Jesaja 61
Die frohe Botschaft von der kommenden Herrlichkeit
Sachwissen
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6.1. Das Jesajabuch
Grundlegend für die Erarbeitung des Jesaja-Buches ist die Erkenntnis, dass das Buch aus verschiedenen Sammlungen besteht, die an- und ineinander gefügt wurden. Diese Erkenntnis stützt sich darauf, dass einzelne Abschnitte in ihrer Sprache, ihrer Thematik und ihren historischen Verankerungen sehr unterschiedlich sind. In der älteren Forschung hat man drei große Buchteile unterschieden. Nur für den ersten Teil ist der Name des Autors, nämlich Jesaja „JHWH hat geholfen“, bekannt. Für die anderen Teile behilft sich die Forschung mit den Bezeichnungen Deutero- und Tritojesaja, zweiter/dritter Jesaja. In jüngerer Zeit geht man von deutlich komplexeren Wachstumsprozessen aus, etwa dass Deutero- und Tritojesaja nicht als eigenständige Schriften, sondern als Bearbeitungen des ersten Jesaja anzusehen sind. Da die klassische Dreiteilung die Orientierung erleichtert, wird ihr hier der Vorzug gegeben.
Geist Gottes, Heiliger Geist
Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt.
Heiliger Geist
Das hebräische Wort für Geist bedeutet ursprünglich »Wind, Hauch«. Gemeint ist damit das Lebensprinzip, das der Schöpfung zugrunde liegt (Gen 1,2), das Gott seinen Geschöpfen verliehen hat und über das er jederzeit verfügt (vgl. Ps 104,29-30). Vom Geist Gottes gehen aber auch spezielle Wirkungen auf bestimmte Menschen aus: Der Geist kommt über einen Menschen und treibt ihn zu einer bestimmten Tat (Ri 3,10; 13,25). Er beseelt die ekstatischen Prophetengemeinschaften (1 Sam 10,10-12) und kann einen → Propheten ganz real an einen anderen Ort versetzen (1 Kön 18,12; vgl. Ez 8,3). Wenn der Geist Gottes für dauernd von einem Menschen Besitz ergreift wie von David (1 Sam 16,13) oder einer prophetischen Gestalt (Jes 42,1; 61,1), ist dies das Zeichen einer besonderen Verbundenheit mit Gott und Beauftragung durch ihn (vgl. Joh 1,32-34).
Salbung, salben
Handlung, die eine besondere Wertschätzung zum Ausdruck bringt. Ein wohlriechendes Öl wird dabei über bestimmte Körperteile ausgegossen.
Zion (Zionsberg, -stadt)
Ursprünglicher Name der von David eroberten Jebusiterfestung, die dann »Davidsstadt« genannt wurde (2 Sam 5,6-9). Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. In der Kreuzfahrerzeit wurde der Name irrtümlich auf den Westhügel der Stadt übertragen.
Bund
Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten.
Seligpreisungen
Was für die → Bergpredigt als ganze gilt, gilt speziell auch für die Seligpreisungen: Lukas bietet eine wesentlich kürzere Fassung als Matthäus (vgl. Lk 6,20-23 mit Mt 5,3-12); bei Lukas stehen materiell Notleidende im Blickpunkt, während bei Matthäus mehr bestimmte Frömmigkeitshaltungen angesprochen werden.
Zion
Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt.
salben, Salbung
Die Salbung wurde durch Einreiben oder Begießen des Kopfes und Leibes mit Öl (Olivenöl) vorgenommen. Sie war ein Zeichen der Lebensfreude und des Wohlstandes; deswegen unterließen Trauernde die Salbung. Außerdem hatte sie ihren besonderen Platz im religiösen Leben. Bestimmte Gegenstände und Personen wurden von Propheten oder Priestern gesalbt und damit für den Dienst Gottes geweiht: heilige Steine (Gen 28,18), das → Heilige Zelt, der → Altar (Ex 30,26-29), Propheten (1 Kön 19,15-16), Priester (Ex 30,30) und Könige (1 Sam 10,1; 16,1.13; → Christus).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Bund
Das Wort bezeichnet ursprünglich ein Rechtsverhältnis auf Vertragsbasis unter Gleichberechtigten oder einen Vasallenvertrag zwischen einem stärkeren und einem schwächeren Partner. Der Bund zwischen Gott und seinem Volk ist nicht ein Vertrag zwischen gleichgestellten Partnern. Immer geht die Initiative von Gott aus, der mit einem Einzelnen oder dem ganzen Volk Israel in ein besonderes Verhältnis tritt. Dieses Verhältnis umfasst von Gott her die Zusicherung von Heil und Segen (z.B. Land- und Nachkommenschaftszusage), vom Menschen her die Verpflichtung zur Treue gegenüber Gott und seinen Geboten.
Priester, Priesterdienst, Priestertum
Im Alten Testament Personen, die aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und ihrer besonderen Weihe dazu bestimmt waren, die Gottesdienste zu leiten, → Opfer darzubringen und den Willen Gottes zu deuten. Nach dem → Gesetz durften nur Nachkommen Aarons den Priesterdienst verrichten (Ex 40,12-15; Num 18,1-7), während die → Leviten für die übrigen Dienste im Heiligtum zuständig waren. Die Priester wurden in 24 Dienstgruppen eingeteilt (1 Chr 24,1-19), die sich in festgelegter Reihenfolge im Tempeldienst ablösten. An der Spitze der Priesterschaft stand in der Zeit nach dem → Exil der → Oberste Priester (herkömmlich »Hohepriester«).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
6.1.3. Das Tritojesajabuch
Auch für diesen Buchteil gilt, dass eine Grobgliederung kaum gegeben werden kann, dass eher wichtige Einzeltexte und -themen erlesen werden müssen. Im Folgenden wird daher versucht, die wichtigsten Zusammenhänge knapp zu erläutern.
Jesaja 61,1-3(4.9)10.11 | 2. Sonntag nach dem Christfest | 04.01.2026
Der Kern des Jesajabuches geht auf den gleichnamigen Propheten zurück, der im 8. Jahrhundert v. Chr. in Jerusalem wirkte. Spätestens die Kapitel ab Jes 40 werden aber einem zweiten Propheten zugerechnet, den man Deuterojesaja nennt. Bernhard Duhm hat in seinem Kommentar von 1892 alle Kapitel ab Jes 56 einem dritten Propheten, also Tritojesaja, zugeschrieben. Die klassische Jesajathese geht also von Protojesaja oder Erstem Jesaja (Jes 1–39), Deuterojesaja oder Zweitem Jesaja (Jes 40–55) und Tritojesaja oder Drittem Jesaja (Jes 56–66) aus.