Hiob wendet sich an Gott
Hiob blickt auf sein früheres Glück zurück
Und noch etwas fügte Hiob seiner Rede hinzu:
Ach, wenn ich doch so leben könnte wie früher,
wie in den Tagen, als Gott mich behütete –
als er die Sonne über mir scheinen ließ
und ich in seinem Licht durch das Dunkel ging.
Wenn es doch wieder so wäre wie in den Jahren,
als Gott mein Haus unter seinen Schutz stellte.
Da war der Allmächtige noch mit mir,
und meine Kinder waren um mich herum.
Ich führte ein Leben so köstlich wie Sahne,
Olivenöl floss aus der Presse im Überfluss.
Oft ging ich durchs Tor hinauf in die Stadt
und setzte mich auf dem Markt an meinen Platz.
Da sahen mich die jungen Leute und traten zurück.
Die Alten erhoben sich und blieben stehen.
Die vornehmen Leute hörten auf zu sprechen
und legten den Finger auf ihren Mund.
Sogar die Obersten der Stadt verstummten,
die Zunge blieb ihnen am Gaumen kleben.
Wer mich hörte, der pries mich glücklich.
Wer mich sah, bezeugte mir seinen Respekt.
Ich sprang Armen bei, die um Hilfe riefen,
und Waisen, für die niemand sorgte.
Hilflose segneten mich für mein Tun,
Witwen schlossen mich in ihr Herz.
Gerechtigkeit trug ich wie ein Kleid am Leib.
Wie Mantel und Turban war das Recht immer bei mir.
Mit meinen Augen führte ich die Blinden,
und mit meinen Füßen diente ich den Lahmen.
Wie ein Vater sorgte ich für die, die Hilfe brauchten.
Ich kümmerte mich um jeden Streitfall,
auch wenn unbekannte Leute zu mir kamen.
Bösen Menschen zerschlug ich den Kiefer.
Ich riss ihnen ihre Beute aus den Zähnen.
Ich dachte:
Ich sterbe wohl wie der Phönix in seinem Nest.
Dann werde ich mich aus der Asche wieder erheben
und noch lange weiterleben.
Meine Wurzeln strecken sich hin bis zum Wasser,
und meine Zweige grünen vom Tau über Nacht.
Mein Ansehen wächst und wächst.
Es lässt nicht nach wie der Bogen in meiner Hand,
den man immer wieder von Neuem spannt.
Alle hörten auf mich und warteten leise.
Wenn ich einen Rat erteilte, war es ganz still.
Wenn ich geredet hatte, sprach keiner mehr.
Was ich auch sagte, sie hingen an meinen Lippen.
Sie warteten auf meine Worte wie auf den Regen,
mit offenem Mund, als würden sie verdursten.
Lächelte ich ihnen zu, glaubten sie’s kaum.
Machte ich ein freundliches Gesicht,
blickten sie nicht mehr finster drein.
Ich bestimmte ihr Tun und führte den Vorsitz.
Ich thronte wie ein König über seinen Soldaten –
wie einer, der trauernde Menschen tröstet.