Matthäus 11,25-30 | 2. Sonntag nach Trinitatis | 14.06.2026
Einführung in das Matthäusevangelium
Das MtEv
1. Verfasser
Das MtEv ist, wie alle neutestamentlichen Evangelien, anonym verfasst. Die Zuschreibung an Matthäus ist handschriftlich seit dem Ende des 2./Beginn des 3. Jh.s bezeugt; die älteste patristische Bezeugung stammt aus dem weitgehend verlorenen Werk des kleinasiatischen Bischofs Papias von Hierapolis. Nach ihm „hat Matthäus die Logien (Jesu) also in hebräischer Sprache zusammengestellt; es übersetzte sie aber jeder, so gut er konnte“ (Eusebius, h.e. III 39,16; Irenäus spricht von seinem „Evangelium in schriftlicher Form“, s. Adv. haer. III 1,1). Die Zuschreibung eines Evangeliums an den Apostel Matthäus bezieht sich in den ältesten Quellen jedoch nur auf das behauptete hebräische/aramäische Original. Für die vorhandene griechische Fassung wurde schon von Hieronymus festgehalten, dass der Übersetzer unbekannt ist (Vir.ill. III 1). Ohne auf die Übersetzungsfrage einzugehen, wurde das MtEv bis lange ins 19. Jh. hinein und mit nicht wenigen Vertretern bis heute als Werk des Apostels u. ehemaligen ‘Zöllners’ Matthäus angesehen. In der deutschsprachigen Forschung wird dagegen mehrheitlich ein unbekannter judenchristlicher Verfasser angenommen, der zwischen 80 und 100 das Evangelium auf der Grundlage älterer Quellen (Mk, Q, Sondergut) geschrieben hat. Die internationale u. nichtprotestantische Forschung ist in dieser Frage allerdings deutlich pluraler als die deutschsprachige Einleitungswissenschaft und Kommentarliteratur. Eine wichtige Rolle spielt in beiden exegetischen Traditionen die singuläre Referenz in der Jüngerliste Mt 10,3
2. Adressaten
Das Evangelium selbst enthält keine direkten Hinweise auf Adressaten, Abfassungszeit oder -ort. Alle diesbezüglichen Aussagen sind aus dem vorliegenden Text abgeleitet und angesichts deren Spärlichkeit entsprechend hypothetisch. Die patristischen Autoren berichten, dass Matthäus das Evangelium für die „Hebräer“ (d.h. die jüdischen Jesusgläubigen in Israel) schrieb, bevor er „zu den anderen Völkern“ gehen wollte (Eusebius, h.e. III 24 6). Die Annahme, dass das Evangelium ursprünglich an überwiegend judenchristliche Gemeinden gerichtet war und in deren Kontext entstanden ist, wird auch heute mehrheitlich vertreten. Nur wenige machten und machen sich für einen heidenchristlichen Ursprungskontext stark. Allerdings gibt es auch hier eine starke, insbesondere englischsprachige Forschungstradition, die solche Partikularadressierungen ablehnt und stattdessen von einer von Anfang an universalen Adressatenschaft ausgeht („The Gospel For All Christians“). In der deutschsprachigen Evangelienforschung dominiert dagegen ein Partikular- und Konfliktmodell, nach dem die einzelnen Evangelien an bestimmte Gemeindegruppen adressiert sind und sich dabei gleichzeitig von den Empfängergruppen der anderen Evangelien mehr oder weniger polemisch absondern. Der Zuweisung des MtEv an ein judenchristliches Milieu impliziert darum oft die Abgrenzung gegenüber anderen frühchristlichen Milieus (repräsentiert u.a. durch Paulus oder das MkEv, das Mt angeblich verdrängen oder ersetzen wollte). Damit wird das MtEv in erster Linie zu einem Zeugnis für die angenommene Konfliktgeschichte innerhalb des frühen Christentums zwischen 70 und 100, und die in ihm vermittelten Jesustraditionen gelten als so ausgewählt bzw. reformuliert, dass sie der Selbstvergewisserung dieser besonderen Gruppe dienten (die manche mit den Apg 15,5
3. Entstehungsort
Aufgrund der judenchristlichen Charakteristika wird häufig eine Entstehung in Antiochien vermutet, was dadurch gestützt wird, dass Bischof Ignatius von Antiochien das MtEv schon im 1. Drittel des 2. Jh.s zu kennen scheint. Aber auch andere Orte in Israel bzw. Syrien werden diskutiert. Mt 4,24f.
