Lutherbibel 2017 (LU17)
19

Ankunft am Sinai

191Im dritten Monat nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland, an diesem Tag kamen sie in die Wüste Sinai. 2Sie brachen auf von Refidim und kamen in die Wüste Sinai, und Israel lagerte sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge.

3Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: 4Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe und wie ich euch

19,4
5. Mose 32,11
getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. 5Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und
19,5
5. Mose 5,2
meinen Bund halten, so sollt ihr
19,5
5. Mose 7,6
mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. 6Und ihr sollt mir ein Königreich von
19,6
Jes 61,6
1. Petr 2,9
Offb 1,6
Priestern und ein
19,6
3. Mose 19,2
heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst.

7Mose kam und berief die Ältesten des Volks und legte ihnen alle diese Worte vor, die ihm der Herr geboten hatte. 8Und alles Volk antwortete

19,8
Kap
einmütig und sprach: Alles, was der Herr geredet hat, wollen wir tun. Und Mose sagte die Worte des Volks dem Herrn wieder. 9Und der Herr sprach zu Mose: Siehe, ich will zu dir kommen in
19,9
Kap
einer dichten Wolke, auf dass dies Volk es höre, wenn ich mit dir rede, und
19,9
Kap
dir für immer glaube. Und Mose verkündete dem Herrn die Worte des Volks.

10Und der Herr sprach zu Mose: Geh hin zum Volk und

19,10
3. Mose 11,44
Jos 3,5
Hiob 1,5
heilige sie heute und morgen, dass sie ihre Kleider waschen 11und bereit seien für den dritten Tag; denn am dritten Tage wird der Herr vor allem Volk herabfahren auf den Berg Sinai. 12
19,12
Kap
Und zieh eine Grenze um das Volk und sprich zu ihnen: Hütet euch, auf den Berg zu steigen oder seinen Fuß anzurühren; denn wer den Berg anrührt, der soll des Todes sterben. 13
19,13
Hebr 12,18-20
Keine Hand soll ihn anrühren, sondern er soll gesteinigt oder erschossen werden; es sei Tier oder Mensch, sie sollen nicht leben bleiben. Wenn aber das Widderhorn lange tönen wird, dann soll man auf den Berg steigen. 14Mose stieg vom Berge zum Volk herab und heiligte sie, und sie wuschen ihre Kleider. 15Und er sprach zu ihnen: Seid bereit für den dritten Tag, und keiner
19,15
1. Sam 21,4-5
1. Kor 7,5
rühre eine Frau an.

Der Herr erscheint

16Als nun der dritte Tag kam und es Morgen ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. 17Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen, und es trat unten an den Berg. 18Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der Herr auf den Berg herabfuhr im Feuer; und sein Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen, und der ganze Berg bebte sehr.

19,18
1. Mose 15,17
19Und der Posaune Ton ward immer stärker. Und Mose redete, und
19,19
Kap
Gott antwortete ihm laut.

20Als nun der Herr herniedergekommen war auf den Berg Sinai, oben auf seinen Gipfel, berief er Mose hinauf auf den Gipfel des Berges, und Mose stieg hinauf. 21Da sprach der Herr zu ihm: Steig hinab und verwarne das Volk, dass sie nicht durchbrechen zum Herrn, ihn zu sehen, und viele von ihnen fallen. 22Auch die Priester, die sonst zum Herrn nahen dürfen, sollen sich heiligen, dass der Herr nicht zwischen sie dreinfahre. 23Mose aber sprach zum Herrn: Das Volk kann nicht auf den Berg Sinai steigen, denn du hast uns verwarnt und gesagt: Zieh eine Grenze um den Berg und heilige ihn. 24Und der Herr sprach zu ihm: Geh hin, steig hinab und komm wieder herauf, du und Aaron mit dir; aber die Priester und das Volk sollen nicht durchbrechen, dass sie hinaufsteigen zu dem Herrn, damit er nicht zwischen sie dreinfahre.

19,24
Kap
25Und Mose stieg hinunter zum Volk und sagte es ihm.

20

Die Zehn Gebote

(vgl. 5. Mose 5,6-21)

201Und

20,1
Mt 5,17-48
Gott redete alle diese Worte:

2Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.

