Lutherbibel 2017 (LU17)
5

Der Gerechte und der Gottlose im Endgericht

51Dann wird der Gerechte in großer Zuversicht dastehen vor denen, die ihn bedrückt und sein Leiden verachtet haben. 2Wenn sie ihn dann sehen, werden sie in Furcht und Schrecken geraten und außer sich sein über seine unvermutete Rettung.

5,2
Offb 1,7
3
5,3
Jes 53,3-9
Sie werden voller Reue untereinander sprechen und in Herzensangst seufzen: 4»Das ist doch der, der einst bei uns Gelächter hervorrief und über den wir unsere Scherze machten, wir Narren! 4 Wir hielten sein Leben für unsinnig und sein Ende für ehrlos. 5Wie kommt es, dass er nun zu den Söhnen Gottes gezählt wird und
5,5
Kol 1,12
sein Erbteil bei den Heiligen hat? 6Dann sind also wir vom Weg der Wahrheit abgeirrt, und das Licht der Gerechtigkeit hat uns nicht geleuchtet, und die Sonne ist uns nicht aufgegangen. 7Auf unrechten und verderblichen Wegen sind wir gestrauchelt, unwegsame Wüsten haben wir durchwandert, den Weg des Herrn aber nicht erkannt.
5,7
Spr 22,5
8Was hat uns nun der Hochmut genutzt? Was hat uns der
5,8
1. Tim 6,17
1. Joh 2,16
Reichtum eingebracht samt seiner Prahlerei? 9Es ist alles dahingefahren wie ein Schatten und wie ein Gerücht, das vorübergeht, 10wie ein Schiff, das auf den Wasserwogen dahinfährt: Wenn es vorüber ist, kann man seine Spur nicht mehr finden und nicht die Bahn seines Kiels in den Wellen. 11Oder wie man bei einem Vogel, der durch die Luft fliegt, keine Spur seines Weges finden kann: Durch seine Federn wird die leichte Luft bewegt und zerteilt durch den Schlag seiner Flügel; danach aber gibt es nichts mehr, was auf seinen Flug hindeutet. 12Oder wie wenn ein Pfeil abgeschossen wird zum Ziel: Die durchschnittene Luft schlägt sogleich wieder zusammen, sodass man seine Bahn nicht mehr erkennen kann. 13So haben auch wir, kaum geboren, schon ein Ende genommen. 14 Wir können kein Zeichen der Tugend vorweisen und haben uns in unsrer Bosheit verzehrt.«

14 Denn die Hoffnung des Gottlosen ist

5,14
Ps 1,4
wie Staub, vom Winde zerstreut, und wie feiner Schnee, vom Sturm getrieben, und wie Rauch, vom Winde verweht, und wie man einen vergisst, der nur einen Tag lang Gast gewesen ist. 15 Aber die Gerechten werden ewig leben, und beim Herrn ist ihr Lohn, und der Höchste sorgt für sie. 16 Darum werden sie ein herrliches
5,16
Mt 25,34
Reich empfangen und eine schöne
5,16
2. Tim 4,8
Krone aus der Hand des Herrn. Denn er wird sie mit seiner Rechten beschirmen und mit seinem Arm beschützen.

17

5,17
Jes 59,16-18
Eph 6,11-17
Er wird seinen Eifer nehmen als Harnisch und die Schöpfung bewaffnen zur Abwehr der Feinde. 18 Er wird Gerechtigkeit anziehen als Panzer und unbestechliches Gericht aufsetzen als Helm. 19 Er wird unüberwindliche Heiligkeit ergreifen als Schild. 20 Er wird seinen strengen Zorn schärfen zum Schwert. Und
5,20
Kap
die Welt wird mit ihm zum Kampf ausziehen gegen die Toren. 21 Die Geschosse der Blitze werden gut gezielt dahinfliegen und aus den Wolken wie von einem straff gespannten Bogen ins Ziel treffen. 22 Und durch Gottes Zorn, der Steine schleudert, wird
5,22
Kap
Hagel auf sie herabstürzen. Die Wasser des Meeres werden wider sie wüten und die Ströme werden sie überfluten. 23 Der Geist göttlicher Kraft wird sich gegen sie erheben, und wie ein Wirbelwind wird er sie zerstreuen. 6,1 Unrecht wird die gesamte Erde verwüsten und Freveltat die Throne der Herrscher umstürzen.
5,23
Spr 14,34
16,12
Jer 9,11-12

