Deutsche Bibelgesellschaft

Heßler, Eva (1914–2003)

(erstellt: Februar 2026)

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1. Biographisches

Eva Heßler wurde am 18.05.1914 in Burgholzhausen (an der Grenze der heutigen Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen) geboren und starb am 13.12.2003 in Hildesheim. Axel Noack (2015) bezeichnet sie als Kind der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, Bürgerin Naumburgs an der Saale und Lehrerin am dortigen Kateche­tischen Oberseminar (KOS). Ihr Werk und ihr Wirken sind vielfältig gewürdigt worden. Sie gilt als eine der prägenden Kräfte der ostdeutschen Gemeindepädagogik (→ Gemeindepädagogik) und hat diesen Begriff früh in die konzeptionelle pädagogisch-theologische Diskussion eingetragen. Eva Heßler stammt aus einem Pfarrhaus. Sie war das jüngste von vier Kindern (zwei Söhne, zwei Töchter). Der Vater starb 1923, als sie neun Jahre alt war. Die 1916 erblindete Mutter hat bis 1962 in Burgholzhau­sen gelebt. Die nach dem Tod des Vaters fünfköpfige Familie war aufgrund des geringen Familieneinkommens auf Unterstützung angewiesen.

Nach der Grundschulzeit besuchte Heßler von 1926 bis 1927 das städtische Lyzeum in Mühlhausen/Thüringen und bestand 1933 das Abitur in Droyßig. Nach Hause zurückgekehrt, arbeitete sie von 1934 bis 1936 als Hauslehrerin auf dem nahegelegenen Gut Marienthal bei der begüterten Familie von Wilmowsky, einem Agrarpolitiker der Deutschnationalen Volkspartei und nach seiner Heirat mit Bar­bara Krupp stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Friedrich Krupp AG.

Heßler absolvierte ab 1936 eine Lehrerinnenausbildung in Schneidemühl, erwarb die Religionsfakultas und legte eine Prüfung als Organistin und Chorleiterin im Ne­benamt ab. Nach Prüfungen für das Lehramt 1938 und 1941 besuchte sie 1942 bis 1945 die Lehrerbildungsanstalt in Havelberg, wo sie als Lehrerin für die BDM-Arbeit zuständig war. Über diese Zeit und ihre Haltung zur NS-Ideologie liegen keine Auskünfte vor.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Heßler verantwortlich für die katechetische Arbeit im Kirchenkreis Eckartsberga. Zudem beteiligte sie sich an der neu entstehenden Ausbildung des katechetischen Berufsstands in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ).

1948 bis 1950 leitete sie das Katechetische Seminar in Seehausen/Altmark (→ Katechismus/Katechismusunterricht). Ab 1949/50 bis zum Ruhestand 1978 nahm sie am Katechetischen Oberseminar in Naumburg die Funktionen der Studieninspektorin, Internatsleiterin, Dozentin für Katechetik mit Zuständigkeit für die theoretische und praktische Ausbildung (seit 1951) und der Rektorin wahr. Das Rektorat wechselte im Jahresrhythmus unter den hauptamtlichen Dozentinnen und Dozenten.

In Naumburg war sie an der Herausbildung des die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen prägenden Modells eines theologischen und katecheti­schen Studiums mit dem Berufsbild des Pfarrers im Katechetischen Dienst betei­ligt. Im Haus des KOS Am Domplatz 8 galt sie – neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit als Dozentin – als „gute Seele“ des Hauses und organisierte Wanderun­gen, Musikabende, Ausflüge und offene Abende. Heßler lebte in diesem leben­digen und geschichtsträchtigen Haus mitten unter den Studierenden in einer klei­nen Wohnung ohne eigene Küche und Bad.

Eva Heßler wurde 1961 in Greifswald bei Ernst Kähler mit einer Arbeit zur Theo­logie Deuterojesajas promoviert.

Nach ihrer Pensionierung siedelte Heßler aus privaten Gründen 1980 in das nie­dersächsische Hildesheim über, wo sie 2003 verstarb. Am Tag vor ihrem Tod hatte sie im Kloster Drübeck auf Einladung des Kollegiums des Pädagogisch-Theo­logischen Instituts – damals noch Trägerin einer gemeindepädagogischen Fach­schul-Ausbildung – an der Namensgebungsfeier für ein Tagungshaus als „Eva-Heßler-Haus“ teilgenommen und dort die Schieflage der Pädagogik in der Kirche beklagt.

