Die erste Rede des Elifas
Da antwortete Elifas aus Teman und sagte:
Ich will versuchen, mit dir zu reden,
ohne dir lästig zu werden.
Niemand darf doch seinen Mund halten,
wenn etwas gesagt werden muss.
Du selbst hast vielen Mut zugesprochen.
Manche müden Hände hast du stark gemacht.
Wer ins Stolpern kam,
den hat dein Wort aufgerichtet.
Wer in die Knie sank,
dem hast du wieder Kraft gegeben.
Jetzt aber, wo es dich selbst trifft,
verlässt dich der Mut.
Jetzt, wo du mit dem Leid in Berührung kommst,
packt dich die Angst.
Du begegnest Gott doch mit Ehrfurcht!
Warum fehlt dir auf einmal das Vertrauen?
Du führst doch ein vorbildliches Leben.
Gibt dir das keine Hoffnung?
Denk zurück und sage mir:
Ist jemals ein Mensch zugrunde gegangen,
der keine Schuld hatte und gerecht gewesen ist?
Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht:
Wer Unheil in den Ackerboden pflügt
und die Saat des Unrechts aufgehen lässt,
der wird es ernten!
Solche Leute werden von Gottes Atem erfasst,
der Sturm seines Zorns fegt sie hinweg.
Noch brüllt der Löwe, noch brüllen seine Jungen.
Doch die Zähne sind ihnen schon ausgeschlagen.
Der Löwe, der keine Beute mehr macht, kommt um.
Und seine Jungen werden in alle Winde zerstreut.
Ein Wort schlich sich in meine Gedanken,
wie ein leises Flüstern drang es an mein Ohr.
Es kam nachts durch einen beunruhigenden Traum,
wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fällt.
Furcht und Schrecken rief es in mir hervor,
ich zitterte an allen meinen Gliedern.
Ein kalter Hauch strich mir übers Gesicht,
am ganzen Leib bekam ich eine Gänsehaut:
Es steht jemand da –
sein Aussehen kann ich nicht beschreiben.
Doch seine Gestalt steht mir vor Augen.
Es ist ganz still, doch eine Stimme höre ich:
Kann ein Mensch im Recht sein vor Gott?
Tritt er ohne Schuld und Makel vor seinen Schöpfer?
Dabei solltest du bedenken:
Gott kann nicht einmal seinen eigenen Knechten trauen.
Auch bei seinen Engeln stellt er Fehler fest.
Um wie viel mehr gilt das bei den Menschen!
Die wohnen doch nur in Häusern aus Lehm
und bestehen selbst aus nichts als Staub.
Man kann sie zerdrücken wie eine Motte.
Zwischen Morgen und Abend werden sie zerdrückt.
Ohne dass man es merkt, sind sie für immer fort.
Schon werden ihre Zelte abgebrochen.
Dann sterben sie, ohne dass sie es verstehen.