Unschuldsbeteuerung vor den Freunden: 27,1–6
Dann setzte Ijob seine Rede fort und sprach:
So wahr Gott lebt, der mir mein Recht entzog, / der Allmächtige, der meine Seele quälte:
Solange noch Atem in mir ist / und Gottes Hauch in meiner Nase,
soll Unrecht nicht von meinen Lippen kommen / noch meine Zunge Falsches reden.
Fern sei es mir, euch Recht zu geben, / ich gebe, bis ich sterbe, meine Unschuld nicht preis.
An meinem Rechtsein halte ich fest und lasse es nicht; / mein Herz schilt keinen meiner Tage.
Untergang der Frevler: 27,7–23
Mein Feind sei wie ein Frevler, / mein Gegner wie ein Bösewicht.
Denn was ist des Ruchlosen Hoffen, / wenn er dahingeht, / wenn Gott das Leben von ihm nimmt?
Wird Gott sein Schreien hören, / wenn über ihn die Drangsal kommt?
Kann er sich des Allmächtigen erfreuen / und Gott anrufen zu jeder Zeit?
Ich will euch belehren über Gottes Tun, / nicht verhehlen, was der Allmächtige plant.
Seht, ihr habt es alle selbst gesehen. / Warum führt ihr nichtige Reden?
Das ist des Frevlers Anteil bei Gott, / der Gewalttätigen Erbe, / das sie vom Allmächtigen empfangen:
Werden zahlreich seine Söhne, / fürs Schwert sind sie bestimmt; / nie werden seine Kinder satt an Brot.
Was übrig bleibt, wird durch den Tod begraben / und seine Witwen weinen nicht.
Häuft er auch Silber auf wie Staub / und beschafft er sich Kleider wie Lehm:
Er schafft sie zwar an, / doch anziehen wird sie der Gerechte, / das Silber wird der Schuldlose erben.
Er baut wie die Motte sein Haus / und wie die Hütte, die der Wächter aufstellt.
Reich legt er sich schlafen, nichts ist ihm genommen. / Macht er die Augen auf, ist nichts mehr da.
Schrecken holt ihn ein wie eine Wasserflut, / der Sturmwind trägt ihn fort bei Nacht.
Der Ostwind hebt ihn hoch, er muss dahin, / er weht ihn weg von seinem Ort.
Er stürzt sich auf ihn schonungslos, / seiner Gewalt will er entfliehen.
Man klatscht über ihn in die Hände / und pfeift ihn aus an seinem Ort.