Philipper 1
Dank und Fürbitte für die Gemeinde
Die Gefangenschaft des Paulus und die Verkündigung des Evangeliums
Bereitschaft der Gemeinde zum Leiden für Christus
Sachwissen
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Einführung: Der Brief an die Philipper
Paulus besuchte die Stadt Philippi auf seiner zweiten Missionsreise im Jahr 49 n. Chr. Durch seine Verkündigung sind dort viele Menschen zum Glauben gekommen. Doch es gab auch Konflikte mit den Bewohnern der Stadt (Apostelgeschichte 16,11-40). Im Brief an die Philipper ermutigt Paulus die Gemeinde, auch dann am Glauben an Jesus festzuhalten, wenn sie deswegen mit Verfolgungen rechnen muss. Die Gemeinschaft mit Christus ist in allen Bedrängnissen ein Grund zur Freude.
4.06. Der Philipperbrief (Phil)
Der Phil wird von vielen Exegeten für eine Zusammenstellung von mehreren (meist zwei) ursprünglich selbständigen Paulusbriefen gehalten. Probleme für die Annahme der literarischen Einheitlichkeit des Briefes bereitet insbesondere der Abschnitt 3,2-4,1. Paulus setzt in 3,1 zur Schlussparänese an. Es folgt dann aber eine scharfe Auseinandersetzung mit Gegnern, deren Einflussnahme auf die Gemeinde Paulus fürchtet. Die übrigen Briefabschnitte lassen von einer solchen Situation nichts erkennen. In 1,15-18 redet Paulus zwar auch von Leuten, die Christus „aus Neid und Streitsucht“ predigen, verzichtet aber auf jedwede Polemik (vgl. 1,18). Das könnte dafür sprechen, in 3,2-4,1 das Fragment eines späteren Paulusbriefes zu sehen, der in den Phil eingefügt worden ist. Allerdings hat Paulus in 1,15-18 die Situation am Abfassungsort im Blick, während er in 3,2-4,1 die Philipper warnt.
Diener von Christus
Bezeichnung für eine Person, die Christus als ihren Herrn anerkennt. In seinem Auftrag und mit seiner Vollmacht verkündet sie das Wort Gottes.
Gemeindeleiter
Die frühchristlichen Gemeinden wurden zu Beginn teils nach jüdischem Vorbild von einer Gruppe von → Ältesten geleitet, teils – wohl in Anlehnung an bestimmte Ämter im griechischen Vereinswesen – von Gemeindeleitern (griech. episkopoi) und → Diakonen/Diakoninnen (Phil 1,1; 1 Tim 3,8.11). Wo beide Formen der Gemeindeleitung aufeinandertrafen, wurde zwischen der Aufgabe der Ältesten und der der Gemeindeleiter nicht unterschieden (vgl. Apg 20,17 mit 20,28, wo »Aufsicht und Leitung« episkopoi wiedergibt, oder Tit 1,5 mit 1,7). Auch die Gemeindeleiter nahmen zunächst ihre Aufgabe als Kollegium wahr (Phil 1,1). Erst in nachneutestamentlicher Zeit finden wir die verschiedenen Formen der Gemeindeleitung ganz miteinander verschmolzen und die altkirchliche Ämterordnung voll ausgeprägt: ein Gemeindeleiter (episkopos/Bischof), unter ihm das Kollegium der Gemeindeältesten (presbyteroi/Priester), dazu die Diakone/Diakoninnen (diakonoi). – Im Hebräerbrief (Hebr 13,7.17.24) ist von »Führern« oder »Leitern« der christlichen Gemeinde die Rede (hegumenoi); sie werden in dieser Übersetzung wie die episkopoi mit »Gemeindeleiter« wiedergegeben.
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Geist Gottes, Heiliger Geist
Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt.
Heiliger Geist
Das hebräische Wort für Geist bedeutet ursprünglich »Wind, Hauch«. Gemeint ist damit das Lebensprinzip, das der Schöpfung zugrunde liegt (Gen 1,2), das Gott seinen Geschöpfen verliehen hat und über das er jederzeit verfügt (vgl. Ps 104,29-30). Vom Geist Gottes gehen aber auch spezielle Wirkungen auf bestimmte Menschen aus: Der Geist kommt über einen Menschen und treibt ihn zu einer bestimmten Tat (Ri 3,10; 13,25). Er beseelt die ekstatischen Prophetengemeinschaften (1 Sam 10,10-12) und kann einen → Propheten ganz real an einen anderen Ort versetzen (1 Kön 18,12; vgl. Ez 8,3). Wenn der Geist Gottes für dauernd von einem Menschen Besitz ergreift wie von David (1 Sam 16,13) oder einer prophetischen Gestalt (Jes 42,1; 61,1), ist dies das Zeichen einer besonderen Verbundenheit mit Gott und Beauftragung durch ihn (vgl. Joh 1,32-34).
