Deutsche Bibelgesellschaft

Friedrich geb. Fischer, Margret (1930–2004?)

Andere Schreibweise: Margret Fischer

(erstellt: Februar 2026)

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1. Zur Person

Margret Friedrich war Religionspädagogin in Hamburg, Hagen und zuletzt in Göttingen. Sie wurde am 26.10.1930 als Margret Fischer geboren (Staatsarchiv Hamburg). Nach dem Lehramtsstudium in Hamburg (Friedrich, 1997, 114), war sie dort selbst zwischen 1961 und 1965 als religionspädagogische Dozentin am Pädagogischen Institut (PI) tätig. Nach einer kurzen Zeit als Professorin an der Pädagogischen Hochschule (PH) Ruhr, Abt. Hagen (1965-1968) kehrte sie nach Hamburg zurück und war bis 1973 Professorin am dortigen Fachbereich (FB) Erziehungswissenschaft. Danach folgte sie dem Ruf an die PH Niedersachsen, Abt. Göttingen, die später im Fachbereich Erziehungswissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen aufging. Als Teil der frappierend spärlichen Quellenlage zu Margret Friedrich (vgl. dazu unten Abschnitt 6) ist ihr Sterbejahr nicht genau bekannt. Nach mündlicher Auskunft zweier ehemaliger Kollegen an der PH Göttingen verstarb sie etwa ein Jahr vor ihrem Ehemann, dem Politologen Manfred Friedrich (1933-2005).

2. Lehre am PI Hamburg (1961-1965)

Um Margret Fischers Hamburger Arbeitskontext zu verstehen, ist eine kurze Beschreibung der damaligen institutionellen Situation der Ausbildung Hamburger Lehrerinnen und Lehrern hilfreich (→ Religionslehrer und -lehrerinnen-Forschung).

Deren Grundstruktur war seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs universitär. Allerdings war das PI strukturell, konzeptionell und auch räumlich deutlich vom Lehrbetrieb an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät abgehoben. Das PI war Ort für die allgemeindidaktische, fachdidaktische und schulpraktische Ausbildung. Es gehörte zur Philosophischen Fakultät, galt aber als selbstständige Einrichtung (Friedrich, 1997, 114). Für die Ausbildung der Religionslehrkräfte ist besonders zu erwähnen, dass die Universität Hamburg erst zum Wintersemester 1954/55 eine Theologische Fakultät erhielt (Hering, 2005, 225-242). Bis dahin hatte es kein universitäres Lehrangebot im Bereich der theologischen Fachwissenschaft gegeben. Die eigene Struktur der Hamburger Religionslehrerausbildung hatte sich somit gefunden: an der Theologischen Fakultät fand die fachwissenschaftliche Ausbildung statt, während das PI die übrigen Ausbildungsinhalte anbot.

Vier Abteilungen beheimatete das PI: I. Volks- und Mittel(Real)schule, II. Berufsschule, III. Gymnasium und IV. Hilfs- und Sonderschule (Fiege, 1965, 188-189). Zu Beginn arbeiteten im PI 16 Lehrkräfte. Diese abgeordneten Dozierenden waren der Besoldung nach Schul- und Studienräten (A13), als Studienleitende den Oberstudienräten und Oberstudienrätinnen (A14) gleichgesetzt (Fiege, 1991, 31). Das war auch ein Grund dafür, warum das Institut wenig Möglichkeiten bot für akademisch aufstrebende Kräfte. Besonders viele Wechsel gab es bei den Dozierenden der evangelischen Religionspädagogik, was sich auch an Fischers weiteren Arbeitsstationen zeigt. Zwischen 1950 und 1965 waren neben Margret Fischer (1961-1965) vier Wissenschaftler in diesem Bereich am PI tätig: Walter Uhsadel (1950-1956), Gert Otto (1958-1963), Hans-Jochen Gamm (1959-1961) sowie Ingo Baldermann (1963-1965). Sie alle wurden später, wie auch Fischer, entweder auf praktisch-theologische, religionspädagogische oder erziehungswissenschaftliche Professuren berufen (Simojoki et al., 2021, 93-95).