2. Wirken und Werk

Eva Heßlers wissenschaftlich-gemeindepädagogisches Werk ist vielfältig. Es changiert zwischen mannigfaltigen Buchbesprechungen (hier nahm sie die doku­mentarische Arbeit des Münsteraner Comenius-Instituts aufmerksam wahr und verfasste zahlreiche Buchbesprechungen), diversen gemeindepädagogisch-ka­techetischen Praxisbeiträgen (vor allem veröffentlicht in der „Christenlehre – Zeit­schrift für den Katechetischen Dienst“) sowie gemeindepädagogischen und theo­logischen Grundsatzbeiträgen, die allesamt neben der Tätigkeit als Dozentin ent­standen sind. Ihr Nachlass enthält vor allem pädagogisches Schrifttum aus der geisteswissenschaftlichen, später kritisch-konstruktiven Pädagogik und Didaktik sowie belletristische Publikationen. Sie beschäftigte sich mit der Geschichte der Pädagogik von den Philanthropen und dem Neuhumanismus, mit der Frage nach der humanistischen Bildung (→ Bildung) im Gespräch von Theologie und Pädagogik, mit ei­ner pädagogischen Methodenlehre, Fragen des Bildungssystems bis hin zu Bildungsro­manen über den erwählten Ritter Parzival, Simplizius Simplicissimus, von Meister Eckhart, Kleist, Brentano und vielen anderen mehr. Ihre Antrittsvorlesung hielt laut Einladung des Rektors „Fräulein Eva Heßler, Dozentin für Katechetik“ 1951 zum Thema „Wilhelm Meister, katechetisch betrachtet“. Goethes Roman ist ihr gewissermaßen die Mutter aller jüngeren Bildungsromane, „eine Theorie des Lebens überhaupt“ (Heßler, 2015, 29).

2.1. Zeitgemäße Gedanken über das Verhältnis von Theologie und Pädagogik (1974)

Die zeitgemäßen Gedanken stammen zwar aus dem Jahr 1974, sie sind jedoch 1994 zum ersten Mal publiziert worden. Diese Veröffentlichung ist Peter Leh­mann zu verdanken, der im KOS Naumburg bei Eva Heßler studiert hat und spä­ter Leiter einer Fachschule für Gemeindepädagogik wurde, die in das Pädago­gisch-Theologische Institut in Wernigerode integriert war (vgl. Hahn, 2021). Ur­sprünglich war der Text ein Vortragsmanuskript für eine Rede anlässlich des 25-jährigen Bestehens des KOS.

Heßler vergleicht die Liaison von Theologie und Pädagogik mit einer Ehe. Schwierigkeiten und Spannungen würden diese Ehe prägen, Konflikte, aber auch hoffnungsfrohe Zuversicht. Zu einer Scheidung dürfe es jedoch nicht kommen!

Die disparate Lage in Theologie, Pädagogik, Glauben und Religiosität erschwere es, verallgemeinernd von „der Theologie“ und „der Pädagogik“ zu sprechen, nötig sei dies jedoch sehr. Also präzisiert Heßler die Voraussetzungen. Es geht um eine Theologie, „die der christlichen Verkündigung nicht entlaufen“ und um eine Pädagogik, „die den kirchlichen Dienst nicht quittieren“ will (Heßler, 2015, 53). Wo bei­des noch zutreffe, seien vier Aufgaben in Angriff zu nehmen:

  1. „Das Verhältnis von Theologie und Pädagogik ist so zu bestimmen, dass eine gleichzeitige Inanspruchnahme beider Disziplinen für ein und die­selbe Sache – nämlich für das Reich Gottes – als echte Möglichkeit eige­räumt werden kann.
  2. Es muss darauf geachtet werden, dass keine der beiden Disziplinen ihre eigene Verantwortung aufgeben oder an die andere abtreten muss. Es sollte möglich sein, dass sie einander respektieren und sich gegenseitig Hilfestellung leisten.
  3. Es soll deutlich werden, dass beide ohne einander nicht auskommen kön­nen, während doch jede in ihrem Eigensten betroffen wird. Das besagt übrigens der Name ‚Katechetik‘, der deshalb ohne Grund nicht aufgege­ben werden sollte. Unter Katechetik verstehen wir eine Disziplin der Prak­tischen Theologie, die einen pädagogischen Auftrage der Kirchen verwal­tet. Auf Grund der Tradition versteht man darunter meist die Verwaltung des Unterrichtswesens, wofür nach heutigem Sprachgebrauch eine ‚theo­logische Didaktik‘ zuständig wäre. Um ein umfassenderes Verständnis zu ermöglichen, schlagen wir den Ausdruck ‚Gemeindepädagogik‘ vor.
  4. Die Theologie muss die Pädagogik als ihre Handlungswissenschaft be­greifen lernen. Die Pädagogik muss sich der Theologie bedienen, sie be­anspruchen. Das Verhältnis darf nicht additiv, sondern es muss integrativ gedacht werden“ (Heßler, 2015, 53f.).

Dies war nicht die Geburtsstunde des Begriffs Gemeindepädagogik – wie biswei­len angenommen wird –, wohl aber eine frühe Verwendung des Ausdrucks. Als wesentliche Aufgabe der Gemeindepädagogik werden Freiheit, Kommunikation und Veränderung im Horizont der lebendigen Hoffnung von Gottes immerwäh­rendem Schaffen bestimmt. Kirchliche Kommunikation dürfe nicht bei sich selbst aufhören, sie werde schal, wenn sie sich unentwegt nur selbst genieße.

2.2. Die Gemeinde und ihre Erziehung (1975)

Ein Jahr später präzisierte Heßler ihre Vorstellungen von Gemeindepädagogik auf einer Tagung zum Thema „Glaubensvermittlung heute“ in Karlshorst (Ost-Berlin). Sie nimmt einen weiten, mit Zitaten von Augustin und des Bischofs Cyrill von Jerusalem kirchengeschichtlich belegten Anlauf, um daran zu zeigen, dass Erziehung die Christenmenschen in die Lage versetzen soll, das verheißene andere oder neue Leben zu lernen. Christliche Erziehung sei deshalb keine Privaterziehung, sondern „Angelegenheit der Gemeinschaft“ (Heßler, 2015, 67), mithin eine soziale Aufgabe, weswegen das gemeindepädagogische Denken und Handeln integraler Bestandteil der Glaubensvermittlung sei. Gemeindepädagogik sei angesichts der Vielfalt der Lebensformen und der Auflösung volkskirchlicher Einheitlichkeit weit mehr als Traditionalismus, der lediglich an die Verlängerung des Bestehenden denke. Gemeindepädagogik sei vielmehr kreatives Schaffen, eine Chance für den, der sich als „Lehrling des Schöpfers“ oder „Unternehmer“ (Heßler, 2015, 67) sieht. Allerdings bedürfe sie gerade deshalb einer Verständigung über die sie verbindenden Aufgaben, Ziele und Orientierungen.

Gemeindepädagogik sei wesentlich darauf zurückzuführen, „dass wir sie brauchen“ (Heßler, 2015, 67). Die gute Hälfte aller Probleme in der Kinder- und Jugendarbeit bestehe aus pädagogischen Problemen. Sie spielten eine überragende Rolle und sie führten zur Herausbildung anderer Formen als die der unterrichtlich angelegten klassischen Katechetik, die Pädagogik allzu oft auf eine Methodenlehre reduziert und missverstanden habe. Die Öffnung zur Lebenswirklichkeit benötige begleitende Unterstützung, etwa dann, wenn die Kinder- und Jugendarbeit auf die stark nachgefragte Form der „Rüstzeiten“ als mehrtägige Freizeiten eingehe, die für ein eigengestaltetes christliches Leben in einer staatlich indoktrinierten atheistischen Umwelt der DDR „zurüsten“ (→ Kirchen in der DDR). Insofern sei Gemeindepädagogik als Versuch zu verstehen, aus dem kirchlichen Dilemma katechetischen Unterrichts herauszukommen, der überlastet sei und an dieser Überlastung zugrunde gehe.

Neben der pädagogischen Begleitung macht Heßler einen weiteren Grund für die Bedeutung der Gemeindepädagogik aus: Sie liegt in der „Fluchtlinie“ der Gemeindeleitung – die Kybernetik sei also auf die Pädagogik angewiesen. So gesehen ist das Pfarramt ohne pädagogische Ausbildung nicht denkbar.

Der Gemeindepädagoge soll sich also nicht als „Funktionär“ der Erziehung in der Gemeinde verstehen, „der es allein zustande bringt“ (Heßler, 2015, 67). Gemeindepädagogik brauche Raum und „viele – eigentlich alle – als Mitarbeiter. „Gemeindepädagogik wird die Gemeinde anlernen, sich untereinander – d.h. familienübergreifend – ihrer und auch ‚fremder‘ Kinder anzunehmen und die allgemeine Pädagogik mit Sachverständnis aufmerksam zu verfolgen. Sie will Sprachfähigkeit in eigener Sache erzielen und im ‚Hause‘ für die Öffentlichkeit erziehen. Ein gemeinsames Lernen aus der Liebe Gottes lernen, könnte bedeuten: Lieben als Lebensarbeit begreifen und auf sich nehmen lernen in der Nachfolge Christi“ (Heßler, 2015, 80).

2.3. Warum Gemeindepädagogik? (1991)

Der Begriff der Gemeindepädagogik habe eingangs der siebziger Jahre in Ost und West in der Luft gelegen, sei aber keinesfalls „aus der Luft gegriffen“, resü­mierte Heßler 1991, gut zehn Jahre nach der Beendigung des Naumburger Dienstes (Heßler, 2015, 81). Sie erklärt rückblickend die Herausforderungen, die sich dem pädagogischen Denken in der Kirche stellten: (1) Der Zustand der Ge­meinde in der säkularisierten und pluralistischen Gesellschaft habe ein neues Bewusstsein der Kirche nötig gemacht, wenn sie „Kirche für andere“ sein wollte. Mehr Kommunikation sei nötig geworden sowie der Bildungs- und Wissensstand der Mitglieder anzuheben gewesen. Die mündige Gemeinde habe pädagogische Prozesse intensivieren müssen. (2) Eben diese mündige Gemeinde, die sich als Lerngemeinschaft verstehe und gegebenenfalls auch ohne Pfarrperson auskommen könne, bedürfe entsprechender pädagogischer Ausbildungsgänge, um auf die Forderun­gen der Praxis reagieren zu können. (3) Das „Winkeldasein“ der Katechetik in der Gemeinde und die Übertragung der katechetischen Verantwortung an die Hausväter und die Schulmeister habe die Folge gezeitigt, dass die Kirche die Weitergabe der Tradition in pädagogische Zusammenhänge hintangestellt und die Katechetik unterbewertet habe. (4) Die Notwendigkeit, sich von der (schulischen) Religionspädagogik abzugrenzen, habe dieses Winkeldasein nur noch verstärkt und zu einer Ausblendung einer empirisch-gesellschaftlichen Erziehungswissenschaft geführt. (5) Deshalb sei auch weder eine theologische Pädagogik entwickelt noch das Verhältnis von Theologie und Pädagogik geklärt worden. So schien die Gemeindepädagogik „ein Minimum dessen zu sein, was eigentlich erwartet wird“ (Heßler, 2015, 89). Eine theologische Pädagogik könne sich auf den Geist der Weisheit berufen, die von Haus aus fromm sei, aber vernünftig denke. Während die reine Verkündigung Sache der Priester sei, die das Kommen des Reiches Gottes in diese Welt feiern würden, obliege der Weisheit die tägliche Arbeit, da diese verstehe, zu dolmetschen und situationsbezogen zu reden, zu tradieren und zu argumentieren. „Sie ist weise genug, sich zu beschränken, sie ist klug genug, die Menschenkinder – an denen sie ihr Vergnügen hat – zu verstehen und ihnen entgegenzukommen“ (Heßler, 2015, 90). Das Heilshandeln Gottes und die Erkenntnis gehören zusammen – das ist die Grundlage der Gemeindepädagogik.

3. Wirkung und Rezeption

Um zu verstehen, warum Eva Heßlers Schrifttum nur eine eher geringe Wirksam­keit entfaltete, muss man sich die Situation in der DDR vor Augen halten. Eine Genehmigung der Publikation von Texten, die mit den geisteswissenschaftlichen Ansätzen der Bundespublik argumentierte und die sozialistische Pädagogik zur Integration von Pädagogik und Theologie einlud, war ausgeschlossen. Also wur­den die Heßler-Texte überwiegend in Fachkreisen der Kirchen in der DDR in hek­tographierter Form zur Kenntnis genommen und blieben der Öffentlichkeit ver­borgen. Über die Ebene von Texten wird man überhaupt festzustellen haben, dass Heßlers Wirksamkeit stark auf der Ebene der Ausbildung lag. Listen der Studierenden, der Gastdozenten, Repetenten und Assistenten lassen das KOS als who is who späterer Funktionsträger in Kirche und Universitäten erscheinen.