4. Wichtige Themen
Wichtige Themen der exegetischen Interpretation sind die Christologie (Jesus als Sohn Davids neben der Menschensohn-Christologie), Soteriologie (Vergebung der Sünden als Zielvorgabe von Jesu Wirken [1,21
5. Besonderheiten
Das MtEv enthält eine Vielzahl klar abgrenzbarer Einheiten, die in sich deutlich strukturiert sind, insbesondere durch Dreiergruppen (vgl. 1,17
Literatur:
- Aktueller Kommentar: Matthias Konradt, Das Evangelium nach Matthäus, NTD 1, Göttingen 2015 (theologisch gehaltvolle Auslegung, aber kaum Hinweise auf Literatur; diese findet sich reichlich verarbeitet in dem Band: Matthias Konradt, Studien zum Matthäusevangelium, WUNT 358, Tübingen 2016).
- Grundlegend: Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, EKK I/1-4, Neukirchen-Vluyn u.a. 1985 (5., völlig neubearbeite Aufl. 2002), 1990, 1997, 2002 (umfassendster Kommentar in deutscher Sprache mit ausführlichen Hinweisen zur Auslegungs- und Wirkungsgeschichte).
- Zur Diskussion um die Tora: R. Deines, Jesus and the Torah according to the Gospel of Matthew, in: The Gospel of Matthew in its Historical and Theological Context. Papers from the International Conference in Moscow, September 24 to 28, 2018, hg. v. M. Seleznev, W. R. G. Loader u. K.-W. Niebuhr, WUNT 459, Tübingen 2021, 295–327 (in diesem Band auch weitere Aufsätze zu dem Thema, so dass die verschiedenen Positionen gut erkennbar sind).
- Angelsächsische Literatur und Auslegungsgeschichte: Ian Boxall, Matthew Through the Centuries, Wiley Blackwell Bible Commentaries, Hoboken: Wiley Blackwell, 2019.
A) Exegese kompakt: Matthäus 11,25-30
Übersetzung
25 In jenem Moment, das Wort ergreifend, sagte Jesus: „Ich bekenne mich zu dir, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du verbargst dieses vor den Weisen und Verständigen und aufgedeckt hast dasselbe den Unmündigen. 26 Ja, o Vater, denn so geschah Wohlerwogenes vor dir. 27 Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater, und niemand erkennt den Sohn, wenn nicht der Vater, noch erkennt irgendeiner den Vater, wenn nicht der Sohn und wem der Sohn es aufdecken will.
28 Auf zu mir alle die Abgemühten und Beladenen, ich werde euch ausruhen lassen. 29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn wohlwollend bin ich und niedrig im Herzen, und ihr werdet finden Erholung eurer Seelen. 30 Denn mein Joch ist brauchbar und meine Last ist leicht.
1. Fragen und Hilfen zur Übersetzung
V.25 ἐξομολογοῦμαί σοι, πάτερ (par. Lk 10,21
κρύπτω „verbergen“ und ἀποκαλύπτω „aufdecken“ sind auf dasselbe Geschehen bezogen, wie die unterschiedlichen Adressaten verdeutlichen: den „Weisen und Verständigen“, die einen intellektualistischen Zugang zu Gottes Handeln praktizieren, wird „dieses“ (gemeint ist das im Folgenden entfaltete besondere Sohnesverhältnis zwischen Jesus und Gott) verborgen, während es den „Einfältigen“ aufgedeckt, d.h. zugänglich gemacht wird. Dabei stehen die νήπιοι für die „Armen im Geist“ (Mt 5,3
σοφοί in den Evangelien nur hier (par. Lk 10,21
νήπιος „unmündig“, „unerfahren“, „unwissend“ (eigentlich „jugendlich“). Angesprochen sind solche, die sich selbst in dieser Weise erfahren oder von anderen als solche angesehen werden; wichtig ist, dass das Verstehen noch fehlt (vgl. 1Kor 14,20
V.26 Alkier/Paulsen, 172, übersetzen: „Ja, Vater, weil in dieser Weise für gut Befundenes geschah vor dir.“ εὐδοκία ist Subjekt von ἐγένετο und das im NT seltene Nomen (nur 9 Belege, bei Mt nur hier, dazu in Lk 2,14
V.27 καὶ ᾧ ἐὰν βούληται ὁ υἱὸς ἀποκαλύψαι – Relativsatz mit konditionalem Nebensinn; die Verwendung von ἐαν mit Konjunktiv ist prospektiv zu verstehen, d.h. die gestellte Bedingung – hier: Jesu Wille, die Erkenntnis seines Vaters zu ermöglichen – gilt als erfüllbar bzw. möglich (vgl. H. v. Siebenthal, GGNT §290e). Den umgekehrten Vorgang schildert Mt in 16,16f.: da wird Petrus „von meinem Vater im Himmel“ aufgedeckt (ἀπεκάλυψέν σοι), dass Jesus „der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ ist. Die Handlungseinheit von Vater und Sohn wird auch dadurch erkennbar, dass der Vater in V.25 und der Sohn in V.27 als Subjekt von ἀποκαλύπτω dargestellt sind.
