BasisBibel (BB)
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Gott bleibt trotz Jeremias Trauer bei seinem Vorhaben

91Weiter sagte Gott:Gäbe es doch eine einfache Herberge9,1 einfache Herberge: Ort, an dem Durchreisende übernachten konnten. Hier Gegenentwurf zum Tempel, der eigentlich Gottes Wohnort sein sollte. in der Wüste9,1 Wüste: Trockenes und steiniges Gebiet, in dem nur wenige Tiere und Pflanzen überleben können.!Ich würde mein Volk verlassen und wäre weg.Denn sie sind alle Ehebrecher9,1 Ehebrecher: Das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk wird in der Bibel oft als Ehe beschrieben., ein treuloser Haufen.2Ihre Zunge ist gespannt wie ein Bogen.Sie schießen Lügen und nicht Wahrheit.So haben sie die Macht im Land gewonnen.Sie begehen ein Verbrechen nach dem anderen,aber mich kennen sie nicht.– So lautet der Ausspruch des Herrn9,2 Ausspruch des Herrn: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet..

3Jeder von euch muss vorsichtig sein:Nehmt euch in Acht vor euren Freundenund traut selbst eurem Bruder nicht!Denn auch der Bruder steckt voller Hinterlist,und der Freund verleumdet euch bei anderen.4Jeder täuscht jeden, und keiner sagt die Wahrheit.Sie haben ihre Zunge an das Lügen gewöhnt,Unrecht ist ihr ganzer Lebensinhalt.5Um dich herum, Jeremia, ist nichts als Betrug.Mich erkennen sie nicht.– So lautet der Ausspruch des Herrn9,5 Ausspruch des Herrn: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet..

6So spricht der Herr9,6 so spricht der Herr: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern. Zebaot9,6 Zebaot: Der Beiname bedeutet übersetzt »(Gott) der himmlischen Heere« und bringt die Fülle von Gottes Macht zum Ausdruck.:Ich werde sie prüfen,wie Metall werde ich sie schmelzen9,6 schmelzen: Bild für eine Reinigung im Feuer. Um Metall von anderen Materialien zu trennen, wird es bei hohen Temperaturen im Schmelzofen erhitzt..Was soll ich sonst mit der Tochter meines Volkes9,6 Tochter meines Volkes: Meint die Stadt Jerusalem. machen?7Ein tödlicher Pfeil ist ihre Zunge, voller Betrug.Mit dem Mund verspricht man dem Nächsten: »Friede!«,aber im Herzen plant man schon einen Hinterhalt.8Soll ich sie ungestraft davonkommen lassen?Soll ich etwa nicht Rache nehmen an so einem Volk?– So lautet der Ausspruch des Herrn9,8 Ausspruch des Herrn: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet..

9Und doch muss ich über die Berge weinen,Totenklage9,9 Totenklage: Laute Klagerufe, mit denen die Trauer um einen Verstorbenen zum Ausdruck gebracht wurde. halten über die Weideplätze der Steppe.Denn sie werden verwüstet.Niemand zieht mehr hindurch,von den Herden ist kein Laut mehr zu hören.Sie sind alle geflohen und weit weg –auch die Vögel des Himmels und die wilden Tiere.10Ich werde Jerusalem9,10 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. zu einem Trümmerhaufen machen.Schakale9,10 Schakal: Nachtaktiver Wildhund, der in der unbewohnten Steppe lebt. werden dort wohnen.Auch die Städte Judas9,10 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. werde ich verwüsten.Menschenleer werden sie sein.

11Wer ist so weise9,11 Weisheit: Lebenspraktisches Wissen oder handwerkliches Können, das durch Erfahrung erworben oder von Gott geschenkt wird., dass er das alles begreift?Zu wem hat der Herr9,11 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. geredet,dass er eine Antwort geben kann?Das ist die Frage:Warum geht das Land zugrunde?Warum ist es so verlassen wie eine Wüste,durch die niemand zieht?

12Der Herr gibt die Antwort:Weil sie meine Weisung9,12 Weisung: Hebräisch Tora. Sie umfasst die schriftliche und mündliche Mitteilung von Gottes Willen. verlassen haben,die ich ihnen gegeben habe.Weil sie nicht auf mich gehörtund nicht danach gelebt haben.13Sie ließen sich lieber von ihrem harten Herzen leitenund folgten den Baalen9,13 Baal: Der palästinisch-syrische Wettergott Baal ist hier Sinnbild für alle fremden Götter, deren Verehrung in Israel verboten war..So hatten ihre Eltern es ihnen beigebracht.