Ihr Projekt der „Gemeindepädagogik“ wurde literarisch erst 1992 von Karl Foitzik „mit inhaltlicher Paraphrasierung und Kommentierung“ (Hoenen, 2015, 135) aufgenom­men. Während ihr Programm und der Begriff auch gelegentlich in Empfehlungen zur Gemeindepädagogik (Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland 1982) oder in der Ausbildungskonzeption kirchlicher Berufe (Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR 1973-1975) oder bei der Gründung der gemeindepädagogischen Ausbildungsstätte in Potsdam (1979) aufgenommen wurden, so tauchte ihre (Mit-)Urheberschaft an dem Begriff der Gemeindepäda­gogik nicht auf. Das änderte sich erst, als nach dem Ende der DDR auch die Grenzen für gemeindepädagogische Publikationen geöffnet worden waren: „Nun war für alle zu lesen, was bisher weitgehend verborgen geblieben war“ (Hoenen, 2015, 135). Eva Heßler eröffnete den 1991 von Eckart Schwerin herausgegebenen Sammelband „Gemeindepädagogik“ mit ihrem Beitrag „Warum Gemeindepädagogik?“ (s.o.).

Hoenen verweist auf mehrere Impulse der Rezeption von Eva Heßler für die Ent­wicklung der Gemeindepädagogik:

  • Heßler habe mit ihren Überlegungen ein wissenschaftliches oder theoreti­sches Gesamtkonzept für die Gemeindepädagogik eröffnet, das sich wei­ter zu bearbeiten lohne.
  • Sie habe die Ablösung der Katecheten-Ausbildung durch die breiter auf­gestellte Gemeindepädagogik unterstützt.
  • Heßler habe das „sektorale Versäulungsverständnis“ (katechetische Ar­beit mit den Zielgruppen der Kinder und Jugendlichen) durch ein dimensi­onales Verständnis pädagogischen Handelns in der Kirche ersetzt.
  • Sie habe den Versuch unternommen, die Gemeindepädagogik auf die Frage nach der Bildung zu beziehen.

Deshalb habe Michael Meyer-Blanck Eva Heßler in seiner „Kleinen Geschichte der Religionspädagogik“ mit Recht in der Reihe der Klassiker der Religionspäda­gogik aufgenommen und gewürdigt (vgl. Hoenen, 147f.).

Auch im Osten Deutschlands findet ihr Werk mittlerweile die ihm entsprechende Würdigung. So meint Jürgen Henkys, von 1991 bis 1995 Professor für Praktische Theologie an der Humboldt-Universität Berlin: „Der interdisziplinäre Dialog erfor­dert, dass zuallererst jeder das Seine, jede das Ihre gibt. In dieser Hinsicht bleibt mir Eva Heßler (…) ein leuchtendes Beispiel. Immer noch bin ich froh, dass ich einst ihre unveröffentlichten Vorträge mit dem frühen Gebrauch des Begriffs Ge­meindepädagogik ins Spiel gebracht habe. Die Entwicklung ist rasch über ihre besondere Auffassung der Sache hinweggegangen. Auch ich selbst habe mich ihrer Spur nicht einfach angeschlossen. Aber unbekümmert um die damalige Aussichtslosigkeit, von den in der DDR pädagogisch und bildungspolitisch Maß­geblichen ernst genommen und ins Gespräch gezogen zu werden, hat sie, dem Lebensweg nach beiden Wissenschaften verpflichtet, die Theologie an das ihr innewohnende pädagogische Moment und die Pädagogik an das ihr innewoh­nende theologische Moment erinnert und insofern beide auch füreinander zur Schule gemacht. Ihr Plädoyer für den Brückenschlag zwischen Theologie und Pädagogik hatte nichts Anbiederisches. Im Gegenteil, es war nach beiden Seiten hin undiplomatisch, unaufgeputzt, schroff. So kann man nicht viel werden – ab­gesehen von dem einen, dass man nötig wird“ (Henkys, 1996, 5).

Literaturverzeichnis

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  • Schröter, Ulrich/Schultze, Harald (Hg.), Im Schatten des Domes. Theologische Ausbildung in Naumburg 1949-1993, Leipzig 2012 (dort weitere Litera­turangaben sowie Abdruck von zusätzlichen Dokumenten: Vorlesungs- und Dozentenver­zeichnisse; ZK-Vorlage über die Kirchlichen Ausbildungsstätten in der DDR 1968; The­sen zu Theologiestudium und geistlicher Erfahrung).

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