China braucht mehr Pastoren


China braucht mehr Pastoren
In China gibt es viele Kirchen, aber viel zu wenige Pastoren. Deshalb unterstützt der Weltverband der Bibelgesellschaften auch die theologische Ausbildung. Autorin Kari Fure hat im März das Theologische Seminar in Jiangsu besucht.
Das Theologische Seminar in der Provinz Jiangsu wurde 1998 eröffnet. Seither haben dort über 1300 Theologiestudierende ihr Diplom gemacht. Das ist eine ganze Menge, aber immer noch viel zu wenig. Denn in Jiangsu werden viel mehr Pastoren gebraucht, als das Theologische Seminar so schnell ausbilden kann: Von den 3000 Kirchen und Versammlungsstätten in der Region haben 2000 keinen eigenen Pastor. »Das ist eine große Herausforderung. Sie treibt uns an, noch mehr Pastoren auszubilden«, sagt Pastor Zhang Kequan, Vizepräsident des Theologischen Seminars in Jiangsu.
Doch bis genügend Personal zur Verfügung steht, muss jede Pastorin, jeder Pastor mehrere Gemeinden betreuen. Selbst die Dozierenden des Seminars helfen an den Wochenenden in den örtlichen Gemeinden aus. »Leider ist das Gehalt von Pastoren niedriger als bei vielen anderen Stellen«, erläutert Zhang Kequan. Das erkläre den Mangel an Pastoren. Laien leisten in den lokalen Kirchen zwar einen wichtigen Beitrag, sie können die Pastoren aber nicht ersetzen. Deshalb ist das Theologische Seminar in Jiangsu dankbar für die Unterstützung durch den Weltverband in Form von Bibeln und theologischen Büchern. Nach ihrem Abschluss nehmen die Studierenden die Bücherpakete des Weltverbandes mit in ihre Gemeinden und benutzen sie dort weiter für ihren Dienst.
Führung durch die Bibliothek
Das Theologische Seminar thront auf einem Bergrücken außerhalb der Metropole Nanjing. Der Kirchturm, die gewölbten Fenster und die massive Treppe, die zur Eingangstür hinaufführt, vermitteln ein Gefühl von Feierlichkeit und Autorität. Dieser strenge Eindruck wird jedoch gemildert, wenn man in den Hinterhof hinaustritt. Hier stehen die Kirschbäume in voller Blüte. Auch die förmliche Begrüßung durch die Seminarleitung verwandelt sich schnell in herzliche Gastfreundschaft, als wir an den Tisch gebeten werden und bei einem leckeren Essen ins Gespräch kommen.
Doch davor gibt es erst einmal eine Führung. Zhang Kequan zeigt uns unter anderem die Bibliothek, zu der der Weltverband einiges beigetragen hat. Sie umfasst 36 000 Bücher, fast 3000 davon in englischer Sprache. Der Weltverband der Bibelgesellschaften hat 817 dieser Bücher gespendet. Theologie, Kirchengeschichte, Biografien, Philosophie, andere Religionen, Politik, alles findet man hier. Wir bleiben in der Abteilung mit Büchern über die »Sinisierung« stehen. Sie ist Zhang Kequan für sein Seminar sehr wichtig. Was bedeutet Sinisierung? »Es geht um Kontextualisierung, damit der christliche Glaube auf chinesischem Boden Wurzeln schlagen kann«, sagt er. Beispiele dafür seien die Verwendung chinesischer Instrumente und Melodien oder der Bau von Kirchen mit chinesischer Architektur. Und nicht zuletzt die Übersetzung der Bibel ins Chinesische. »Wir müssen die chinesische Sprache und Weltanschauung nutzen, um die Chinesen zu evangelisieren. Deshalb ist es so wichtig, dass die Bibel in eine chinesische Sprache übersetzt wird, die sie verstehen.«
Derzeit studieren 360 Frauen und Männer am Theologischen Seminar. Die meisten von ihnen fahren am Wochenende nach Hause, um in einer oder mehreren Kirchen Gottesdienste zu halten und sich gleichzeitig um ihre Familien zu kümmern. Sie sind im Durchschnitt 36 Jahre alt. Viele können sich ein Studium erst leisten, wenn ihre Kinder erwachsen sind. »Nur Studierende mit einem starken Glauben können einen solchen Weg wählen«, Rev. Zhang Kequan.
Autorin Kari Fure arbeitet bei der Norwegischen Bibelgesellschaft.
Aus: Bibelreport 3/2025
Unterstützung fürs Studium
Die Deutsche Bibelgesellschaft stellt Studierenden und theologischen Seminaren weltweit kostenlos wissenschaftliche Bibelausgaben zur Verfügung – so auch in China. In den letzten Jahren konnten zudem zwei besondere Projekte für China mitfinanziert werden: dreisprachige Ausgaben des Alten und Neuen Testaments, jeweils mit den Sprachen Hebräisch bzw. Griechisch, Chinesisch und Englisch. Auf diese Weise kann ein unmittelbarer Vergleich der Sprachen erfolgen, sodass es Studierenden und Geistlichen leichter fällt, die biblischen Texte in ihrer Ursprache zu studieren. Die Ausgaben werden eine wichtige Rolle dabei spielen, die Bibelwissenschaft in der Kirche und der akademischen Welt in China voranzubringen und Pastorinnen und Pastoren dabei zu helfen, biblische Texte richtig auszulegen.