Leiden, Tod und Auferstehung von Jesus
Die Passionsgeschichte: Jesus wird verurteilt, gekreuzigt und begraben
Pläne gegen Jesus
Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest
und den Tagen der ungesäuerten Brote.
Die führenden Priester und die Schriftgelehrten
suchten nach einer Möglichkeit,
Jesus mit einer List zu verhaften und umzubringen.
Sie sagten aber: »Auf gar keinen Fall während des Festes,
damit es keine Unruhe im Volk gibt.«
Jesus wird gesalbt
Jesus war in Betanien.
Er war zu Gast bei Simon, dem Aussätzigen.
Als er sich zum Essen niedergelassen hatte,
kam eine Frau herein.
Sie hatte ein Fläschchen mit Salböl dabei.
Es war reines kostbares Nardenöl.
Sie brach das Fläschchen auf
und träufelte Jesus das Salböl auf den Kopf.
Einige ärgerten sich darüber und sagten zueinander:
»Wozu verschwendet sie das Salböl?
Das Salböl war über 300 Silberstücke wert.
Man hätte es verkaufen
und das Geld den Armen geben können.«
Sie überschütteten die Frau mit Vorwürfen.
Aber Jesus sagte: »Lasst sie doch!
Warum macht ihr der Frau das Leben schwer?
Sie hat etwas Gutes an mir getan.
Es wird immer Arme bei euch geben,
und ihr könnt ihnen helfen, wann immer ihr wollt.
Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch.
Die Frau hat getan, was sie konnte:
Sie hat meinen Körper im Voraus
für mein Begräbnis gesalbt.
Amen, das sage ich euch:
Auf der ganzen Welt
wird man die Gute Nachricht von mir verkünden.
Dann wird man auch erzählen, was sie getan hat.
So wird man sich immer an sie erinnern.«
Judas wird zum Verräter
Judas Iskariot, einer der Zwölf,
ging zu den führenden Priestern.
Er wollte ihnen Jesus ausliefern.
Als sie das hörten, waren sie hocherfreut
und versprachen, ihm Geld dafür zu geben.
Von da an suchte Judas nach einer günstigen Gelegenheit,
um ihnen Jesus in die Hände zu liefern.
Vorbereitungen zum Passamahl
Es war der erste Tag vom Fest der ungesäuerten Brote.
Das ist der Tag,
an dem man die Passalämmer schlachtete.
Da sagten die Jünger zu Jesus: »Wo sollen wir hingehen
und das Passamahl für dich vorbereiten?«
Jesus schickte zwei seiner Jünger los.
Er sagte zu ihnen: »Geht in die Stadt.
Dort werdet ihr einem Menschen begegnen,
der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm!
Wenn er ein Haus betritt, sagt zu dem Eigentümer:
›Der Lehrer lässt fragen:
Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern
das Passamahl feiern kann?‹
Er wird euch einen großen Raum im ersten Stock zeigen.
Der ist mit Polstern ausgestattet
und für das Fest hergerichtet.
Dort bereitet alles für uns vor.«
Da machten sich die Jünger auf den Weg
und gingen in die Stadt.
Sie fanden alles genau so,
wie Jesus es ihnen gesagt hatte.
Und sie bereiteten das Passamahl vor.
Jesus feiert mit seinen zwölf Jüngern das Passamahl
Als es Abend geworden war,
kam Jesus mit den zwölf Jüngern dorthin.
Während sie zu Tisch lagen und aßen, sagte Jesus:
»Amen, das sage ich euch:
Einer von euch wird mich verraten –
einer, der hier mit mir isst.«
Die Jünger waren tief betroffen.
Einer nach dem anderen fragte Jesus:
»Doch nicht etwa ich?«
Jesus antwortete:
»Es ist einer von euch Zwölf –
der sein Brot mit mir in die Schale taucht.
Der Menschensohn muss sterben.
So ist es in der Heiligen Schrift angekündigt.
Aber wehe dem Menschen,
der den Menschensohn verrät.
Er wäre besser nie geboren worden!«
Beim Essen nahm Jesus ein Brot.
Er lobte Gott und dankte ihm dafür.
Dann brach er das Brot in Stücke
und gab es seinen Jüngern.
Er sagte: »Nehmt, das ist mein Leib.«
Dann nahm er den Becher.
Er dankte Gott und gab ihn seinen Jüngern.
Sie alle tranken daraus.
