit den Tieren an der Krippe: Von Schafen, Ochs und Esel ist bei Lukas nicht die Rede, trotzdem gehören diese drei Tiere traditionell zum Figurenbestand einer Weihnachtskrippe. Dies hängt wohl mit ihrer Bedeutung in der Hebräischen Bibel zusammen. So heißt es in einer Textpassage im Buch Jesaja, die aus christlicher Perspektive auf die künftige Geburt des Messias bezogen worden ist: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt’s nicht“ (Jes 1,3 LUT). Die Symbolik von Ochse und Esel hat dann bei den Kirchenvätern eine antijudaistische Umdeutung erfahren, die nachhaltig wirksam war (→ Antijudaismus, Antisemitismus). Die Schafe an der Krippe dagegen beziehen sich wohl auf David, der im ersten Buch Samuel als Schafhirte seinen Aufstieg zum König Israels beginnt (1 Sam 16) und später in der christlichen Theologie als Vorläufer und Typos Jesu gedeutet worden ist (Bösen, 1999, 165) (→ König David, bibeldidaktisch). Diese Ergänzungen des Kernbestandes biblischer Figuren an der Krippe geschahen allerdings erst im Laufe des Mittelalters.

3. Frömmigkeitsgeschichtliche Stationen

Berichte bei Justinius (+ 165) und Origines (185-254) belegen, dass in der frühen Väterzeit vor allem die Geburtshöhle in Bethlehem und ein dort identifizierter Felstrog Ziel und Gegenstand von Pilgerschaft und Verehrung waren (Mittmann, 1980, 760; Rüdiger, 1994, 482). Insofern war es konsequent, dass Kaiser Konstantin im Zuge seiner Hinwendung zum Christentum auch hier eine Basilika errichten ließ und der steinerne Trog durch eine „silberne Krippe“ (Hieronymus, Weihnachtshomilie, zitiert in Rüdiger, 1994, 482) ersetzt wurde. Bereits zu Beginn des 4. Jahrhunderts hatte seine Mutter, Kaiserin Helena, Teile der angeblichen Krippe Jesu von einer Pilgerfahrt aus dem Heiligen Land mitgebracht und damit den Kult um die Weihnachtskrippe vom Schauplatz Bethlehem gelöst (Rüdiger, 1994, 482; Bösen 1999, 161). Diese Reliquie wird bis heute in Santa Maria Maggiore in Rom verehrt, wo sie schon in der Spätantike im Zentrum der Weihnachtsliturgie und hier im Besonderen der Christmette am frühen Morgen des Weihnachtsfeiertags stand – ihre Echtheit ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts allerdings widerlegt (Wahle, 2018, 120f.).

Eine neue Funktion und einen alternativen Charakter erhielt die Weihnachtskrippe im Hochmittelalter durch Franz von Assisi (1181-1226): Dieser inszenierte in der Christmette im Jahr 1223 im Wald von Greccio ein → Krippenspiel mit Darstellern und Tieren, um so den Gläubigen eine lebendige Vergegenwärtigung des Weihnachtsereignisses zu ermöglichen (Brückner, 1996, 744; Bösen, 1999, 175). Ein solcher liturgischer wie zugleich pädagogischer Gebrauch der Krippe wurde dann im Zuge der Gegenreformation vom Jesuitenorden aufgegriffen und systematisch ausgebaut. Dabei gilt die Krippe des Jesuitenkollegs in Coimbra (1560) als erste Kirchenkrippe mit dem Zweck des Krippenspiels, eine „erste private Hauskrippe wird in einer Inventarliste der Piccolimini-Burg (der Herzogin Constanza) von Amalfi im Jahre 1567 erwähnt“ (Wahle, 2018, 123). Von da an tritt die Krippe ihren Siegeszug in Kirchen und Häusern an und wird zum festen Bestandteil des Weihnachtsbrauchtums im Katholizismus. Diese Entwicklung wurde auch durch das Konzil von Trient (1545-1563) befördert, das dazu aufruft, „die Heilsgeheimnisse des Lebens und Sterbens Jesu Christi möglichst lebendig und bildhaft darzustellen“ (Wahle, 2018, 123). Zu den pompösen Landschaftskrippen des Barock, die sich in Kirchen, aber eben auch in Palästen und anderen Adelshäusern finden, treten Ende des 17. Jahrhunderts Papierkrippen, die aus Ausschneidebögen gebastelt werden und die damit auch für weite Bevölkerungskreise erschwinglich sind. Im 19. Jahrhundert entwickeln sich unter dem Einfluss der Nazarener Bewegung stark historisierende Krippen, die deshalb auch als Orientalische Krippen bezeichnet werden (Wahle, 2018, 125). In sogenannten Heimatkrippen wird „die Geburt Jesu aus Bethlehem vor 2000 Jahren enthoben und in den jeweiligen Kontext gesetzt“, sodass Jesus „wahlweise mit blonden, braunen, roten oder schwarzen Haaren dargestellt [wird], und oft sieht er dort weiß aus“ (Dihle/Hübner, 2024, 7). Heimatkrippen, in denen das Personentableau nur aus weißen Personen in Normgröße und -aussehen zusammengesetzt ist, grenzen aber in unserer diversen Gesellschaft „andere Menschen, die sich nicht repräsentiert sehen, aus. Für eine inklusive Gesellschaft braucht es daher auch vielfältige Krippendarstellungen“ (Dihle/ Hübner, 2024, 7) (→ Bildung, diversitätssensible).