20,2
Ri 6,8
Jer 34,13
3Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
20,3
5. Mose 6,4-5
Jes 45,5-6
1. Kor 8,5-6

4Du sollst dir

20,4
3. Mose 26,1
5. Mose 4,15-19
27,15
Jes 40,18-26
Röm 1,23
kein Bildnis noch irgendein Gleichnis20,4 Das heißt hier: »Abbild«. machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: 5Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein
20,5
Kap
eifernder Gott,
20,5
Hiob 21,19
Jer 31,29-30
Hes 18,5-20
der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, 6aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
20,6
Kap

7Du sollst

20,7
3. Mose 19,12
24,16
den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

8Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.

20,8
Kap
9Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 10Aber am siebenten Tage ist der
20,10
Kap
Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. 11Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.
20,11
1. Mose 2,2-3

12Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

20,12
Kap

13Du sollst nicht töten.

20,13
Kap

14Du sollst nicht ehebrechen.

20,14
3. Mose 20,10
Mt 15,19

15Du sollst nicht stehlen.

20,15
Kap

16Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

20,16
Kap

17Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.

20,17
Röm 7,7
13,9

18Und alles Volk sah den Donner und die Blitze und den Ton der Posaune und den Berg rauchen. Als sie aber solches sahen, flohen sie und blieben in der Ferne stehen 19und sprachen zu Mose: Rede du mit uns, wir wollen hören; aber lass Gott nicht mit uns reden, wir könnten sonst sterben. 20Mose aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, euch zu

20,20
1. Mose 22,1
versuchen, damit ihr’s vor Augen habt, wie er zu fürchten sei, und ihr nicht sündigt. 21So stand das Volk von ferne, aber Mose nahte sich
20,21
1. Kön 8,12
dem Dunkel, darinnen Gott war.

Das Bundesbuch

Kapitel 20,22–23,19

Das Altargesetz

22Und der Herr sprach zu ihm: So sollst du den Israeliten sagen: Ihr habt gesehen, dass ich mit euch vom Himmel geredet habe. 23Darum sollt ihr euch keine andern Götter neben mir machen, weder silberne noch goldene sollt ihr euch machen.

24Einen

20,24
Kap
Altar von Erde mache mir, auf dem du dein Brandopfer und Dankopfer, deine Schafe und Rinder, opferst.
20,24
5. Mose 12,5
An jedem Ort, wo ich meines Namens gedenken lasse, da will ich zu dir kommen und dich segnen. 25Und wenn du mir einen
20,25
5. Mose 27,5
Jos 8,31
steinernen Altar machen willst, sollst du ihn nicht von behauenen Steinen bauen; denn wenn du mit deinem Meißel darüberkommst, entweihst du sie. 26Du sollst auch nicht auf Stufen zu meinem Altar hinaufsteigen, dass nicht deine Blöße aufgedeckt werde vor ihm.

21

211Dies sind die Rechtsordnungen, die du ihnen vorlegen sollst:

Rechte hebräischer Sklaven

2Wenn du einen hebräischen Sklaven kaufst, so soll er dir sechs Jahre dienen; im siebenten Jahr aber soll er freigelassen werden ohne Lösegeld.

21,2
3. Mose 25,39-41
5. Mose 15,12-17
Jer 34,14
3Ist er ohne Frau gekommen, so soll er auch ohne Frau gehen; ist er aber mit seiner Frau gekommen, so soll sie mit ihm gehen. 4Hat ihm aber sein Herr eine Frau gegeben und hat sie ihm Söhne oder Töchter geboren, so sollen Frau und Kinder seinem Herrn gehören, er aber soll ohne Frau gehen. 5Spricht aber der Sklave: Ich habe meinen Herrn lieb und meine Frau und Kind, ich will nicht frei werden, 6so
21,6
5. Mose 1,17
Ps 82,1
bringe ihn sein Herr vor Gott und stelle ihn an die Tür oder den Pfosten und durchbohre mit einem Pfriemen sein Ohr, und er sei sein Sklave für immer.

7Verkauft jemand seine Tochter als Sklavin, so darf sie nicht

21,7
freigelassen werden wie die Sklaven. 8Gefällt sie aber ihrem Herrn nicht, nachdem er sie für sich bestimmt hat, so soll er sie auslösen lassen. Er hat aber nicht Macht, sie unter ein fremdes Volk zu verkaufen, nachdem er sie verschmäht hat. 9Hat er sie aber für seinen Sohn bestimmt, so soll er nach dem Recht der Töchter an ihr tun. 10Nimmt er sich aber noch eine andere, so soll er der ersten an Nahrung, Kleidung und ehelichem Recht nichts abbrechen. 11Erfüllt er an ihr diese drei Pflichten nicht, so soll sie umsonst freigelassen werden, ohne Lösegeld.