Im Jahr 1959 wurde am PI aufgrund steigender Studierendenzahlen eine weitere Dozentenstelle eingerichtet und bis zum Sommersemester 1961 mit Hans-Jochen Gamm besetzt. Nach Gamms Weggang führte Margret Fischer neben Gert Otto ab 1961 diese Stelle weiter. Sie selbst bezeichnet sich als „Zweite im Bunde“ (Friedrich, 1997, 114) und sollte sich besonders der religionspädagogischen Grundschularbeit widmen. Dafür erhielt sie eine entsprechende Dozentur für Allgemeine und Religionspädagogik. Damit begann laut Selbstaussage ihre „eigentliche religionspädagogische Tätigkeit“ (Friedrich, 1997, 114).

Während Fischer an ihrer Promotion arbeitete, lernte sie durch Gert Otto, wie sie selbst äußerte, „nicht nur neue Möglichkeiten der Gestaltung des Religionsunterrichts kennen, sondern die Begründung des Religionsunterrichts vom Bildungsauftrag der Schule her, also eine neue Konzeption des Religionsunterrichts, der jetzt nicht mehr als ‚Kirche in der Schule‘ verstanden wurde“ (Friedrich, 1997, 114). 1962 wurde Fischer mit der Arbeit „Die innere Differenzierung des Unterrichts in der Volksschule“ in der Erziehungswissenschaft promoviert (Fischer 1962). Ihre Lehrveranstaltungen hatten zunächst keinen religionspädagogischen Schwerpunkt, da die Religionsdidaktik bis 1965 von ihren Kollegen Otto und Baldermann abgedeckt wurde (Simojoki et al., 2021, 98). Baldermann etablierte mit seinem Schwerpunkt in der Biblischen Didaktik (→ Bibeldidaktik, Grundfragen) einen biblischen Unterricht, der auch Fischer begeisterte: „Ich werde nie vergessen, wie wir zusammen im Religionspraktikum in einem sechsten Schuljahr in der Volksschule Hamburg-Hasselbrook vor Ostern verschiedene Überlieferungen der Passion Jesu miteinander verglichen haben“ (Friedrich, 1997, 115).

In dieser ersten Zeit in Hamburg bot Fischer außerdem gemeinsam mit Herbert Schultze, dem damaligen Direktor des Katechetischen Amtes (→ Katechese/Katechetik) eine Wochenendtagung im Haus Rissen zur lebensweltlichen Dimension an säkularen Texten an (u.a. Franz-Josef Degenhardts Lied „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“) (Hering, 1997, 122). Damit griffen sie auf, was gesellschaftlich kurz vor der Zeit der Studentenbewegung in der Luft lag. Schultze war es auch, der Lehraufträge im PI übernahm, als Fischer dem Ruf an die PH Ruhr, Abt. Hagen folgte.

3. Lehre an der PH Ruhr, Abt. Hagen (1965-1968)

Fischer folgte zum Sommersemester 1965 einem Ruf auf eine Professur an der PH Ruhr, Abt. Hagen. Dort blieb sie allerdings nur bis 1968, um dann wieder nach Hamburg zurückzukehren (Simojoki et al., 2021, 99). Über die Inhalte ihrer dortigen Lehrtätigkeit ist nichts bekannt.

4. Lehre im FB Erziehungswissenschaft Hamburg (1968-1973)

In Hamburg wurde wenige Jahre nach Fischers Weggang eine „Professur für Allgemeine und Religionspädagogik“ (Hering, 1997, 199) eingerichtet – dies geschah spät im Vergleich zu anderen Standorten in Deutschland. Fischer wurde 1968 auf diese Professur am PI Hamburg berufen und „kehrte mit großer Freude nach Hamburg zurück“ (Friedrich, 1997, 115). Mit ihrer Ernennung zum Sommersemester 1969 ist dann auch ein religionspädagogischer Fokus in ihrer Lehre festzustellen. Fischer war noch ein Semester lang dem PI Hamburg zugeordnet und gehörte nach dessen Auflösung zum Wintersemester 1969/70 dem neugegründeten Fachbereich Erziehungswissenschaft an. Besonders ist, dass diese (auch) religionspädagogische Professur am erziehungswissenschaftlichen Fachbereich verortet wurde. Bei dem an der Theologischen Fakultät verorteten Lehrstuhl für Praktische Theologie war ein religionspädagogisches Profil möglich, aber keine Bedingung (Simojoki et al., 2021, 102).

