Die erste Rede des Zofar
Da antwortete Zofar aus Naama und sagte:
Soll deine lange Rede ohne Antwort bleiben?
Wer gut reden kann, hat noch lange nicht recht.
Soll dein Geschwätz uns zum Schweigen bringen,
damit du unwidersprochen spotten kannst?
Du behauptest: »Was ich sage, ist die Wahrheit.
Ich stehe vor dir, Gott, mit reinem Gewissen da.«
Ach, wenn doch Gott selbst dir antworten
und dich in die Schranken weisen würde!
Er könnte dich die Geheimnisse der Weisheit lehren.
Sie sind wie Wunder für den Verstand.
Dann würdest du begreifen, wie nachsichtig Gott ist.
Schon oft sah er über deine Schuld hinweg.
Kannst du denn die Tiefen Gottes ergründen
oder den Allmächtigen bis zum Letzten erfassen?
Seine Weisheit ist höher als der Himmel –
kannst du sie jemals erreichen?
Sie ist tiefer als das Totenreich –
verstehst du überhaupt etwas davon?
Sie ist größer als die Erde
und noch viel weiter als das Meer.
Keiner kann Gott zurückhalten, wenn er vorüberzieht,
jemanden verhaftet und vor Gericht bringt.
Denn er weiß genau, wer lügt und betrügt.
Er sieht das Unrecht und ahndet es gewiss.
Da muss selbst ein Hohlkopf zur Einsicht kommen.
Sogar ein Wildesel ließe sich dadurch belehren.
Du solltest dir darüber klar werden
und deine Hände zu ihm ausbreiten.
Du solltest Unrecht von der Hand weisen
und Böses nicht in dein Haus lassen.
So kannst du mit gutem Gewissen dein Gesicht heben,
kannst dir sicher sein und musst keine Angst haben.
Dann wirst du dein Unglück vergessen
wie Wasser, das den Bach hinuntergeflossen ist.
Dann erscheint dir das Leben hell wie am Mittag.
Was dunkel war, strahlt auf im Morgenglanz.
Du darfst darauf vertrauen, dass es Hoffnung gibt.
Du findest einen Platz, wo du sicher bist.
Du legst dich hin und niemand schreckt dich auf.
Viele werden zu dir aufschauen und dir schmeicheln.
Die Frevler aber werden kein Glück haben.
Sie werden ihrem Schicksal nicht entkommen.
Ihre einzige Hoffnung ist der Tod.