Vergehen gegen Leib und Leben

12Wer einen Menschen schlägt, dass er stirbt, der soll des Todes sterben.

21,12
Kap
13Hat er ihm aber nicht nachgestellt, sondern hat Gott es seiner Hand widerfahren lassen, so will ich dir
21,13
4. Mose 35,6-29
5. Mose 19,4-13
einen Ort bestimmen, wohin er fliehen kann. 14Wenn aber jemand an seinem Nächsten frevelt und ihn mit Hinterlist umbringt, so sollst du ihn
21,14
1. Kön 2,29-31
von meinem Altar wegreißen, dass man ihn töte.

15Wer Vater oder Mutter schlägt, der soll des Todes sterben.

16Wer einen

21,16
5. Mose 24,7
1. Tim 1,10
Menschen raubt, sei es, dass er ihn verkauft, sei es, dass man ihn bei ihm findet, der soll des Todes sterben.

17Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.

21,17
5. Mose 27,16
Spr 20,20
Mt 15,4

18Wenn Männer miteinander streiten und einer schlägt den andern mit einem Stein oder mit der Faust, dass er nicht stirbt, sondern zu Bett liegen muss 19und wieder aufkommt und ausgehen kann an seinem Stock, so soll der, der ihn schlug, nicht bestraft werden; er soll ihm aber bezahlen, was er versäumt hat, und das Arztgeld geben.

20Wenn jemand seinen Sklaven oder seine Sklavin schlägt mit einem Stock, dass sie unter seinen Händen sterben, muss er bestraft werden. 21Bleiben sie aber einen oder zwei Tage am Leben, so soll er nicht bestraft werden; denn es ist sein Geld.

22Wenn Männer miteinander streiten und stoßen dabei eine schwangere Frau, sodass ihr die Frucht abgeht, ihr aber sonst kein Schaden widerfährt, so soll man ihn um Geld strafen, wie viel ihr Ehemann ihm auferlegt, und er soll’s geben durch die Hand der Richter.

23

21,23
3. Mose 24,19-20
5. Mose 19,21
Mt 5,38
Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, 24Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, 25Brandmal um Brandmal,
21,25
1. Mose 4,23
Wunde um Wunde, Beule um Beule.

26Wenn jemand seinen Sklaven oder seine Sklavin ins Auge schlägt und zerstört es, der soll sie freilassen um des Auges willen. 27Desgleichen wenn er seinem Sklaven oder seiner Sklavin einen Zahn ausschlägt, soll er sie freilassen um des Zahnes willen.

Schaden durch Tiere – Verlust von Tieren

28

21,28
1. Mose 9,5
4. Mose 35,33
Wenn ein Rind einen Mann oder eine Frau stößt, dass sie sterben, so soll man das Rind steinigen und sein Fleisch nicht essen; aber der Besitzer des Rindes soll nicht bestraft werden. 29Ist aber das Rind zuvor stößig gewesen und seinem Besitzer war’s bekannt und er hat das Rind nicht verwahrt und es tötet nun einen Mann oder eine Frau, so soll man das Rind steinigen, und sein Besitzer soll sterben. 30Will man ihm aber ein Lösegeld auferlegen, so soll er geben, was man ihm auferlegt, um sein Leben auszulösen. 31Ebenso soll man mit ihm verfahren, wenn das Rind einen Sohn oder eine Tochter stößt. 32Stößt es aber einen Sklaven oder eine Sklavin, so soll der Besitzer ihrem Herrn dreißig Schekel Silber geben, und das Rind soll man steinigen.

33

21,33
3. Mose 7,24
17,15
Wenn jemand eine Zisterne aufdeckt oder gräbt eine Zisterne und deckt sie nicht zu und es fällt ein Rind oder Esel hinein, 34so soll der Besitzer der Zisterne mit Geld dem andern Ersatz leisten, das tote Tier aber soll ihm gehören. 35Wenn jemandes Rind eines andern Rind stößt, dass es stirbt, so sollen sie das lebendige Rind verkaufen und das Geld teilen und das tote Tier auch teilen. 36Ist’s aber bekannt gewesen, dass das Rind zuvor stößig gewesen ist, und sein Besitzer hat es nicht verwahrt, so soll er ein Rind für das andere erstatten und das tote Tier haben.

37Wenn jemand ein Rind oder ein Schaf stiehlt und schlachtet’s oder verkauft’s, so soll er fünf Rinder für ein Rind wiedergeben und vier Schafe für ein Schaf.

21,37
2. Sam 12,6
Spr 6,31
Lk 19,8