In jenen Jahren hatte Fischer eine Gruppe von ungefähr zehn Studierenden, unter ihnen auch der spätere Pastor Wolfgang Hagenmaier, dazu einen Assistenten, Matthias von Kriegstein. In einer Art Arbeitsgemeinschaft bereiteten sie mit Fischer die Seminare vor. Mit dem neuen Direktor des Katechetischen Amts, Horst Gloy, begann eine rege praktisch-theoretische Arbeit mit anderen Katechetischen Ämtern in Kiel und Loccum. Dabei empfand Fischer besonders die Erstellung von Materialien durch die Institute als große Hilfe. Sie bezeichnet diese Zusammenarbeit als „ergiebig, vielseitig und anregend“ (Friedrich, 1997, 116).

In ihren Lehrveranstaltungen zeigen sich die Themen der damaligen religionspädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Diskurse. Beispielhaft lässt sich dies an ihrem Lehrangebot im Wintersemester 1972 nachvollziehen. Sie bot ein Hauptseminar zum Thema „Erziehung und Emanzipation“ (mit Matthias von Kriegstein), ein Oberseminar zum Thema „Subversives Lernen“ sowie ein „Didaktisches Seminar II (Primarstufe/Sekundarstufe I und II)“ (mit Horst Gloy) an, das auch im Veranstaltungsangebot der Theologischen Fakultät aufgeführt war. Anders als bei ihren männlichen Vorgängern war Fischers Lehre kooperativer angelegt. Besonders zu erwähnen ist die ökumenisch angebotene Lehrveranstaltung im Wintersemester 1969/70: „Religionsunterricht in der Grundschule“ (gemeinsam mit ihrem katholischen Kollegen Otto Betz). Hinzu kam, dass Fischer zwei neue Gattungen von Veranstaltungen einführte: ein „Kolloquium für Examenskandidaten“ (erstmals im Wintersemester 1969/70) und ein Oberseminar, in dem anspruchsvollere Themen behandelt wurden (z.B. im Wintersemester 1971/72: „Probleme des Bildungswesens in der spätkapitalistischen Gesellschaft als Ausdruck sozialer Konflikte“. Bereits diese genannten Veranstaltungstitel weisen auf ein stärker erziehungswissenschaftliches Profil ihrer Lehre hin, als man es von den damaligen Kollegen kannte. Passend dazu war Fischer mit nur jeweils einer Veranstaltung im Lehrangebot des Fachbereichs Evangelische Theologie vertreten (Simojoki et al., 2021, 98-99).

Hering nennt diese fünf Berufsjahre in Fischers Leben ein „Zwischenspiel“ (Hering, 1997, 199) vor ihrer Berufung nach Göttingen. Fischers Nachfolger in Hamburg war zum Wintersemester 1975/76 Fulbert Steffensky.

5. Lehre an der PH Niedersachsen, Abt. Göttingen bzw. FB Erziehungswissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen (1973- mindestens 1989)

Dem Ruf an die PH Niedersachsen, Abteilung Göttingen (ab 1978 dann Fachbereich Erziehungswissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen) folgte Fischer zum Sommersemester 1973 und übernahm damit den Lehrstuhl von Hans Stock (Friedrich, 1997, 116) (→ Hermeneutischer Religionsunterricht). Damit war sie nach drei Männern, die die nichtgymnasiale Lehrerausbildung geprägt hatten, die erste Frau, die in Göttingen Professorin für „Evangelische Religionslehre und Methodik des evangelischen Religionsunterrichts“ wurde.

