Von Gott verlassen – und gerettet
Der Leidenspsalm von Jesus
FÜR DEN CHORLEITER,
NACH DER MELODIE: HIRSCHKUH DER MORGENRÖTE.
EIN PSALM, VON DAVID.
»Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen?«
Fern ist meine Rettung,
ungehört verhallt mein Hilfeschrei.
»Mein Gott«, rufe ich am Tag,
doch Antwort gibst du mir nicht.
Und ich rufe in der Nacht,
doch Ruhe finde ich nicht.
Du aber, du bist der Heilige!
Du thronst über den Lobgesängen Israels!
Auf dich vertrauten schon unsere Vorfahren.
Sie vertrauten darauf, dass du sie rettest.
Sie riefen zu dir und wurden gerettet.
Auf dich haben sie sich verlassen
und wurden nicht enttäuscht.
Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,
ein Gespött der Leute und verachtet vom Volk!
Alle, die mich sehen, lachen nur über mich.
Sie spitzen die Lippen, sie schütteln den Kopf:
»Soll er doch seine Last auf den Herrn abwälzen!
Der soll ihn auch retten!
Der soll ihn aus dem Elend reißen.
Er ist ja sein Freund!«
Ja, du hast mich aus dem Mutterleib gezogen.
An der Mutterbrust lehrtest du mich Vertrauen.
Auf dich bin ich angewiesen seit meiner Geburt.
Vom ersten Atemzug an bist du allein mein Gott!
Bleib nicht fern von mir! Denn die Not ist so nahe,
und ich habe sonst keinen, der mir hilft.
Stiere ohne Zahl haben mich umstellt.
Baschan-Büffel halten mich umringt.
Da sperrt einer sein Maul auf, um mich zu packen –
es ist ein reißender und brüllender Löwe!
Ich fühle mich wie ausgeschüttetes Wasser.
Ich habe keine Gewalt mehr über meine Glieder.
Mein Lebensmut ist weich wie Wachs,
dahingeschmolzen in meinem Innern.
Trocken wie eine Tonscherbe ist meine Kehle
und die Zunge klebt mir am Gaumen.
So legst du mich in den Staub zu den Toten.
Ja, Hunde rotteten sich um mich zusammen,
eine Meute von Bösen hat mich eingekreist –
wie ein Löwe, der bereit ist zum Sprung,
um mich an Händen und Füßen zu packen.
Schon zähle ich alle meine Knochen.
Sie aber schauen zu, sie gaffen mich an.
Sie verteilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los über mein Gewand.
Doch du, Herr, bleib nicht fern von mir!
Du bist meine Stärke, hilf mir schnell!
Bewahre mein Leben vor dem Schwert,
mein einziges Gut vor der Gewalt der Hunde!
Rette mich aus dem Rachen des Löwen
und vor den Hörnern der Wildstiere!
– Mein Gebet hast du erhört. –
Ich will meinen Brüdern und Schwestern
von deinem Namen erzählen.
Im Kreis der Gemeinde will ich dich loben.
Lobt ihn, die ihr Ehrfurcht habt vor dem Herrn!
All ihr Nachkommen Jakobs, gebt ihm die Ehre!
Erschreckt vor seiner Herrlichkeit,
all ihr Nachkommen Israels!
Denn er hat die Augen vor dem Elend nicht verschlossen
und sich nicht gescheut, dem Armen zu helfen.
Sein Angesicht hat er nicht vor ihm verborgen.
Als er um Hilfe schrie, hat er ihn gehört.
Von dir geht mein Lobgesang aus
und erschallt in der Festversammlung.
Meine Gelübde will ich erfüllen vor denen,
die Ehrfurcht vor dir haben.
Die Armen sollen essen und satt werden.
Die den Herrn suchen, sollen ihn loben.
Bekommt also neuen Lebensmut, für immer!
Alle Länder der Erde sollen daran denken
und zu dem Herrn umkehren!
Die ganze Völkerwelt
soll vor ihm auf die Knie fallen!
Denn dem Herrn gehört das Königtum.
Er ist der Herrscher über die Völker.
Alle sollen vor ihm auf die Knie fallen,
die im Vollbesitz ihrer Kräfte stehen!
Alle sollen vor ihm die Knie beugen,
die in den Staub zu den Toten gehen.
Und wenn sie nicht mehr am Leben sind,
werden die Nachkommen ihm dienen.
Dann kommt die nächste Generation –
auch ihr wird man vom Herrn erzählen.
Und dem Volk, das noch geboren wird,
wird man über seine Gerechtigkeit sagen:
»Er hat es getan!«