Heilige(r)
Im Alten Testament wird die Bezeichnung »der Heilige« am häufigsten für Gott selbst gebraucht (z.B. Jes 1,4; 30,11; Hos 11,9), sodann auch für Wesen, die Gott besonders nahestehen und sozusagen zu seiner Sphäre gehören: die Engel (wie die Übersetzung in diesem Fall direkt sagt) und die Glieder des Volkes, das er für sich ausgesondert hat (Dan 7,18).
Gebet
Reden des Menschen mit Gott.
Seele
Nach biblischer Vorstellung besteht der Mensch nicht aus Körper und Seele, sondern ist als ganzer, je nach Blickpunkt, entweder → Fleisch oder »Seele«, d.h. Träger von Leben (der nefesch als dem Lebensprinzip/Lebenshauch/Lebensatem; Gen 2,7). Doch konnte im Frühjudentum, als das ewige Schicksal des Menschen in den Blick trat, der Begriff nefesch den Menschen bezeichnen, sofern Gott ihm die Vollendung in einem »ewigen Leben« zugedacht hat (Mt 10,28 wörtlich: »Fürchtet euch nicht vor denen, die nur den Körper, aber nicht die Seele töten können. Fürchtet euch vor Gott, der Körper und Seele ins ewige Verderben schicken kann«). In derselben Bedeutung kann das Wort → Geist gebraucht werden (z.B. Hebr 12,23). Nicht von einer unsterblichen Seele ist dabei die Rede, sondern von dem »Lebenshauch«, den Gott in den Menschen gelegt hat, dem innersten Wesen, dem »Selbst« des Menschen, das jedoch ohne Körper nicht leben kann, weshalb eine leibliche, leibhaftige Auferstehung erwartet wird (vgl. 1 Kor 15,35-49; 2 Kor 5,1-5).
Diakon, Diakonin
Von Männern (1 Tim 3,8.12) wie auch von Frauen (Röm 16,1; 1 Tim 3,11) ausgeübtes Amt, dem der »Dienst an den Tischen« (so am Ende von Apg 6,2 wörtlich) anvertraut war, d.h. die Sorge für die Bedürftigen der Gemeinde und damit letztlich die Verwaltung ihrer materiellen Güter. Ob die Diakone und Diakoninnen darüber hinaus am Dienst der Verkündigung und Lehre beteiligt waren, ist unter den Auslegern umstritten (→ Gemeindeleiter).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
rühmen, Ruhm
Es ist natürlich, dass ein Mensch sich seiner Vorzüge und Leistungen »rühmt«. Vor Gottes Urteil wird solcher Ruhm relativiert oder zunichte, sofern nicht anerkannt wird, dass alles, was Menschen von sich rühmen, Geschenk der Gnade ist (1 Kor 4,7; Röm 3,27-28). Deshalb ist das rechte Rühmen ein solches, das die Taten Gottes rühmt (1 Kor 1,31 nach Jer 9,22-23; Gal 6,14). Weil Paulus von einer Tat Gottes weiß – und von einer in ihr begründeten Hoffnung –, die alles, was Menschen leisten und erreichen können, verblassen lässt, »rühmt« er sich paradoxerweise seiner Leiden und Schwächen, weil die Kraft Gottes über sie, ja gerade in ihnen triumphiert (Röm 5,3-5; 2 Kor 12,9-10). Er kann aber auch voller Stolz auf sein Missionswerk blicken und in den Gemeinden, die er Christus als ein heiliges Volk zuführt, seinen »Ruhm« vor dem Richterstuhl Gottes sehen (Phil 2,16; 1 Thess 2,19) – einen Ruhm, den er letztlich nicht sich selbst zuschreibt, sondern der Gnade Gottes, die durch ihn gewirkt hat (Röm 15,17-19; 2 Kor 10,13-18).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
heilig, heiligen, Heiligkeit
»Heilig« ist im Alten Testament alles, was Gott und der göttlichen Sphäre zugehört. Das ist aus priesterlicher Sicht der → Tempel und dort wieder in besonderem Maße die heiligen Geräte, die Altäre, die → Bundeslade und der innerste Raum des Tempels, der das »Allerheiligste« heißt. Nur wer selbst geheiligt (geweiht) ist, kann sich dieser Sphäre nahen, ohne Schaden zu nehmen (Num 4,15; Ex 30,29). Die → Opfer, die Gott dargebracht werden, sind in abgestuftem Maße heilig, und entsprechend dürfen unterschiedliche Personenkreise einen Anteil davon verzehren: beim Mahlopfer die ganze Gemeinde (Lev 7,15-21), bei den Erntegaben ans Heiligtum und bei bestimmten Opferanteilen alle Angehörigen der Priesterfamilien (Num 18,11-19), bei den Sühneopfern die Priester allein (Lev 6,19-22).
Gute Nachricht
Wörtliche Übersetzung von »Evangelium«. Steht für Gottes Willen, die Menschen mit sich zu versöhnen und in Gemeinschaft mit sich leben zu lassen.