Die Titel ihrer Lehrveranstaltungen in Göttingen bis zur Schließung der PH Niedersachsen lassen erkennen, dass sie in jeglicher Hinsicht die aktuellen Diskurse aufgriff: thematisch (z.B. Der Emanzipationsbegriff in der theologischen und religionspädagogischen Diskussion, Kolloquium, WiSe 1975/76), forschungsbezogen (z.B. Möglichkeiten und Grenzen der Erhebung von Schülerinteressen am RU – Analyse empirischer Studien, Übung, WiSe 1976/77) und didaktisch (z.B. Einführung in Projektstudien zur religionspädagogischen Praxis, Übung, WiSe 1973/74). Nach der Integration in die Georg-August-Universität wurde die Professorin am Erziehungswissenschaftlichen Fachbereich zunächst noch als Margret Fischer, seit dem Sommersemester 1983 als Margret Friedrich geführt. Ihr Veranstaltungsangebot war breit gefächert. Dabei setzte sie thematisch und auch bezugswissenschaftlich eigene Akzente, was sich exemplarisch an ihrem Lehrangebot zeigen lässt: Im Wintersemester 1979/80: Schule – Lust oder Last? – Alternative Modelle zum gegenwärtigen Schulsystem (Seminar), Schülerorientierter Religionsunterricht – Überlegungen zur Neuorientierung des Religionsunterrichts in der Primarstufe (Seminar), Zur gegenwärtigen religionspädagogischen Diskussion. Kolloquium für Erstsemester (Kolloquium), Wahlpflichtpraktikum in der Primarstufe (Blockveranstaltung 14 Tage, Praktikum); im Wintersemester 1989/90: Situation und Auftrag des Religionslehrers – Eine Einführung in die Religionspädagogik (Seminar), Tod und Sterben als Thema der Theologie und der Religionspädagogik (Seminar), Gemeindearbeit mit älteren Menschen als freizeitpädagogische Herausforderung (Seminar). Darüber hinaus bot sie im Erziehungswissenschaftlichen Fachbereich auch soziologische und politologische Veranstaltungen an. Seit dem Schritt nach Göttingen trat Friedrich mit Veröffentlichungen kaum noch in Erscheinung, aber sie übernahm – im Wechsel mit Peter Biehl – die Leitung des „Seminars für Evangelische und Katholische Religionspädagogik“ (Simojoki et al., 2021, 150f.).

6. Bilanz

Trotz ihrer hervorgehobenen Stellung als Professorin für Religionspädagogik ist leider frappierend wenig über Margret Friedrich bekannt oder in Erfahrung zu bringen. In allen sechs Fallstudien der umfassenden Analyse „Professionalisierung des Religionslehrerberufs“ im Zeitraum 1949 bis 1989 ist Margret Fischer bzw. Friedrich die einzige auf einen religionspädagogischen Lehrstuhl berufene Professorin (Simojoki et. al, 2021, 152). Auch in den Archiven ist wenig zu erfahren (die Göttinger Personalakte unterliegt noch der Schutzfrist), obwohl sie dort einen sehr renommierten Lehrstuhl übernahm. Ein möglicher Grund für ihren geringen Bekanntheitsgrad könnte sein, dass sie – anders als viele der damaligen männlichen Kollegen in der Religionspädagogik – kein eigenes religionspädagogisches Konzept entwickelt hat. Der Fall Fischer/Friedrich führt deutlich vor Augen, vor welchen Herausforderungen die historische Religionspädagogik mit Blick auf in ihrer Zeit prominente Frauen steht.

Literaturverzeichnis

  • Fiege, Hartwig, Die Lehrerbildung im Pädagogischen Institut der Universität Hamburg von 1945 bis 1969, Hamburg 1991.
  • Fiege, Hartwig, die Bildung der Volksschullehrer an der Universität Hamburg, in: Röhrs, Hermann (Hg.), Die Lehrerbildung im Spannungsfeld unserer Zeit, Ratingen 1965, 187-198.
  • Fischer, Margret, Die innere Differenzierung des Unterrichts in der Volksschule, Pädagogische Studien 5, Weinheim 1962.
  • Friedrich, Margret, Reminiszenzen aus meinem Studium und meiner Lehrtätigkeit an der Universität Hamburg aus der Distanz von 45 Jahren, in: Hering, Rainer (Hg.), Vom Seminar zur Universität. Die Religionslehrerbildung in Hamburg zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik, Hamburg 1997, 114-116.
  • Hering, Rainer, Die späte erste Fakultät. Vom Allgemeinen Vorlesungswesen zum Fachbereich Evangelische Theologie, in: Arbeiten zur Kirchengeschichte 95 (2005), 225-242.
  • Hering, Rainer, Vom Seminar zur Universität. Die Religionslehrerbildung in Hamburg zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik, Hamburg 1997.
  • Simojoki, Henrik/Schweitzer, Friedrich/Henningsen, Julia/Mautz, Jana-Raissa, Professionalisierung des Religionsunterrichts. Analysen im Schnittfeld von Lehrerbildung, Professionswissen und Professionspolitik, Religionspädagogik in pluraler Gesellschaft 28, Paderborn 2021.
  • Staatsarchiv Hamburg, „Margret Fischer“, in: Hamburger Professorinnen- und Professorenkatalog, online unter: https://www.hpk.uni-hamburg.de/resolve/id/cph_person_00001499, abgerufen am 23.10.2025.

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