ZWEITE REDE ZOFARS: 20,1–29
Ijobs unbegründeter Vorwurf: 20,1–3
Da antwortete Zofar von Naama und sprach:
Darum drängt mich meine Erregung zur Antwort / und deswegen stürmt es in mir.
Schmähende Rüge muss ich hören, / doch der Geist meiner Einsicht lässt mich entgegnen.
Schicksal des Frevlers: 20,4–29
Weißt du das nicht von Urzeit her, / seit er Menschen auf die Erde gesetzt hat:
dass kurz nur währt der Frevler Jubel, / einen Augenblick nur des Ruchlosen Freude?
Steigt auch sein Übermut zum Himmel / und rührt sein Kopf bis ans Gewölk,
wie sein Kot vergeht er doch für immer; / die ihn gesehen haben, werden fragen: Wo ist er?
Wie ein Traum verfliegt er / und ist nicht mehr zu finden, / wird weggescheucht wie ein Gesicht der Nacht.
Das Auge, das ihn sah, erblickt ihn nicht wieder, / seine Stätte schaut ihn nie mehr.
Seine Söhne müssen die Armen günstig stimmen, / seine Hände müssen seine Habe zurückgeben.
Strotzen von Jugendkraft auch seine Glieder, / sie betten sich doch mit ihm in den Staub.
Schmeckt süß das Böse in seinem Mund, / birgt er es unter seiner Zunge,
spart er es auf und will nicht von ihm lassen, / hält er es auch tief in seinem Gaumen fest,
in seinem Innern verwandelt sich die Speise, / sie wird in seinem Leib zu Natterngift.
Das Gut, das er verschlungen hat, speit er aus; / aus seinem Leib treibt Gott es heraus.
Das Gift von Nattern saugt er ein, / es tötet ihn der Viper Zunge.
Nicht darf er Bäche schauen, / nicht Flüsse, die von Honig und Rahm fließen.
Zurückgeben muss er seinen Gewinn, / genießen darf er ihn nicht, / darf sich nicht freuen am ertauschten Gut.
Denn Arme schlug er nieder, ließ sie liegen, / raubte das Haus, das er nicht gebaut.
Denn kein Genug kennt er in seinem Bauch, / drum entkommt er nicht mit seinen Schätzen.
Nichts entgeht seinem Fraß, / darum hält sein Glück auch nicht stand.
Trotz vollen Überflusses kommt er in Not, / die ganze Wucht des Elends fällt ihn an.
Und so geschieht es: Um des Frevlers Bauch zu füllen, / lässt Gott auf ihn die Gluten seines Zornes los, / lässt auf ihn regnen seine Schläge.
Flieht er vor dem Eisenpanzer, / durchbohrt ihn der Bogen aus Bronze.
Er zückte das Schwert und es kam heraus aus seinem Rücken, / ein Blitz aus seiner Galle. / Schrecken gehen über ihn hinweg.
Nur finsteres Unheil ist für ihn aufbewahrt, / Feuer, von niemand entfacht, verzehrt ihn, / frisst noch den letzten Mann in seinem Zelt.
Der Himmel enthüllt seine Schuld, / die Erde bäumt sich gegen ihn auf.
Weggeführt wird der Ertrag seines Hauses, / dahingerafft am Tag seines Zorns.
Das ist des Frevlers Anteil von Gott, / das Erbe, das Gott ihm zuspricht.