V.28 ἀναπαύω erinnert an die Ruhe- und Erholungspause für die Lastenträger, wie sie das Sabbatgebot formuliert (Dtn 5,14
V. 29 ἄρατε τὸν ζυγόν μου: „Nehmt mein Joch auf“ – der Imperativ steht parallel zum Imperativ V. 28, beide enden mit derselben Verheißung („Ruhe“) und weisen in dieselbe Richtung: während V. 28 das Ablegen von schweren Lasten impliziert, geht es in V. 29 um das Tragen eines leichteren Jochs. In der biblischen Tradition verweist „Joch“ mehrheitlich auf einen negativen, schwer zu ertragenden Zustand: auf das schwere Geschick der Menschen (Sir 40,1
πραΰς εἰμι καὶ ταπεινὸς τῇ καρδίᾳ – das Adjektiv πραΰς ist im NT nur bei Mt (außer hier noch in 5,5
V. 30 Das Adjektiv χρηστός, wenn es für Sachen gebraucht wird (hier: für das Joch) beschreibt, dass eine Sache nützlich, brauchbar, tauglich ist im Sinne von „so wie es sein soll“. Alkier/Paulsen übersetzen χρηστός darum mit „nutzbringend“.
2. Kontext
Bis Mt 11,6
Im Zusammenhang mit 3,17
Im Zuge dieses Wechsels von einer Israel-zentrierten zu einer gemeinschaftszentrierten Perspektive spricht Jesus in 11,25–27 zum ersten Mal seinen Vater direkt an, und er wird dies danach nur noch einmal in Gethsemane (26,39
3. Historische Einordnung
Der Abschnitt Mt 11,25-30
V. 25a Einleitung
- V. 25b–26 Das Bekenntnis von Jesus an seinen Vater gerichtet
- V. 27 Das Bekenntnis von Jesus über sich und seinen Vater an die Zuhörer/Leser gerichtet
- V. 28–29 Die Einladung und Selbstempfehlung Jesu
Die ersten beiden Teile haben in Lk 10,21-22
4. Schwerpunkte der Interpretation
Es ist der Gehorsam Jesu gegenüber dem Willen und Heilsplan des Vaters, der seiner εὐδοκία entspringt (11,26), der ihm seinen erhöhten Status verleiht. Der freiwillige Gehorsam Jesu führt zur Übertragung von Autorität an ihn, so dass er (V. 28–30) nun zu sich und zu seinem „Joch“ – d.h. zu einer Beauftragung durch ihn – einladen kann. Während Mose
Ähnlich wie bei der Bergpredigt wird auch in diesem Text an Mose angeknüpft, insbesondere an Numeri 12,3–8
5. Theologische Perspektivierung
Es geht in diesem Text um Jesus als Offenbarer und Jesus als Sohn. Es sind einzigartige johanneische Momente in der synoptischen Tradition, und damit zugleich ein Zeichen für die bei allen Unterschieden im Detail doch durchgängige Hochchristologie der neutestamentlichen Texte. Es ist ein Weihnachts- oder Epiphanietext zu Beginn der Trinitatiszeit. Zwar fehlt bei Mt der Geist als dritte Person wie in der Lk-Parallele, aber dieses starke binitarische Zeugnis ist gerade im MtEv von besonderer Bedeutung. Denn dieser dem jüdischen Volk und seiner Tradition so stark verpflichtete Autor scheut sich nicht, Jesus als vollgültigen Repräsentanten von Israels Gott darzustellen. Dieser lädt die Menschen zu sich ein. Er fordert von ihnen keinen verschärften Tora-Gehorsam, er bietet auch keine Tora-Exegese im Stil seiner Zeitgenossen, sondern lädt ein, seiner Lehre („Joch“) und seinem Vorbild („wohlwollend und herzlich herabneigend“) zu folgen (so auch Mt 7,22
Literatur
- Alkier, Stefan / Paulsen, Thomas: Die Evangelien nach Markus und Matthäus neu Übersetzt (Frankfurter Neues Testament 2), Leiden u.a. 2021.