Jesus sagte zu ihnen:
»Das ist mein Blut.
Es steht für den Bund,
den Gott mit den Menschen schließt.
Mein Blut wird für die vielen vergossen werden.
Amen, das sage ich euch:
Ich werde nun keinen Wein mehr trinken –
bis zu dem Tag,
an dem ich von Neuem davon trinken werde.
Das wird geschehen,
wenn Gott sein Reich vollendet hat.«
Jesus und seine Jünger sangen die Dankpsalmen.
Dann gingen sie hinaus zum Ölberg.
Jesus sagt das Versagen von Petrus voraus
Jesus sagte zu seinen Jüngern:
»Ihr werdet euch alle von mir abwenden,
wie es in der Heiligen Schrift steht:
›Ich werde den Hirten töten,
und die Schafe werden auseinanderlaufen.‹
Aber nachdem ich vom Tod auferweckt worden bin,
werde ich euch nach Galiläa vorausgehen.«
Doch Petrus widersprach ihm:
»Auch wenn sie sich alle von dir abwenden – ich nicht!«
Jesus antwortete: »Amen, das sage ich dir:
Heute, in dieser Nacht,
noch bevor der Hahn zweimal kräht,
wirst du dreimal abstreiten, mich zu kennen.«
Aber Petrus behauptete noch fester:
»Sogar wenn ich mit dir sterben muss –
ich werde niemals abstreiten, dich zu kennen!«
Das Gleiche sagten auch alle anderen.
Jesus betet im Garten Getsemani
Jesus und seine Jünger kamen zu einem Garten,
der Getsemani hieß.
Dort sagte Jesus zu seinen Jüngern:
»Bleibt hier sitzen, während ich bete.«
Er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich.
Plötzlich überfielen ihn Angst und Schrecken,
und er sagte zu ihnen:
»Ich bin verzweifelt und voller Todesangst.
Wartet hier und bleibt wach.«
Er selbst ging noch ein paar Schritte weiter.
Dort warf er sich zu Boden.
Er bat Gott darum,
ihm diese schwere Stunde zu ersparen,
wenn es möglich wäre.
Er sagte: »Abba, mein Vater,
für dich ist alles möglich.
Nimm doch diesen Becher fort,
damit ich ihn nicht trinken muss!
Aber nicht das, was ich will, soll geschehen –
sondern das, was du willst!«
Jesus kam zu den drei Jüngern zurück
und sah, dass sie eingeschlafen waren.
Da sagte er zu Petrus:
»Simon, du schläfst?
Konntest du nicht diese eine Stunde wach bleiben?
Bleibt wach und betet,
damit ihr die kommende Prüfung besteht!
Der Geist ist willig,
aber die menschliche Natur ist schwach.«
Dann ging er ein zweites Mal weg
und betete mit den gleichen Worten wie vorher.
Als er zurückkam, sah er,
dass seine Jünger wieder eingeschlafen waren.
Denn die Augen waren ihnen zugefallen –
so müde waren sie.
Und sie wussten nicht, was sie antworten sollten.
Als Jesus das dritte Mal zurückkam,
sagte er zu ihnen:
»Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus?
Es ist so weit. Die Stunde ist da!
Seht doch: Jetzt wird der Menschensohn ausgeliefert
in die Hände der Sünder.
Steht auf, wir wollen gehen.
Seht: der mich verrät, ist schon da.«
Jesus wird verhaftet
Noch während Jesus das sagte,
näherte sich Judas, einer der Zwölf.
Mit ihm kam eine Truppe,
die mit Schwertern und Knüppeln bewaffnet war.
Die führenden Priester, Schriftgelehrten
und Ratsältesten hatten sie geschickt.
Der Verräter hatte mit den Männern
ein Erkennungszeichen ausgemacht:
»Wem ich einen Kuss gebe, der ist es.
Nehmt ihn fest und führt ihn gut bewacht ab!«
Judas ging sofort auf Jesus zu,
sagte »Rabbi!« und küsste ihn.
Da packten sie Jesus und nahmen ihn fest.
Einer von denen, die dabeistanden, zog sein Schwert.
Er schlug nach einem der Männer,
die dem Hohepriester unterstanden,
und hieb ihm ein Ohr ab.
Jesus sagte zu den Männern:
»Mit Schwertern und Knüppeln seid ihr ausgerückt,
um mich gefangen zu nehmen.