4. Religionspädagogische Perspektiven

Neben dem → Krippenspiel, das ursprünglich aus „liturgisch-brauchtüml.[ichen] Spielhandlungen u.[nd] spielhaften Andachtsübungen“ (Rüdiger, 1994, 483) entstanden ist und heute vor allem im Rahmen von Kinder- und Familiengottesdiensten inszeniert wird (Dorn, 2024) (→ Kindergottesdienst, evangelisch; Kindergottesdienst, katholisch), entwickeln sich um die Weihnachtskrippe bald weitere Bräuche und Rituale, die auch religionspädagogische Funktionen haben: so etwa das Krippensingen, bei dem Wiege- und Hirtenlieder, etwa Resonet in laudibus, In dulci jubilo, Ich steh an Deiner Krippe hier oder O come all ye faithfull, vor der aufgebauten Krippe von der Familie oder Gemeinde angestimmt werden (Walter, 2019), wie auch der Krippengang, bei dem die Krippe in der Pfarrkirche mit der ganzen Familie am Nachmittag des Heiligen Abends oder auch nach einem der Weihnachtsgottesdienste besucht wird (Wahle, 2018, 128-130). In den letzten Jahrzehnten ist zudem der Brauch des Krippenwegs entstanden: Durch die organisatorische Verbindung von mehreren Krippen in verschiedenen Kirchen einer Region zu einem Pilgerweg besteht die Möglichkeit, unterschiedlich gestaltete Krippen aufzusuchen und als Pilgerstationen mit biblischen Impulsen, meditativen Elementen oder anderen liturgischen Kurzgottesdiensten zu nutzen (exemplarisch Sauser/Acloque, 2018).

Im Rahmen des Religionsunterrichts lassen sich Weihnachtskrippen als Lerngegenstand und Medium einsetzen (→ Geburtsgeschichten Jesu/Weihnachten, bibeldidaktisch). So kann z.B. eine Unterrichtssequenz zum Thema „Krippe“ in der Primarstufe als Baustein einer Unterrichtsreihe zur Weihnachtsgeschichte dienen, die entsprechend in der Adventszeit vor den Weihnachtsferien erfolgen mag. Unabhängig davon kann die Krippe ein zusätzliches Element in einer Sequenz über das Leben Jesu sein (Kamcili-Yildiz/Sajak/Schlick-Bamberger, 2022). Dabei sollten Krippendarstellungen auch kritisch analysiert und reflektiert werden, um Stereotype und Vorurteile wahrnehmen und Krippen divers und vielfältig gestalten zu lernen (Dihle/Hübner, 2024).

Literaturverzeichnis

  • Bösen, Willibald, In Bethlehem geboren. Die Weihnachtsgeschichten der Evangelien, Freiburg i. Br. 1999.
  • Brückner, Wolfgang, Art: Weihnachtskrippen, in: Lexikon der Kunst VII, München 1996, 744-745.
  • Dihle, Ariane/Hübner, Sabine, Welche Figuren gehören in die Krippe? Weihnachtskrippen rassismus- und antisemitismuskritisch reflektieren, in: Religion 5-10 54 (2024), 71-10.
  • Dorn, Klaus, Art. Krippenspiel (2024), in: Das wissenschaftlich-religionspädagogische Lexikon im Internet (www.wirelex.de) (https://doi.org/10.23768/wirelex.400039).
  • Jaszai, Geza, Art. Krippe, in: Lexikon christlicher Ikonographie II, Freiburg i. Br. 1994, 657-658.
  • Kamcili-Yilduz, Naciye/Sajak, Clauß Peter/Schlick-Bamberger, Gabriele, Kippa, Kelch, Koran. Mit religiösen Gegenständen Judentum, Christentum und Islam erschließen, München 2022.
  • Mittmann, Siegfried, Art. Bethlehem, in: Theologische Realenzyklopädie V, Berlin 1980, 759-763.
  • Nagel, Eduard, Art. Weihnachtsfestkreis, in: Gottesdienst. Zeitschrift der Liturgischen Institute Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, o.J. Online-Glossar: https://www.herder.de/gd/lexikon/weihnachtsfestkreis/, abgerufen am 30.06.2024).
  • Rüdiger, Michael, Art. Krippe, in: Lexikon für Theologie und Kirche 3. Aufl. VI, Freiburg i. Br. 1994, 482-483.
  • Sauser, Ekkart/Acloque, Samuel, Trierer Krippen: Dem Geheimnis der Weihnacht inmitten der Stadt begegnen, Trier 2018.
  • Wahle, Stefan, Die stillste Nacht. Das Fest von der Geburt Jesu von den Anfängen bis heute, Freiburg i. Br. 2018.
  • Walter, Meinrad, O du selige Weihnachtszeit. Was unsere Weihnachtslieder erzählen, Ostfildern 2019.

PDF-Archiv

Alle Fassungen dieses Artikels ab Oktober 2017 als PDF-Archiv zum Download:

VG Wort Zählmarke
Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
Folgen Sie uns auf: