Deutsche Bibelgesellschaft

Fastenzeit

Fastenzeit – bewusster Verzicht als Weg zu neuer Lebenskraft

Von Aschermittwoch bis Ostern begehen Christinnen und Christen die Fastenzeit – eine Zeit des bewussten Verzichts, der inneren Einkehr und Besinnung. Doch Fasten bedeutet weit mehr als bloßen Verzicht auf Essen, Genussmittel oder Medien. Wer fastet, lässt los – und schafft Raum für Neues: für Stille, Gebet und die Konzentration auf das Wesentliche.

Ursprung und Dauer der Fastenzeit haben eine lange Tradition. Die rund 40 Tage Fastenzeit erinnern an die Zeit Jesu in der Wüste, in der er auf die Probe gestellt wurde. Dabei fastete er. Heute laden die 40 Tage dazu ein, das eigene Leben zu prüfen und neu auszurichten. In dieser Zeit kann Raum entstehen für das Gespräch mit Gott, für Achtsamkeit und Mitgefühl gegenüber anderen.

Doch ist das Prinzip der Fastenzeit heute noch aktuell? Und warum sind es eigentlich genau 40 Tage? Gehen Sie diesen Fragen auf unserer Seite nach und entdecken Sie, wie die Bedeutung der Fastenzeit bis heute Menschen inspiriert, bewusster zu leben und Glauben neu zu erfahren.

Die Bedeutung der Fastenzeit

Warum fasten wir?

Seit dem Tod Jesu erinnern sich Christinnen und Christen in den Wochen vor Karfreitag an das Leiden und Sterben Jesu Christi. In der Fasten- oder auch Passionszeit bereiten wir uns innerlich auf Ostern und die Botschaft der Auferstehung vor.

Das Fasten folgte dabei in früherer Zeit strengen Regeln und es galt durch Verzicht, Gott zu gefallen. Mit der Reformation wurde diese Auffassung infrage gestellt.

Martin Luther lehnte die Vorstellung ab, durch Fasten Gott gefallen zu wollen. Vielmehr sollte die Erinnerung an die Leiden Christi ins Zentrum der Passionszeit rücken und dadurch ein Perspektivwechsel vollzogen werden: weg von Belanglosigkeiten im oft lauten Alltag hin zu einem Blick für andere. Nun standen die eigene Beziehung zu Gott, Mitgefühl für die Nächsten und die Hoffnung auf neues Leben im Vordergrund.

Ob in der Fastenzeit daher auf etwas verzichtet wird und auf was, darf nach protestantischem Verständnis selbst entschieden werden. Der Verzicht ist hierbei ein symbolischer Ausdruck des Fastens. Ich lasse etwas weg, damit ein Freiraum entsteht, den ich mit wesentlichen Dingen füllen kann.

Viele Christen und Christinnen fasten in den 40 Tagen bis Ostern ganz bewusst. Der Verzicht auf Fleisch, Süßigkeiten oder Alkohol ist sehr beliebt. Aber auch der Verzicht, in den sozialen Medien präsent zu sein und stattdessen seinen Fokus zu verschieben, ist ein verbreiteter Vorsatz.

Denn um Gewohnheiten zu hinterfragen, Gedanken zu entrümpeln und seine Zeit besser zu nutzen, sind die sieben Wochen vor Ostern ein guter Ausgangspunkt.

Zahlreiche Fastenkalender, wie die Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland "7 Wochen Ohne" begleiten Menschen zusätzlich mit täglichen Impulsen in der Zeit bis zum Osterfest.

40 Tage oder sieben Wochen?

Eine vierzigtägige Vorbereitungszeit auf das Osterfest ist seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. bezeugt. Zählung und inhaltliche Ausgestaltung weichen im Einzelnen aber erheblich voneinander ab:

So begannen die vierzig Tage (lat. Quadragesima) in Rom ursprünglich sechs Wochen vor Ostern. Während dieser Zeit bereiteten sich die Büßenden auf ihre Wiederaufnahme in die Gemeinde am Gründonnerstag vor.
Als der Charakter der Bußzeit in den Hintergrund trat und die Wochen vor Ostern vielmehr als Fastenzeit gesehen wurden, ergab sich die Notwendigkeit einer neuen Zählung:

Karfreitag und Karsamstag wurden zum Bestandteil der Passionszeit, wohingegen die Sonntage ausgenommen wurden. An ihnen wurde nicht gefastet. Seither beginnen die vierzig Tage am Aschermittwoch, dem Mittwoch vor dem sechsten Sonntag vor Ostern.

