Lutherbibel 1984 (LU84)
1

11Dies ist die Offenbarung, die Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem zur Zeit des

1,1
2. Chr 26,22
Usija, Jotam, Ahas und Hiskia, der Könige von Juda.

Gottes Anklage gegen das abtrünnige Volk

2

1,2
5. Mose 32,1
Höret, ihr Himmel, und Erde, nimm zu Ohren, denn der HERR redet!
1,2
5. Mose 32,5-6
Ich habe Kinder großgezogen und hochgebracht, und sie sind von mir abgefallen! 3Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt’s nicht, und mein Volk versteht’s nicht.

4Wehe dem sündigen Volk, dem Volk mit Schuld beladen, dem boshaften Geschlecht, den verderbten Kindern, die den HERRN verlassen, den Heiligen Israels lästern, die abgefallen sind! 5Wohin soll man euch noch

1,5
Jer 2,30
schlagen, die ihr doch weiter im Abfall verharrt? Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt. 6Von der Fußsohle bis zum Haupt ist nichts Gesundes an euch, sondern Beulen und Striemen und frische Wunden, die nicht gereinigt noch verbunden noch mit Öl gelindert sind.
1,6
5. Mose 28,35

7Euer Land ist verwüstet, eure Städte sind mit Feuer verbrannt; Fremde verzehren eure Äcker vor euren Augen; alles ist verwüstet wie beim Untergang Sodoms. 8Übrig geblieben ist allein die Tochter Zion wie ein Häuslein im Weinberg, wie eine Nachthütte im Gurkenfeld, wie eine belagerte Stadt. 9Hätte uns der HERR Zebaoth nicht einen geringen Rest übrig gelassen, so

1,9
1. Mose 19,24-25
wären wir wie Sodom und gleich wie Gomorra.
1,9
Röm 9,29

10Höret des HERRN Wort, ihr Herren von Sodom! Nimm zu Ohren die Weisung unsres Gottes, du Volk von Gomorra! 11

1,11-14
Ps 40,7-9
Spr 15,8
Jer 6,20
Am 5,22
Was soll mir die Menge eurer Opfer?, spricht der HERR. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke. 12Wenn ihr kommt, zu erscheinen vor mir – wer fordert denn von euch, dass ihr meinen Vorhof zertretet? 13Bringt nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel!
1,13
4. Mose 10,10
Neumonde und Sabbate, wenn ihr zusammenkommt, Frevel und Festversammlung mag ich nicht! 14Meine Seele ist feind euren Neumonden und Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin’s müde, sie zu tragen. 15Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und
1,15
Spr 1,28
15,29
Joh 9,31
wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut. 16Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen, lasst ab vom Bösen! 17Lernt Gutes tun,
1,17
Jer 7,5-6
trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!

18So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der HERR.

1,18
Kap
Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden. 19Wollt ihr mir gehorchen, so sollt ihr des Landes Gut genießen.
1,19
3. Mose 25,18-19
20Weigert ihr euch aber und seid ungehorsam, so sollt ihr
1,20
3. Mose 26,25
vom Schwert gefressen werden; denn der Mund des HERRN sagt es.

Gottes Gericht zur Läuterung Jerusalems

21Wie geht das zu, dass die treue Stadt zur Hure geworden ist? Sie war voll Recht, Gerechtigkeit wohnte darin; nun aber – Mörder. 22

1,22-25
Hes 22,18-22
Dein Silber ist Schlacke geworden und dein Wein mit Wasser verfälscht. 23Deine Fürsten sind Abtrünnige und Diebsgesellen, sie nehmen alle gern Geschenke an und trachten nach Gaben. Den Waisen schaffen sie nicht Recht, und der Witwen Sache kommt nicht vor sie.

