Deutsche Bibelgesellschaft

Jesus spricht Jur Modo

Im Süden des Südsudan lebt die Volksgruppe der Jur Modo. Seit 1998 gibt es das Neue Testament für die gut 200 000 Sprechenden. Die Bibelgesellschaft im Südsudan möchte bis 2030 die gesamte Bibel übersetzen. Darüber hinaus will sie möglichst vielen Jur Modo ermöglichen, selbst darin zu lesen. Denn nur so kann Gottes Wort Wurzeln schlagen.

Die Jur Modo leben überwiegend auf dem Land. Sie bauen Hirse, Mais und Maniok an und halten Kleinvieh. In ihren Dorfgemeinschaften sorgen Älteste für Ordnung und bewahren den Ahnenkult. Viele glauben, dass Geister in Bäumen, Flüssen oder Tieren wohnen und durch Rituale besänftigt werden müssen. Gleichzeitig hat das Christentum Fuß gefasst: Mindestens 15 Prozent der Jur Modo bekennen sich zum christlichen Glauben. Oft existieren beide Welten nebeneinander – christliche Überzeugungen werden mit überlieferten Praktiken vermischt. Und doch gibt es eine wachsende Zahl überzeugter Christen, die ihren Glauben an der Bibel ausrichten möchten. Sie sehnen sich nach Gottes Wort in ihrer Sprache.

Die Bibel auf Jur Modo

Ein Meilenstein wurde bereits 1998 erreicht, als das Neue Testament auf Jur Modo veröffentlicht wurde. Für viele war es ein bewegender Moment, die Worte Jesu erstmals in der eigenen Muttersprache zu hören. Der Evangelist Jonathan Mamuru brachte es so auf den Punkt: »Ich bin glücklich, dass ich miterlebe, wie Jesus auf Jur Modo spricht.« Doch ein Wunsch blieb offen: die vollständige Bibel auf Jur Modo.

Seit 2021 arbeitet die Bibelgesellschaft im Südsudan gemeinsam mit lokalen Kirchen und einem Sprachkomitee an der Übersetzung des Alten Testaments. Finanziell wird das Projekt von der Deutschen Bibelgesellschaft unterstützt. Ziel ist es, bis 2030 eine vollständige Bibel in einer gut verständlichen, alltagsnahen Sprache vorzulegen. Gleichzeitig wird das Neue Testament sprachlich überarbeitet, um aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen.

Alphabetisierung als Schlüssel

Doch eine Bibel allein genügt nicht, wenn viele Menschen sie nicht lesen können. Der Südsudan hat eine der höchsten Analphabetenquoten weltweit. Circa 70 Prozent der Südsudanesinnen und Südsudanesen können nicht lesen. Das liegt vor allem an den langen Jahren des Bürgerkriegs, der das Bildungssystem des Landes nahezu vollständig zerstört hat. Besonders betroffen sind Frauen. Sie werden oft früh verheiratet und haben kaum Zugang zu Schulbildung. Hier liegt die Quote sogar bei bis zu 84 Prozent.

Die Bibelgesellschaft bietet deshalb Alphabetisierungskurse mit der Bibel an, auch für die Jur Modo. In kleinen Gruppen treffen sich Frauen, Männer und Kinder mehrmals wöchentlich, um Lesen und Schreiben zu lernen. Ziel ist es, dass die Teilnehmenden nicht nur selbstständig die Bibel lesen können, sondern auch aktiv am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Analphabetismus und Armut gehen meist Hand in Hand. Doch wer lesen gelernt hat, kann seine Kinder beim Lernen unterstützen, weiß mehr über gute Ernährung und Hygiene und kann besser für seinen Lebensunterhalt sorgen.

Hoffnung trotz Trauma

Über den Südsudan hören wir in den Medien eher selten etwas. Und wenn, dann nichts Gutes. Das jüngste Land der Welt hat sich erst 2011 vom benachbarten Sudan gelöst. Heute steht der Südsudan vor großen Problemen. Viele Jahre Krieg, Gewalt und Korruption haben die Wirtschaft geschwächt, die Infrastruktur weitgehend zerstört und zahlreiche Menschen traumatisiert. Für viele Männer, Frauen und Kinder ist der Alltag ein Kampf ums Überleben. Aus diesem Grund sind Traumakurse ein wichtiger Baustein in der Arbeit der Bibelgesellschaft. Wie wirken sich diese aus und was berichten Menschen, die Traumakurse besucht haben?

Geschichten der Hoffnung

Elisapana Ezra, Pastor und heute selbst Lehrer im Alphabetisierungsprogramm, berichtet: „Vor diesem Kurs konnte ich weder lesen noch schreiben. Durch den Unterricht in Jur Modo hat sich mein Leben völlig verändert. Heute kann ich die Bibel lesen, Lieder singen und predigen.“ Was er selbst erfahren hat, gibt er nun weiter – in zwei Lernzentren, in denen Erwachsene an drei Tagen in der Woche gemeinsam lernen.

Auch der Lehrer Thomas Oyayi beobachtet tiefgreifende Veränderungen: »Frauen, die sich früher nicht zutrauten zu schreiben, gewinnen Selbstvertrauen. Sie dachten, Schreiben sei etwas für andere. Heute fließen ihre Namen, Worte, Gedanken nur so aufs Papier“, sagt er. »Sie werden zu Gestalterinnen ihrer Zukunft.« Trotz harter Alltagsbedingungen kommen sie regelmäßig zum Unterricht, unterstützen sich gegenseitig und entdecken ihre Fähigkeiten.

So verbinden sich im Leben der Jur Modo zwei Entwicklungen auf besondere Weise: Gottes Wort nimmt Gestalt in ihrer eigenen Sprache an – und zugleich lernen immer mehr Menschen, dieses Wort selbst zu lesen. So entsteht nachhaltige Veränderung: im Glauben, im Alltag und in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Autorin Silke Gabrisch ist Referentin für internationale Arbeit bei der Deutschen Bibelgesellschaft.

Tiefe Wunden, große Hoffnung

Einschließlich des Übersetzungsteams und der Hilfskräfte zählt die Bibelgesellschaft im Südsudan 24 Mitarbeitende. Sie arbeiten unter schwierigen Bedingungen, doch ihre Projekte sind für die Menschen im Land ein Zeichen der Hoffnung. Welche Projekte setzt die Bibelgesellschaft im Südsudan um und welchen Herausforderungen steht sie gegenüber?

Hier informieren wir Sie über aktuelle Veranstaltungen, Aktionen und Neuigkeiten der Weltbibelhilfe, die in Zusammenarbeit mit dem Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies) weltweit die Übersetzung und Verbreitung der Bibel unterstützt, und geben Ihnen exklusive Einblicke in unsere Arbeit.

Unser Bibelreport zu Südsudan

Der Südsudan ist das jüngste Land der Welt – und gleichzeitig eines der gefährdetsten. Die Bevölkerung leidet unter Krieg, Gewalt, Armut und Perspektivlosigkeit.

Lesen Sie in dieser Ausgabe, wie eine Bibelgesellschaft unter extrem schwierigen Bedingungen unermüdlich dafür arbeitet, mit der Bibel Heilung, Mut und Zuversicht in einem Land zu verbreiten, in dem alle Hoffnung verloren scheint.

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