Bin ich denn ein Verbrecher?
Ich war doch täglich bei euch im Tempel
und habe die Menschen gelehrt.
Dabei habt ihr mich nicht festgenommen.
Aber all das muss so geschehen,
damit in Erfüllung geht,
was in der Heiligen Schrift steht.«
Da ließen ihn alle Jünger im Stich
und ergriffen die Flucht.
Nur ein junger Mann blieb bei ihm.
Der war nur mit einem Leinentuch bekleidet,
darunter war er nackt.
Auch ihn wollten sie festnehmen.
Aber da ließ er das Leinentuch fallen
und rannte nackt davon.
Jesus vor dem jüdischen Rat
Die Männer brachten Jesus zum Hohepriester.
Dort versammelten sich alle führenden Priester,
Ratsältesten und Schriftgelehrten.
Petrus folgte Jesus in einiger Entfernung
bis hinein in den Palast des Hohepriesters.
Im Innenhof setzte er sich zu den Leuten dort
und wärmte sich am Feuer.
Die führenden Priester und der ganze jüdische Rat
suchten nach einer Zeugenaussage.
Die sollte Jesus belasten,
damit sie ihn zum Tod verurteilen konnten.
Aber sie fanden nichts.
Viele machten falsche Aussagen gegen ihn,
aber ihre Aussagen stimmten nicht überein.
Einige, die Jesus mit ihren falschen Aussagen
belasteten, sagten:
»Wir haben gehört, wie er gesagt hat:
›Ich werde diesen Tempel niederreißen,
der von Menschen gemacht ist.
Und in drei Tagen werde ich einen anderen bauen,
der nicht von Menschen gemacht ist.‹«
Aber auch ihre Aussagen stimmten nicht überein.
Da stand der Hohepriester auf und trat in die Mitte.
Er fragte Jesus: »Hast du nichts zu sagen zu dem,
was diese Leute gegen dich vorbringen?«
Aber Jesus schwieg und sagte kein Wort.
Da stellte der Hohepriester ihm noch eine Frage:
»Bist du der Christus, der Sohn unseres Gottes,
den wir verehren?«
Da sagte Jesus: »Ich bin es!
Ihr werdet sehen,
wie der Menschensohn an der rechten Seite Gottes sitzt,
der Macht über alles hat.
Und ihr werdet sehen, wie der Menschensohn
auf den Wolken des Himmels kommt.«
Da zerriss der Hohepriester sein Gewand
und sagte: »Wozu brauchen wir noch Zeugen?
Ihr habt die Gotteslästerung gehört.
Was ist euer Urteil?«
Sie erklärten einstimmig:
»Er ist schuldig und muss sterben.«
Da fingen einige an, ihn anzuspucken.
Sie warfen ihm ein Tuch über den Kopf,
schlugen ihn mit Fäusten und riefen:
»Sag, wer es war, du Prophet!«
Auch die Männer, die Jesus verhaftet hatten,
schlugen ihn.
Petrus verleugnet Jesus
Petrus war noch immer unten im Hof.
Da kam ein Dienstmädchen des Hohepriesters dazu.
Sie sah Petrus, der sich am Feuer wärmte,
und betrachtete ihn genauer.
Dann sagte sie: »Du warst doch auch
mit diesem Jesus aus Nazaret zusammen!«
Petrus stritt das ab und sagte:
»Ich habe keine Ahnung,
wovon du da sprichst.«
Und er ging hinaus in den Vorhof des Palastes.
In dem Moment krähte der Hahn.
Als ihn das Dienstmädchen dort wieder sah,
fing sie noch einmal damit an.
Sie sagte zu denen, die dabeistanden:
»Der gehört auch zu denen.«
Aber Petrus stritt es wieder ab.
Kurz darauf sagten dann auch die anderen,
die dabei waren, zu Petrus:
»Natürlich gehörst du zu denen!
Du bist doch auch aus Galiläa.«
Da fing Petrus an zu fluchen und schwor:
»Gott soll mich strafen, wenn ich lüge!
Ich kenne diesen Menschen nicht,
von dem ihr redet.«
Im selben Moment krähte der Hahn zum zweiten Mal.
Da erinnerte sich Petrus an das,
was Jesus zu ihm gesagt hatte:
»Noch bevor der Hahn zweimal kräht,
wirst du dreimal abstreiten, mich zu kennen.«
Und er fing an zu weinen.