Hiob beklagt sein gegenwärtiges Elend
Doch jetzt lachen mich Leute aus,
die viel jünger sind als ich.
Ja, deren Väter hielt ich nicht für wert,
sie bei den Hunden meiner Herde anzustellen.
Was sollte ich auch mit ihnen anfangen?
Sie hatten ja keine Kraft in den Händen,
erschöpft von Mangel und Hunger:
Leute, die sich von Wurzeln der Wüste ernähren,
die in den trockensten Gegenden hausen,
die Salzkraut unterm Dornbusch sammeln,
die Ginsterwurzeln verbrennen, um sich zu wärmen.
Aus der Gemeinschaft werden sie vertrieben.
Man verjagt sie wie einen Dieb mit Geschrei.
Am Abhang von Schluchten müssen sie wohnen,
in Erdlöchern und Spalten des Gesteins.
Zwischen Sträuchern machen sie Lärm,
im Gebüsch drängen sie sich zusammen.
Dumme Leute, ohne Rang und Namen,
die man aus dem Land geprügelt hat.
Doch jetzt ist es so weit gekommen,
dass die Jungen ihr Spottlied auf mich singen.
Ich bin einer, über den man Witze macht.
Sie verabscheuen mich und meiden mich.
Doch keinen hält das davon ab, mich anzuspucken.
Denn Gott hat die Sehne an meinem Bogen gelöst,
sodass ich mich nicht mehr wehren kann.
Hemmungslos gehen die Spötter auf mich los.
Feinde stehen gegen mich auf und laufen Sturm.
Zu meinem Verderben haben sie Rampen aufgeschüttet.
Fluchtwege haben sie mir abgeschnitten.
So führen sie meinen Untergang herbei,
und keiner kann sie aufhalten.
Wie durch eine Lücke in der Mauer dringen sie ein,
wälzen sich unheilvoll durch die Straßen.
Ein Schreckensheer hat sich gegen mich gewendet.
Mein schönes Leben verging wie in einem Sturm.
Jede Hilfe zog an mir vorüber wie eine Wolke.
Jetzt ist mein Leben ausgegossen wie Wasser.
Ich führe nur noch ein elendes Dasein.
In der Nacht tun mir alle Knochen weh.
Vor bohrendem Schmerz kann ich nicht schlafen.
Das Kleid meiner Haut plagt mich heftig,
es schnürt mich ein wie ein zu enges Hemd.
Gott hat mich in den Dreck gestoßen,
sodass ich wie Staub und Asche bin.
Ich rufe zu dir, doch du antwortest mir nicht.
Ich stehe hier, doch du nimmst keine Rücksicht.
Vielmehr wendest du dich grausam gegen mich,
bekämpfst mich mit deiner ganzen Macht.
Du hebst mich hoch, wirbelst mich durch die Luft
und lässt mich krachend zu Boden stürzen.
Ja, ich weiß: Du wirst mich in den Tod stoßen,
in das Haus, in dem am Ende alle zusammenkommen.
Doch wenn man am Ertrinken ist,
streckt man da nicht die Hand aus?
Oder wenn man ins Unglück stürzt,
ruft man da nicht um Hilfe?
Hab ich denn nicht mit denen geweint,
die eine schwere Zeit durchmachen mussten?
Hab ich nicht Mitleid mit denen gehabt,
die arm gewesen sind?
Ja, ich hoffte auf Glück, doch es kam Unglück.
Ich wartete auf Licht, doch es kam Dunkelheit.
Mein Inneres ist aufgewühlt und findet keine Ruhe.
Ich muss ein elendes Dasein fristen.
Traurig gehe ich durchs Leben, ohne Sonne.
Ich stehe auf und rufe in der Gemeinde um Hilfe.
Ich heule verlassen wie die Schakale in der Wüste,
der Vogel Strauß ist mein einziger Freund.
Meine Haut ist vom Aussatz schwarz geworden.
Mein Körper glüht von der Hitze des Fiebers.
Meine Musik hat sich in Traurigkeit verwandelt,
wie Weinen klingt mein Flötenspiel.