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Die Anordnung der biblischen Bücher

Die Zusammenstellung bestimmter biblischer Schriften nach übergeordneten Gesichtspunkten ist uralt. Schon die hebräische Bibel hat eine solche Gliederung: Am Anfang steht die Tora, das mosaische »Gesetz«. Wir kennen sie als »Die fünf Bücher Mose«, »Genesis bis Deuteronomium« oder griechisch den »Pentateuch« (Fünfrollenbuch). Auf die Tora folgen die »frühen« oder »vorderen Propheten«, das sind die Bücher Josua bis Könige. Sie werden zu den »Propheten« gerechnet, weil sie nach jüdischer Überlieferung von Propheten verfasst worden sind. Diesen Schriften folgen die »späteren« oder »hinteren Propheten«. Sie umfassen die Bücher Jesaja bis Maleachi ohne die Klagelieder und ohne Daniel. Schließlich folgen die »Schriften«. Das sind alle anderen Bücher, die auch im christlichen Alten Testament, aber nicht in den ersten beiden Gruppen »Tora« oder »Propheten« enthalten sind, angefangen von den Psalmen bis zu den beiden Chronikbüchern sowie Klageliedern und Daniel.

Die in der Reihenfolge voranstehenden Schriftgruppen haben für das Judentum zugleich den höheren Bedeutungsgrad. Die hebräische Bibel wird auch nach den hebräischen Anfangsbuchstaben der Schriftengruppen als »Tanach« bezeichnet: Tora, Nebiim (Propheten), Chetubim (Schriften).

Eine weitere Gruppe alttestamentlicher Schriften ist nur in griechischer Sprache überliefert. Diese Schriften stammen aus den letzten zwei Jahrhunderten vor Christi Geburt und werden deshalb auch unter der Bezeichnung Spätschriften des Alten Testaments zusammengefasst. In den Kirchen der Reformation werden sie als Apokryphen (»verborgene Schriften«) bezeichnet und in ihrem Wert unterschiedlich beurteilt. Martin Luther ordnete sie in seiner Übersetzung als besondere Schriftengruppe zwischen Altem und Neuem Testament an und bewertete sie als »Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten, und doch nützlich und gut zu lesen sind«. In der katholischen Kirche werden diese Schriften deuterokanonisch genannt, d.h. an zweiter Stelle im Schriftkanon stehend. Sie gelten als vollwertiger Bestandteil der Heiligen Schrift und sind dementsprechend in katholischen Bibelausgaben, somit auch in der Einheitsübersetzung, je nach ihrem literarischen Charakter über die anderen Schriftgruppen verteilt.

In der Bibelübersetzung von Martin Luther gibt es bei der Anordnung der neutestamentlichen Bücher noch eine Besonderheit: Luther hat den Hebräer- und den Jakobusbrief vor den Judasbrief und die Offenbarung am Ende des Neuen Testaments eingeordnet. Das liegt daran, dass Luther den Stellenwert einer neutestamentlichen Schrift daran gemessen hat, ob sie »Christum treibet« oder nicht, d.h. ob sie seiner Ansicht nach die Botschaft von Jesus Christus zum Zentrum hat. Nach diesem Maßstab gehören Hebräerbrief und Jakobusbrief für ihn zusammen mit dem Judasbrief und der Offenbarung ans Ende des Neuen Testaments.

Die Namen der biblischen Bücher

Die Namen der biblischen Bücher gehen nur teilweise auf alte Überlieferung zurück und haben im Laufe der Zeit verschiedene Formen angenommen. Am auffälligsten ist das bei der Bezeichnung der so genannten Fünf Bücher Mose. Sie werden bis heute im wissenschaftlichen Sprachgebrauch und in katholischen und ökumenischen Bibelausgaben mit ihren Namen aus der griechisch-lateinischen Tradition benannt, und zwar als »Genesis« (Weltentstehung), »Exodus« (Auszug), »Levitikus« (Buch der Priester), »Numeri« (Zahlen bzw. Listen) und »Deuteronomium« (Wiederholung des Gesetzes). Die hier gegebenen freien Übersetzungen dieser Namen zeigen, dass sie teils den Gesamtinhalt eines Buches andeuten, teils aber auch nur, was an seinem Anfang zu lesen ist.

Bei den Titeln der Geschichtsbücher verhält es sich ähnlich. Sie deuten entweder den Inhalt und Charakter des Werkes an, etwa »Das Buch der Richter«, »Die Bücher von den Königen«, oder nennen eine im Mittelpunkt der Darstellung stehende Person wie Josua, Samuel, Esra, Nehemia, Salomo. Das gilt auch für die Benutzung des Namens Mose in den Überschriften der sog. Bücher Mose. Diese Namen sind nicht als Verfassernamen gedacht, sondern beziehen sich in erster Linie auf den Hauptinhalt der Schriften.

Dies scheint anders zu sein bei den prophetischen Büchern, deren Namen nun tatsächlich auch die einzelnen Propheten als deren Verfasser zu nennen beanspruchen. Das ist im Wesentlichen auch zutreffend; nur kommen in den einzelnen Prophetenschriften vielfach auch andere Stimmen zu Wort, prophetische Persönlichkeiten, die nicht mit dem in der Buchüberschrift genannten Propheten gleichzusetzen sind.

An den Psalmen haben offensichtlich viele Verfasser mitgewirkt, die teilweise auch genannt sind oder einer bestimmten Tradition angehören.

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