24Darum spricht der Herr, der HERR Zebaoth, der Mächtige Israels: Wehe! Ich werde mir Trost schaffen an meinen Feinden und mich rächen an meinen Widersachern 25und will meine Hand wider dich kehren und wie mit Lauge

1,25
Ps 119,119
ausschmelzen, was Schlacke ist, und all dein Zinn ausscheiden. 26Und ich will dir wieder Richter geben, wie sie vormals waren, und Ratsherren wie im Anfang.
1,26
Sach 8,3
Alsdann wirst du eine Stadt der Gerechtigkeit und eine treue Stadt heißen. 27Zion muss durch Gericht erlöst werden und, die zu ihr zurückkehren, durch Gerechtigkeit.
1,27
Kap
28Die Übertreter aber und Sünder werden allesamt vernichtet werden, und die den HERRN verlassen, werden umkommen.

29Denn ihr sollt zuschanden werden wegen der

1,29
Kap
Eichen, an denen ihr eure Lust habt, und ihr sollt schamrot werden wegen der
1,29
Kap
Gärten, die ihr erwählt habt. 30Denn ihr werdet sein wie eine Eiche mit dürren Blättern und wie ein Garten ohne Wasser; 31und der Starke wird sein wie Werg und sein Tun wie ein Funke, und beides wird miteinander brennen und niemand löscht.

2

In Zion finden alle Völker Heil und Frieden

21Dies ist’s, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem: 2

2,2-4
Kap
Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, 3und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn
2,3
5. Mose 4,6
Joh 4,22
von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. 4Und
2,4
Kap
er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

5Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Der Tag des HERRN macht alles Hohe niedrig

6Aber du hast dein Volk, das Haus Jakob, verstoßen; denn sie treiben Wahrsagerei wie die im Osten und sind Zeichendeuter wie die Philister und hängen sich an die Kinder der Fremden. 7Ihr Land ist voll Silber und Gold, und ihrer Schätze ist kein Ende;

2,7
Mi 5,9
ihr Land ist voll Rosse, und ihrer Wagen ist kein Ende. 8Auch ist ihr Land voll Götzen; sie beten an ihrer Hände Werk, das ihre Finger gemacht haben. 9Aber gebeugt wird der Mensch, gedemütigt der Mann, und du wirst ihnen nicht vergeben. 10Geh in die Felsen und verbirg dich in der Erde vor dem Schrecken des HERRN und vor seiner herrlichen Majestät! 11Denn alle hoffärtigen Augen werden erniedrigt werden, und, die stolze Männer sind, werden sich beugen müssen; der HERR aber wird allein hoch sein an jenem Tage.
2,11

12Denn

2,12
Jer 46,10
Hes 30,3
Joel 1,15
Am 5,18
Zef 1,14
der Tag des HERRN Zebaoth wird kommen über alles Hoffärtige und Hohe und über alles Erhabene, dass es erniedrigt werde: 13über alle hohen und erhabenen Zedern auf dem Libanon und über alle Eichen in Baschan, 14über alle hohen Berge und über alle erhabenen Hügel, 15über alle hohen Türme und über alle festen Mauern, 16über alle Schiffe im Meer und über alle kostbaren Boote, 17dass sich beugen muss alle Hoffart der Menschen und sich demütigen müssen, die stolze Männer sind, und der HERR allein hoch sei an jenem Tage.
2,17

18Und mit den Götzen wird’s ganz aus sein. 19Da wird man in die Höhlen der Felsen gehen und in die Klüfte der Erde vor dem Schrecken des HERRN und vor seiner herrlichen Majestät, wenn er sich aufmachen wird, zu schrecken die Erde. 20An jenem Tage

2,20
Kap
wird jedermann wegwerfen seine silbernen und goldenen Götzen, die er sich hatte machen lassen, um sie anzubeten, zu den Maulwürfen und Fledermäusen, 21damit er sich verkriechen kann in die Felsspalten und Steinklüfte vor dem Schrecken des HERRN und
2,21
2. Thess 1,9-10
vor seiner herrlichen Majestät, wenn er sich aufmachen wird, zu schrecken die Erde. 22So lasst nun ab von dem Menschen, der nur ein Hauch ist; denn für was ist er zu achten?

