Lutherbibel 2017 (LU17)
8

Die Gräuel des Götzendienstes im Tempel

81Und es begab sich im sechsten Jahr am fünften Tage des sechsten Monats. Ich saß in meinem Hause, und

8,1
Kap
die Ältesten von Juda saßen vor mir. Da fiel die Hand Gottes des Herrn auf mich. 2Und ich sah, und siehe, da war eine Gestalt wie ein Mann, und abwärts von dem, was wie seine Hüften aussah, war es wie Feuer, aber oberhalb seiner Hüften war ein Glanz zu sehen wie blinkendes Kupfer.
8,2
Kap
3Und er streckte etwas wie eine Hand aus und ergriff mich bei dem Haar meines Hauptes. Da
8,3
Kap
hob mich ein Wind empor zwischen Himmel und Erde und brachte mich nach Jerusalem in göttlichen Gesichten zu dem Eingang des inneren Tores, das gegen Norden liegt, wo ein Bild stand zum Ärgernis für den Herrn.

4Und siehe, dort war

8,4
Kap
die Herrlichkeit des Gottes Israels, so wie ich sie in der Ebene gesehen hatte. 5Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, hebe deine Augen auf nach Norden. Und als ich meine Augen aufhob nach Norden, siehe, da stand ein Bild, das für den Herrn ein Ärgernis war, nördlich vom Tor des Altars, da, wo man hineingeht. 6Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, siehst du auch, was diese tun? Große Gräuel sind es, die das Haus Israel hier tut, um mich von meinem Heiligtum zu vertreiben. Aber du wirst noch größere Gräuel sehen.

7Und er führte mich zur Tür des Vorhofes. Da sah ich, und siehe, da war ein Loch in der Wand. 8Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, brich ein Loch durch die Wand. Und als ich ein Loch durch die Wand gebrochen hatte, siehe, da war eine Tür. 9Und er sprach zu mir: Geh hinein und schaue die schlimmen Gräuel, die sie hier treiben. 10Und als ich hineinkam und schaute, siehe, da waren

8,10
Röm 1,23
lauter Bilder von Gewürm und Getier, Scheusale, und alle Götzen des Hauses Israel, ringsherum an den Wänden eingemeißelt. 11Davor standen
8,11
2. Mose 24,1
4. Mose 11,16
Lk 10,117
siebzig Männer von den Ältesten des Hauses Israel, und Jaasanja, der Sohn Schafans, stand
8,11
Jes 66,17
mitten unter ihnen. Und ein jeder hatte sein Räuchergefäß in der Hand und der Duft einer Wolke von Weihrauch stieg auf.

12Und er sprach zu mir: Menschenkind, siehst du, was die Ältesten des Hauses Israel tun in der Finsternis, ein jeder in der Kammer seines Götzenbildes? Denn sie sagen:

8,12
Kap
Der Herr sieht uns nicht, der Herr hat das Land verlassen. 13Und er sprach zu mir: Du sollst noch größere Gräuel sehen, die sie tun. 14Und er führte mich zum Eingang des Tores am Hause des Herrn, das gegen Norden liegt, und siehe, dort saßen Frauen, die den Tammus beweinten. 15Und er sprach zu mir: Menschenkind, siehst du das? Aber du sollst noch größere Gräuel sehen als diese.

16Und er führte mich in den inneren Vorhof am Hause des Herrn; und siehe, vor dem Eingang zum Tempel des Herrn, zwischen der Vorhalle und dem Altar, standen etwa fünfundzwanzig Männer, die ihren Rücken gegen den Tempel des Herrn und ihr Gesicht gegen Osten gewendet hatten, und

8,16
5. Mose 4,19
17,3
2. Kön 23,511
Jer 8,2
beteten gegen Osten die Sonne an. 17Und er sprach zu mir: Menschenkind, siehst du das? Ist es dem Hause Juda nicht genug, diese Gräuel hier zu treiben, dass sie auch sonst das ganze Land mit Gewalttat erfüllen und mich immer wieder reizen? Und siehe, sie halten sich die Weinrebe an die Nase.8,17 Gemeint ist ein abgöttischer Brauch. 18Darum will ich auch mit Grimm an ihnen handeln, und
8,18
Kap
mein Auge soll ohne Mitleid auf sie blicken, und ich will nicht gnädig sein.
8,18
Jes 1,15
Wenn sie auch mit lauter Stimme mir in die Ohren schreien, will ich sie doch nicht hören.

9

Die Heimsuchung Jerusalems

91Und er rief mit lauter Stimme vor meinen Ohren und sprach: Gekommen ist die Heimsuchung der Stadt; ein jeder habe sein Werkzeug zur Zerstörung in seiner Hand! 2Und siehe, da kamen sechs Männer auf dem Wege vom oberen Tor her, das gegen Norden liegt, und jeder hatte ein Werkzeug zum Zerschlagen in seiner Hand. Aber es war einer unter ihnen,

9,2
Kap
der hatte ein leinenes Gewand an und ein Schreibzeug an seiner Seite. Und sie kamen heran und traten neben den bronzenen Altar.

3Und

9,3
Kap
die Herrlichkeit des Gottes Israels erhob sich von dem Cherub, über dem sie war, zu der Schwelle des Tempels, und er rief dem, der das leinene Gewand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite. 4Und der Herr sprach zu ihm: Geh durch die Stadt Jerusalem und
9,4
Offb 7,3
zeichne mit einem Zeichen9,4 Im Hebräischen steht hier das Zeichen für den Buchstaben »Taw«, ursprünglich in Kreuzform. an der Stirn die Leute, die da seufzen und jammern über alle Gräuel, die darin geschehen.

