Biblische Stätten in Jordanien


Biblische Stätten in Jordanien
Jordanien ist ein »Land der Bibel«. Von den Urvätern über Mose und die Landnahme bis hin zur Taufe Jesu – viele biblische Geschichten und Figuren sind mit dem Land östlich des Jordans verbunden.
»Geh auf das Gebirge Abarim, auf den Berg Nebo, der da liegt im Lande Moab gegenüber Jericho, und schaue das Land Kanaan, das ich den Israeliten zum Eigentum geben werde. Dann stirb auf dem Berge, auf den du hinaufgestiegen bist. […] Denn du sollst das Land vor dir sehen, das ich den Israeliten gebe, aber du sollst nicht hineinkommen« (5. Mose 32,49ff. in Auswahl). So spricht Gott zu Mose, als dieser nach 40 Jahren Wüstenwanderung auf dem Berg Nebo stehend das Ziel seines Weges, das »Gelobte Land«, sehen darf. Am Ende seines Lebens blickt Mose in das »Gelobte Land« – nur betreten wird er es nicht. Diese ergreifend-dramatische Szene holt alle Besucherinnen und Besucher ein, die heute vom Nebo aus hinüber ins »Gelobte Land« schauen.
Überhaupt ereigneten sich viele Erzählungen der 40-jährigen Wüstenwanderung des Volkes Israel im heutigen Jordanien, das in biblischen Zeiten die Gebiete der Edomiter, Moabiter und Ammoniter umfasste, durch die das Volk Israel »ziehen« musste. Nach der Wüstenwanderung kam es zur Landnahme – und auch hier spielte das Gebiet des heutigen Jordanien eine große Rolle, insofern sich dort die israelitischen Stämme Ruben, Gad und Manasse ansiedelten. Auch jenseits des Jordans war also »Gelobtes Land«: Als Mose vom Nebo von Osten aus in das Land westlich des Jordans sehen durfte, da stand er selbst schon mitten im »Gelobten Land«.
Land der Urväter und -mütter
Lange vor Mose war das heutige Jordanien auch schon mit biblischen Geschichten verbunden, zum Beispiel in den Vätergeschichten: So wird Esau, der Bruder Jakobs, Edom zugerechnet (vgl. 1. Mose 25f.). In der Landschaft sind diese alten Geschichten heute noch greifbar: Wer heute zum Fluss Jabbok kommt, der zwischen dem Toten Meer im Süden und dem See Genezareth in den Jordan fließt und einst der Grenzfluss zwischen den Stämmen Ruben und Gad war, wird an den sagenumwobenen Kampf Jakobs erinnert: Beim Überqueren des Flusses begegnet Jakob einem Fremden und ringt mit ihm mitten im Fluss bis zum Morgengrauen (1. Mose 32,23-33). Wer der Fremde ist, bleibt letztlich offen. Jakob erkennt in ihm jedoch Gott, gibt den Kampf nicht auf und fordert von dem Fremden: »Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn« (1. Mose 32,27). So sind es vor allem die Gründungsgeschichten der Väter (und Mütter) des Volkes Israel, die mit dem heutigen Jordanien verbunden sind.
Wo Jesus getauft wurde
Das »Gelobte Land« jenseits des Jordans spielt auch im Neuen Testament eine nicht zu verachtende Rolle, gerade im Zusammenhang der Findungsphase der Jesusbewegung, als Jesus Johannes dem Täufer begegnet und von diesem im Jordan getauft wird. Die Taufe Jesu selbst geschah, von Bethanien am Westufer des Jordan aus gesehen, »auf der anderen Seite des Jordan, [von A.O.] wo Johannes taufte« (Joh 1,28). Die Taufstelle auf jordanischer Seite, seit 2015 UNESCO-Weltkulturerbe, liegt an einer antiken Straße, die Jerusalem über Jericho durch eine Furt des Jordan mit dem Transjordanland verband – zum Beispiel mit der Stadt Madaba, die schon in 4. Mose 21,30 erwähnt wird und in der bis heute großartige Mosaiken und Mosaikwerkstätten zu besichtigen sind. Im Areal rund um die Taufstelle können bis heute byzantinische und spätere Gedenkstätten der Taufe Jesu besucht werden.
Machärus und Johannes der Täufer
Ein beeindruckendes Erlebnis ist auch der Besuch von Machärus, einem fast 700 Meter hohem Berg mit Resten einer Herodesfestung, die einen grandiosen Ausblick auf das Tote Meer und die judäischen Berge bietet. Machärus ist eine von vielen Burgen, die sich Herodes der Große aus Furcht vor dem Volk erbauen ließ. Biblisch wird die Festung zur Zeit seines Sohnes Herodes Antipas mit Johannes dem Täufer in Verbindung gebracht. Wie wir von dem jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus wissen, fürchtete Herodes Antipas Johannes den Täufer wegen seiner Frömmigkeit und Aufrichtigkeit. Von einer entsprechend feindschaftlichen Begegnung zwischen Herodes Antipas und dem Täufer berichtet auch Matthäus (14,3-12). Nach Josephus soll sich das Gefängnis des Johannes auf der Festung Machärus befunden haben, wo er dann wohl auch hingerichtet wurde.
Im Norden Jordaniens liegen Gadara und Gerasa, Städte der Dekapolis, eines wirtschaftlich orientierten Bundes von zehn Städten, die auch Jesus besuchte (Mk 7,31; Mt 4,25). Obgleich der Bezug der biblischen Erzählungen (Mt 8,28; Mk 5,1; Lk 8,26) zu den antiken Städten unklar ist, spiegeln beide Städte die Welt der Zeit Jesu authentisch wider: Besucherinnen und Besucher können dort bis heute einen Hauch antiken Geistes und Lebens spüren.
Insgesamt ist Jordanien, das »Gelobte Land« jenseits des Jordans, voller biblischer Orte und Geschichten. Und bei einem Besuch beginnen viele antike Stätten im heutigen Jordanien ihre Geschichte zu erzählen, wenn die biblischen Erzählungen dazu erklingen.
Autor Prof. Dr. Andreas Obermann ist stellv. Direktor des »Bonner evangelischen Instituts für berufsorientierte Religionspädagogik« (www.bibor.uni-bonn.de). Bei »Biblische Reisen« leitet er Reisen nach Jordanien.
Aus: Bibelreport 5-2024
Jordanien zählt zu den Ländern im Nahen Osten, die von der Weltbibelhilfe unterstützt werden. Hier und in anderen Ländern helfen die Bibelgesellschaften im Land ganz praktisch und vermitteln Hoffnung durch Gottes Wort. Darüber hinaus möchten sie die christliche Minderheit in diesen Ländern ermutigen und das christliche Zeugnis stärken.
Erfahren Sie in unserem Artikel "Jordanien: Mutig und innovativ die Bibel verbreiten" mehr über die Bibelgesellschaft vor Ort, ihre Projekte und die Situation der Christen im Land.