3

Gottes Gericht über die Herren Jerusalems und seine eitlen Frauen

31Siehe, der Herr, der HERR Zebaoth, wird von Jerusalem und Juda wegnehmen Stütze und Stab:

3,1
3. Mose 26,26
Hes 4,16
allen Vorrat an Brot und allen Vorrat an Wasser, 2Helden und Kriegsleute, Richter und Propheten, Wahrsager und Älteste, 3Hauptleute und Vornehme, Ratsherren und Weise, Zauberer und Beschwörer.

4Und ich will ihnen

3,4
Pred 10,16
Knaben zu Fürsten geben, und Mutwillige sollen über sie herrschen. 5Und im Volk wird einer den andern bedrängen, ein jeder seinen Nächsten. Der Junge geht los auf den Alten und der Verachtete auf den Geehrten. 6Dann wird einer seinen Nächsten, der in seines Vaters Hause ist, drängen: Du hast noch einen Mantel! Sei unser Herr! Dieser Trümmerhaufe sei unter deiner Hand! 7Er aber wird sie zu der Zeit beschwören und sagen: Ich bin kein Arzt; es ist kein Brot und kein Mantel in meinem Hause! Macht mich nicht zum Herrn über das Volk!

8Denn Jerusalem ist gestrauchelt, und Juda liegt da, weil ihre Worte und ihr Tun wider den HERRN sind, dass sie seiner Majestät widerstreben. 9Dass sie die Person ansehen, zeugt gegen sie; ihrer Sünde rühmen sie sich

3,9
1. Mose 19,5-9
wie die Leute in Sodom und verbergen sie nicht. Wehe ihnen! Denn damit bringen sie sich selbst in alles Unglück. 10Heil den Gerechten, sie haben es gut! Denn sie werden die Frucht ihrer Werke genießen. 11Wehe aber den Gottlosen, sie haben es schlecht! Denn es wird ihnen vergolten werden, wie sie es verdienen. 12Kinder sind Gebieter meines Volks, und Frauen beherrschen es. Mein Volk, deine Führer verführen dich und verwirren den Weg, den du gehen sollst!

13Der HERR steht da zum Gericht und ist aufgetreten, sein Volk zu richten. 14Der HERR geht ins Gericht mit den Ältesten seines Volks und mit seinen Fürsten: Ihr habt den

3,14
Kap
Weinberg abgeweidet, und was ihr den Armen geraubt, ist in eurem Hause. 15Warum zertretet ihr mein Volk und zerschlagt das Angesicht der Elenden?, spricht Gott, der HERR Zebaoth.

16So hat der HERR gesprochen: Weil die Töchter Zions stolz sind und gehen mit aufgerecktem Halse, mit lüsternen Augen, trippeln daher und tänzeln und haben kostbare Schuhe an ihren Füßen,

3,16
1. Tim 2,9
17deshalb wird der Herr den Scheitel der Töchter Zions kahl machen, und der HERR wird ihre Schläfe entblößen. 18Zu der Zeit wird der Herr den Schmuck an den kostbaren Schuhen wegnehmen und die Stirnbänder, die Spangen, 19die Ohrringe, die Armspangen, die Schleier, 20die Hauben, die Schrittkettchen, die Gürtel, die Riechfläschchen, die Amulette, 21die Fingerringe, die Nasenringe, 22die Feierkleider, die Mäntel, die Tücher, die Täschchen, 23die Spiegel, die Hemden, die Kopftücher, die Überwürfe. 24Und es wird Gestank statt Wohlgeruch sein und ein Strick statt eines Gürtels und eine Glatze statt lockigen Haars und statt des Prachtgewandes ein Sack, Brandmal statt Schönheit.

25Deine Männer werden durchs Schwert fallen und deine Krieger im Kampf. 26Und Zions Tore werden trauern und klagen, und sie wird leer und einsam auf der Erde sitzen.