Bibel und Fastenzeit

Der biblische Hintergrund der Passionszeit

Den biblischen Hintergrund für die Begehung der 40 Tage liefern all jene Texte, in denen dem Zeitraum von 40 Tagen – bzw. 40 Jahren – eine besondere Bedeutung zukommt. Es sind Zeiten des Übergangs, der Vorbereitung und der Läuterung:

1. Mose 7,4-24 | Die vierzig Tage der Sintflut
2. Mose 24,18 und 34,28 | Die vierzig Tage von Mose auf dem Berg Sinai
Josua 5,6 | Die vierzig Jahre des Volkes Israel durch die Wüste
1. Könige 19,8 | Elias Wanderung von vierzig Tagen
Jona 3,4 | Vierzig Tage Frist zur Umkehr für die Stadt Ninive
Markus 1,13; Matthäus 4,2; Lukas 4,1-2 | Jesus fastet vierzig Tage in der Wüste

Die Sonntage der Passionszeit

Die lateinischen Namen der Sonntage der Passionszeit gehen auf die Anfänge der Introituspsalmen zurück und lauten daher wie folgt:

Invokavit: Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören. | Psalm 91,15
Reminiszere: Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit! | Psalm 25,6
Okuli: Meine Augen sehen stets auf den Herrn. | Psalm 25,15
Lätare: Freuet euch mit Jerusalem! | Jesaja 66,10
Judika: Gott, schaffe mir Recht! | Psalm 43,1
Palmarum – Palmsonntag | Johannes 12,12–19

Biblische Symbole in der Fastenzeit

Die Fastenzeit lädt dazu ein, innezuhalten und das eigene Leben neu auszurichten. Auch biblische Symbole lassen sich dieser Zeit zuordnen und machen sichtbar, was im Inneren geschieht. So erinnert uns Aschermittwoch mit der Asche an die Vergänglichkeit des Lebens, während das Kreuz zugleich Hoffnung und neues Leben verkörpert. Beide Zeichen stehen im Mittelpunkt der Vorbereitung auf Ostern und verweisen auf den Weg von Umkehr und Neubeginn im christlichen Glauben

Aschermittwoch

Aschermittwoch

Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jesaja 53,6, Lutherbibel 2017)

„Das was erfreut, hat noch nie gereut …“ dichtete der Kölner Liederschreiber Jupp Schmitz in dem Karnevalsklassiker „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“. Um der Reue nach dem närrischen Treiben zu entgehen, wurde in einigen Karnevalshochburgen der Nubbel etabliert. Das ist eine große Strohpuppe, die zu Beginn der Karnevalstage in den Kneipen aufgestellt wird. Am Aschermittwoch wird dem Nubbel alles reuewürdige Handeln der vergangenen Tage zugesprochen. Schließlich wird er verbrannt oder ‚zu Grabe getragen’. So lassen sich alle Untaten ungeschehen machen. Es verblüfft, wie eng dieses Brauchtum mit dem christlichen Grundgedanken von Schuld und Sühne verknüpft ist. Ist es im Alten Testament ein Sündenbock, der die Verfehlungen der Menschen stellvertretend begleicht, so ist es im Neuen Testament Jesus Christus.

Kreuz

Kreuz

Ist er der Christus, der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben.
(Markus 15,32a, Lutherbibel 2017)

Ob als kleine goldene oder silberne Schmuckstücke mit tiefer persönlicher Bedeutung oder als besonders großes Modestatement: Viele Menschen tragen Kreuze gerne als Schmuck um den Hals. Die Redewendung „Jeder hat sein Kreuz zu tragen …“ spielt aber nicht darauf an, sondern meint stattdessen, dass jeder Mensch in seinem Leben Schweres zu erdulden hat. Die Bedeutung, die dem Kreuz damit zugewiesen wird, trifft die ursprüngliche Bedeutung schon eher. Das Kreuz war zu Zeiten Jesu ein Instrument der Folter und des Todes. An Karfreitag denken Christinnen und Christen daran, dass Jesus den Kreuzestod auf sich genommen hat. Der christliche Glaube versteht diesen Tod als Stellvertretertod. Weil Jesus stellvertretend die Schuld der Menschen auf sich nimmt, können die Menschen versöhnt und befreit mit Gott leben.

Deutsche Bibelgesellschaftv.4.42.4
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