Klagelieder 1
Jerusalem klagt und fleht um Hilfe
Lamentations 1
Sachwissen
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Einführung: Die Klagelieder
Die Sammlung der Klagelieder besteht aus fünf kunstvollen Dichtungen. Sie beziehen sich alle auf ein einziges Ereignis: das Ende des Königreichs Juda 586 v. Chr. Die fünf Lieder stammen aus unterschiedlichen Zeiten. Das älteste (2) ist kurz nach der Zerstörung Jerusalems entstanden und steht noch ganz unter dem Eindruck der Katastrophe. Das jüngste (3) wurde in deutlich späterer Zeit geschrieben. Es ordnet die Zerstörung Jerusalems in einen größeren Zusammenhang ein und ist von der Hoffnung getragen, dass Gottes Gerechtigkeit sich durchsetzen wird.
Einführung: Die prophetischen Bücher
Die prophetischen Bücher bilden den dritten Teil des Alten Testaments. Dazu gehören die Bücher der vier »großen Propheten« Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel sowie die zwölf »kleinen Propheten« von Hosea bis Maleachi.
6.3. Die Klagelieder Jeremias/Threni (Klgl)
Die (durch die LXX) dem Jeremia zugeschriebenen fünf Klagelieder stammen von unbekannten Dichtern der Exilszeit. Sie geben Aufschluss über die Situation nach der Zerstörung des Tempels; das erste Lied kann möglicherweise schon nach der ersten Deportation 597 entstanden sein. Die Lieder 1, 2 und 4 setzen mit dem Weheruf der Totenklage ein, daher hat das Buch seinen hebräischen Namen אֵיכָה, ’êkâ. Der auch übliche Name „Threni“ leitet sich von dem in der LXX gebrauchten, griechischen Wort für „Klagelied“ ab. Die Perspektive der Lieder ist trotz aller Zerstörung die Hoffnung auf erneute Zuwendung Gottes. Man akzeptiert die Gerichtsbotschaft der Propheten, so findet sich in 3,40-42 ein Bußbekenntnis. Die Lieder sind wohl bei Klagefeiern gesungen worden, wie sie in Sach 7,3 belegt sind. Der Form nach handelt es sich um vermischte Gattungen, wobei die Grundgattung die des Klageliedes des Volkes ist, Kap. 3 ist aber ein Klagelied des Einzelnen. Die ersten vier Lieder sind alphabetische Akrosticha, d. h., dass jeder Vers mit einem Buchstaben des hebräischen Alphabets beginnt; in Kap. 3 sind es jeweils 3 Verse. Daher haben diese Kapitel 22 bzw. 66 Verse; in deutschen Übersetzungen ist dieses Stilmittel nicht sichtbar.
Juda (Südreich)
Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt.
Zion (Zionsberg, -stadt)
Ursprünglicher Name der von David eroberten Jebusiterfestung, die dann »Davidsstadt« genannt wurde (2 Sam 5,6-9). Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. In der Kreuzfahrerzeit wurde der Name irrtümlich auf den Westhügel der Stadt übertragen.
Zion
Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt.
Fronarbeit, Frondienst
Unentgeltliche zwangsweise Dienstleistung für den Grund- oder Landesherrn. Öffentliche Arbeiten wurden im Altertum (wie noch im Mittelalter) vielfach in Fronarbeit ausgeführt. König Salomo verlangte solche unbezahlten Arbeiten nicht nur von Fremden (1 Kön 9,15-22), sondern auch von den Israeliten (1 Kön 5,27-30). Bereits Samuel kritisierte eine solche Ausübung der Königsherrschaft (1 Sam 8,10-18).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Joch
Das Querholz, das den paarweise vor Pflug oder Wagen gespannten Zugtieren über den Nacken gelegt und mit Stricken am Hals befestigt wurde. In der Mitte war es mit der Wagendeichsel oder dem Pflug verbunden. »Unter dem Joch sein« wird von daher zum Bild für Sklaverei, Unterdrückung und Fremdherrschaft; »das Joch auf sich nehmen« bezeichnet aber auch die Übernahme von Verpflichtungen, den Gehorsam gegenüber dem → Gesetz oder einem Lehrer (vgl. Anmerkung zu Mt 11,29).
(Sacherklärungen Gute Nachricht Bibel, durchgesehene Neuausgabe, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Tempel (Jerusalem)
Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte.
Verbannung (nach Babylon)
Meint die Zeit zwischen 586 und 538 v. Chr., in der ein Teil des Volkes Israel gezwungen war, in Babylonien zu leben.
Priester
Bringt Opfer im Heiligtum dar und deutet den Willen Gottes.
Kelter
Eine aus dem Fels gehauene Grube, die zum Auspressen von reifen Trauben diente. Die Trauben wurden dazu mit den bloßen Füßen zertreten.
Alphabetpsalm
Poetische Kunstform, bei der die Anfangsbuchstaben der Verse oder Abschnitte in ihrer Reihenfolge dem hebräischen Alphabet entsprechen.
Joch
Holzbalken, der Tieren über den Nacken gelegt wird, um einen Wagen oder Pflug zu ziehen.
Tempel
Der Tempel in Jerusalem war – wie schon das → Heilige Zelt – nicht Versammlungshaus der Gemeinde, sondern Wohnung Gottes (Ex 40,34; 1 Kön 8,13). Der Tempel Salomos war ein Langhausbau, der aus drei Teilen bestand: Vorhalle, Heiliges und → Allerheiligstes, und der mit 30 m Gesamtlänge etwa die Größe einer Dorfkirche hatte (ausführliche Beschreibung in 1 Kön 6; die Einrichtung entspricht der des Heiligen Zeltes in Ex 40). Der Tempel war von zwei Vorhöfen umgeben: einem inneren, in dem der große → Brandopferaltar stand, und einem äußeren, dessen Umfassungsmauer den südlich des Tempels gelegenen Königspalast mit einschloss. Nebukadnezzar zerstörte den ersten Tempel 586 v.Chr. Nach der Rückkehr der Judäer aus der Verbannung wurde er an der alten Stelle in bescheidenerer Ausstattung wieder aufgebaut (Tempelweihe 515 v.Chr.).
unrein, Unreinheit