Lutherbibel 1984 (LU84)
16

Die Zeichenforderung der Pharisäer

(Mk 8,11-12; Lk 12,54-56)

161Da traten die Pharisäer und Sadduzäer zu ihm; die versuchten ihn und forderten ihn auf, sie

16,1
Kap
ein Zeichen vom Himmel sehen zu lassen. 2Aber er antwortete und sprach: Des Abends sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot. 3Und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute ein Unwetter kommen, denn der Himmel ist rot und trübe. Über das Aussehen des Himmels könnt ihr urteilen; könnt ihr dann nicht auch über die
16,3
Kap
Zeichen der Zeit urteilen?16,3 Verse 2b-3 (»Des Abends ... urteilen?«) finden sich bei einigen wichtigen Textzeugen nicht. 4Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen; doch
16,4
Kap
soll ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Jona16,4 Siehe Sach- und Worterklärungen.. Und er ließ sie stehen und ging davon.

Warnung vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer

(Mk 8,14-21)

5Und als die Jünger ans andre Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brot mitzunehmen. 6Jesus aber sprach zu ihnen:

16,6
Lk 12,1
Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! 7Da dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das wird’s sein, dass wir kein Brot mitgenommen haben.

8Als das Jesus merkte, sprach er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch, dass ihr kein Brot habt? 9Versteht ihr noch nicht? Denkt ihr nicht an die

16,9
Kap
fünf Brote für die fünftausend und wie viel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt? 10Auch nicht an die
16,10
Kap
sieben Brote für die viertausend und wie viel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt? 11Wieso versteht ihr denn nicht, dass ich nicht vom Brot zu euch geredet habe? Hütet euch vielmehr vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! 12Da verstanden sie, dass er nicht gesagt hatte, sie sollten sich hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.

Das Bekenntnis des Petrus und die Verheißung an ihn

(Mk 8,27-30; Lk 9,18-21)

13Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? 14Sie sprachen: Einige sagen, du seist

16,14
Kap
Johannes der Täufer, andere, du seist
16,14
Kap
Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder
16,14
Lk 7,16
einer der Propheten. 15Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? 16Da antwortete Simon Petrus und sprach:
16,16
Joh 6,69
Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!

17Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn;

16,17
Kap
denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. 18Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen
16,18
Joh 1,42
Eph 2,20
Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. 19Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben:
16,19
Kap
Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.

20Da gebot er seinen Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.

16,20
Kap

Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

(Mk 8,31-33; Lk 9,22)

21Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und

16,21
Kap
am dritten Tage auferstehen.

22Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht! 23Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

Von der Nachfolge

(Mk 8,34–9,1; Lk 9,23-27)

24

16,24-25
Kap
Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.
16,24
1. Petr 2,21
25Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren;
16,25
Offb 12,11
wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden. 26Was hülfe es dem Menschen,
16,26
Lk 12,20
wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er
16,26
Ps 49,9
seine Seele auslöse?

27Denn es wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er

16,27
Röm 2,6
einem jeden vergelten nach seinem Tun. 28Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.
16,28
Kap

17

Die Verklärung Jesu

(Mk 9,2-13; Lk 9,28-36)

171Und nach sechs Tagen

17,1
Kap
nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 2
17,2.5
2. Petr 1,16-18
Und er wurde verklärt vor ihnen, und
17,2
Offb 1,16
sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

4Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach:

17,5
Kap
Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

6Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. 7Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 9Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung

17,9
Kap
niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

10Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse

17,10
Kap
Elia kommen? 11Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll freilich kommen und alles zurechtbringen. 12Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern
17,12
Kap
haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. 13Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.
17,13
Lk 1,17

Die Heilung eines mondsüchtigen Knaben

(Mk 9,14-29; Lk 9,37-42)

14Und als sie zu dem Volk kamen, trat ein Mensch zu ihm, fiel ihm zu Füßen 15und sprach: Herr, erbarme dich über meinen Sohn! Denn er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser; 16und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht und sie konnten ihm nicht helfen. 17Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden? Bringt ihn mir her! 18Und Jesus bedrohte ihn; und der böse Geist fuhr aus von ihm und der Knabe wurde gesund zu derselben Stunde.

