Das erste Gespräch mit den Freunden
Hiob beklagt sein Unglück
Endlich tat Hiob den Mund auf
und verfluchte den Tag seiner Geburt.
Er ergriff das Wort und sprach:
Ausgelöscht soll er sein:
der Tag, an dem ich geboren wurde!
Ausgelöscht die Nacht, die verkündete:
Die Eltern haben ein Kind gezeugt.
Dieser Tag soll in der Finsternis verschwinden.
Nicht einmal Gott in der Höhe soll nach ihm suchen.
Nie mehr soll es hell werden über ihm.
Dunkelheit und Schatten sollen ihn zurückfordern
und unter einer dichten Wolkendecke verstecken.
Finsternis am Tag soll Schrecken verbreiten.
Diese Nacht soll im Stockdunkeln versinken.
Man soll sie nicht zu den Tagen des Jahres rechnen.
Sie soll fehlen, wenn man die Monate zählt.
Ja, diese Nacht soll unfruchtbar sein.
Keinen Freudenjubel soll man in ihr hören.
Die es können, sollen den Tag verfluchen.
Sie sollen nicht davor zurückschrecken,
den Leviatan zu wecken.
Die Sterne am Morgen sollen dunkel bleiben.
Der Tag soll darauf warten, dass es hell wird.
Doch kein Schimmer lässt sich blicken,
nicht einmal für einen Wimpernschlag.
Denn er hat den Mutterleib nicht verschlossen
und mir das Leid nicht erspart.
Warum bin ich nicht gleich bei der Geburt gestorben?
Warum kam ich nicht tot aus dem Mutterleib?
Warum hat man mich auf den Schoß genommen?
Warum trank ich an der Mutterbrust?
Wäre ich gestorben, dann könnte ich ruhig schlafen.
Ich läge still und hätte meinen Frieden.
Ich könnte bei Königen und Landesherren liegen,
die Grabkammern für sich bauen ließen.
Oder ich läge bei reichen Fürsten,
die ihre Häuser mit Schätzen füllten.
Ach, wäre ich doch verscharrt wie eine Fehlgeburt,
wie ein Neugeborenes, das die Sonne nie sah.
Dort ist es aus mit dem Wüten der Frevler.
Dort ruhen sich aus, die keine Kraft mehr haben.
Auch die Gefangenen sind frei von Sorgen,
die Stimme des Aufsehers hören sie nicht mehr.
Große oder Kleine, sie sind dort gleich,
und der Sklave hat keinen Herrn mehr.
Warum lässt er die Sonne scheinen
für den, der vom Leid geplagt ist?
Warum schenkt er Leben den Menschen,
die im Herzen völlig verzweifelt sind?
Sie wünschen sich den Tod, der nicht kommt.
Sie sehnen sich nach ihm mehr als nach Schätzen.
Sie jubeln, wenn sie an ihren Grabstein denken.
Sie freuen sich auf ihr eigenes Grab.
Was ist mit dem Mann, der nicht mehr weiterweiß,
weil Gott ihm seinen Weg versperrt?
Ich muss seufzen, das ist mein tägliches Brot.
Wie Wasser brechen meine Hilfeschreie hervor.
Was mir Schrecken einjagt, ist über mich gekommen.
Was mir Angst macht, hat mich getroffen.
Ich finde keinen Frieden mehr und keine Ruhe.
Bevor ich aufatmen kann, kommt meine Qual zurück.