Lutherbibel 1912 (LU12)
2

Das 2. Kapitel

Weise aus Morgenland. Flucht nach Ägypten. Des Herodes Kindermord. Jesu Rückkehr und Wohnung in Nazareth.

21Da

2,1
Luk. 2,1–7
Jesus geboren war zu Bethlehem im jüdischen Lande, zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland gen Jerusalem und sprachen: 2Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.
2,2
4. Mose 24,17
3Da das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem. 4Und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschte von ihnen, wo Christus sollte geboren werden. 5Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also steht geschrieben durch den
2,5
Micha 5,1
Joh. 7,42
Propheten: 6»Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda’s; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei.« 7Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernte mit Fleiß von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, 8und wies sie gen Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, daß ich auch komme und es anbete. 9Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen hin, bis daß er kam und stand oben über, da das Kindlein war. 10Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut 11und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
2,11
Ps. 72,1015
Jes. 60,6
12Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken; und sie zogen durch einen andern Weg wieder in ihr Land.

13Da sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und flieh nach Ägyptenland und bleib allda, bis ich dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. 14Und er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich bei der Nacht und entwich nach Ägyptenland. 15Und blieb allda bis nach dem Tod des Herodes, auf daß erfüllet würde, was der Herr durch den

2,15
Hos. 11,1
Propheten gesagt hat, der da spricht: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.« 16Da Herodes nun sah, daß er von den Weisen betrogen war, ward er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder zu Bethlehem töten und an seinen ganzen Grenzen, die da zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernt hatte. 17Da ist erfüllt, was gesagt ist von dem Propheten
2,17
Jer. 31,15
Jeremia, der da spricht: 18»Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört, viel Klagens, Weinens und Heulens;
2,18
1. Mose 35,19
Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.«

19Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Joseph im Traum in Ägyptenland 20und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und zieh hin in das Land Israel;

2,20
2. Mose 4,19
sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben standen. 21Und er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich und kam in das Land Israel. 22Da er aber hörte, daß Archelaus im jüdischen Lande König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dahin zu kommen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott und zog in die Örter des galiläischen Landes 23und kam und wohnte in der Stadt, die da heißt Nazareth; auf daß erfüllet würde, was da gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarenus heißen.
2,23
Luk. 1,26
2,3953,2Joh. 1,46

3

Das 3. Kapitel

Johannes predigt Buße und tauft Jesum.

(V. 1–12: vgl. Mark. 1,1–8; Luk. 3,1–18.)

31Zu der Zeit kam

3,1
Luk. 1,13
Johannes der Täufer und predigte in der Wüste des jüdischen Landes 2und sprach: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
3,2
K.
3Und er ist der, von dem der Prophet
3,3
Jes. 40,3
Joh. 1,23
Jesaja gesagt hat und gesprochen: »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und machet richtig seine Steige!« 4Er aber, Johannes, hatte ein
3,4
2. Kön. 1,8
Kleid von Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und wilder Honig. 5Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan 6und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden. 7Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah zu seiner Taufe kommen, sprach er zu ihnen: Ihr
3,7
K.
Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8Sehet zu, tut rechtschaffene Frucht der Buße! 9Denket nur nicht, daß ihr bei euch wollt sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Ich sage euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken.
3,9
Röm. 2,2829
4,12
Joh. 8,3339
10Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
3,10
Luk. 13,7–9
11Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker denn ich, dem ich auch nicht genugsam bin, seine Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.
3,11
Joh. 1,262733
Apg. 1,5
12Und er hat seine Wurfschaufel in der Hand: er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer.
3,12
K.

(V. 13–17: vgl. Mark. 1,9–11; Luk. 3,21.22; Joh. 1,31–34.)

13Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, daß er sich von ihm taufen ließe. 14Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf wohl, daß ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir? 15Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt also sein! also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm zu. 16Und da Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser; und siehe, da tat sich der Himmel auf über ihm. Und er sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren und über ihn kommen. 17Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach:

3,17
K.
Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich
3,17
Jes. 42,1
Wohlgefallen habe.

4

Das 4. Kapitel

Jesus wird vom Satan versucht, tritt sein Lehramt an, beruft seine ersten Jünger und heilt Kranke aller Art.

(V. 1–11: vgl. Mark. 1,12.13; Luk. 4,1–13.)

41Da

4,1
Hebr. 4,15
ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. 2Und da er
4,2
2. Mose 34,28
1. Kön. 19,8
vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden.
4,3
1. Mose 3,1–7
4Und er antwortete und sprach: Es steht
4,4
5. Mose 8,3
geschrieben: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.« 5Da führte ihn der Teufel mit sich in die
4,5
K.
heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels 6und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht
4,6
Ps. 91,1112
geschrieben: »Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.« 7Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch
4,7
5. Mose 6,16
geschrieben: »Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.« 8Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit 9und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. 10Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan! denn es steht
4,10
5. Mose 6,13
geschrieben: »Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen.« 11Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und
4,11
Joh. 1,51. Hebr. 1,6.14.
dienten ihm.

(V. 12–17: vgl. Mark. 1,14.15; Luk. 4,14.15.)

12Da nun Jesus hörte, daß Johannes

4,12
K.
überantwortet war, zog er in das galiläische Land. 13Und verließ die Stadt Nazareth, kam und wohnte zu Kapernaum, das da liegt am Meer, im Lande Sebulon und Naphthali, 14auf daß erfüllet würde, was da gesagt ist durch den Propheten
4,14
Jes. 8,23
9,1
Jesaja, der da spricht: 15»Das Land Sebulon und das Land Naphthali, am Wege des Meers, jenseit des Jordans, und das heidnische Galiläa, 16das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen.« 17Von der Zeit an fing Jesus an, zu predigen und zu sagen: Tut Buße; das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
4,17
K.

(V. 18–22: vgl. Mark. 1,16–20; Luk. 5,1–11.)

18Als nun Jesus an dem Galiläischen Meer ging, sah er zwei Brüder, Simon, der da heißt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer. 19Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!

4,19
K.
20Alsbald verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.
4,20
K.
21Und da er von dannen fürbaß ging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff mit ihrem Vater Zebedäus, daß sie ihre Netze flickten; und er rief sie. 22Alsbald verließen sie das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach.

23Und

4,23
Mark. 1,39
Luk. 4,1544
Apg. 10,38
Jesus ging umher im ganzen galiläischen Lande, lehrte in ihren Schulen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte allerlei Seuche und Krankheit im Volk. 24Und sein Gerücht erscholl in das ganze Syrienland. Und sie
4,24
Mark. 6,55
brachten zu ihm allerlei Kranke, mit mancherlei Seuchen und Qual behaftet, die Besessenen, die Mondsüchtigen und die Gichtbrüchigen; und er machte sie alle gesund. 25Und es folgte ihm nach
4,25
Mark. 3,78
Luk. 6,17–19
viel Volks aus Galiläa, aus den Zehn Städten, von Jerusalem, aus dem jüdischen Lande und von jenseit des Jordans.