19Da traten seine Jünger zu ihm, als sie allein waren, und fragten:

17,19
Kap
Warum konnten wir ihn nicht austreiben? 20Er aber sprach zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens. Denn wahrlich, ich sage euch:
17,20
Kap
Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.17,20 Vers 21 findet sich erst in der späteren Überlieferung: »Aber diese Art fährt nur aus durch Beten und Fasten« (vgl. Mk 9,29).

Die zweite Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

(Mk 9,30-32; Lk 9,43-45)

22

17,22-23
Kap
Als sie aber beieinander waren in Galiläa, sprach Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen 23und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferstehen. Und sie wurden sehr betrübt.

Von der Zahlung der Tempelsteuer

24Als sie nun nach Kapernaum kamen, traten zu Petrus, die den Tempelgroschen einnehmen, und sprachen: Pflegt euer Meister nicht den

17,24
2. Mose 30,13
2. Kön 12,5-6
Tempelgroschen zu geben? 25Er sprach: Ja.

Und als er heimkam, kam ihm Jesus zuvor und fragte: Was meinst du, Simon? Von wem nehmen die Könige auf Erden Zoll oder Steuern: von ihren Kindern oder von den Fremden? 26Als er antwortete: Von den Fremden, sprach Jesus zu ihm: So sind die Kinder frei. 27Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben, geh hin an den See und wirf die Angel aus, und den ersten Fisch, der heraufkommt, den nimm; und wenn du sein Maul aufmachst, wirst du ein Zweigroschenstück finden; das nimm und gib’s ihnen für mich und dich.

18

Der Rangstreit der Jünger

(Mk 9,33-37; Lk 9,46-48)

181Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? 2Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie 3und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

18,3
Kap
4Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. 5Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.
18,5
Kap

Warnung vor Verführung zum Abfall

(Mk 9,42-48; Lk 17,1-3a)

6Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist. 7Weh der Welt der Verführungen wegen! Es müssen ja Verführungen kommen; doch weh dem Menschen, der zum Abfall verführt!

8

18,8-9
Kap
Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass du lahm oder verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das ewige Feuer geworfen. 9Und wenn dich dein Auge zum Abfall verführt, reiß es aus und wirf’s von dir. Es ist besser für dich, dass du einäugig zum Leben eingehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in das höllische Feuer geworfen.

Vom verlorenen Schaf

(Lk 15,4-7)

10Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch:

18,10
Hebr 1,14
Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.18,10 Vers 11 findet sich erst in der späteren Überlieferung: »Denn der Menschensohn ist gekommen, selig zu machen, was verloren ist« (vgl. Lk 19,10).

12Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins unter ihnen sich verirrte: lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte? 13Und wenn es geschieht, dass er’s findet, wahrlich, ich sage euch: Er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. 14So ist’s auch nicht der Wille bei eurem Vater im Himmel, dass auch nur eines von diesen Kleinen verloren werde.

Zurechtweisung und Gebet in der Gemeinde

15Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh hin und

18,15
3. Mose 19,17
Lk 17,3
Gal 6,1
weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. 16Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen oder zwei zu dir, damit
18,16
5. Mose 19,15
jede Sache durch den Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde. 17Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und Zöllner.
18,17
1. Kor 5,13
2. Thess 3,6
Tit 3,10
18Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein.
18,18
Kap

19Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel.

18,19
Mk 11,24
20Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen,
18,20
Kap
da bin ich mitten unter ihnen.

Von der Vergebung (»Der Schalksknecht«)

21Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal? 22Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.

18,22
1. Mose 4,24
Lk 17,4
Eph 4,32

23Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. 24Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig. 25Da er’s nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und

18,25
Neh 5,5
seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen. 26Da fiel ihm der Knecht zu Füßen und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s alles bezahlen. 27Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch.

28Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist! 29Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s bezahlen. 30Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.

31Als aber seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte. 32Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen,

18,32
Lk 6,36
weil du mich gebeten hast; 33hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe?
18,33
1. Joh 4,11
34Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern,
18,34
Kap
bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war.

35So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.

18,35
Kap