Die zweite Rede des Elifas
Da antwortete Elifas aus Teman und sagte:
Antwortet ein Weiser mit flüchtigem Wissen?
Bläht er sich auf mit nichts als leerer Luft?
Argumentiert er mit Worten, die nichts bringen?
Oder schwingt er Reden, die völlig nutzlos sind?
Ja, dir fehlt die Ehrfurcht vor Gott!
Du könntest dein Anliegen vor Gott bringen.
Doch dafür nimmst du dir keine Zeit.
Deine Schuld treibt dich dazu, so zu reden.
Doch mit schlauen Worten deckst du sie nicht zu.
Dein eigener Mund verurteilt dich, nicht ich!
Was über deine Lippen kommt, spricht gegen dich.
Bist du etwa als erster Mensch geboren worden?
Kamst du zur Welt, bevor die Berge entstanden sind?
Hast du in der Ratsversammlung Gottes gelauscht
und dort etwas von seiner Weisheit aufgeschnappt?
Was weißt du, was wir nicht schon wissen?
Was verstehst du, was wir nicht erklären können?
Auch bei uns gibt es alte und erfahrene Leute.
Die haben sogar länger als dein Vater gelebt.
Reicht es dir nicht, wenn Gott dich tröstet,
wenn er im Guten mit dir spricht?
Warum lässt du dich so gehen?
Warum funkeln deine Augen wütend?
Gegen Gott richtest du deinen Zorn.
Mit Vorwürfen überschüttest du ihn.
Gibt es denn einen Menschen ohne Schuld und Makel?
Kann denn einer, der von einer Frau geboren ist,
gegenüber Gott im Recht sein?
Nicht einmal seinen Heiligen kann er trauen.
Selbst die himmlischen Wesen sind nicht vollkommen.
Um wie viel mehr gilt das von den Menschen,
diesen scheußlichen und verdorbenen Wesen!
Sie tun Unrecht, wie sie Wasser trinken.
Nun hör mir zu, ich will’s dir erklären!
Was ich aus Erfahrung weiß, will ich dir erzählen.
Es ist das, was schon die Weisen berichten,
was ihnen von ihren Vätern überliefert worden ist.
Diese Weisheit stammt aus alten Zeiten,
da gab es noch keine fremden Einflüsse im Land:
Tag für Tag windet sich der Frevler vor Angst.
Sein ganzes Leben hindurch quält ihn der Gedanke,
dass ihn ein gewaltsamer Tod ereilt.
Ständig dringen Schreckensmeldungen an sein Ohr.
Wähnt er sich sicher, wird er überfallen.
Er glaubt nicht, dass er der Finsternis entkommt.
Auf ihn wartet der Tod durch das Schwert.
Er irrt durch die Gegend und sucht nach Brot.
Da weiß er schon, dass ihm ein schwarzer Tag droht.
Immer enger zieht sich der Kreis um ihn.
Schreckliche Ahnungen überfallen ihn wie einen König,
der sich rüstet für den letzten Kampf.
Ja, gegen Gott hat er seine Hand erhoben,
hat dem Allmächtigen den Krieg erklärt.
Mit steifem Nacken rannte er gegen ihn an,
hielt vor sich einen dicken Schild.
Sein Gesicht strahlte Zuversicht aus,
sein Körper strotzte vor Kraft.
Er hauste in zerstörten Städten,
in Häusern, die man verlassen hat.
Trümmerhaufen sollten sie bleiben.
Wenn der Frevler auch meint, reich zu sein,
so hat sein Besitz doch keinen Bestand.
Er kann an seinem Ort keine Wurzeln schlagen.
Er kann der Finsternis nicht entkommen,
das Gericht trifft ihn wie einen grünen Baum:
Seine Zweige verdorren unter der glühenden Hitze,
und seine Blüten treiben im Wind davon.
Niemand soll sich auf Trugbilder verlassen!
Sie führen nur in die Irre.
Dieser Wahn bringt nichts ein.
Bevor der Frevler Frucht bringt, welkt er dahin.
Sein Zweig wird nicht mehr grün.
Man kann ihn mit einem Weinstock vergleichen,
der seine Trauben vor dem Reifen fallen lässt.
Oder man kann an einen Olivenbaum denken,
der seine Blüten vor dem Befruchten abwirft.
Eine solche gottlose Schar bringt keine Frucht.
Und sind sie durch Bestechung reich geworden,
vernichtet Feuer ihr Hab und Gut.
Mit Unheil gehen sie schwanger
und bringen nichts als Verderben zur Welt.
Lug und Trug stecken bereits im Mutterleib.