Ehre, ehren
Einen Menschen oder Gott ehren heißt, ihn so zu behandeln, wie es seiner Stellung entspricht.
Gnade
Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt.
Leben, neues Leben
Durch den Glauben an Gott von ihm bereits in dieser Welt geschenktes Leben in Gemeinschaft mit ihm.
Herr
(Jesus Christus) Unter den Würdetiteln, die zum Ausdruck bringen, was Jesus für das Heil der Menschen bedeutet (→ Christus, → Menschensohn), nimmt der Titel »Herr« eine herausragende Stellung ein. Er kann ganz allgemein als Anrede an Höhergestellte gebraucht werden; in der »heidnischen« Umwelt des Neuen Testaments wurden die verschiedensten Götter mit diesem Titel bedacht (vgl. 1 Kor 8,5). Ihnen gegenüber ist Jesus in einzigartiger Weise »der Herr« (1 Kor 8,6). Für die inhaltliche Füllung dieses Titels ist jedoch entscheidend, dass das Wort »Herr« in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments an die Stelle des Gottesnamens Jahwe getreten ist (→ Herr). Damit ist die Möglichkeit gegeben, Aussagen des Alten Testaments über Gott direkt auf Jesus zu beziehen (z.B. Joël 3,5 in Apg 2,21 und in Röm 10,9-13 oder Jes 45,23-24 in Phil 2,10-11) und so – ohne Jesus mit Gott gleichzusetzen – seine entscheidende Heilsbedeutung zum Ausdruck zu bringen.
Paulus
Bedeutender Apostel, der die Gute Nachricht, dass die Menschen durch Tod und Auferstehung von Christus mit Gott versöhnt sind, im Mittelmeerraum bekannt machte.
gerecht, als gerecht gelten
Gott nimmt die Menschen an und verurteilt sie nicht, obwohl sie seine Gebote übertreten. Darin zeigt sich Gottes Liebe zu den Menschen.
Glaube, glauben
Meint das tiefe Vertrauen auf Gott, das zu einem Leben nach seinem Willen führt.
Prätorium
Der Begriff begegnet im Neuen Testament in verschiedenen Zusammenhängen:
Timotheus
Begleiter des Paulus auf der zweiten und dritten Missionsreise.
Gebote
Bestimmungen, die Gott den Menschen gegeben hat. Sie ordnen das Leben so, wie es nach Gottes Willen sein soll.
Bruder, Schwester
Wörtlich »Bruder«. Das griechische Wort bezeichnet männliche und weibliche Mitglieder der Gemeinde.
Frieden
Umfassender Zustand von Glück und Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, der aus der Beziehung mit Gott hervorgeht.
Christus
Bedeutet übersetzt »der Gesalbte«. Im Alten Testament werden Könige, aber auch Propheten und Priester bei Amtsantritt gesalbt. Später wird der von Gott zum Herrscher der Welt bestimmte Retter so genannt. Im Neuen Testament ist das Jesus.
Gute Nachricht
(Evangelium, griechisch euangelion) Das Wort hat innerhalb der Bibel seine Vorgeschichte in der Heilsverkündigung im zweiten Teil des Jesaja-Buches (Jes 52,7-10; 40,9-11). Im Neuen Testament wird es zuerst und vor allem auf die Botschaft von der Auferweckung und Erhöhung des gekreuzigten Jesus angewandt (1 Kor 15,1-5; Röm 1,1-4) bzw. auf die Botschaft von dem dadurch erschlossenen Heil (Röm 1,16-17; 1 Thess 1,10; Apg 5,42; 17,18; 20,24). In Jesus Christus, vornehmlich in seinem Tod und in seiner Auferweckung, hat Gott seine endzeitliche → Königsherrschaft aufgerichtet (vgl. Jes 52,7) und lässt dies in der »Guten Nachricht« verkünden.
Frieden
Anders als im abendländischen Denken ist Frieden im orientalisch-biblischen nicht einfach die Abwesenheit von Krieg, sondern ein viel weiterer und vornehmlich positiv gefüllter Begriff. »Frieden« (hebräisch schalom) meint: umfassendes Glück, Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, gelungenes Leben in gelungenen Beziehungen – zueinander, zu sich selbst, zur Umwelt, zu Gott. Ein Idealbild dessen, was »Frieden« in diesem Sinne heißt, zeichnet Ps 72, wo das Wort an zentralen Stellen, in Vers 3 und in Vers 7 (dort mit »Wohlstand« übersetzt), vorkommt. Für biblisches Denken hat die gelungene Beziehung zu Gott grundlegende Bedeutung für alle anderen Beziehungen. Heilvolles Leben in allen Dimensionen, die das Leben ausmachen, ist nur möglich, wo Gott geehrt wird und seine Rechts- und Lebensordnungen bewahrt werden (Ps 85,9-14; 119,165; 147,10-14; Jes 32,15-18; 48,18; 54,13; 57,21).