Schreckliche Gegenwart: 30,1–31
Jetzt aber lachen über mich, / die jünger sind als ich an Tagen, / deren Väter ich nicht für wert geachtet, / sie bei den Hunden meiner Herde anzustellen.
Was sollte mir auch ihrer Hände Kraft? / Geschwunden war ihre Rüstigkeit
durch Mangel und durch harten Hunger; / Leute, die das dürre Land abnagen, / das Gras der Wüste und der Wüstenei.
Sie pflücken Salzmelde im Gesträuch / und Ginsterwurzeln sind ihr Brot.
Aus der Gemeinschaft wurden sie verjagt; / man schreit ihnen nach wie einem Dieb.
Am Hang der Täler müssen sie wohnen, / in Erdhöhlen und in Felsgeklüft.
Zwischen Sträuchern schreien sie kläglich, / drängen sich zusammen unter wildem Gestrüpp.
Gemeine Leute, Leute ohne Namen, / sie wurden aus dem Land hinausgepeitscht.
Jetzt aber bin ich ihr Spottlied, / bin zum Klatsch für sie geworden.
Sie verabscheuen mich, rücken weit von mir weg, / scheuen sich nicht, mir ins Gesicht zu spucken.
Denn er löste meines Bogens Sehne und beugte mich nieder, / sie aber ließen die Zügel vor mir schießen.
Zur rechten Seite erhebt sich eine Schar, / treibt meine Füße weg, / wirft gegen mich ihre Unheilsdämme auf.
Meinen Pfad reißen sie auf, helfen zu meinem Verderben / und niemand wehrt ihnen.
Wie durch eine breite Bresche kommen sie heran, / wälzen sich unter Trümmern heran.
Schrecken stürzen auf mich ein, / verjagt wie vom Wind ist mein Ansehen, / wie eine Wolke entschwand mein Heil.
Und nun zerfließt meine Seele in mir, / des Elends Tage packen mich an.
Des Nachts durchbohrt es mir die Knochen, / mein nagender Schmerz kommt nicht zur Ruh.
Mit Allgewalt packt er mich am Kleid, / schnürt wie der Gürtel des Rocks mich ein.
Er warf mich in den Lehm, / sodass ich Staub und Asche gleiche.
Ich schreie zu dir und du antwortest mir nicht; / ich stehe da, doch du achtest nicht auf mich.
Du wandelst dich zum grausamen Feind gegen mich, / mit deiner starken Hand befehdest du mich.
Du hebst mich in den Wind, fährst mich dahin, / lässt mich zergehen im Sturmgebraus.
Ja, ich weiß, du führst mich zum Tod, / zur Sammelstätte aller Lebenden.
Doch nicht an Trümmer legt er die Hand. - / Schreit man nicht um Hilfe beim Untergang?
Weinte ich nicht um den, der harte Tage hatte, / grämte sich nicht meine Seele über den Armen?
Ja, ich hoffte auf Gutes, doch Böses kam, / ich harrte auf Licht, doch Finsternis kam.
Mein Inneres kocht und kommt nicht zur Ruhe, / mich haben die Tage des Elends erreicht.
Trauernd gehe ich einher, ohne wärmende Sonne, / ich stehe auf in der Versammlung, schreie laut.
Den Schakalen wurde ich zum Bruder, / den Straußenhennen zum Freund.
Meine Haut ist schwarz, / von Fieberglut brennen meine Knochen.
Zur Trauer wurde mein Harfenspiel, / mein Flötenspiel zum Klagelied.