14So spricht der Herr9,14 so spricht der Herr: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern. Zebaot9,14 Zebaot: Der Beiname bedeutet übersetzt »(Gott) der himmlischen Heere« und bringt die Fülle von Gottes Macht zum Ausdruck., der Gott Israels:Deswegen gebe ich diesem Volk bittere Speise zu essenund lasse sie giftiges Wasser trinken.15Ich werde sie vertreiben unter fremde Völker,die weder sie noch ihre Vorfahren kannten.Und hinter ihnen her werde ich das Schwert schicken,bis ich sie ganz vernichtet habe.

Gott fordert sein Volk zur Totenklage auf

16So spricht der Herr9,16 so spricht der Herr: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern. Zebaot9,16 Zebaot: Der Beiname bedeutet übersetzt »(Gott) der himmlischen Heere« und bringt die Fülle von Gottes Macht zum Ausdruck.:»Begreift doch den Ernst der Lage!Ruft die Frauen herbei, die die Totenklage9,16 Totenklage: Laute Klagerufe, mit denen die Trauer um einen Verstorbenen zum Ausdruck gebracht wurde. halten!Lasst die weisen Frauen kommen!«

17»Ja, sie sollen sich beeilenund eine Totenklage9,17 Totenklage: Laute Klagerufe, mit denen die Trauer um einen Verstorbenen zum Ausdruck gebracht wurde. über uns anstimmen!Unsere Augen sollen von Tränen überfließenund das Wasser von unseren Wimpern tropfen.«

18Da, horch, aus Zion9,18 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. hört man schon die Totenklage9,18 Totenklage: Laute Klagerufe, mit denen die Trauer um einen Verstorbenen zum Ausdruck gebracht wurde.:»Verwüstet und von hier verbannt9,18 Verbannung: Meint die Zeit zwischen 586 und 538 v. Chr., in der ein Teil des Volkes Israel gezwungen war, in Babylonien zu leben.,verlassen müssen wir das Land.Die Schande hat uns schwer getroffen,es ist nun aus mit allem Hoffen.«

19Ja, ihr Frauen, hört das Wort des Herrn9,19 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.und öffnet eure Ohren für sein Wort!Lehrt eure Töchter die Totenklage9,19 Totenklage: Laute Klagerufe, mit denen die Trauer um einen Verstorbenen zum Ausdruck gebracht wurde.und bringt einander dieses Klagelied bei:20»Auf Plätzen, in den Gassen wohnt die Not.Durch unsre Fenster stieg der Tod.In die Paläste ist er eingedrungen,holt Kleine sich und dann die Jungen.«

21Rede, Jeremia, was ich dir sage –so lautet der Ausspruch des Herrn9,21 Ausspruch des Herrn: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet.:»Wie Dünger werden die Leichen auf den Feldern liegen.Sie werden zu Boden fallen wie Getreidehalme,die abgeschnitten wurden.Dass nur niemand kommt, um sie aufzusammeln!«

Was wirklich zählt

22So spricht der Herr9,22 so spricht der Herr: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern.:Der Weise sei nicht stolz auf seine Weisheit9,22 Weisheit: Lebenspraktisches Wissen oder handwerkliches Können, das durch Erfahrung erworben oder von Gott geschenkt wird..Der Starke sei nicht stolz auf seine Stärkeund der Reiche nicht auf seinen Reichtum!23Wer sich rühmen will, soll sich nur deswegen rühmen:dass er wirklich klug ist und mich kennt.Dass er weiß, dass ich der Herr9,23 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. bin,der auf Erden Güte, Recht und Gerechtigkeit schafft.Denn diese machen mir Freude.– So lautet der Ausspruch des Herrn9,23 Ausspruch des Herrn: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet..

24Seht, die Zeit des Gerichts wird kommen.– Ausspruch des Herrn9,24 Ausspruch des Herrn: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet.Dann werde ich alle zur Rechenschaft ziehen,die an der Vorhaut beschnitten9,24 Beschneidung: Das Abtrennen der Vorhaut am männlichen Glied ist für Israel Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk. sind.25Dazu zählen die Männer in Ägypten9,25 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. und Juda9,25 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt.,in Edom9,25 Edom: Nachbarstaat Israels im Süden., Ammon9,25 Ammoniter: Nachbarvolk Israels im Ostjordanland. und Moab9,25 Moab: Nachbarstaat Israels im Ostjordanland..Auch die in der Wüste wohnen, gehören dazu,die sich seitlich am Kopf rasieren.Denn all diese Völker sind nicht wirklich beschnitten9,25 nicht wirklich beschnitten: Vorwurf, das Zeichen der Beschneidung nur als äußeres Zeichen zu tragen. Als wirklich beschnitten gilt, wer als Zeichen des Bundes auch Gottes Willen tut..Auch ganz Israel9,25 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen. ist am Herzen nicht beschnitten9,25 am Herzen nicht beschnitten: Übertragene Redeweise: Wer am Herzen nicht beschnitten ist, lässt sein Leben nicht von innen heraus durch Gottes Willen bestimmt sein..