Von der Oase Kadesch bis ins Ostjordanland
Mirjams Tod und das Wasser aus dem Felsen
Im ersten Monat des Jahres
kam die ganze Gemeinde der Israeliten
in die Wüste Zin.
Das Volk blieb eine Weile in Kadesch.
Dort starb Mirjam und wurde auch dort begraben.
Es gab kein Wasser für das Volk,
darum lehnte es sich gegen Mose und Aaron auf.
Die Gemeinde begann mit Mose zu streiten:
»Wenn wir doch umgekommen wären,
als unsere Brüder vor dem Herrn ums Leben kamen!
Warum hast du die Gemeinde des Herrn
in diese Wüste geführt?
Sollen wir und unser Vieh etwa hier sterben?
Wozu hast du uns aus Ägypten herausgeführt,
wenn du uns an einen so üblen Ort bringst?
Hier kann man nichts anbauen,
keine Feigen, keine Trauben und keine Granatäpfel!
Es gibt nicht einmal Wasser zu trinken!«
Mose und Aaron wichen vor der Gemeinde
bis zum Zelt der Begegnung zurück.
An seinem Eingang warfen sie sich zu Boden.
Da erschien ihnen die Herrlichkeit des Herrn,
und der Herr sagte zu Mose:
»Nimm deinen Stab!
Dann sollst du zusammen mit deinem Bruder Aaron
die Gemeinde versammeln.
Vor ihren Augen sollt ihr mit diesem Felsen reden,
dann wird er Wasser hervorbringen.
So wirst du Wasser aus ihm fließen lassen,
damit die Gemeinde und das Vieh zu trinken haben.«
Mose holte seinen Stab aus dem Zelt der Begegnung,
wie der Herr es ihm befohlen hatte.
Gemeinsam mit Aaron rief er die Versammlung
bei dem Felsen zusammen und sagte:
»Streitsüchtig seid ihr! Hört zu!
Haltet ihr es für möglich,
dass wir Wasser für euch
aus diesem Felsen fließen lassen?«
Dann hob Mose seine Hand.
Er schlug zwei Mal mit seinem Stab gegen den Felsen.
Sofort floss so viel Wasser heraus,
dass die Gemeinde und ihr Vieh davon trinken konnten.
Der Herr aber sagte zu Mose und Aaron:
»Ihr habt nicht an mich geglaubt.
Ihr habt den Israeliten nicht vor Augen geführt,
dass ich heilig bin!
Deswegen dürft ihr diese Versammlung
nicht in das Land führen,
das ich ihnen geben werde.«
Von da an hieß die Quelle »Wasser von Meriba«,
das heißt: Streitwasser.
Denn hier hatten die Israeliten Streit mit dem Herrn.
Hier erwies er sich für sie als heilig.
Die Edomiter verweigern die Durchreise
Von Kadesch aus sandte Mose Boten zum König von Edom
und ließ ihm sagen:
»Wir bringen eine Nachricht
von euren Verwandten, den Israeliten:
Du weißt, wie viel Leid über uns gekommen ist.
Unsere Vorfahren zogen nach Ägypten
und wohnten dort lange Zeit.
Aber die Ägypter behandelten unsere Vorfahren
und uns schlecht.
Da riefen wir zum Herrn um Hilfe,
und er hörte unser Schreien.
Er sandte einen Engel
und führte uns aus Ägypten heraus.
Jetzt sind wir in Kadesch,
einer Stadt an der Grenze deines Gebiets.
Bitte erlaube uns, durch dein Land zu ziehen!
Wir werden deine Felder und Weinberge nicht betreten
und kein Wasser aus einer deiner Quellen trinken.
Wir bleiben auf der königlichen Straße
und verlassen sie nicht,
weder nach rechts noch nach links.
Wir bleiben auf ihr,
bis wir dein Land durchquert haben.«
Die Edomiter antworteten:
»Ihr dürft unser Land nicht durchqueren!
Sonst treten wir euch mit dem Schwert entgegen!«
Die Israeliten sagten:
»Wir werden doch auf der Hauptstraße bleiben.
Wenn wir oder unser Vieh von eurem Wasser trinken,
werden wir es euch bezahlen.
Wir wollen nur zu Fuß durch euer Land ziehen –
weiter nichts!«
Aber die Edomiter blieben dabei:
»Nein, ihr dürft es nicht durchqueren!«
Und sie traten den Israeliten
mit einem großen und schwer bewaffneten Heer entgegen.
So mussten die Israeliten einen anderen Weg nehmen.
Denn die Edomiter weigerten sich,
sie ihr Land durchqueren zu lassen.
Der Tod Aarons
Die Israeliten verließen Kadesch,
und die ganze Gemeinde kam zum Berg Hor.
Dort, an der Grenze des Landes Edom,
sagte der Herr zu Mose und Aaron:
»Jetzt wird Aaron mit seinen Vorfahren vereint werden.
Er darf nicht in das Land gehen,
das ich den Israeliten geben werde.
Denn ihr habt euch am Wasser von Meriba
meinem Befehl widersetzt.
Du, Mose, führe Aaron und seinen Sohn Eleasar
hinauf auf den Berg Hor!
Zieh Aaron die Priesterkleider aus
und lege sie seinem Sohn Eleasar an.
Denn dort auf dem Berg wird Aaron sterben
und mit seinen Vorfahren vereint werden.«
Mose tat, was der Herr befohlen hatte.
Vor den Augen der ganzen Gemeinde
stieg er mit den beiden auf den Berg Hor.
Er zog Aaron die Priesterkleider aus
und zog sie dessen Sohn Eleasar an.
Aaron starb dort auf dem Berggipfel.
Mose und Eleasar aber stiegen wieder hinunter.
Als die Gemeinde erfuhr, das Aaron gestorben war,
trauerte ganz Israel 30 Tage lang um ihn.