5Zu den andern Männern aber sprach er, sodass ich es hörte: Geht ihm nach durch die Stadt und schlagt drein;

9,5
Kap
eure Augen sollen ohne Mitleid blicken und nicht verschonen. 6Erschlagt Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Frauen, schlagt alle tot; aber die das Zeichen an sich haben, von denen sollt ihr keinen anrühren.
9,6
Jer 25,29
1. Petr 4,17
Fangt aber an bei meinem Heiligtum! Und sie fingen an bei den Ältesten, die vor dem Tempel waren. 7Und er sprach zu ihnen: Macht den Tempel unrein, füllt die Vorhöfe mit Erschlagenen; dann geht hinaus! Und sie gingen hinaus und erschlugen die Leute in der Stadt.

8Und als sie die erschlagen hatten, war ich noch übrig. Und ich fiel auf mein Angesicht, schrie und sprach:

9,8
Kap
Ach, Herr Herr, willst du denn den ganzen Rest Israels verderben, dass du deinen Zorn so ausschüttest über Jerusalem? 9Und er sprach zu mir: Die Missetat des Hauses Israel und Juda ist allzu groß; es ist lauter Blutschuld im Lande und lauter Unrecht in der Stadt. Denn sie sprechen:
9,9
Kap
Der Herr hat das Land verlassen, der Herr sieht uns nicht. 10Darum
9,10
Kap
soll mein Auge ohne Mitleid auf sie blicken, ich will auch nicht gnädig sein, sondern will ihr Tun auf ihren Kopf kommen lassen. 11Und siehe, der Mann, der das leinene Gewand anhatte und das Schreibzeug an seiner Seite, antwortete und sprach: Ich habe getan, wie du mir geboten hast.

10

Die Herrlichkeit Gottes über den Cherubim

(vgl. Kap 1,4-28)

101Und ich sah, und siehe, an der Himmelsfeste über dem Haupt der Cherubim glänzte es wie ein Saphir, und über ihnen war etwas zu sehen wie ein Thron. 2Und er sprach zu dem

10,2
Kap
Mann in dem leinenen Gewand: Geh hinein zwischen das Räderwerk unter dem Cherub und
10,2
Offb 8,5
fülle deine Hände mit glühenden Kohlen, die zwischen den Cherubim sind, und streue sie über die Stadt. Und er ging hinein vor meinen Augen. 3Die Cherubim aber standen zur Rechten am Hause des Herrn, als der Mann hineinging, und die Wolke erfüllte den inneren Vorhof.

4Und

10,4
Kap
die Herrlichkeit des Herrn erhob sich von dem Cherub zur Schwelle des Hauses, und
10,4
2. Mose 40,34
Jes 6,4
das Haus wurde erfüllt mit der Wolke und der Vorhof mit dem Glanz der Herrlichkeit des Herrn. 5Und man hörte die Flügel der Cherubim rauschen bis in den äußeren Vorhof wie die Stimme des allmächtigen Gottes, wenn er redet. 6Und als er dem Mann in dem leinenen Gewand geboten hatte: »Nimm von dem Feuer zwischen dem Räderwerk zwischen den Cherubim«, ging dieser hinein und trat neben das Rad. 7Und der Cherub streckte seine Hand aus der Mitte der Cherubim hin zum Feuer, das zwischen den Cherubim war, nahm davon und gab es dem Mann in dem leinenen Gewand in die Hände; der empfing es und ging hinaus. 8Und es erschien an den Cherubim etwas wie eines Menschen Hand unter ihren Flügeln.

9Und ich sah, und siehe, vier Räder standen bei den Cherubim, bei jedem Cherub ein Rad, und die Räder sahen aus wie ein Türkis, 10und alle vier sahen eins wie das andere aus; es war, als wäre ein Rad im andern. 11Wenn sie gehen sollten, so konnten sie nach allen ihren vier Seiten gehen; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden; sondern wohin das erste ging, da gingen die andern nach, ohne sich im Gehen umzuwenden. 12Und ihr ganzer Leib, Rücken, Hände und Flügel und die Räder waren voller Augen um und um, an allen vier Rädern. 13Und die Räder wurden vor meinen Ohren »das Räderwerk« genannt. 14Ein

10,14
Kap
jeder hatte vier Angesichter; das erste Angesicht war das eines Cherubs, das zweite das eines Menschen, das dritte das eines Löwen, das vierte das eines Adlers. 15Und die Cherubim hoben sich empor.
10,15
Kap
Es war aber dasselbe Wesen, das ich am Fluss Kebar gesehen hatte. 16Wenn die Cherubim gingen, so gingen auch die Räder neben ihnen, und wenn die Cherubim ihre Flügel schwangen, dass sie sich von der Erde erhoben, so wandten sich auch die Räder nicht von ihrer Seite weg. 17Wenn jene standen, so standen diese auch; erhoben sie sich, so erhoben sich diese auch; denn der Odem dieses Wesens war in ihnen.

18Und die Herrlichkeit des Herrn ging hinaus von der Schwelle des Tempels und stellte sich über die Cherubim.

10,18
Kap
19Da schwangen die Cherubim ihre Flügel und erhoben sich von der Erde vor meinen Augen, und als sie hinausgingen, gingen die Räder mit. Und sie traten in den Eingang des östlichen Tores am Hause des Herrn, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war oben über ihnen. 20Das war das Wesen, das ich unter dem Gott Israels am Fluss Kebar gesehen hatte; und ich merkte, dass es Cherubim waren. 21Vier Angesichter hatte jeder und vier Flügel und etwas wie Menschenhände unter den Flügeln. 22Und ihre Angesichter waren so gestaltet, wie ich sie am Fluss Kebar gesehen hatte; und sie gingen in der Richtung eines ihrer Angesichter, wie sie wollten.