- Deines, Roland: Die Gerechtigkeit der Tora im Reich des Messias: Mt 5,13-20 als Schlüsseltext der matthäischen Theologie (WUNT 177), Tübingen 2004.
- Frankemölle, Hubert: Matthäus. Kommentar 2, Düsseldorf 1997, 121–129.
- Theobald, Michael: Das sogenannte «johanneische Logion» in der synoptischen Überlieferung (Mt 11,25-27; Lk 10,21f.) und das vierte Evangelium. Erwägungen zum Ursprung der johanneischen Christologie, in: A. Dettweiler u. Uta Poplutz (Hg.), Studien zu Matthäus und Johannes / Études sur Matthieu et Jean, FS Jean Zumstein (AThANT 97), Zürich 2009, 109–134.
B) Praktisch-theologische Resonanzen
1. Persönliche Resonanzen
In unserer Pfarrwohnung haben wir eine kleine griechische Ikone, die Christus als Pantokrator
Ikonisch ist der Vers in jedem Fall. Wenn es so etwas gibt wie eine evangelische Bibelspruch-Frömmigkeit, die in einzelnen Bibelversen (Konfirmationssprüchen, Trausprüchen, Losungen) Weisung, Trost und Hilfe findet – dann gehört Jesu „Heilandsruf“ an die Mühseligen und Beladenen zu den wichtigsten Versen und ist mit Recht in der Lutherbibel fett gedruckt.
Aber zum Text gehört der Kontext, und der ikonische Einzelvers Mt 11,28
2. Thematische Fokussierung
„Es geht in diesem Text um Jesus als Offenbarer und um Jesus als Sohn“ (s. Exegese). Jesus erlaubt seinen Zuhörern – und den Lesern – einen Einblick in das Geheimnis der Vater-Sohn-Beziehung und ihre „innige gegenseitige Vertrautheit“.
Was in der Lutherbibel mit offenbaren (ἀποκαλύψαι, V. 27) übersetzt ist, hat für mich einen ganz physischen Klang: ein Tuch wird aufgedeckt, ein Vorhang beiseitegezogen, und dahinter wird das Geheimnis, das Mysterium sichtbar.
Was Jesus über den Vater „aufdeckt“, gibt es nirgendwo anders zu erfahren oder zu erleben. Und das verstehen die Denker, die „Weisen und Klugen“ weniger leicht als die „Unmündigen“. Das Beziehungsgeschehen zwischen Vater und Sohn erschließt sich denen, die selber in einer Beziehung zu Jesus leben.
Schon vor seiner Auferstehung und Himmelfahrt sagt Jesus vollmundig: Alles ist mir übergeben von meinem Vater. Jesus ist in Übereinstimmung mit dem Wohlgefallen (εὐδοκία, V. 26) des Vaters.
Die Christologie kommt hier nicht als theologische Überlegung daher, sondern als preisendes Bekenntnis des Sohnes zum Vater. Und die Christologie hat Folgen! Jesus, der so im Einklang mit dem Vater ist, bringt Erquickung (ein feines Wort: darin „quick“ im Sinn von „lebendig“) und Erholung für die Abgekämpften.
Die Predigt wird also die Mühseligen und Beladenen in den Blick nehmen. Von denen sind in jeder Gottesdienstgemeinde mehr, als man zunächst ahnt.