6

Die Regenten werden zur Weisheit ermahnt

61 So hört nun, ihr Könige, und merkt auf; lernt es, die ihr die ganze Erde richtet!

6,1
Kap
2 Horcht auf, die ihr herrscht über die Menge und die ihr prahlt mit den Scharen eurer Völker! 3 Denn
6,3
Dan 2,21
Röm 13,1
vom Herrn ist euch die Herrschaft gegeben und die Gewalt vom Höchsten, der eure Taten prüfen und eure Pläne erforschen wird. 4 Denn ihr seid Diener seines Reiches. Aber ihr habt nicht recht regiert, habt das Gesetz nicht beachtet und nicht nach dem Willen Gottes gehandelt. 5 Er wird schrecklich und schnell über euch kommen, denn es ergeht ein strenges Gericht über die Herrscher.
6,5
Dan 5,30
6 Denn dem Geringsten widerfährt Erbarmen, aber die Gewaltigen werden mit Gewalt zur Rechenschaft gezogen.
6,6
Jer 39,6-10
7 Denn der Herr aller wird niemanden fürchten und keines Menschen Größe scheuen. Er hat die Kleinen und die Großen geschaffen und
6,7
Kap
sorgt für alle gleich. 8 Die Mächtigen aber werden streng verhört werden.

9 An euch nun, ihr Herrscher, ergehen meine Worte, damit ihr Weisheit lernt und nicht fehlgeht. 10 Denn wer das Heilige heilig hält, der wird geheiligt werden, und wer darin unterwiesen ist, der wird im Gericht bestehen. 11 Verlangt also nach meinen Worten; begehrt sie und lasst euch belehren!

12 Die Weisheit ist schön und unvergänglich und

6,12
Kap
lässt sich gern sehen von denen, die sie lieb haben, und lässt sich von denen finden, die sie suchen. 13 Kaum will man sie erkennen, ist sie schon da. 14 Wer sich früh zu ihr aufmacht, muss sich nicht mühen; denn sie wartet schon vor seiner Tür.
6,14
Spr 8,1-3
15 Denn nach ihr zu trachten, ist vollkommene Klugheit, und wer sich ihretwegen wach hält, wird bald ohne Sorge sein. 16 Denn sie geht selbst umher und sucht, die ihrer wert sind. Sie erscheint ihnen freundlich auf ihren Wegen und begegnet ihnen in jedem Gedanken.

17 Denn da ist der Anfang der Weisheit,

6,17
Kap
wo einer aufrichtig Unterweisung begehrt. 18Wer aber nach Unterweisung trachtet, der hat die Weisheit lieb; 19 wer sie aber lieb hat, der hält ihre Gebote; wer aber die Gebote hält, dem ist
6,18
Kap
unvergängliches Leben gewiss; 19 unvergängliches Leben aber schafft Nähe zu Gott. 20 So führt das Verlangen nach Weisheit zu königlicher Herrschaft.

21 Habt ihr nun Gefallen an Thron und Zepter, ihr Herrscher der Völker, 23 so haltet die Weisheit in Ehren, damit ihr für immer die Herrschaft behaltet.

6,21
Spr 16,12

22 Was aber

6,22
Spr 8,22-31
die Weisheit ist und wie sie entstand, will ich verkünden und euch ihre Geheimnisse nicht verbergen. Ich will ihrer Spur nachgehen vom
6,22
Kap
Anfang der Schöpfung an. Ich will sie allen bekannt machen und an der Wahrheit nicht vorbeigehen. 23 Denn ich will mit dem giftigen
6,23
Jak 3,14-17
Neid nichts zu tun haben; denn er hat nichts gemein mit der Weisheit. 24 Viele Weise aber sind Heil für die Welt, und
6,24
Pred 5,8
ein kluger König ist das Glück seines Volkes. 25 Darum lasst euch unterweisen durch meine Worte, so werdet ihr Nutzen haben.

7

Salomo empfängt und erfährt die Weisheit

71Auch ich bin ein sterblicher Mensch wie alle andern, ein Nachkomme des ersten aus Erde geschaffenen Menschen, 2 und bin Fleisch,

7,1
Ps 139,13
Hiob 10,10-11
im Mutterleib 2zehn Monate lang gebildet, im Blut zusammengeronnen aus
7,2
Joh 1,13
Mannessamen und der Lust, die im Beischlaf dazukam. 3Auch ich habe, als ich geboren war, Atem geholt aus der Luft, die allen gemeinsam ist, und bin gefallen auf die Erde, die alle in gleicher Weise trägt; und Weinen war wie bei allen mein erster Laut; 4und ich bin in
7,4
Lk 2,712
Windeln gelegt und voll Fürsorge aufgezogen worden. 5Denn selbst ein König hatte niemals einen andern Anfang seines Lebens, 6sondern alle haben denselben Eingang in das Leben und auch den gleichen Ausgang.
7,6
Hiob 1,21
7Deshalb betete ich, und mir wurde Einsicht gegeben; ich rief den Herrn an, und der
7,7
Kap
Geist der Weisheit kam zu mir.
7,7
1. Kön 3,5-12