Dabei widersteht die Predigt der Versuchung, Mühsal und Last farbiger und einprägsamer auszumalen als die Frohe Botschaft.
Das Zielbild ist Gottes Ruhe (ἀνάπαυσις) als „umfassendes Erleben“ (s. Exegese): also nicht nur genug Schlaf für die in Beruf oder Pflege Überarbeiteten, auch Farbe und Freude für die Niedergeschlagenen, Linderung für die Schmerzgeplagten, in einer bedrohlichen und unverständlichen Welt Lebens-Sinn aus der Beziehung zu Christus. – Wo im Gottesdienst auch das Evangelium vom Großen Abendmahl
Im Zusammenklang mit der Liturgie gesagt: Das Gloria in excelsis preist Gottes Frieden, wo Gott an den Menschen ein Wohlgefallen hat (vgl. Lk 2,14
3. Theologische Aktualisierung
Der Text lädt ein – in der Kirche ein abgegriffenes Wort, aber hier trifft es zu. Er lädt mich ein, zu Jesus „herzukommen“, mir von ihm den Vater „aufdecken“ zu lassen.
Was soll ich also tun? Erst einmal nur: mich in die Nähe Jesu locken lassen – und hinschauen, was mir gezeigt wird, wenn Jesus den Vorhang vor dem Gottesgeheimnis beiseite zieht. Ich muss mich nicht schämen, mit dem kindlichen Vertrauen der Unmündigen zu Jesus zu kommen.
Ich muss mich auch nicht schämen, zu den Mühseligen und Beladenen zu gehören. Dann lasse ich mir Jesu Joch auf die Schulter legen. Im „Joch“ sehe ich nicht, wie die Exegese, vor allem Jesu „Lehre“. Was ich von Jesus lerne, ist eine Haltung des Vertrauens. Ein Joch ist ein schweres Stück Holz. Das Vieh, das am Joch geführt wird, entscheidet nicht selber über die Richtung. Ein Joch ist fast nie etwas Schönes – in der Bibel nur hier, sanft und leicht.
Die Lasten des täglichen Lebens verschwinden ja nicht einfach, wenn ich Jesu Joch auf den Schultern habe. Vielleicht spüre ich die Lasten auf Leib und Seele wirklich als Rücken- und Nackenschmerzen. In einer Haltung des Vertrauens werden sie, wenn auch nicht gleich sanft und leicht, doch leichter zu tragen: weil, wie Paulus schreibt, „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Röm 8,28
Das bedeutet nicht, dass ich quietistisch alles hinnehme oder mit mir machen lasse. Aber doch prüfe, ob nicht Gott mir etwas auferlegt, und das dann auch im Vertrauen trage.
4. Bezug zum Kirchenjahr
Es handelt sich tatsächlich, wie die Exegese festhält, um einen „Weihnachts- oder Epiphanietext zu Beginn der Trinitatiszeit“.
Der Text hat zahlreiche Anklänge an andere Stellen der Heiligen Schrift. Je nachdem, wo er im Kirchenjahr seinen Platz findet und in welchen Klangraum anderer Texte er hineingestellt wird, kommen andere „Saiten“ des Textes zur Resonanz.
Dabei hat diese wichtige Perikope erst spät einen regelmäßigen Platz unter den gottesdienstlichen Lesungen bekommen und ist dabei durchs Kirchenjahr gewandert: noch im 19. Jh. nur am selten begangenen Gedenktag des Apostels Matthias, ab 1958 am 1. Sonntag nach Epiphanias
Seit 2018 steht die Perikope
5. Anregungen
An manchen Orten gibt es Zeugnisse von der Bedeutung des „Heilandsrufs“ in der evangelischen Volksfrömmigkeit: Inschriften auf Kunstwerken im Kirchenraum, auf Kelchen, als Widmung in alten Bibeln und Gesangbüchern u.a. Daran können Predigerinnen und Prediger ebenso anknüpfen wie an Erfahrungen aus der Seelsorge.
Autoren
- Prof. Dr. Roland Deines (Einführung und Exegese)
- Dr. Florian Herrmann (Praktisch-theologische Resonanzen)
Permanenter Link zum Artikel: https://bibelwissenschaft.de/stichwort/500198
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