8Ich achtete sie höher als Zepter und Throne, und Reichtum hielt ich für nichts im Vergleich mit ihr. 9

7,9
Hiob 28,15-19
Neben ihr war mir kein Edelstein etwas wert, und war er noch so teuer. Wenn man sie ansieht, ist alles Gold nur geringer Sand, und Silber ist Dreck gegen sie.
7,9
Phil 3,8
10Ich hatte sie lieber als Gesundheit und schöne Gestalt und zog sie sogar dem Licht vor; denn der Glanz, der von ihr ausgeht, erlischt nicht. 11Zugleich aber kamen mit ihr alle Güter zu mir, und
7,11
1. Kön 3,13
unermesslicher Reichtum war in ihrer Hand. 12Ich freute mich all dieser Dinge, weil die Weisheit sie mit sich führte; ich wusste aber noch nicht, dass sie auch ihre Schöpferin ist.

13Arglos habe ich sie gelernt, neidlos teile ich sie aus; ich will ihren Reichtum nicht verbergen. 14Denn sie ist den Menschen ein unerschöpflicher Schatz; die ihn erwarben, erlangten

7,14
Gottes Freundschaft. Denn sie haben sich ihm empfohlen mit den Gaben, die die
7,14
Röm 12,1
Unterweisung verleiht.

15Gott aber gebe mir, nach seinem Sinn zu reden und so zu denken, wie es der Gaben würdig ist, die ich empfangen habe. Denn er ist’s, der auch die Weisheit auf ihren Weg führt und den Weisen zurechthilft. 16Denn in seiner Hand sind wir selbst und unsre Worte, dazu alle Klugheit und Kenntnisse in mancherlei Fertigkeiten.

17Denn er gab mir sichere

7,17
Sir 17,7-8
Erkenntnis dessen, was ist, sodass ich den Bau der Welt begreife und das Wirken der Elemente: 18Anfang, Ende und Mitte der Zeiten, wie die Tage zu- und abnehmen, wie die Jahreszeiten wechseln, 19wie das Jahr umläuft und wie die Sterne stehen, 20die Arten der zahmen und der wilden Tiere, die Macht der Geister und die Gedanken der Menschen, die Vielfalt der Pflanzen und die Kräfte der Wurzeln.
7,20
1. Kön 5,13
21So erkannte ich alles, was verborgen und was sichtbar ist; 22denn die Weisheit, die alles kunstvoll gebildet hat, lehrte mich’s. 22
7,22
Kap
Denn es wohnt in ihr ein Geist, der verständig ist, heilig, eines und vieles zugleich, fein, beweglich, durchdringend, rein, klar, unversehrt, freundlich, scharfsinnig, 23ungehindert, wohltätig, 23 menschenfreundlich, beständig, gewiss, ohne Sorge; er vermag alles, sieht alles und durchdringt selbst alle Geister, die verständig, rein und fein sind. 24Denn die Weisheit ist regsamer als alles, was sich regt, sie geht und dringt durch alles – so rein ist sie.

25Denn sie ist ein Hauch der göttlichen Kraft und ein reiner Strahl der Herrlichkeit des Allmächtigen; darum kann nichts Unreines in sie hineinkommen. 26Denn sie ist ein

7,26
Hebr 1,3
Abglanz des ewigen
7,26
1. Joh 1,5
Lichts und ein fleckenloser Spiegel des göttlichen Wirkens und ein Bild seiner Güte. 27Sie ist ein und dieselbe und kann alles. Sie bleibt, was sie ist, und erneuert alles. In jedem Geschlecht geht sie in heilige Seelen ein und macht sie zu
7,27
Jak 2,23
Freunden Gottes und zu Propheten. 28Denn Gott liebt niemanden, er bleibe denn bei der Weisheit.
7,28
Sir 4,14

29Denn sie ist herrlicher als die Sonne und übertrifft die Schönheit der Sterne. Sie ist strahlender als das Licht. 30Denn das Licht muss der Nacht weichen, aber die Bosheit überwältigt die Weisheit nimmermehr.